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Lange Rezensionen 1 - 10 von 300 im Genre »Beats« (insgesamt 443)

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99 Blows: Live Free or Die
( EP, 2015, clang /clang.cl clang030, Download ) - Grenzgänger

Beim vielseitigen dänischen Indie-Label clang erscheint hiermit die mittlerweile 30. Veröffentlichung, allerdings sind die meisten »nur« als Downloads erhältlich. Was andererseits ja ganz zeitgemäß ist; wer kauft heute denn noch CDs? [Ich zum Beispiel.] Hinter dem Alias 99 Blows verbirgt sich Rasmus Vestervig aus dem Norden Skandinaviens, und mit dem reichlich käsigen Titel »LIVE FREE OR DIE« (inspiriert ausgerechnet von einem Autonummernschild in Hew Hampshire) gibt es nun seine zweite »Scheibe« des laufenden Jahres. Wie bei »I/O« im Februar handelt es sich auch hierbei um eine knapp halbstündige EP, die sich über vier recht unterschiedliche Tracks an diversen Stilen versucht.

Irgendwie scheint Vestervig alles irgendwie zu interessieren (daher wohl der Projekttitel »99 Schläge« – frei nach Truffaut?), gerade so, als ob er sein eigenes Ding noch nicht gefunden hat. Am ehesten erkennt man seine Vorliebe für polyrhythmische Dance-Nummern, die er mit seinem Hintergrund als Gitarrist verknüpft. Mal vermeint man den Einfluss von Berliner Hipster-Elektro zu hören, mal erinnert man sich an Recondite, einmal taucht ein Gastsänger auf – ist das noch Tech-House oder schon Indie-Pop? Vielleicht wird Vestervig irgendwann noch ein Hitmaker im Genre »Kalkbrenner«, doch fürs erste bleibt's noch beim Testlauf. Und auch wenn einen keiner dieser vier Tracks vom Hocker reißt, möglicherweise ist 99 Blows nicht weit vom kreativen Durchbruch entfernt... (ijb)

 99 Blows: Live Free or Die

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A Perfect Friend: A Perfect Friend
(2007, Sticksister SCD009 ) - Schweden

Um es vorweg zu nehmen: Dies ist kein einfaches Album, deswegen erscheint es bei einem klitzekleinen belgischen Indie-Sublabel. Es hat vielmehr den Charakter einer losen Sammlung. Wie Messies haben Experimentalmusiker C-J Larsgarden und Songwriter Thomas Denver Johnsson Klänge gesucht: unfertige Akkordfolgen auf Mundharmonikas, Pling Plongs, Woooshs, Sternenstäube aus dem Laptop, Kinderkreischen und das Rauschen in U-Bahn-Schächten tief in der Unterwelt Stockholms. Garniert werden die Spielereien mit ein paar kryptischen Sätzen, verpackt in Drone-Wolken, die nur durch knisternde Spannung erhellt werden. Manchmal kommt das Album wie in »Welcome Aboard« gar mit Melodien daher, bis die instrumentalen Spielereien sich wieder ihre Übermacht erarbeiten.

»A PERFECT FRIEND« ist eine Ansammlung ephemerer Momente. Flüchtig und doch Spuren hinterlassend. Papiervögel, Pusteblumen, Abrisshalden. Elektroschlaufen, wie über ein Geröllfeld gezerrt. Immerwährend inspirierend ist die Klangfülle, die einen eigenen Kosmos an Assoziationen heraufbeschwört. Und ihre Unperfektheit verführt geradezu einnehmend. So driftet man gerne hinter den Horizont. Wohin genau, spielt hierbei keine Rolle. (maw)

 A Perfect Friend: A Perfect Friend

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A-Symmetry: I Am Life
(2014, AGF Producktion 019 ) - Grenzgänger

Hinter A-Symmetry verbergen sich Antye Greie-Ripatti (AGF) und Natalie Beridze (TBA), und der etwas sperrige Projektname könnte für dieses gänzlich un-hippe Projekt kaum besser gewählt sein. Die beiden Musikerinnen und Sound Artists lebten Mitte der 2000er für einige Jahre in Berlin, doch entstand »I AM LIFE« zwischen den derzeitigen Wohnorten der beiden, der Abgeschiedenheit der mittelfinnischen Insel Hailuoto und und der georgischen Hauptstadt Tblisi.

