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Alle Rezensionen zu Efterklang
(Genre »Pop«, Land »Dänemark«)

 

Piramida
(2012, 4AD/Indigo 2881783)

In einer Welt voll rivalisierender Wahrheiten ist die Ungewissheit die echte Kostbarkeit. Und so gehört es zu den großartigsten Dingen an »PIRAMIDA«, dass man Dinge nicht sofort benennen kann. Efterklang entziehen sich allen einfachen Einordnungen. Ihr Ziel: Eine Welt voll magischer Schönheit zu schaffen. Die Dänen haben sich mühelos vom Klischee befreit, die am »isländischsten klingende Band außerhalb Islands« zu sein. Denn während Sigur Rós mit »VALTARI« eher auf der Stelle treten, ziehen die Kopenhagener neugierig hinaus in die Welt und setzen die neu entdeckten Bruchstücke sorgsam zu etwas Neuem zusammen. Efterklang, nach dem Ausstieg von Drummer Thomas Husmer zum Trio geschrumpft, haben sich nach Spitzbergen aufgemacht, in eine verfallende ehemalige russische Bergarbeitersiedlung namens Piramida, die 1998 von einem Tag auf den anderen aufgegeben wurde und heute nur noch Seevögel und Eisbären bewohnt wird. In dieser Geisterstadt sammelten die Dänen zehn Tage lang Soundsamples, u.a. von einem Konzertpiano, das in der Versammlungshalle einfach vergessen wurde. Mit diesen Geräusche im Gepäck kehrten sie nach Berlin zurück, wo sie mittlerweile leben. »Die Kernidee für dieses Album lautete, ganz bei null anzufangen, sich eine vollkommen leere Leinwand vorzuknöpfen und zu schauen, wie man sie füllen kann«, sagt Bassist Rasmus Stolberg.

Entstanden ist ein Album von beunruhigender Schönheit, in dem verschiedene Einflüsse funkeln wie die Sternschnuppen. Der postrockigen Innerlichkeit haben die Dänen keinesfalls entsagt. Sie flirten aber gut gelaunt mit Disco-Elementen, wobei Casper Clausens Falsett-Stimme die Gebrüder Gibb nur kurz zitiert. Sie liebäugeln mit Pop und erinnern an die Graceland-Phase von Paul Simon. Sie lassen Jazz-Anleihen zu und lieben das Spiel mit den tribalen Trommeln. Sie zelebrieren zurückgenommene Elektronik-Balladen wie in »Apples«, aber holen mit Tracks wie »Dreams Today« zu großer Geste aus, unterstützt von einem 70köpfigen Mädchenchor. In »Black Summer« holen sie die präzisen Bläser des Andromeda Mega Express Orchestra, und ganz unversehens stellt sich eine verhaltene, lange nachwirkende Euphorie ein. Efterklang tragen nie zu dick auf, sie wissen um die Schönheit des bewussten Sich-Bescheidens. Zum vielleicht schönsten Stück (aber das wechselt täglich!) »The Ghost« verlieren sich die Drei in leichten, repetitiven Klangmustern, zu denen man gleichermaßen gut tanzen wie nachdenken kann. (emv)



Siehe auch:
Sigur Rós

 Efterklang: Piramida

Offizielle Website

Die CD »Piramida« war »CD des Monats« im Monat 8 / 2012.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Ein Ohrenöffner: Leicht, aber nicht leichtfertig. Schwerelos, aber trotzdem tiefgängig. Aufwändig verschraubt, aber nie verkopft. Und dazu so dermaßen atmosphärisch, dass man am Ende des Albums auftaucht wie aus einem wohligen Nachmittags-Nickerchen.
Sebastian Pantel

Ja, das hat was, ich gebe Euch gerne Recht! Das ist sehr angenehm zu hören, und sehr interessant, genauer hinzuhören. Efterklang haben diese gewisse kreative Neugier, die ich sehr schätze.
Tim Jonathan Kleinecke

