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Lange Rezensionen 1 - 10 von 1042 im Genre »Rock« (insgesamt 1825)

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1099: Young Pines
(2015, Stickman /Soulfood -lyte LYTLP001, 2LPs ) - Norwegen

Mit dem Stichworten »Norway, Rock, Alternative, Instrumental, Post-Rock, Trondheim« fasst das junge Quartett sein Doppelalbum auf der Bandcamp-Seite zusammen. »Ach herrje«, möchte man ausrufen – wer braucht das denn (außerhalb der Heimatstadt), gibt es denn nicht schon mehr als genügend Post-Rock-Bands? Aber hallo. Aus Trondheim? Motorpsycho, anyone? Instrumental-Rock? Gerade erst hatten wir etwa das ziemlich tolle Album von Spurv... Doch haltet ein: Dass wir von der Band mit dem eigenwilligen Namen und ohne Selbstbildnisse nicht schon längst gehört (und euch berichtet) haben, darf in der Kategorie »Zu Unrecht übersehen« verbucht werden. Denn 1099 sind gut. Sehr gut, sogar.

Die fast 70 Minuten lange Platte (bzw. Doppel-LP) lässt über weitgehend epische Stücke – drei von ihnen gehen jeweils über zehn Minuten – unprätentiös alte Progressive-Rock-Tugenden erstaunlich frisch (und melodiös) klingen. Bestimmt war es die richtige Entscheidung, den Weg ohne einen Sänger (und ohne die üblichen Poser-Bandfotos, zugunsten einer unaufdringlichen Rätselhaftigkeit) zu gehen. Man sollte indes keine Innovationen von 1099 erwarten, denn eigentlich hört man auf »YOUNG PINES« nichts, was man nicht schon anderswo gehört hätte. Aber das macht gar nichts. Die vier eifern weder den kanadischen Stars aus der Constellation-Ecke noch den Krautrock-Klassikern à la NEU! oder Harmonia nach, sondern finden ziemlich gewandt und erstaunlich relaxed einen eigenen Sound, der entfernt und gerade mal punktuell an Kollegen und Vorbilder erinnert, aber nie mit jenen zu verwechseln wäre. Am Ende würde es wohl auch niemanden überraschen, wenn sich herausstellte, dass die Jungs von Motorpsycho hinter 1099 steckten, so vielseitig wie die Prog-Rock-Instanz aus Trondheim nach 25 Bandjahren nach wie vor mitreißt. Stark. (ijb)



Siehe auch:
The Liberation
Motorpsycho

Spurv


 1099: Young Pines

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120 Days: 120 Days
(2006, Smalltown Supersound SMS320 CD ) - Norwegen

Düsternis und Euphorie gehen Arm in Arm. Disco-Synthies und lärmende Gitarren sitzen händchenhaltend in der Ecke. Dunkelbrauner Progressive Rock und metallisch glitzernde urbane Coolness haben sich zum Knutschen ins Dunkle verzogen. Die Luft flirrt vor Intensität. Es riecht nach Aufbruch. 120 Days haben auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum den Sprung in die Nebelwand gewagt. Wer glaubt, die Zukunft des Rock sei untrennbar mit der E-Gitarre verbunden, der sollte hier genau zuhören.

Das Quartett aus Kristiansund reklamiert die rohe Kraft von Synthies und Drumcomputern für sich. Zieht sie energisch hinüber ins Rock-Lager. Greift sich Versatzstücke aus dem Repertoire von Kraftwerk oder Neu! aus den 70ern und lässt sich von hedonistischen Gitarrenhelden wie The Cult aus den 80ern inspirieren: Cult-Aushängeschild Ian Astbury hat deutliche Spuren bei Sänger Ådne Meisfjord hinterlassen. 120 Days entwickeln aus diesen scheinbar widersprüchlichen Einzelteilen eine unwiderstehlich treibende Mischung und scheren sich den Teufel darum, dass dabei Zwölf-Minuten-Songs herauskommen. Definitiv keine Musik zum Nebenbei-Hören.Viel zu aufregend, was hier passiert. Das Herz pocht schmerzhaft. (emv)



Siehe auch:
Mari Boine

 120 Days: 120 Days

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200: Viva La Republica
(2005, Tutl HJF 121 ) - Färöer

