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Lange Rezensionen 1 - 10 von 321 im Genre »Avantgarde« (insgesamt 512)

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A.R.S.: Ambjørnsen & Bo
(2002, Norcd /Eiswasser Verlag ) - Norwegen

Bo kommt zu früh zur Party. Bo hasst den schrecklich grünen Regenwald. Bo sieht sich selbst für einen kurzen Moment in der Ferne. Dazu schnalzt eine Stimme, prustet des Saxophon, schnarrt der Bass. Surreale Texte des Norwegers Ingvar Ambjörnsen treffen auf Töne des Hamburger Freejazz-Trios A.R.S. Und umgekehrt.

Seltsam-schräge Klangcollagen sind dabei entstanden - weniger geeignet zum coolen Fingerschnippen, denn zum Lauschen, Wundern, Rätseln. Und wer des Norwegischen nicht mächtig ist, den rettet das Textheft. Ein Graus für den Freund von wohltönender Harmonie, ein Muss für den couragierten Jazzfan mit Literaturherz. (frk)

 A.R.S.: Ambjørnsen & Bo

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Rolf Aamot: Tonal Image Films 1968-1991
(2011, Prisma Records /Musikkoperatørene 7041881237126 ) - Norwegen

Rolf Aamot, 1934 in Bergen geboren, studierte in den 1950er Jahren Malerei in Oslo und später auch Film in Stockholm und wurde im jungen Alter von 18, 20 Jahren als Grafikkünstler, Fotograf und elektronischer Maler bekannt. Ab Anfang der Sechziger arbeitete er mit dem Verhältnis von Bild und Ton, was dazu führte, dass er als Filmemacher schon 1966 im norwegischen Fernsehen mit einem sogenannten »Tonal Image« mit Musik von Arne Nordheim präsentiert wurde. Aamot gehört also zur Modernen Avantgarde der audiovisuellen Kunstszene Norwegens, der früh die »neuen« Medien zu nutzen wusste. In den Siebziger und Achtziger Jahren setzte er seine Arbeit auch in Form von Collagen aus abstrakten Klängen und Bildern fort, die in Form dieser Archivaufnahmen im Henie Onstad Kunstsenter eingelagert wurden.

Erstmals dokumentiert diese CD die »TONAL IMAGES«, die Rolf Aamot mit Bjørg Lødøen produzierte. Unwirkliche Klänge, die uns in eine ferne Vergangenheit entführen, eine eigenartige, schräge (Nicht-)Musik aus vorrangig elektronischen Klangerzeugern, die mit zuvor aufgenommenen akustischen Instrumenten und Stimmen interagieren bzw. transformiert wurden. Bereits die gut zwanzig Minuten Düsterkeit von »Actio« (1980) sind eine bizarre Reise in eine Zeit, die länger her scheint als sie offenbar ist, Freunde aktueller Ambient-/Drone-Avantgarde jedoch durchaus zu erfreuen weiß.

Auch in Stücken wie dem flickerigen »Kinetisk Energi Part 1 & 2« (1968) oder dem schwer fassbaren Surren und Flirren von »Nordlys« (»Nordlicht«, 1991) sind die dunkel-surrealen Klangwelten von Helge »Deathprod« Sten sehr nahe. »Visuelt« (1971), ebenfalls rund zwanzig Minuten lang, lässt sich mit den assoziativen Geräuschkulissen gut als Hörspiel erfahren. Als komponierte Stücke funktionieren diese fünf Collagen zwar nur bedingt, als Trip oder als Konfrontation mit Sound-Art der vorigen Generation jedoch umso mehr. (ijb)



Siehe auch:
Arne Nordheim
Henie Onstad Kunstsenter

Deathprod (Helge Sten)

Sigurd Berge


Rolf Aamot: Tonal Image Films 1968-1991

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Eivind Aarset: Dream Logic
(2012, ECM /Universal ECM2301 / 3713657 ) - Norwegen

Man kann nicht gerade sagen, dass Eivind Aarset nun mit Anfang fünfzig bei ECM angekommen wäre. Immerhin ist der Gitarrist bereits seit fast zwanzig Jahren auf einer Reihe doch recht unterschiedlicher, nach wie vor durchweg hervorragender Alben beim Label präsent, nicht nur auf Molværs »Khmer« und »Solid Ether«, sondern jüngst auch auf den jüngsten Werken der vormals gemeinsam aktiven Arve Henriksen und Food. Nach einer Handvoll exzellenter eigener Alben bei Jazzland und dem Ende der engen Partnerschaft mit Molvær wurde es zuletzt recht ruhig um Aarset. Sein letztes Studioalbum liegt fünf Jahre zurück. Und ausgesprochen ruhig und introspektiv wurde auch nun sein ECM-Solodebüt, besonders im direkten Vergleich mit den früheren CDs mit seinen Bands Sonic Codex Orchestra und Électronique Noire.

