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Alle Rezensionen zu e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)
(Genre »Jazz«, Land »Schweden«)

 

301
(2012, ACT/Contraire 9029-2)

Es ist die zweite Hälfte eines Vermächtnisses. Nach »LEUCOCYTE« ist »301« die zweite Sammlung von Tracks, die das Esbjörn Svensson Trio im gleichnamigen Studio in Sydney einspielte und die nun posthum, nach dem Unfalltod von Svensson, erscheint. Obwohl: »Einspielen« klingt so nach Plan und Zusammenhalt. Dabei war die Studiosession tatsächlich mehr ein Jam, ein ebensolches Probieren und Tasten und Drauflosspielen, wie es die Konzerte dieses vielleicht besten Pianotrios der 2000er-Jahre immer so besonders gemacht hatten. Und so vereint dieses Album tatsächlich zunächst unvereinbar Scheinendes: sanfte Melodien und grobe Elektronik, wildes Rhythmusgestampfe und zügelloses Improvisieren. Wenn man böse wäre, könnte man behaupten, dass hier zusammengezwungen wird, was nie und nimmer zusammenpasst.

Aber das ist eben das Wunder: Es passt doch. Die kleine Melodie, die Svensson ganz nebensächlich und herzzerreißend schlicht dahinklimpert, mit den minutenlangen Trance-Gewittern eines pulsenden Schlagzeug- und Bass-Apparats. Der perlende Klavierklang und seine schnarrende und knirschende elektronische Dekonstruktion, die auch schon »LEUCOCYTE« zu einem so unerhörten Hörerlebnis machten. Doch anders als dieses vorletzte Album schlägt das Trio hier, aller Spielmanie zum Trotz, versöhnlichere Töne an. War »LEUCOCYTE« ein Tondokument, das den Verfall und das Ersterben erforschte, knospen und sprießen hier die Ideen - über die letzte Minute der CD hinaus, im Kopf des Hörers. Gleichzeitig werden damit diese beiden letzten Alben erst zur Einheit, die alles vereint: Das Dunkle und das Helle, das Zerstörerische und das Schöpferische.

Der Rest ist unnötig zu sagen – wie perfekt das Trio zusammenspielt, wie gleichberechtigt Bass, Klavier und Schlagzeug an der Musik weben, wie mühelos die Integration von elektronischen Mitteln gelingt. Das alles ist bekannt, es hat den Mythos e.s.t. begründet. Umso unglaublicher, dass das Trio es bei uns noch nie zu einer CD des Monats gebracht hat. Das holen wir nun nach. Es ist die letzte Chance. (sep)



Siehe auch:
Magnus Öström
Viktoria Tolstoy
Bengt Arne Wallin
Dan Berglund's Tonbruket


Zur DVD-Rezension über e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)


Zum Artikel über e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)

 e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio): 301

Offizielle Website

Die CD »301« war »CD des Monats« im Monat 4 / 2012.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Ich kann jedem Wort nur zustimmen!
Tim Jonathan Kleinecke

Ok. Ganz so kurz wie Tim will es nicht machen. Aber was soll man auch sonst sagen zu einer Platte, die – obwohl doch vermutlich noch nicht ganz fertiggestellt und die sicher etwas anders klingen würde ohne Svenssons Tod – ungemein ausgewogen, spielfreudig und phantasievoll daherkommt.
Leif Haugjord

So einig waren wir uns in den letzten Monaten wohl selten: In diesen unberechenbaren und päzisen Improvisationen kann man auf die intelligenteste und aufregendste Weise verloren gehen. Wirklich allerhöchste Zeit, dass es das e.s.t endlich bei uns zum Album des Monats schafft. Warum eigentlich nicht schon viel früher?
Eva-Maria Vochazer

Es muss Zufall gewesen sein, Eva-Maria, dass wir immer die Chance einer e.s.t.-Scheibe als CD des Monats verpasst haben. Denn gut genug haben wir die früheren Alben allemal besprochen. Leichtfüßig und federnd, hellwach und am Dialog interessiert - so hatte ich Esbjörn Svensson im Interview kennen gelernt und so klingen auch seine letzten Aufnahmen. Grandios.
Peter Bickel

Offizielle Website      www.esbjornsvenssontrio.com

   

Retrospective – The Very Best Of
(2009, ACT/Contraire 9021-2)

Nach dem tragischen Tod von Esbjörn Svensson beim Tauchen am 14. Juni 2008 kommt knapp eineinhalb Jahre später dieser Sampler sicher nicht zur Unzeit. Sorgfältig zusammen gestellt und mit Anmerkungen zu allen Stücken von Dan Berglund und Magnus Öström präsentiert »RETROSPECTIVE« alle Stücke erfreulicherweise in chronologischer Reihenfolge, so kann man die Entwicklung eines der einflussreichsten Piano-Trios der Jazz-Geschichte nachverfolgen.