Ups! Hier flötet nicht der Basstölpel sein Hochzeitslied. Hier brandet nicht das Meer an die felsigen Küste. Hier ist keine scheue Einheimische dabei, ein altes Volkslied zum Besten zu hauchen. Statt dessen bratzt die Gitarre, röhrt der Bass und werden die Trommelfelle recht arg beansprucht. Der klassische Dreier also, getragen von Uni Arting (dr), Niels Arge Galán (g) und Mikael Blak (b), den man als Musiker von diversen fähringischen Produktionen her kennt, wie etwa bei Eivör Pálsdottir.

Und wo heftiger Rock am Wirken ist, artikuliert sich sogleich offene Wut. »Es lebe die Republik« ist in diesem Sinne ein flammender Aufruf zur Unabhängigkeit des Inselstaates vom Hausherren Dänemark, ein Plädoyer gegen religiösen Fundamentalismus und Homophobie, gebannt in 16 Songs, die ohne viel Federlesens zur Sache gehen: Schnell sein, wild sein, keine Kompromisse eingehen – das ist Motor wie Lebensgefühl für die drei Jungs. Zuweilen fühlt man sich zurück versetzt in die Anfangsjahre des Punk, dann wieder wird fast klassischer Rock'n Roll geboten, und zwischendurch macht man gar echten Krach. Eine Platte also, die man besser nicht dem Harmonie-orientierten Feingeist schenken sollte. (frk)



Mehr CDs von 200



Siehe auch:
Eivør Pálsdóttir

 200: Viva La Republica

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22 Pistepirkko: Rally Of Love
(2001, Clearspot /EfA 6020-1 ) - Finnland

Ihren Namen hat das aus dem nordischen Kaff Utajärvi stammende Trio von einem gelben Marienkäfer. Schrägen Humor besitzen die Finnen also reichlich, die im April 2002 ihr 20jähriges Bandjubiläum feierten, doch über den Status eines Geheimtipps nie hinausgekommen sind.

Die Brüder Asko und P-K Keränen bringen mit Jugendfreund Espe Haverinen schrullige Pop-Absonderlichkeiten zu Gehör, die trotz knarziger Gitarren und gelegentlich elektronischer Beats überraschend eingängig tönen. Mit Mainstream hatten die Pistepirkkos natürlich nie etwas am Hut, aber gemessen an ihren bisherigen Platten verzaubert »RALLY OF LOVE« mit angenehm flirrenden Pop-Psychedelika an der Grenze zwischen Melancholie und Optimismus. (peb)



Mehr CDs von 22 Pistepirkko



Siehe auch:
The Others
Verschiedene: Hyvää Ja Kaunista – Radiomafia-live Vol. I



Zum Artikel über 22 Pistepirkko

 22 Pistepirkko: Rally Of Love

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51 Koodia: Rautaiset Linnut
(2005, EMI 094633563421 ) - Finnland

Lasst euch von dem zarten, instrumentalen, einminütigen Intro nicht aufs Glatteis führen: Beim nachfolgenden Titeltrack drischt Olli-Matti auf das Schlagzeug, ballert Askos Bass, fabriziert Jute harte Riffs, denen 51 Koodia-Fronter Hannu klaren, finnischen Gesang entgegensetzt. Geige oder Cello flankieren die spärlich vorhandenen sanften Lieder, wie »Puu« auf ihrem bereits zweiten Album »RAUTAISET LINNUT«, zu Deutsch: »Eiserne Vögel«.

In bester Metalmanier rockt das Quartett »Kahleet«, einen Hit der metal/rocklastigen einheimischen Radiostationen. Trotzdem blieb den Joensuuern – welche zur Einstimmung auf ihre Gigs gerne eine Bandstimme auf Finnisch von 51 rückwärts zählen lassen, um schließlich bei »nolla« die Bühne zu stürmen – der große Durchbruch (bisher) verwehrt. Ihre soliden Scheiben ragen bedauerlicherweise nicht hoch genug aus der Masse ihrer Landsleute heraus, obwohl es an guten Ideen nicht mangelt. (nat)



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 51 Koodia: Rautaiset Linnut