Aarset ist zurück. Und der Neuanfang könnte kaum eindrucksvoller sein. Jedoch das Gegenteil von spektakulär, fast eine Ambient-CD wurde »DREAM LOGIC«, und dem einen oder anderen werden sofort Bilder vor dem inneren Auge und Ohr entstehen, wenn klar wird, dass das Album von Jan Bang produziert und alle Stücke im Duo mit Bang eingespielt wurden. Wer dessen jüngste Platten kennt, weiß, dass Aarsets neue Ausrichtung nurmehr wenig mit seinem High-Energy-ElectroJazz gemein hat, sondern eher in der »Fourth World«-Tradition von Eno/Hassell steht, gelegentlich sogar an die Rune-Grammofon-Alben Arve Henriksens erinnert. Stücke wie »Black Silence« oder »Jukai (Sea Of Trees)« leben von fragmentarischen Sounds, kaum greifbar zwischen elektronischen und akustischen Instrumenten. Die Gitarre scheint oft eine untergeordnete Rolle in diesem fragil-emotionalen Klangkosmos einzunehmen.
Hoffentlich wenden sich diejenigen nicht ab, die auf die Präsenz der gewohnten Aarset-Energie gewartet haben. Es wäre sehr bedauerlich. (ijb)



Mehr CDs von Eivind Aarset



Siehe auch:
Jan Bang
Bang, Honoré, Sylvian, Endresen, Henriksen

Nils Christian Moe-Repstad, Molvær, Aarset, Bang & Honoré

Food



Zum Artikel über Eivind Aarset

Eivind Aarset: Dream Logic

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Af Ursin: Aura Legato
(2005, Blackest Ever Black BLACKESTCD012/-LP012 ) - Finnland

Eine seltsame Platte. »AURO LEGATO« besticht schon äußerlich durch ein ungewöhnliches Design, das keinerlei Aufschluss darüber gibt, welche Art von Musik sich hinter den vier Stücken verbirgt oder um wen es sich bei dem Künstler Af Ursin handelt. Das Londoner Avantgarde-Label Blackest Ever Black, bekannt geworden mit teils exzellenten Platten voller neuer Idee von Vatican Shadow und Prurient, Raime und Regis, deutet immerhin an, dass »AURO LEGATO« keine leichte Musik für die Massen sein wird.

Legt man die Scheibe auf, ist man erst einmal ratlos, in welcher Geschwindigkeit die Musik abgespielt werden muss. Als LP würde man 33rpm erwarten, doch was man dann zu Gehör bekommt, klingt derart verschleppt und zeitlupenartig ambientmäßig, dass eine Recherche im Internet doch für 45rpm spricht. Dort findet man auch heraus, dass sich hinter dem Pseudonym Af Ursin der finnische Klangkünstler Timo van Luijk verbirgt, der in mehreren Gruppen und Projekten in Belgien aktiv ist, wo er seit langem lebt und die LP bereits 2005 über sein eigenes Label La Scie Dorée veröffentlicht hat, bevor sie Kiran Sande auf seinem Imprint 2016 neu verlegte, nun auch als CD. Ebenso gut hätte »AURO LEGATO« bei Erik Skodvins Miasmah erscheinen können, denn dort würden sich die dunklen, so vielschichtigen wie ungreifbaren Ambient-Kompositionen bestens zwischen artverwandten Kollegen wie Kreng, Marcus Fjellström, Juv und Simon Scott einfügen.