Keine Frage, Eva-Maria: Die ewigen Sigur-Rós-Vergleiche sind mit PIRAMIDA für die Efterklang-Jungs ein für alle Mal passé. Die Isländer müssen eher aufpassen, dass sie nicht in Zukunft an den Dänen messen müssen, wenn es um künstlerische Weiterentwicklung geht. Das gleiche Lied immer wieder spielen, auch wenn es schön ist,das kann jeder. Etwas Neues zu wagen, da wird die Luft schon dünner.
Leif Haugjord

Als großer Postrock-Freund hatte ich Efterklang schnell lieben gelernt. Und ich gebe zu, ein wenig vermisse ich sie schon, die bedeutungsschwere Melancholie, das herbstliche Leiden und Träumen der frühen Werke. Doch läst man sich erstmal ein auf das Album Nummer 4, wird man Efterklang folgen auf ihrem Weg vorwärts. Denn was wäre das Leben ohne Veränderung? Recht fad.
Peter Bickel

Offizielle Website      www.efterklang.net

   

The Piramida Concert
(2013, 4AD/Indigo)

Angesichts der epischen Schönheit und kunstvollen Verschachtelung von »PIRAMIDA« war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Efterklang als Freunde symphonischer Klangwelten ihr anspruchsvolles Album mit einem großen Klassik-Orchester interpretieren. Für »THE PIRAMIDA CONCERT« haben sich die Dänen zwei Abende lang in der Kopenhagener Royal Academy Of Music Concert Hall mit dem 33köpfigen Copenhagen Phil Orchestra zusammengetan, um das gesamte Album live einzuspielen. Aber Efterklang wären nicht Efterklang, wenn sie sie sich sklavisch an Vorgaben hielten: Als Variablen erklingen hier die Tracks »So«, der während der Aufnahmen zum Album entstanden ist, und »Vælv«, eine Auftragsarbeit des klassischen Komponisten Karsten Fundal. Und natürlich geht es hier nicht ohne die Unterstützung einiger besonderer Freunde: Des Klangtüftlers Peter Broderick, der Sängerin Kathinka Fogh Vindelen und des Szene-Urgesteins Budgie von Siouxie & The Banshees.

Enstanden ist ein üppiges, funkelndes, sinnliches Klangbild, das nie überladen wirkt, sondern die große Geste des Albums einfach ein logisches Stück weiterdenkt. Vor allem Bläser und Streicher fügen sich hier ein, als seien sie schon jahrelang auf Tour das Efterklang-Begleitorchester. In großer Besetzung enthüllen die »PIRAMIDA«-Songs zudem ein noch bislang unentdecktes Potenzial: Das ist ja klassische Filmmusik! Es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Dänen als Soundtrack-Tüftler für das gehobene cineastische Format entdeckt werden (emv)

   

Magic Chairs
(2010, 4AD CAD3X01CD)

Der Hörer kommt sich auf »MAGIC CHAIRS« vor wie Alice, als sie das erste Mal das Wunderland betritt. Alles ist ungewohnt und bekannt zugleich, phantastisch und doch real. Man wähnt sich wie im Märchenwald und schafft es nach dem wunderbar perlenden Klavier-Intro von »Modern Drift« gerade noch so, die Kinnlade wieder anzuwinkeln, während um einen herum so viel passiert, dass sämtliche Sinneskanäle maximale Reizimpulse ins Gehirn funken. Gerade weil Efterklangs Musik eine besonders menschliche Aura besitzt, sprühen hier kleine Glücksfunken wie von einer langsam herab brennenden Wunderkerze.