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5th Sonic Brigade: 5th Sonic Brigade
(2009, Öhrn Music /Sound Pollution OMM003 ) - Schweden

5th Sonic Brigade – nie gehört? Das könnte daran liegen, dass du nicht in Schweden lebst: »The Whooo Song (Remix)« ist in skandinavischen Clubs einer der am häufigst gespielten Songs und in der Originalversion auf dem selbstbetitelten Debüt zu hören. Besondere Kennzeichen: Stampfendes Schlagzeug, pulsierender Bass, melodische Gitarre, Stimme die in den Strophen den Ohren schmeichelt und im Refrain zum Mitsingen auffordert. Der Opener »Stop« hat deutlich mehr Ecken und Kanten.

Einige Stücke wie »Knock, Knock On My Door Again« preschen ordentlich vorwärts – kein Wunder bei der Vergangenheit der Bandmitglieder: Sänger Marcus Öhrn kommt von Noice, (eine schwedische Punklegende), Gitarrist Ryan Roxie spielte mal bei Alice Cooper, Bassist Peter Samuelsson bei den Nifters und Henry Ranta trommelte früher bei Soilwork. Die Stärke des Quintetts liegt eindeutig im groovenden Rock-Bereich, auf die Fast-Schnulze »Black Death, Monster, Evil (I'm The Truth)« hätte die 2007 gegründete Band besser verzichtet. Freunde skandinavischen Rocks, der Foo Fighters oder Queen Of The Stone Ages sollten reinhören. (nat)



Siehe auch:
Soilwork

 5th Sonic Brigade: 5th Sonic Brigade

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The 69 Eyes: Back In Blood
(2009, Nuclear Blast 2736123-972 ) - Finnland

Besser als erwartet brettern The 69 Eyes mit dem eröffnenden Titeltrack los: »Back In Blood« rockt, völlig befreit von Jyrkis gewohnt künstlich-tiefem Geknödel sowie jeglichem Gothic-Pop-Kleister. Fast weht hier ein Hauch »SAVAGE GARDEN« – aber auch ein Hauch Mötley Crüe. Das nachfolgende, immer noch rockige »We Own The Night« streift ein zarter Hauch von Backyard Babies »Star War« (»MAKING ENEMIES IS GOOD«). Damit ist bei dem Finnenfünfer aber erst mal die Luft raus – und alles beim Alten: Die folgenden, erneut gezwungen geknödelten »Dead / Undead / Blood«-Stücke plätschern schal(ala) vorbei. Da hilft selbst das insgesamt starke Soundgewand nicht mehr.

Mit der mitsingtauglichen Single-Auskopplung »Dead Girls Are Easy« verfeuern die Helsinkier ihr Pulver endgültig. Nur »Some Kind Of Magick« lässt nochmals aufhorchen; allerdings nur dank der von »Tempel Of Love« (Sister Of Mercy) plump »geliehenen« Tonläufe. Punktabzug. Beim finalen »Eternal« versuche ich schon gar nicht mehr herauszufinden, an wen oder was es mich erinnert. Halbwertszeit der Scheibe? Nicht länger als die einer offenen Packung Milch. (nat)



Mehr CDs von The 69 Eyes



Siehe auch:
Backyard Babies
Gothic Spirits 10



Zum Artikel über The 69 Eyes


Zu den aktuellen Tourterminen von The 69 Eyes

The 69 Eyes: Back In Blood

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A Projection: Exit
(2015, Tapete /Indigo TR309 ) - Schweden

Teenage Angst ziemlich glamourös klingen lassen: Das kriegen sie sehr gut hin, die jungen Stockholmer Indierocker von A Projection. Das in stylishes Schwarz gekleidete Sextett hat offenkundig den Großmeistern des Dark Wave aufmerksam gelauscht, von Joy Division über Depeche Mode bis zu New Order. Und pflegt dabei eine angenehm rotzige Punk-Attitüde. A Projection lassen die Gitarren so hoffnungslos wie nur möglich klingen und kontrastieren die Endzeit-Stimmung mit plüschigen Synthies. Und über allem schwebt die dunkle Stimme von Sänger Isak Erikson wie eine bedrohliche Gewitterwolke, die kurz vorm Bersten steht. Die feine Single »Young Days« hört sich so an, als hätten ihre Landsleute Peter Bjorn And John ihren Überhit »Young Folks« im Zustand mittelgroßer Depression geschrieben!