Auch wiederholtes Hören lässt allenfalls mutmaßen, welche Klangquellen van Luijk für seine entrückten Collagen verwendet, die Titel »Rêverie En Mineur«, »Capsule Détachée« und »Tableau Fluide« können einen besseren Eindruck von der amorphen Klangwelt vermitteln als bemühte Beschreibungen. Was Af Ursin hier gestaltet, kann man ebenso als Musique Concrète wie als experimentell-minimalistischen Neofolk bezeichnen; auf jeden Fall ist es stimmungsvoll und verströmt einen abgründigen, surreal-persönlichen Zauber jenseits markanter Stilistik, sehr vergleichbar mit Alben von Ingenting Kollektiva, Utu Lautturi und Multicast Dynamics. (ijb)



Siehe auch:
Marcus Fjellström
Multicast Dynamics

Utu Lautturi

Ingenting Kollektiva


 Af Ursin: Aura Legato

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AGF & Various: Kuuntele
(2013, AGF Producktion 017 // 880918216225 ) - Finnland

Mit »KUUNTELE« zeigt Antye Greie (bzw. Greie-Ripatti) alias AGF (das »F« ist noch aus der Zeit geblieben, als sie Greie-Fuchs hieß), dass sie ganz in ihrer finnischen Wahlheimat angekommen ist. Gemeinsam mit »Vladislav Delay« (Sasu Ripatti) lebt sie seit ein paar Jahren auf der etwas abgelegenen Insel Hailuoto, die aus deutscher Perspektive fast am Polarkreis liegt. Natur, Wetter, Jahreszeiten, Temperaturen bekommen dort jedenfalls eine ungleich prägnantere Relevanz als in Berlin, wo sie mehr als zehn Jahre wohnte und mit Künstler(inne)n wie Eliane Radigue und Ellen Allien arbeitete. Gleichzeitig, sagt sie, erinnere sie vieles in Finnland an ihre Kindheit in Ostdeutschland, wo sie 1969 geboren wurde.

Das Tolle an »KUUNTELE« (finnisch »zuhören«) ist allerdings, wie AGF mit diversen finnischen Vokal-Gästen ihre bisherige Diskografie zwischen Klangkunst und Musik souverän fortschreibt und weiter auslotet. Sie nennt sich »poem producer« und verdichtet wie auf ihrem vorigen Album »Gedichterbe«, aber ansonsten auf unvergleichliche Weise, elektronische Elemente mit Sprachfragmenten zu einer nahtlosen Collage aus inneren Stimmungsbildern, teils schroffer abstrakter Elektronik und mehr oder weniger greifbaren Texten.

Die Gedichte entstanden zwischen 1683 (Maria Simointytär) und 2010, dem Jahr, in dem Juha Rautio »Kuuntele« schrieb, das der Autor hier selbst rhythmisch, staccato vorträgt. Auch über die Grenzen Finnlands hinaus ist Eino Leino (1878–1926) bekannt geworden, dessen »Sinisten Risti« (»Blue Cross«) von Rapper/ Spoken Word Artist Matti P. ganz zeitgemäß interpretiert wird. AGFs Elektronik fasziniert stets durch ein Eigenleben, tritt in Dialog mit den Texten, unterstreicht oder kontrastiert sie geräuschhaft, ambient, klangschön oder dissonant. Ein radikal faszinierendes Album. Höchst bereichernd und anregend ist auch der Text im Beiheft. (ijb)



Siehe auch:
A-Symmetry
Lau Nau

Islaja

Ripatti / Vladislav Delay


 AGF & Various: Kuuntele

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Pekka Airaksinen: Mahagood
(2008, N&B Research Digest NBRD-12DD ) - Finnland

Pekka Airaksinen ist ein Urgestein des finnischen Undergrounds. In den 60ern mischte er mit seiner Band The Sperm Musikgeschmack und Performancekultur auf; gleichzeitig gilt er heute als ein Pionier der experimentellen elektronischen Musik in Skandinavien. Dieses Album zeigt, warum – denn der Pionier hat auch heute noch was zu sagen. Vor allem die Art und Weise, wie er das tut, ist beeindruckend. Airaksinen sampelt seine musikalische Sozialisation: Elektronische Musik aus den 50ern, als Technik und Klang noch in den Kinderschuhen steckten, und Jazz aus derselben Zeit.

