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Alle Rezensionen zu Phonophani
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Animal Imagination
(2017, Hubro HUBROCD2589)

Sieben Jahre nach seinem letzten (exzellenten) Album und sechs Jahre nach der letzten (ebenfalls exzellenten) Alog-CD im Duo mit Dag-Are Haugan lässt Espen Sommer Eide alias Phonophani wieder etwas von sich hören. Und er hat sich in die lange Reihe von Musikern, die Rune Grammofon in Richtung anderer Labels verlassen haben, eingereiht und veröffentlicht seine Musik jetzt bei Hubro. Dabei würde man das charmante, manchmal etwas zu nette Elektronikgebastel, das die bisherigen vier Phonophani-CDs auszeichnete, erst einmal nicht beim Haugesunder Kleinlabel erwarten.

Auf früheren Phonophani-Platten gastierten unter anderem die einstigen Rune-Jungstars Jenny Hval und Maja Ratkje; hier bildet die Brücke zu Hubro die Stimme von Mari Kvien Brunvoll, die neben ihrem verspielten Solodebüt, mit ihrem Trio Building Instrument und dem Duo mit Stein Urheim bereits ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht hat, ohne auch nur ansatzweise die Bekanntheit ihrer Schwester Ane Brun zu erreichen. Eide und Brunvoll gaben vor zwei Jahren eine Duo-EP mit vier Tracks heraus, die nur auf MC und nur in Russland erschien.

Maris (bearbeitete) Stimme bleibt freilich ein kleines, fremdes Puzzlestück in Phonophanis erfreulich epischem Ambient-Noise-Album. Nach wie vor schafft er mit eher wenigen, scheinbar einfachen Mitteln eine eigene, unverwechselbare Soundästhetik, aber sie geht mehr in die Tiefe, klingt dichter und eindringlicher als auf früheren Alben. Besonders die beiden längsten, zehn bis elf Minuten langen Tracks gewinnen mit groß angelegtem beautiful Noise. War Phonophanis genrefreie Elektronik früher oftmals arg lieblich, so faszinieren nun auf »ANIMAL IMAGINATION« gerade die Power, der »Punch« im Sound Design — vermutlich Ergebnis von Eides Arbeit mit Klanginstallationen und Sound Art über die letzten Jahre. In anderen Passagen (etwa gleich zu Beginn der CD) bringt er mehr Brüchigkeit und nervös rumorende Raumklänge in seinen musikalischen Kosmos. All dies bekommt seiner Kunst ausgesprochen gut, so dass man durchaus von einem erfrischend kompromisslosen und persönlichen Neuanfang sprechen kann. (ijb)



Siehe auch:
Mari Kvien Brunvoll
Alog
Love Comes Shining Over The Mountains / Runeology

 Phonophani: Animal Imagination

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      www.alog.net/phonophani

   

Kreken
(2010, Rune Grammofon RCD 2101)

Dieses Album ist in mehrfacher Hinsicht besonders. Nicht nur, weil Rune Grammofon es auch in einer auf 250 Exemplare limitierten Sonder-Edition inklusive 10" herausgibt. Und auch nicht nur, weil sich Elektro-Tüftler Espen Sommer Eide hier handwerklich nochmal selbst übertrifft. Sondern vor allem wegen des zwar oft, aber noch nie so gelösten Anspruchs, Volksmusik mit modernen, avantgardistischen Ausdrucksformen zu verknüpfen.

Was Eide tut, ist eigentlich einfach. Er sampelt Stücke und Klänge von traditionellen Instrumenten, den Gesang von drei Folksängerinnen, Flötentöne und andere Geräusche: Klatschen, Stampfen, Rauschen. Der nächste Schritt aber ist der ebenso schwierige wie geniale: die Samples so zu verfremden, zu zerschneiden, auszudünnen und dann wieder zusammenzusetzen, dass etwas komplett Neues entsteht, was aber seinen Ursprung immer noch deutlich hörbar in sich trägt.

