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Alle Rezensionen zu Anders Jormin
(Genre »Jazz«, Land »Schweden«)

 

Ad Lucem
(2012, ECM/Universal 278 6145)

Latein ist eine herrliche Sprache, zumindest für den, der sie beherrscht. Für den Schüler ist sie i.a. eine Tortur (hier spricht der Autor aus Erfahrung). Nichts desto trotz ist sie ein Faszinosum, klingt mystisch, mysteriös, nach Mittelalter. Und findet aus unerfindlichen Gründen in der heutigen Musik nicht statt.

Vielleicht gerade deshalb hat sich der große blonde Bassist Anders Jormin damit beschäftigt und lässt Mariam Wallentin und Erika Angell (die beide eher aus Rock- und Pop-Gefilden stammen) fast ausschließlich Latein singen – gleich zu Beginn in »Hic Et Nunc« (hier und jetzt) setzen sie mit scharfen Dissonanzen Akzente. Fredrik Ljungkvist gehört eher in die Landschaft der Freidenker, bläst seine Saxophone und Klarinetten aber erstaunlich kontrolliert und sachlich kühl, meistens zumindest. Jon Fält ist hier kein Drummer im herkömmlichen Sinne, er schafft Klänge und füllt, schafft Raum durch Nicht-Spielen, groovt aber dennoch – sachlich kühl, versteht sich. Jormin selbst ist ein Gigant, mit einem Bass-Ton wie dem Kölner Dom. Er wirkt hier wie der Chef-Archäologe, der seinen hochqualifizierten Assistenten recht offene Vorgaben zuweist.

Ein ganz und gar außergewöhnliches Album mit kammermusikalischer Intensität, immer changierend zwischen wenigen strengen Strukturen und etwas mehr betörenden Melodien (»Quibus«), beseelt von viel instrumentaler Improvisationskunst (das grandiose »Vigor«, wo auch die Vokalistinnen sich rein klanglich beteiligen). Sehr ambitioniert, dieses Konzept von Anders Jormin, und der alte Lateinlehrer von nebenan exklamiert erfreut: Summa cum laude! (tjk)



Siehe auch:
Lars Danielsson
Don Cherry
Bobo Stenson, Anders Jormin, Paul Motian
Mariam Wallentin

Anders Jormin: Ad Lucem

Offizielle Website

Die CD »Ad Lucem« war »CD des Monats« im Monat 3 / 2012.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Die Idee mit dem Latein ist das Tüpfelchen auf dem eh schon tollen Album. Vielleicht war der Hintergedanke auch, mit soviel Geschichtsschwere garantiert in die Musikgeschichte einzugehen? Dafür reicht eigentlich auch die Musik schon ...
Sebastian Pantel

Sind das eigentlich afrikanische Einflüsse da zwischendurch - oder eher frei assoziierende Jazzlaunen? Jedenfalls toll, diese freien Rhythmen und improvisierten Melodien. Eine echte Überraschung, was Jormin hier mit seinem kleinen Ensemble gezaubert hat.
Ingo J. Biermann

Klar ist es ein hohes Vergnügen, der von mir sehr geschätzte Grenzgängerin Mariam Wallentin von Wildbirds & Peaceguns hier auf Lateinisch zu lauschen! Die Mischung aus Sprödigkeit und Zugänglichkeit ist es, die hier beim Hören herausfordert. Auch wenn ich kein Wort davon verstehe, weil ich leider ohne großes oder kleines Latinum durchs Leben schreite ...
Eva-Maria Vochazer

Auch mit Latinum hält sich das Verständnis in Grenzen, Eva-Maria. Dazu ist es schon zu lange her. Aber wer hört hier schon auf die Texte?!? Dem großen schwedischen Bassmann gelang hier ein ganz und gar Bass-untypisches Album, fordernd, aber stets überraschend und äußerst klangfarbenreich. Und auf Jon Fält sollte man ein Auge haben ...
Peter Bickel

Offizielle Website      www.xgac.se/jormin

   

In Winds, In Light
(2004, ECM/Universal 981.1231)

Anders Jormin, einer der großen Bassisten im europäischen Jazz, wurde beauftragt, neue sakrale Musik zu schreiben, welche dann in der Kathedrale von Västerås uraufgeführt werden sollte. Dazu ließ er sich inspirieren von einer Reihe passender poetischer Texte von schwedischen Autoren wie auch von William Blake. Diese bettete er in eigene Kompositionen und stellte dann zur Vertonung ein besonderes Ensemble zusammen.

Mit der Pianistin Marilyn Crispell und dem Drummer Raymond Strid, beide in eher freieren Gefilden beheimatet, hatte Jormin schon länger zusammengearbeitet. Und Lena Willemark, üblicherweise zwischen Folk und Jazz wechselnd, singt klar und schnörkellos, hat aber auch Gelegenheit zu expressiven freien Ausbrüchen. Sehr reizvoll ist der Klang von Marilyn Crispells Piano und der Kirchenorgel von Karin Nelson. Jormins Bass tönt mächtig wie immer, und die Kompositionen? Von seltener Schönheit manchmal, von bedeutungsschwangerer Schwere mindestens genauso häufig, und von gähnender Langeweile ab und zu. Wie das halt so ist mit sakraler Musik. (tjk)



Siehe auch:
Lena Willemark
Marilyn Crispell mit Time Jungle
Raymond Strid
Keijser & Strid



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