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Alle Rezensionen zu Jens Lekman
(Genre »Pop«, Land »Schweden«)

 

I Know What Love Isn't
(2012, Secretly Canadian SC225)

Deprimierend-romantischer (Indie)Pop. Mit einer anderthalb-minütigen Klaviermelodie eröffnet Jens Lekman »I KNOW WHAT LOVE ISN'T«. Das bittersüße, behutsame, zarte Intro »Every Little Hair Knows Your Name« zeigt die Richtung des kompletten Albums – und seine Länge, genauer seine Kürze: Gerade mal 38 Minuten dauert es. Nach fünf Jahren Alben-Abstinenz haben Fans vermutlich mehr erwartet, doch musikalisch gibt es für sie kaum Grund zur Enttäuschung. Die zehn Songs leben von einfachen, klaren Melodien, dem warmen, variablen Gesang und den Texten. Spärlich eingesetzte Bläser, Streicher, Flöte oder Tamburin setzen Farbtupfen, lenken aber niemals vom Wesentlichen ab.

Dem meist besungenen Thema in der Musikgeschichte, der Liebe, nähert sich der schwedische Songwriter gemächlich, erzählt melancholisch-schwermütig von »Erica America«, die er lieber nie getroffen hätte, von lieber-weiterziehen-statt »Become Someone Else's«, verräterischen (fremden?) Schuppen (»Some Dandruff On Your Shoulder«) und Trennung (»She Just Don't Want To Be With You Anymore«). Wer erwartet, dass Lekman in »I Want A Pair Of Cowboy Boots« endlich fröhlich, unbeschwert oder gar countryesk zur Sache geht, der irrt.

Auch wenn das soulige »The World Moves On« lässig groovt, und »The End Of The World Is Bigger Than Love«, hilft ihm das nicht. Er weiß weder, warum er sich immer wieder verliebt, noch warum ihm immer wieder das Herz gebrochen wird, so gelangt er schließlich zu der Erkenntnis des Titelstücks: »I Know What Love Isn't«. Das letzte Lied heißt wie das Intro, zieht das Resümee, dass alles, was er sieht / tut, sich immer wieder auf diesen einen Menschen bezieht. Der Kreis schließt sich. (nat)

Jens Lekman: I Know What Love Isn

Offizielle Website

Offizielle Website      www.jenslekman.com

   

Life Will See You Now
(2017, Secretly Canadian/Cargo)

Wer auf superliebe Singer-Songwriter steht, der ist bei Jens Lekman an der falschen Adresse. Der Schwede kann nämlich ziemlich garstig sein! Inzwischen ist aus dem flotten Göteborger Jungspund ein kahlköpfiger Mitdreißiger geworden, der sich wunderbar über Menschen echauffieren kann, die im Warteraum des Lebens darauf hoffen, dass ebenjenes endlich losgeht! Bis die Krankenschwester kommt und sagt: »LIFE WILL SEE YOU NOW«, also den Titel seines vierten Longplayers. Jens Lekman hat ein »Midlife-Crisis-Disco-Album« vorgelegt, das sehr tanzbar und wunderbar selbstironisch ausgefallen ist. Und eindeutig Richtung Pop tendiert.

Jens Lekman hat keine Berührungsängste vor neuen musikalischen Stilen. Experimentiert mit Calypso-, Samba- und Bossanovaklängen. Und darüber dreht sich die Discokugel. Mit »How Can I Tell Him« ist dem Musiker eine bewegende Ode an die Freundschaft zwischen Männern gelungen. Den sarkastischem Humor hat Lekman noch lange nicht abgeschworen, wenn er mit leichter Hand in »Our First Fight« über das unerschöpfliche Thema schiefgelaufener Kommunikation zwischen Männer und Frauen berichtet. Vor allem aber ist dem Schweden in Zeiten zunehmender Infantilisierungstendenzen ein erwachsenes, lebensweises Album gelungen. Auch wenn er nur in der in der Kategorie »Spezialist für Liebes-Aus« der Weltmeister ist! (emv)

   

Night Falls Over Kortedala
(2007, Secretly Canadian 0656605016023)

Nein, es ist kein Gegenentwurf zu irgendwas. Es ist die pure Liebenswürdigkeit, verpackt in aberwitzige Geschichtchen, skizzenhafte Alltagsbeobachtungen und spontane Verstiegenheiten, die überbordend aus diesem Album quillt.

Ebenso wenig ist der Göteborger darauf bedacht, etwas anderes als Pop zu zelebrieren. Mal pflegt er karibische Anflüge, New Wave- oder klimpernde Kammerpop, sampelt oder zupft eben selbst. Man mag ihm Nichtigkeit und Momenthaftigkeit unterstellen, aber das kann niemand im Schwedenland so wie er. Mal lässig, mal aufgekratzt und immer doch so charmant und talentiert, wie es ihm 2007 keiner nachmachen wird. Ein Album, in Glück ertrunken. (maw)

   

Oh, You're So Silent, Jens
(LP, 2005, Secretly Canadian 656605012619)

Es war eine wohlüberlegte Kurzschlussreaktion. Das Touren zu anstrengend, die eigenen Songs an Bestehendem gemessen nicht mehr zufriedenstellend. Jens verkaufte alle Instrumente, heuerte in einer Bingo-Halle an und beendete seine Karriere. »OH, YOU'RE SO SILENT, JENS« soll sein Vermächtnis sein. Eine Zusammenstellung von 17 Songs aus alten EPs und wenigen neuen Tracks. Ein spannendes Singer/Songwriter-Meisterwerk!

Mit federnder Leichtigkeit und dunklem Humor gespickt schlängelt er sich durch die Leben in seinen Songs. Mitunter ist das wie ein verwegener Traum, der da aufleuchtet und langsam ausdimmt und dabei eine subtile musikalische Weltreise macht: Amerika, Hawaii, Schweden fügen sich wie selbstverständlich zusammen. Die unterschiedlichen Soundqualitäten täuschen nicht darüber hinweg, dass dieses Album zusammen gepuzzeltes Stückwerk ist. Allerdings stört dies nicht im geringsten, denn die Kurven und Brüche finden ihre ganz eigene Entsprechung in Musik und Text. Nach zwei Monaten Bingo schmiss er übrigens hin und widmet sein Leben nun vollends der Musik. Eine sehr wohlüberlegte Kurzschlussreaktion. (maw)



Siehe auch:
Suburban Kids With Biblical Names

   

Maple Leaves
(EP, 2004, Service BOR-SERV-009)

Es gibt keinen Zweiten wie ihn. Jens Lekman ist 23 Jahre jung und immer schick in Anzug gekleidet. Eine elegante Erscheinung eben, die der Herzlichkeit erlegen ist und eine Passion für Hochzeitskonzerte hegt. Allerdings spielte der Schwede diesen Sommer erstmal auf einer Vielzahl von Festivals und tummelte sich mit »You Are The Light« in den MTV Nordic-Charts.

Auf der EP beleuchtet er in fünf liebkosenden Stücken mit Trompeten und Piano, viel Ironie und Popleichtigkeit, Glockengeläut und balladeskem Feingefühl die Facetten des wohl schönsten Gefühls der Welt – die Liebe. Das klingt unglaublich erwachsen, und es entfaltet sich beim Hören ein warmes, wohliges Gefühl, bis einem plötzlich selbst die Sonne aus dem Arsch blinzelt. Tolle Mischung aus Belle & Sebastian, Adam Green und Morrissey! (lic)



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