Alle Hits dabei: das wunderschön-einfache »From Gagarin’s Point Of View«, das nervöse »Dodge The Dodo«, darauf »Susie Soho«, das Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, später »Seven Days Of Falling« und »Strange Place For Snow«, auch »Believe, Beleft, Below« fehlt nicht. Den Abschluss macht »Leucocyte« von der gleichnamigen letzten CD. Ein wahrlich feiner Sampler. (tjk)



Siehe auch:
Dan Berglund
Magnus Öström
E.S.T. Symphony

   

Leucocyte
(2008, ACT ACT 9018-2)

Was für ein Vermächtnis! Letzte Musik, die in die Leere führt und vom Sterben handelt. »Decade«: Verhallte Piano-Nachdenklichkeit. »Premonition / Earth«: Echos, Spiegelungen, Brüche – und Elektronik, die den Klavierklang mit weißem Staub überzieht. Rückkopplungen wie endlose Silberfäden im Hintergrund. Dicht. Drängend. Ekstatisch. Dann der Zusammenbruch, Loop-Leere, Elektronik-Nebel und ein aufbegehrendes Schlagzeug. »Premonition / Contorted«: tropfende Töne von seltener Klarheit, gestört und getragen von einer schlingernden Stimme. Tiefste Melancholie.

Jazz: Jazz. Der einzig echte hier, ein zerfressener Rest. Auch er versandet im Hall. Still: Dumpfes Kreiseln, ferne Walgesänge, missmutige Mystik. Schickt sich an, ein Hymnus zu werden, hinter dem es kreischt und schreit. Ajar: schmerzhaft schöne Tiefenschärfe. »Leucocyte / Ab Initio«: Verwirrte Radiostimmen, böse Schredder-Decken und -Wände. Grimm. Ein pathetischer Marsch ohne Ziel. Erstarrt und stirbt. »/ Ad interim«: Stille. Eine volle Minute lang. »/ Ad mortem«: Schreie. Zwischenräume. Nonsens. Gefolterte Technik. Fetzen von Schönem, die unendlich traurig machen. Klang, der unwiderruflich verwittert. »/ Ad infinitum«: Ein Loop und seine Echos, die sich sinnvoll zu ballen versuchen. Am Ende tanzt nur noch die Technik. Und die stirbt nie. (sep)

   

Live In Hamburg
(2007, ACT/Contraire 6002-2)

Schritt für Schritt hat sich das Esbjörn Svensson Trio nach oben gearbeitet. Eigentlich gehört der Pianist in die Jazz-Schublade; er zeigt sich aber stark vom Rock beeinflusst und spielt privat am liebsten Klassik. Auf den Konzerten von Esbjörn, Dan und Magnus kommen dann die ungeheure Dynamik und das improvisatorische Talent, das das Publikum fast in Trance versetzt, natürlich viel stärker zum Ausdruck als im Studio.

Das Hamburger Konzert am 22.10.06 – gleichzeitig das Abschlusskonzert einer Tournee mit über 100 Auftritten in 25 Ländern – muss eine besondere Sternstunde gewesen sein: In teils viertelstündigen Stücken entwickeln die drei Schweden eine ungemein lebendige, mit Pop-Melodien und groovender Kraft aufgeputschte Jazz-Spielart, die in Europa ihresgleichen sucht. Anhören! Oder noch besser: bei nächster Gelegenheit live erleben! (peb)

   

Tuesday Wonderland
(2006, ACT/Contraire 9016-2)

Darf man angesichts eines Trios, das bereits die Titelseiten aller Jazzmagazine zierte und eine beeindruckende Liste an Grammys, Gold- und Platin Awards sowie Auszeichnungen zum »Artist Of The Year« vorweisen kann, verhalten sein? »TUESDAY WONDERLAND« wirkt jedenfalls trotz aller Bemühungen um neue Ideen nicht mehr so schlüssig wie manch vergangene CD, und auch die Klangqulität hat – nicht nur wegen Dan Berglunds mittlerweile nur noch nervender Fuzz-Sounds – deutlich nachgelassen.