Das Ergebnis ist psychedelisch: Die Jazz-Samples rotieren nervös mit einer falschen Fröhlichkeit. Die Elektroakustik-Samples ähneln eingefrorenen Kristallglassplitter-Wolken, bei denen sich jeder Splitter in tausend anderen spiegelt. Über alle neun Tracks kehren bestimmte Floskeln, zunehmend dekonstruiert, wieder – so wie das Pferdchen auf einem quietschenden 50er-Jahre-Kinderkarussell. Das alles ist zeitlich so perfekt aufeinander abgestimmt und die Samples mit so feinem Gehör ausgesucht, dass dahinter nur eine Meisterhand stecken kann. Was sie ja auch tut. (sep)

Pekka Airaksinen: Mahagood

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Akku5: Akku5
(2011, Norcd nordcd1104 ) - Norwegen

»Jazz, Folk, World Music - Old Traditions New Sounds« fasst sich das Label NORCD selbst zusammen. Genau so lässt sich auch diese CD resümieren. Akku war einst das Trio, das die Volkalistinnen Ruth Wilhelmine Meyer und Elfi Sverdrup mit Tubist Lars Andreas Haug starteten, allesamt im Avantgarde-Jazz und Neo-Folk verankerte norwegische Musiker(innen). Seit 1996 spielen sie in dieser Formation, doch 2010 erweiterten sie ihren Ansatz um Landsmann Knut Aalefjær (Percussion) und Grzech Piotrowski (Saxofon) aus Polen zu Akku5.

Die Grundlagen ihrer Musik und damit der zehn Stücke dieser CD fassen sie zwar im Groben als die Klänge der Nordpolargegenden zusammen, doch zu den Einflüssen rechnen sich auch ein geistliches armenisches Lied oder ein »langes Gespräch mit einem Schimpansen«. Dazu Inuit- und sibirische Obertongesänge, norwegische Sonnengebete sowie Geräusche von Langschwanzenten. Man sieht: die Begriffe Tradition und Weltmusik werden extrem offen verstanden. Akku5 sind weitgereist, spielten auch schon eine Konzertreihe für die Tiere des Zoos in Kristiansand. All das macht die Musik des Quintetts alles andere als leichtverdauliche Kost. Was die meisten Zuhörer als Jazz oder Folk erwarten, gibt hier dementsprechend überhaupt nicht geboten, vielmehr Expeditionen in entlegenste Gegenden dessen, was wir Weltmusik nennen, Farben von Klängen und Stimmen, die man faszinierend finden kann, die uns in ganz andere Welten entführen, die uns irritieren und auch befremden. Absoluter Tipp für Musikfreunde, die manchmal denken, es gäbe nichts Neues mehr zu entdecken! (ijb)



Siehe auch:
Ruth Wilhelmine Meyer & Helge Lien
Lars Andreas Haug

Knut Aalefjær im Helge Lien Trio


 Akku5: Akku5

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Alog: Unemployed
(2011, Rune Grammofon /Grappa RCD 2116 ) - Norwegen

Dass hier Alog drübersteht, ist ein bisschen irreführend. Espen Sommer Eide und Dag-Are Haugan sind zwar immer noch die Masterminds hinter der charakteristischen Mischung aus experimenteller Elektronik, Sounddesign, akustischer Forschung und Gefrickel - aber dieses Album ist mehr.

Einerseits ist es eine Werkschau. Eide und Haugan stellen hier Material aus vielen Jahren zusammen - entstanden in vielen Situationen: Straßenmusizierend in San Francisco. Sigbjørn Apelands Harmonium-Sammlung ausprobierend. Tapes zu Loops zusammenklebend. Uralt-Schallplatten sampelnd. Insofern ist es konsequent, neben der CD-Version eine um vieles üppigere, limitierte 4-LP-Vinyl-Edition rauszubringen. Wenn schon ordentlich, denn schon.

Andererseits ist das Album eine Art organisierte Session mit zahlreichen Gästen. Da trällert Jenny Hval, da experimentiert Signe Lidén, Ole-Henrik Moe und Kari Rønnekleiv steuern minimalistische Geigentöne bei. Und - Highlight - Jaap Blonk, der beste Ursonaten-Rezitator seit Schwitters himself, grummelt den Text von "Bømlo brenn om natta", ein Track, der einem mit seinem wirren Pathos wochenlang nicht mehr aus dem Kopf geht. Alog and beyond - ein tolles Album! (sep)



Mehr CDs von Alog



Siehe auch:
Jenny Hval
Ole Henrik Moe

Sigbjørn Apeland


 Alog: Unemployed

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The Alvaret Ensemble & Kira Kira, Eiríkur Orri Ólafsson, Ingi Garðar Erlendsson, Borgar Magnason: Skeylja
(2013, Denovali Records /Cargo DEN184 ) - Grenzgänger

Obgleich Pianist Greg Haines, Percussionist Sytze Pruiksma und die Brüder Jan und Romke Kleefstra ihr wandelbares Ensemble für dieses Multimediaprojekt um gleich etliche isländische Musiker erweitert haben, darf man nun nicht gerade ein Big-Band-Spektakel erwarten. Im Gegenteil: Von wenigen kurzen Ausbrüchen abgesehen hat man eine achtköpfige Improv-Band mit Tuba, Trompete, Gitarre, Elektronik, Stimmen, Bass und Percussion kaum einmal so verhalten und dunkel dahingleitend gehört. Kein abwegiger Vergleich wären die hochspannenden Ensembles des norwegischen Sofa-Music-Umfelds, beispielsweise Kim Myhrs Werk fürs Trondheim Jazz Orchester.