Und so stoßen wir in Tracks mit seltsamen norwegischen Ortsnamen wie Kvaale, Gubijinso, Morki oder Mendel auf futuristische, ebenso fremdartige wie anheimelnde, ebenso verwirrende wie berührend schöne Volksmusik-Schatten aus Klang. Schatten von Hardanger-Fiedeln, Harmonium, kehligem Klagegesang und Stampftanz. Ein höchst innovativer Beitrag zum großen Thema »Tradition und Moderne«. Und unbedingt hörbar dazu - trotz des »Avantgarde«-Etiketts. (sep)



Siehe auch:
Sigbjørn Apeland
Jenny Hval

   

Phonophani
(2006, Rune Grammofon/Cargo RCD2054)

Insider wissen: Norwegen hat eine ungewöhnlich reiche Elektronik-Avantgarde-Szene. Zwei der wichtigsten Label-Brutstätten sind Biosphere und Rune Grammofon und eine der wesentlichen Speerspitzen dieser Musik das Ein-Mann-Projekt Phonophani alias Espen Sommer Eide. Sein Debüt »PHONOPHANI«“ veröffentlichte er 1998 in einer limitierten Auflage von 500 Stück bei Biosphere. Nun kommt dieses feine Stück Elektronikkunst via Rune Grammofon erneut auf den Markt, ergänzt um drei Bonustracks und ein schöneres Cover.

Phonophani lässt sich dort noch wesentlich eingängiger als auf den beiden Folgealben durch seine elektronische Welt treiben – vieles erinnert an die frühen Tangerine Dream oder die morbiden Klangwelten von László Hortobágyi. Melodien gibt es also ebenso wenig wie langfristig verlässliche Rhythmik, aber insgesamt wirken die pulsierenden, auf- und abschwellenden Klangwellen weder beunruhigend noch gar verstörend. (peb)

   

Oak Or Rock
(2004, Rune Grammofon/Universal RCD2038)

Achtung! Jetzt kommt nichts für Popfans. Auch wenn deren Musik längst zu großen Teilen aus Strom gefertigt wird. Phonophani aber sind ganz der 50 Hertz-Frequenz verpflichtet und bauen daraus seltsame Klanglandschaften, durch die der gern wandert, für den Musik weit mehr ist als neckisches Beiwerk beim Autofahren oder Staubsaugen. Und so ziept, zirrt und flirrt es; so wackeln mal dumpfe Soundwolken vorbei, während an der nächsten Ecke schon hektisch perlende Geräuschschnipsel warten.

Das alles passiert natürlich nicht von allein! Am Sicherungskasten steht Espen Sommer Eide, den der Freund atonaler Freizügigkeit von Projekten wie Alog kennt. Ein gewisser Nicholas H. Möllerhaug zersägt hier und da sein Cello und speist die dabei entstehenden Töne in diverse Apparaturen, von wo aus sie wunderliche Wege gehen. Einmal singt Maja Ratkje, wobei Maja Ratkje bekanntlich im eher antikonservativen Sinne Töne von sich gibt. Kurz um: Diese Musik fordert heraus. Diese Musik muss man mögen. Diese Musik ist schon sehr seltsam. Und dabei sehr gut. (frk)



Siehe auch:
Maja Ratkje

   

Genetic Engineering
(2001, Rune Grammofon RCD2016)

Espen S. Eides zweites Album und sein Rune-Grammofon-Debüt. Teils schwebende Ambient-Kompositionen fast wie bei Eno, teils verzwickt sperrig wie Monolight oder eben bei Eides Duo mit Dag-Are Haugan, Alog, ebenfalls bei Rune Grammofon. Hie rund dort blitzen sogar Songs mit verfremdeten Stimmen auf (»Lavenderloops«, »Cook Islands«).

Schöne, leicht psychedelische Stimmungsbilder, die eben oft mehr gemalte Stimmungen oder sanft pluckernde Elektrotracks bleiben als wirklich zu Songs werden. Später wurde Phonophanis Schaffen dichter und überzeugender. Im Rückblick zeigt sich zudem, dass die Sounds mehr zeitgemäß als zeitlos waren. (ijb)



Siehe auch:
Monolight



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