Im Interview verriet Esbjörn Svensson noch, dass er zwar privat viel Klassik spiele, dies jedoch nicht aufführen wird. Dieses Prinzip weicht er nun mit »Fading Maid Preludium« auf, das mit einer kontrapunktischen Improvisation im Bach-Stil beginnt, um dann in ein zielloses Gebolze überzuleiten. Auch im achtminütigen, überwiegend langweiligen »Brewery Of Beggars« kann man nicht recht erkennen, was das e.s.t. eigentlich damit bezweckt. Sinnstiftende Nummern wie »Beggar's Blanket« oder »Sipping On The Solid Ground« gibt es auch; sie bleiben aber zu selten. (peb)

   

Viaticum
(2005, ACT/Contraire 9015-2)

Er kann wohl mittlerweile machen was er will. Zum Beispiel auch ein eher lauwarmes Album abliefern und trotzdem bei Stereo, Stereoplay oder Fono Forum höchste Wertungen kassieren oder gar die Auszeichnung zur CD des Monats absahnen.

Sicher – Esbjörn Svenssons federleichte Improvisation, das beispiellos sichere Teamspiel und die kristallklare Phrasierung suchen seinesgleichen. Aber die sonst so zwingend melodischen Songs wirken diesmal mehr bemüht, mitunter gar etwas beliebig. Bisherige e.s.t-Meisterwerke wie »SEVEN DAYS OF FALLING« oder »STRANGE PLACE FOR SNOW« bilden nun eben auch kompositorisch die Meßlatte, die »VIATICUM« leider reißt. Auch wenn Songtitel wie »Tide Of Trepidation« oder »The Unstable Table & The Infamous Fable« diesmal politisch ungewöhnlich deutlich formuliert sind. (peb)

   

Seven Days Of Falling
(2003, ACT/Contraire 9012-2)

Alle Welt jubelt mittlerweile über den schwedischen Pianisten. Zu Recht! Svensson und seine Mitstreiter Dan Berglund am Bass sowie Drummer Magnus Öström sind im Herzen Jazz-Musiker, zu ihren Lieblingsbands zählen jedoch The Police, Deep Purple oder Radiohead. Nur mit diesem Zwittergeschmack und einem traumhaft sicheren Zusammenspiel, das sich auf mehr als 100 Konzerten jährlich gründet, kann man wohl beinah banale Themen so komplex und eindringlich ausformen.

Das E.S.T. agiert mit einem lakonischen Minimalismus, der sich jeden unnötigen Ton verkneift und ihn dadurch erst recht im Kopf des Hörers zum Schwingen bringt. Mit seinem Piano-Stil zwischen der Blues-Erdigkeit eines Horace Silver und Keith Jarretts Melodieverliebtheit kann man Svensson tatsächlich nur zu Füßen liegen. (peb)

   

Strange Place For Snow
(2002, ACT/Contraire 9011-2)

Mit »STRANGE PLACE FOR SNOW« hat das Svensson-Trio einen gewaltigen Quantensprung vollbracht, vermutlich sogar den wichtigsten ihrer Karriere: Es hat ihre Songs entschlackt und kondensiert, es setzt statt exzessiver Solo-Exkurse mehr auf Atmosphäre und hat damit zu einer wahrhaft eigenen Handschrift gefunden.

Lieder wie das 10minütige »Behind The Yasmak«, das extrem minimalistische und von Bartók beeinflusste »Years Of Yearning« oder »Serenade For The Renegade« – Radiohead lässt grüßen – schleichen sich mit langsamen Schritten von hinten an und nehmen doch weit mehr gefangen als manch vordergründiger Fetzer aus früherer Zeit. (peb)

   

E.S.T. Live
(2001, ACT/Contraire 9295-2)

Als dieses Album in Deutschland auf den Markt kam – sechs Jahre nach der Entstehung dieser Live-Aufnahmen – hatte Esbjörn Svensson schon längst seine lange Haare gegen einen Igelschnitt eingetauscht.

