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Alle Rezensionen zu Lars Danielsson
(Genre »Jazz«, Land »Schweden«)

 

Liberetto
(2012, ACT/Edel ACT9520-2)

Lars Danielssons Alben neigen mitunter zu einer gemütlichen Poliertheit, wie in früheren Rezensionen bereits angemerkt wurde. Auch sein neues, der nach Toscana duftende Titel »LIBERETTO« deutet es an, ist nicht frei davon. Der eine nennt es stilsichere Eleganz, für den anderen ist es gekonnte Glätte. Nach CDs mit Leszek Możdżer, Mathias Eick und Eric Harland hat Danielsson sich nun ein neues Quintett zusammengestellt. Nur Gitarrist John Parricelli ist nach wie vor dabei, neben hochrangigen neuen Partnern, dem Norweger Arve Henriksen und dem Schweden Magnus Öström (ehemals e.s.t.). Danielssons Hauptpartner und Co-Autor ist diesmal gleichwohl der 24 Jahre junge Pianist Tigran aus Armenien. Ein multinationales Ensemble also.

Und es tut ihm sehr gut: Der Schwung ist zurück! Klasse Songs, ja Ohrwürmer reihen sich aneinander. Gleich zu Beginn sind der Titelsong und Tigrans »Orange Market«, mit knapp acht Minuten das längste Stück der Platte, wahre Hits, und man wird das Gefühl nicht los, dass diese beiden doch bereits seit langen Jahren im Kanon des Jazz sein müssten. Auch »Svensk Låt«, eine weitere Tigran-Komposition, und »Party on the Planet«, mit Parricellis feinen Gitarrenpointierungen und zurückgelehnt pulsierendem Basslauf, veredeln die fünf exzellenten Musiker souverän, ohne dass je der Eindruck entstünde, der einzelne nähme sich wichtig oder müsse sich beweisen. Dazwischen immer wieder leise, erstaunlich intime Stücke, wie ein eindringliches – gesungenes – armenisches Volkslied oder das zarte Bass-und-Piano-Fast-Duett »Tystnaden« (inspiriert vom gleichnamigen Bergman-Filmklassiker?).

Lars Danielsson hält seine vier garantiert nicht einfachen Mitmusiker stets dicht zusammen, und es entstand – man kann es kaum besser als in paradoxen Kontrasten formulieren – ein so fokussiertes wie vielseitiges, so internationales wie sehr schwedisches, so intimes wie extrovertiertes, ein nahezu perfektes und verzauberndes Modern-Jazz-Album. (ijb)



Siehe auch:
Możdżer Danielsson Fresco
Cæcilie Norby
Arve Henriksen
Magnus Öström

Lars Danielsson: Liberetto

Offizielle Website

Offizielle Website      www.larsdanielsson.com

   

Liberetto III
(2017, ACT/Edel ACT 9840-2)

Musik müsse die Gefühle berühren, sind die ACT-typischen Liner Notes dieser CD überschrieben; zudem wird der Interpret als »vollendeter Kunsthandwerker« vorgestellt. Wer sich von derlei grausigem Platitüdenwahn, gerahmt von einem austauschbaren Covermotiv, das eher an New-Age-Muzak erinnert als an aufregenden Jazz, nicht abschrecken lässt, kann mit Lars Danielssons neuem Ensemblealbum eine wunderbare, multikulturell durchzogene Sommerplatte entdecken. Erfolgreiche Reihen werden ja, wie im Kino, gern fortgesetzt, und so legt der schwedische Könner an Bass und Cello nun die dritte Folge seiner »Liberetto«-Idee vor.

Erfreulicherweise konnte Arve Henriksen wieder dabei sein und hinterlässt starke Eindrücke. Darüber hinaus gibt es nun arabische Färbungen mit Hussam Aliwats Oud, Einflüsse spanischer Folklore, afrikanischer Instrumentalideen und Alter Musik – sowie nicht zuletzt eine gehörige Portion Pop, unterstrichen von den sublimen Gitarrenkünsten von John Parricelli und Dominic Miller (in einem Gastauftritt, der dem Song sogar den Titel »Mr Miller« verlieh) plus Perkussionist Magnus Öströms oft markanten Beiträgen. Dass Tigran nicht mehr am Piano sitzt, fällt gar nicht ins Gewicht, denn für ihn kam der junge, sehr begabte Martinique-Franzose Grégory Privat ins Kernquartett. Von ihm wird noch viel zu hören sein; ACT gab ihm 2016 die Chance, ein sehr spannendes Album seines Trios zu veröffentlichen. Eine echte Entdeckung.

Danielsson schrieb für »LIBERETTO III« zwölf Stücke, die zum Besten zählen, was bislang von ihm zu hören war, und die Arrangements sind schillernd und abwechslungsreich; der Mix aus einem reichen Klangarsenal und eingängigen Melodien macht »III« zum Höhepunkt der »LIBERETTO«-Trilogie. (ijb)



Siehe auch:
Jazz at Berlin Philharmonic V

   

Liberetto II
(2014, ACT/Edel CD:9571-2, LP:9571-1)

In Danielssons Œuvre war »LIBERETTO« ein erfrischender Höhepunkt, den der Schwede mit einer exzellenten Band veredelt hatte. Was läge da näher, als die fruchtbare Zusammenarbeit fortzusetzen? Da Arve Henriksen diesmal wohl keine Zeit hatte (angesichts seines hohen Outputs keine Überraschung), steht die Band nurmehr als Quartett auf dem Cover, wird jedoch durch verschiedene »Special Guests« ergänzt, darunter Trompeter Mathias Eick, dessen Ton weitaus nüchterner ist als Henriksens. Das heißt, er prägt die Stücke zwar teils so markant, dass er in der Tat mehr »Special Guest« als Bandmitglied ist, schenkt dem sehr sauberen Bandklang jedoch eben auch keine solchen feinen Kontraste wie es Henriksen vermochte.