Zwar beeindrucken die Fantasie und der Mut zur stilistischen Schrankenlosigkeit der beiden Musikerinnen, doch eben dies erfordert einige Annäherung an die Komplexität ihres Duo-Debüts. Egal, aus welcher Hörerfahrung man kommt, »I AM LIFE« braucht eine Zeit des Warmwerdens, weil die dreizehn Tracks so gar nicht auf ein homogenes Album angelegt sind und genremäßig komplett schwer zu erfassen sind. Jeder der Tracks trägt das Wort »Life« im Titel und jeder zweite eine komplett neue Genreschublade zu erfinden.

Im greifbarsten Fall fühlt man sich an die stolpernden IDM-Rhythmen (»Seven Lives«) und das feine Geplucker (»Life Lie 8«) aus der Warp-Records-Ecke erinnert, doch wenn Pitchfork eine Kreuzung aus Oval, My Bloody Valentine und FKA Twigs erkennen möchte, kann man dem ebenso wenig widersprechen. Zudem sind fast alle Stücke von mal mehr, mal weniger erkennbaren Stimmsamples durchzogen, was dem fragilen Neo-Ambient-Techno eine gleichermaßen bizarr menschliche wie entrückt geisterhafte Prägung verleiht. Eine faszinierende fremde Welt, wie das Covermotiv verspricht. (ijb)



Siehe auch:
AGF & Various
Sidsel Endresen & Stian Westerhus

Ripatti


 A-Symmetry: I Am Life

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Aavikko: History Of Muysic – Selected Non-Album Material 1985 – 2003
(2004, 9PM /Indigo Muysic-03 ) - Finnland

Mehrere Flaschen Wodka, ein Schlagzeug, ein Bass, eine Elektro-Orgel und gesundes finnisches Selbstbewusstsein mögen der Ursprung des Disco-Surf-Party-Sounds Aavikkos sein. Die gewöhnungsbedürftige, instrumentale Ausnahmekapelle – aka die »Boys From Siilinjärvi« – überbrückt die Wartezeit auf ein neues Werk mit dieser Retrospektive auf ihre ganz persönlich »Muysik«-Geschichte: Zwischen trashigen Casio-Krachern der Frühgeschichte anno 1995 bis zu solideren Fabrikationen der Neuzeit (bis 2003) piepen, tröten und quaken schräge, psychedelische Töne aus allerlei technischen Gerätschaften.

Beschränkt sich der »Hamburger Ost-Hafen Seemannschor« in zwei Tracks noch auf »lalala«, so flattern bei »Eye Of The Leopard« die Ohren: Der afghanische(!) Schlagerstar Kabar ergreift in Las Vegas das Mikro und singt die Wüstensöhne in Grund und Tanzboden ... wenn das kein Zündstoff für eine gelungene Party garantiert, was dann? (nat)



Mehr CDs von Aavikko



Siehe auch:
Desert Planet
Verschiedene: Tervetuloa Kioskiin Vol. 4


 Aavikko: History Of Muysic – Selected Non-Album Material 1985 – 2003

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Acid Queen: Tranzania
(1999, Kirkelig Kulturverksted /Indigo FXCD203, bzw. 8790-2 ) - Norwegen

Wenn zwei norwegische Techno-DJs in Tansania mit gestandenen Taarab-Musikern improvisieren, verspricht das Ergebnis ein wahrhaft grenzenloses Hörabenteuer. Dies umso mehr, als die beiden Osloer Stephen Groth und Christian Grimshei ohne festes Konzept nach Dar-Es Saalam reisten und sich einfach überraschen ließen.