Doch »SKEYLJA«, auf einem gemeinsamen Islandtrip entwickelt und dann im Rahmen von neun individuell kuratierten Live-Konzerten beim niederländischen Oerol-Festival auf der Insel Terschelling eingespielt, erinnert vielmehr an Werke aus dem Segment »Dark Ambient« oder »Modern Composition« der Miasmah-Ecke (Kreng, Shivers, Gabriel Saloman). Der Fantasietitel »SKEYLJA« deutet ganz wunderbar in jene Richtung, und die Verwandtschaft zieht sich auch durch die offenen Kompositionsformen. Ingi Garðar Erlendsson spielt Tuba, Posaune und ein gewisses Thranofon (siehe Videolink), Borgar Magnason Kontrabass und Eiríkur Orri Ólafsson Trompete und Elektronik, dazu steuern Kira Kira und Jan Kleefstra latent befremdliche, doch ebenso eigenartig suggestive Stimm- und Textauftritte bei.

Wie häufig bzw. üblich bei Denovali ist der rezensorische Selbstanspruch des Schreiberlings mit Platten wie dieser kaum zu erfüllen. Objektive Maßstäbe werden nahezu ausgehebelt, da die Entstehung der Ensemblemusik zu einem anderen, offenen Gestus führt, auf den man sich als Hörer einlassen mag oder nicht, sich davon wegtragen lassen und schließlich eine gänzlich unerwartete Reise in Ab- und Umwege zeitgenössischer Improvisationskunst machen kann. Davon könnten sich viele eine Scheibe abschneiden. Vor allem Musiker, die sich nicht genug zutrauen und zu vorsichtig sind, künstlerische Wagnisse einzugehen. (ijb)



Siehe auch:
Kira Kira
Trondheim Jazz Orchestra & Kim Myhr

Hydra's Dream

Kippi Kaninus / Ingi Garðar Erlendsson


The Alvaret Ensemble: Skeylja

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Amiina: Puzzle
(2010, Amiina Music) - Island

Einmal Elfen, immer Elfen? Nein, so einfach ist die Sache nicht. Dinge verändern sich. Amiina schwelgen auf ihrem zweiten Album »PUZZLE« zwar weiterhin in nebelverhüllten Gegenwelten, in denen sich eigenwillig-handgemachte Instrumentierung und selbstbewusste Wildweibchen-Schrulligkeit die Hände reichen. Aber die koboldinnenhafte Streicher-Versponnenheit ist den vier Damen längst ein zu enges Bühnenkostüm geworden. Amiina lassen sich von zwei neuen, männlichen Mistreitern inspiereren, die bezeichnenderweise Schlagzeug und den Elektronik-Spielkram bedienen und brechen auf in Richtung Kammerpop. Mit der Betonung auf Pop. Popsong mit Refrain! Eine ähnliche Entwicklung haben auch die Seelengefärten Sigur Rós unlängst vollzogen. Deren langen Atem man hier immer wieder spüren kann.

Ihre fragile Flüchtigkeit haben Amiina als Sextett bewahrt. Gewonnen haben sie an Dynamik und Struktur. Dass sie den Zauberkasten elektronischer Blubbereien entfesselt haben, eröffnet neue Möglichkeiten für spielerische Experimente. Amiina sind bereit für das Unerwartete, wie es im vielleicht schönsten Song »Over And Again« heißt. Spieluhren leiern, Windharfen jammern. Eine lächelnde Harmonie hängt über diesen neuen Schwurbeleien. Aber am stärksten ist »PUZZLE« in den eher experimentellen Instrumentalstücken, die ohne Ziel und Absicht schlendern. (emv)



Mehr CDs von Amiina



Siehe auch:
Sigur Rós
Jonsi

Nordic Affects


 Amiina: Puzzle

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