Waren die ersten Gehversuche noch etwas ungelenk, so implementieren nun zunehmend mehr Griffigkeit und mehr Melodien in ihr Schaffen und fahren die elektronischen Einsprengsel etwas zurück. Der Opener entfesselt das Klavier und lässt Melodiebögen aufziehen, die wunderlich und wunderschön harmonieren und den Wohlfühlfaktor um ein paar Grad nach oben schrauben. Mit freundlichen Chören, Blechbläsern und Streichern werden auch noch die letzten Kanten geschliffen. Kaum ist mehr etwas von der Postrock-Vergangenheit zu spüren, auch nicht von den elektronischen Einsprengseln der ersten Schaffensperiode. Dafür wird es auch zunehmend intimer und auch zugänglicher, wie bei »Natural Tune«, das mit zurückgenommenem Kammerpop aufwartet, den The National nicht besser hätten inszenieren können. »Scandinavian Love« hingegen bietet eine vorsichtig tänzelnde Mischung Cleverness, die selbst Alice hätte staunen lassen. (maw)

   

Under Giant Trees
(2007, Leaf Label DOCK46)

Sie haben endlich die Brücke geschlagen, die isländisch klingendste Band außerhalb Islands. Das Streicherquartett Amiina durfte für dieses Minialbum träumerische Streicherparts einspielen. Den Rest erledigen die fünf Kopenhagener mit sturer Gelassenheit. Quadratmetergroße Keyboardflächen bieten ausreichend Nährboden für schamhaft zuckrige Gitarrenklänge, elektronische Einsprengsel, Pianomotive und ganze Armeen von Streichern.

Die fünf Songs sind dabei entfesselter und ausstaffierter als die bisher bekannten Lieder, ziehen Melodiebögen auf und lassen sich gar zu elfenhaften Luftsprüngen hinreißen. Und wenn zwischendurch dann doch hie und da in der süßlichen Ereignislosigkeit gebadet wird, dann im guten Gewissen, dass man ein wunderschön gestaltetes und obendrein limitiertes Kleinod erstanden hat. (maw)



Siehe auch:
Amiina

   

Parades
(2007, Rumraket 0843190005826)

Nirgends passt das Prädikat »organisch« besser, als auf die versponnenen, warmen Sounds dieser dänischen Combo. Die elektronischen Einsprengsel wurden minimiert, die dynamischen Stimmen werden als Instrument immer wichtiger, und so ersprießt sich eine wunderbar opulente und ganz eigene Welt, die viel Freiraum für eigene epische Bilder und Assoziationen öffnet.

Da springt einen nichts an oder nimmt gleich beim ersten Kontakt für sich gefangen, jedoch hat PARADES« alles, was ein Postrock-Album braucht: Schönheit, Tiefe und Stimmigkeit. Und gerade in herbstlichen Zeiten ist diese Schlurfigkeit mehr als ein Gewinn: als optimale Begleitung an stürmischen Tagen, als Fluchtmobil aus der Realität. (maw)

   

Tripper
(2004, The Leaf Label/Hausmusik BAY 40 CD)

Hei,
»Herr der Ringe« gesehen? Alle drei Teile und in einem Rutsch? Gute Sache, ja? Dann sind für Dich Efterklang genau richtig, frei zu übersetzen mit »nach dem Klang«, eventuell »Hall«. Denn die zehnköpfige Band um Mads Brauer und Casper Clausen bietet die richtige Musik, wenn man aus tiefer Seele irgendwie nach dem Bösen und dem Hellen an sich in sich sucht. Dazu bildet sie voluminöse Soundlandschaften aus bombastischen Synthieflächen; ein gemischter Chor eilt ebenso zur Hilfe wie singende Grönländer. Zwei isländische Geigerinnen sind auch dabei, die schon mit Múm gespielt haben. Hilft nicht. Die Musik bleibt zuckrig wie Sigur ohne Ros.

Zwischendurch gibt es ein paar nette Ansätze. Dann entflieht man dem rein Orchestralen und lässt ein paar kratzige Lines laufen; stottert, unterbricht sich in seiner Selbstgefälligkeit. Doch es hält nicht lange an – schon wird wieder zum Steinerweichen gegeigt und trompetet, und elfenhafte Stimmchen lullen uns ein. Na ja, Dir wird das gefallen, und das ist auch in Ordnung. Aber grüß Gandalf von mir! (frk)



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