Meist legten die beiden Dancefloor-Experten ein wuchtiges Fundament aus schleppenden Triphop-Beats oder hart pochenden House-Rhythmen, das der Egyptian Musical Club dann mit Geigen, Trommeln, Lauten und natürlich viel Gesang auffüllte. Im Gegensatz zu den meist nur im Studio montierten Ethno-House-Spielereien explodiert »TRANZANIA« regelrecht in einem organischen Zusammenprall der Gegensätze - Nord und Süd, Tradition und High-Tech, Elektronik-Avantgarde und Suaheli-Tanz. (peb)

 Acid Queen: Tranzania

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Acustic: Welcome
(2005, Rump Recordings RUMPCD003 ) - Dänemark

»WELCOME« in Electronic Wonderland. Clubmusik der gepflegten Art, allerdings ohne Message oder gar Gesang, erwartet uns. Trotzdem gewinnt »WELCOME« mit zunehmender Einwirkzeit an Ausstrahlung und weiß mit ansprechenden kraftwerkschen Minimelodien besonders bei »80« durchaus einen gewissen Charme zu entwickeln. Elektromusik erfreut sich ja zurzeit beachtlicher Beliebtheit, und geschulte Ohren finden mit dem inzwischen dritten Album von Acustic aka Jesper Skaaning recht melancholische, im Zweifel sogar tanzbare Tonkunst.

Sparsam wird nicht etwa mit Ideen, sondern der Vermeidung der sich bei dieser Art dubbigem Ambient leicht einschleichenden Eintönigkeit umgegangen. Clevererweise findet sich am Ende mit »Flow« auch noch ein Highlight des Albums, wenngleich sich kommerzielle Verwertbarkeit für »WELCOME« auszumalen schwierig erscheint. Nice to have. Mehr aber auch nicht. (jeb)

 Acustic: Welcome

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Agaric: Who made up the Rules
(2011, Ovum Recordings /SRD OVM9011-2 ) - Schweden

Patrik »Agaric« Skoog nutzt seinen ersten Longplayer für eine Stunde strikter, funktionabler 4/4-Clubtracks und nicht, wie viele andere Techno- und Elektro-DJs für eine introspektive Zwischenbilanz mit Autorentechno. Dass er anstrebt, nun in die Fußstapfen eines Trentemøller zu treten, ist also nicht zu erwarten. Zehn Tracks, keine Ausreißer, aber allzu individuell sind sie freilich auch nicht ausgefallen. Nur nach dem letzten, »Drifter«, schiebt Skoog eine dunkle Ambientnummer als versteckten Epilog hinterher.

Ansonsten ist sein Albumdebüt im guten wie im enttäuschenden Sinne einfach nur ein bisschen weniger knallig als der Standard-Floorfiller aus dem Genre TechHouse bis Minimal geraten. Die Variationen innerhalb der einzelnen Tracks kommen zuverlässig, aber verhalten, was dem Spannungsbogen über mehr als eine Stunde wenig zugute kommt. Am besten ist, man sucht sich seine zwei, drei, vier Lieblingstracks raus und hört die einzeln - zu Hause, beim Joggen oder im Club. Von zwei kurzen Interludes abgesehen bieten die sechs bis zehn Minuten langen Tracks eigentlich etwas für jede atmosphärische und stilistische Vorliebe. Highlight: »Inside My Head«, ein verschrobener Trip in eine surrealistische Samplewelt mit entstellter Akustikgitarre, Stimmfragmenten und befremdlichen Klangeffekten. (ijb)



Siehe auch:
Patrik Skoog

 Agaric: Who made up the Rules

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Johan Agebjörn: Casablanca Nights
(2011, Paper Bag Records PAPER057 ) - Schweden

Wie bereits auf Johan Agebjörns vorhergehenden Platten tritt hier wieder seine große Vorliebe für die Discomucke und Keyboardsounds zwischen den späten Siebzigern und den frühen Neunziger Jahren offensiv hervor. Dabei handelt es sich neben hübsch imitierten Arrangements oft auch um entsprechend dünn geträllerte Melodiechen (z.B. im Titelsong). Nach einem billigen Klavierklimperintro klingt »CASABLANCA NIGHTS« über weite Strecken wie einer Achziger-Jahre-Discothek entlaufen. Doch die Lieder sind bei weitem nicht so ergreifend wie die allseits in Erinnerung geblienenen Hedonismus-Hymnen à la Donna Summer, Giorgio Moroder oder Corona (»The Rhythm of the Night«). Wenn es ganz treffend wird, kommt mit »So Fine all the Time« sogar ein amüsanter (ironisch gemeinter?) Popsong mit Vocoder-Gesang, der ebenso gut von Neil Youngs recht bizarrem Album »Trans« aus dem Jahr 1982 sein könnte.