Die internationale Band gewinnt weiteres Weltflair durch Gitarrist Dominic Miller und Zohar Fresco (Percussion), mit dem Danielsson zuletzt die erstklassige CD »POLSKA« aufnahm. Jedoch führt die Streubreite der Besetzung hier zu einer wechselhafteren, doch auch weniger prägnanten CD als jener starke Fokus von »Liberetto« zwei Jahre zuvor – was fast widersprüchlich ist, klingt die Musik doch stets wie aus einem Guss. Drängt sich die Frage auf, ob die Wahl richtig war, den Produzentensessel ausgerechnet Cæcilie Norby zu überlassen... (ijb)



Siehe auch:
Danielsson Neset Lund

   

Tarantella
(2009, ACT/Contraire 9477-2)

Ein grandioser Musiker ist der schwedische Bassist Lars Danielsson, das hört man in jeder Note, fühlt man am Klang seines Basses (»Fiojo«). Er kann schreiben, arrangieren, begleiten und solieren – ein perfekter Musiker. Nur hat er sich seit einiger Zeit dem kompletten Wohlklang verschrieben, bestechen seine Alben durch wunderschöne Melodien und südländische Farben (»Across The Sun«), lassen aber gleichzeitig Spannung und Reibung vermissen.

Natürlich ist das kompositorisch auf hohem Niveau, und hier sind nur Meister am Werk: Danielssons Duo-Partner Leszek Moždžer (p), Mathias Eick (tp), der Gitarrist John Paricelli und Drummer Eric Harland – entsprechend feinfühlig gehen diese Musiker zur Sache. Allein: Es packt nicht so recht, zu sehr scheint Danielsson auf Wohlklang bedacht. Was soll's: Bald ist Sommer. Hängematte. Siesta. Strohhut. Passt zu: Kaninchen in Weißwein auf der Terrasse, mit Michel Piccoli. (tjk)



Siehe auch:
Mathias Eick
Lars Danielsson, Christopher Dell, Nils Landgren

   

Mélange Bleu
(2006, ACT/Contraire 9604-2)

Lars Danielsson, schwedischer Bassist, Cellist und Pianist, Komponist und Arrangeur trifft mit dem Titel »MÉLANGE BLEU« exakt ins Blaue: Dieses feine Album ist eine sanfte Mischung aus nordisch-kühlem Jazz mit unaufdringlichen Ambient-Sounds. Die für diesen Kontext richtigen Kompagnons sind freilich auch dabei: Jon Christensen (dr) schleicht meisterlich filigran um den Beat herum; Nils Petter Molvær haucht verhallte Trompetentöne, zwischen die Eivind Aarset seine typischen Gitarrensprengsel streut. Pianist Bugge Wesseltoft bleibt seinem Ruf als Tastenstreichler treu.

Für größtenteils chillige Ambient-Beats sorgen Jan Bang und Pål »Strangefruit« Nyhus, dazu das Copenhagen Concert Orchestra – allein an der Besetzung kann man ablesen, dass es Danielsson um Klangfarben geht, um Stimmungen, um schöne Melodien, um feine Details, um Wiederholungen und kleine Veränderungen, um Entwicklung eines Stückes wie des 20-minütigen »Judas Bolero« mit melancholischer Trompete und orchestralen Nuancen. Durchaus hohe Kunst, aber das Salz in der Suppe geht dann doch ab: Die genannten Musiker liefern genau das ab, was man von ihnen erwarten kann. Überraschungsmomente gibt es kaum, und fast möchte man sagen: gepflegte Langeweile, aber auf höchstem Niveau. Eine feine blaue Stunde eben. (tjk)



Siehe auch:
Bugge Wesseltoft
Nils Petter Molvær
Eivind Aarset
Jan Bang

   

Libera Me
(SACD, 2004, ACT/Contraire 9800-2)

Kontrabassisten scheinen eine Schwäche zu haben für gemächliche, sinfonisch verstärkte Breitwand-Epen von majestätischer Eleganz. Wie Charlie Haden entwirft Lars Danielsson, klassisch ausgebildeter Cellist und Bassist u.a. für Nils Landgren, Michael Brecker, John Scofield oder Charles Lloyd, regelrechte Highend-Soundtracks, die als Untermalung für einen Film viel zu schade sind.

Mit Jon Christensen, Nils Petter Molvær, Carsten Dahl oder Tobias Sjögren brilliert Danielsson mit erstaunlicher Bandbreite: Das scheu aufflackernde »Shimmering« ist von Arvo Pärt inspiriert, die Solo-Eskapaden von »The Teacher« widmet er seinem Lehrer Anders Jormin, und Joni Mitchells »Both Sides Now« wirkt – gesungen auf dem Kontrabass – besonders zärtlich. Hifi-Freunde aufgepasst: Diese SACD klingt phänomenal. (peb)



Siehe auch:
Verschiedene: Northern Lights – String Of Fire III
Carsten Dahl
Tobias Sjögren
Anders Jormin



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