Im Vergleich mit aktuellen Einspielungen gewährt aber gerade dieser Rückblick – ergänzt um eine 10minütige Bonus-CD, deren Track 1999 in Montreaux entstand – in die Frühzeit der Band einige interessante Einblicke: Svensson und seine Begleiter agierten damals noch weniger Rock-beeinflusst und dennoch wilder, mitunter sogar ungestüm, stilistisch zwischen Keith Jarrett und Thelonious Monk. (peb)

   

Good Morning Susie Soho
(2000, ACT/Contraire 9009-2)

Das vielseitigste Album des Trios: ein leichtfüßiger Tanz zwischen Ambient-Akkorden, Sixties-Funk und Drum'n'Bass-Klangfarben. Ja – richtig gelesen: Das Svensson-Trio schleust hier sogar elektronische Loops ein und überrascht im »Hidden Track« mit angezerrtem Fender Rhodes und Schepper-Drums.

Svenssons Pop-Faszination in Ehren, doch die »SUSIE SOHO« wirkt etwas zerstreut, bisweilen sogar unkonzentriert. Die mitreißenden Grooves – sonst ein E.S.T.-Markenzeichen – fransen aus oder wollen erst gar nicht in Schwung kommen. Fazit: eher ein »Zwischenalbum«, auf dem das Trio experimentierte und neue Weichen stellte. (peb)

   

From Gagarin's Point Of View
(1999, ACT/Contraire 9005-2)

Gagarin – der erste Mensch, der die Erde vom Weltraum aus gesehen hatte – hatte einen recht guten Überblick. Ihn nahm sich das Svensson Trio zum Vorbild auf ihrem Album, mit dem sie in Deutschland flächendeckend Fuß fassen konnten.

Die Burschen tollen lustvoll durch Modern Jazz mit Niveau und viel viel »Groooove«: So rhythmusbetont funky, so Pop-verwandt in seinen melodischen Improvisationen spielt sonst kaum ein zweiter Pianist. Auch rumpelnde Beats wie »Dodge The Dodo« erwartet man nicht gerade von einer Jazzcombo. Doch auch das Balladenfach beherrscht Svensson, nachzuhören im Rausschmeißer »Southwest Loner«. (peb)

   

Winter In Venice
(1997, ACT/Contraire 9007-2)

Auch »WINTER IN VENICE« wurde in Deutschland »nachgereicht« (1999), nachdem plötzlich alle Welt über den jungen Schweden redete. Mal balladesk, mal fröhlich swingend präsentiert sich das Album als lebendiges Tongemälde mit komplexen Motiven. Und es tönt nicht so morbide, wie der Titel vermuten lässt.

Trotz beachtlicher Solierkunst und lebhafter Grooves wirkt das Zusammenspiel und die expressiven Ausbrüche hier noch nicht so selbstverständlich wie auf späteren Aufnahmen. Außerdem pflegte Svensson noch die Jarrett'sche »Unart«, seine Soli mitzusingen – was er in späteren Jahren glücklicherweise ablegte. (peb)

   

Plays Monk
(1996, ACT/Contraire 9010-1)

Mit fünfjähriger Verspätung erschien die 1996 eingespielte CD »PLAYS MONK« auch bei uns in Deutschland. Dass Svensson seine Suche nach der eigenen Sprache unterbricht, um seinem neben Keith Jarrett und klassischen Komponisten wohl wichtigsten Vorbild ein Album zu Füßen zu legen, unterstreicht, dass auch der Schwede nicht im luftleeren Raum heranwuchs, sondern musikalische Bezugspunkte hatte.

Thelonious Monks unvergessliche Songs gestaltet Esbjörn Svensson mit Ehrfurcht, doch auch mit Mut zur eigenen Handschrift: »I Mean You« wird zum treibenden Soul-Funk mit Streicher-Begleitung, und die melancholische Ballade »Round Midnight« lässt er in elegantem Glanz erstrahlen. Auch Monks Markenzeichen – berückende Einfachheit selbst in komplexen Strukturen – meistert das Svensson Trio mit souveräner Lässigkeit, wohl nicht zuletzt dank des Pop-Produzenten Johan Ekelund. (peb)



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