Doch wofür das alles? Einen halben Pop-Hit wie »Watch the World go by« kann man sich zwar im Nachmittagsradio vorstellen, doch die meisten Songs passen eher zu Aerobic oder Feriendorf-Animation in touristisch überlaufenen Mittelmeerdomizilen. Bestimmt hat Agebjörn hier seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen an familiäre Italienurlaube freien Lauf gelassen. Das ganze Unterfangen hat neben dem Nostalgischen auch etwas Attrappenhaftes: Wer soll sich diese Nachbildungen anhören, wenn es doch die Originale überall billig zu haben und hören gibt? (ijb)



Mehr CDs von Johan Agebjörn



Siehe auch:
Sally Shapiro

Johan Agebjörn: Casablanca Nights

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Alimo & Control: Biitit Ja Tyylit FM
(2001, Tunne Recordings /BMG 74321.90449.2 ) - Finnland

Alimo & Control nennen ihre Musik selbst »Beats'n'Styles«. Was liegt also näher, als ihr Debüt ebenso zu titulieren? Allerdings in ihrer Muttersprache – und nicht unbegründet: Die beiden jungen Finnen bringen progressive Drum'n'Bass-Klänge mit finnischen Vocals zusammen. Das mutet seltsam an, hat ihnen aber gerade deshalb zu großem Ruhm im Tausend-Seen-Land verholfen – oder war's etwa die eigene Fernsehshow, mit Augenmerk auf Underground-Musik, Clubkultur und Lifestyle?

Auf »BIITIT JA TYYLIT FM« wechseln reine, klare Frauenstimmen wie die von Mia Vänska in »Kuuma« mit nasalen, eher an afrikanisch-karibisches Englisch erinnernden Gesang. Mal klingelt ein synthetischer Xylophon-Tupfer hier, ein paar Dschungeltrommeln pochen dort, wunderbar unterhaltend und atmosphärisch. Einfach entspannt anhören – oder auf der Tanzfläche Schweißtropfen vergießen, denn für dieses Album gilt wirklich »Piru On Irti« (der Teufel ist los). (nat)



Siehe auch:
Beats & Styles

 Alimo & Control: Biitit Ja Tyylit FM

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AM And The UV: Candy Thunder
(2004, Beatservice /VME BS072CD ) - Norwegen

Sie ist wieder einmal gut untergekommen, die Sängerin Anne Marie Almedal, die einst für den Erfolg von Velvet Belly sorgte. Gemeinsam mit Nicolas Silitoe, der seinerseits Teil des Projektes Illumination ist sowie Ken Theodorsen, mit dem er wiederum die DJ-Schmiede Ultraworld bildet, nennt man sich AM And The UV. Und hat auf dessen Debüt-Album ein knappes Dutzend Songs eingespielt, die angenehmen und zuckerfreien Elektropop bieten. Mal fast (fast!) verklärt sphärisch und getragen von ernster Ruhe, dann wieder hippelig und vorpreschend, ohne sich jedoch zu allzu banalen Rhythmen verführen zu lassen.

»The True New Cool Of Norway« – hmmm, so ganz falsch ist diese Selbstbeschreibung entsprechend nicht. Obwohl man mit Titel wie »Wonderful, Beautiful« auch so warmherzige Ohrwürmer im Repertoire hält, dass man seinen Norwegerpullover auf der Stelle grellorange einfärben möchte. Hat ohnehin nur gekratzt, das Ding. (frk)



Siehe auch:
Anne Marie Almedal
Velvet Belly

Jan Bang

Illumination/Chilluminati


 AM And The UV: Candy Thunder

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