Klar, dass A Projection die Welt in Schwarz-Weiß-Ästhetik sehen und ihre unbändige Lebenslust bevorzugt zur Dämmerstunde ausleben, wenn die Dinge so interessant zwischen verschiedenen Zuständen schwanken! Die Schweden punkten hier mit unbedingter Dringlichkeit. Man muss hier einfach mittanzen, auch wenn die die Stimmung grenzwert-aggressiv ist! Dunkelschwarz ist besser! (emv)



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A Swarm Of The Sun: The King Of Everything
( EP, 2007, Version Studio VSCD001 ) - Schweden

Sollte man ziemlich fiesen Liebeskummer haben und das Leben im allgemeinen für schwer erträglich und die so sehr geliebte Person für grundlos grausam halten, dann ist der perfekte Zeitpunkt gekommen, »THE KING OF EVERYTHING« aufzulegen, die Debüt-EP der beiden Schweden. Man könnte alternativ auch den Kopf gegen die nächste Rigips-Wand hauen, aber die Tiefen der Verzweiflung lassen sich mit A Swarm Of The Sun besser durchleben und eher aushalten. Zumindest ist man nicht allein mit seinem Schmerz. Besonders nachts.

Erik Nilssson und Jakob Berglund bauen hier in bester Post-Rock-Manier Gitarrenstrukturen auf, die sich auftürmen wie Killerwellen. Keine Frage, unser kleines Boot wird verschlungen werden, aber wehren tun wir uns trotzdem. Industrial Rock-Elemente als starke Unterströmung verstärken den Eindruck der Ausweglosigkeit. Aber wir bleiben empfindsam, und Endzeit-Songs wie »I Fear The End« machen uns trotzig und traurig. Das ist alles nicht unbedingt neu, aber geht trotzdem mitten ins Herz. (emv)



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A.C.T.: Last Epic
(2007, Inside Out /SPV 79452 ) - Schweden

Anlässlich der Veröffentlichung des vierten Albums von A.C.T. legte ihr neues Label InsideOut die »vergriffenen« ersten drei Platten mit ein paar Bonustracks und »erweiterten Booklets« neu auf. Die Band selbst nennt ihre Musik »MelodicProgRockPompPop«, und diese Beschreibung trifft jede der vier Scheiben eigentlich besser als jede Kommentierung von Kritiker- oder Fanseite es könnte. Man darf beim »Prog«-Anteil allerdings keinesfalls einen ausgefeilten oder druckvollen »Krautrock«-Rhythmusrock erwarten, sondern eher ein – wahrscheinlich humorvoll gemeintes – Spiel mit Versatzstücken verschiedenster Einflüsse, die immer wieder für Tempo- und Dynamikwechsel in der Komposition sorgen. A.C.T. nennen unter anderem Saga, Rush, Yes, Queen und Electric Light Orchestra als Einflüsse, doch etwas Eigenes vermögen sie aus diesen Vorbildern nicht zu gestalten. Vor allem die Ambitionen in Richtung Queen und ELO (z.B. »A Loaded Situation« oder »The Effect«) misslingen mit zuverlässiger Regelmäßigkeit. Aber vielleicht darf man den selbstgewählten Vergleich auch einfach nicht zu ernst nehmen.

Die dritte CD mit dem sympathischen Titel »Last Epic« verzichtete erfreulicherweise auf ein weiteres entsetzliches Bandfoto auf dem Cover, doch die Musik des wieder einstündigen Albums unterscheidet sich – natürlich – so gut wie gar nicht von der zwei Jahre zuvor veröffentlichten zweiten Platte »IMAGINARY FRIENDS« und ihrem cheesy Gitarren-Keyboard-Sound. Never change a winning team ... Auf die wenig eindrucksvolle Leadstimme und die nirgends prägnanten Songs muss man wie gehabt gefasst sein, der subtile Unterschied von »Last Epic« gegenüber den Vorgängern liegt in der Verwendung von etwas mehr Synth- und Voice-Effekten hier und da. Auf der »Special Edition« bekommt der Käufer drei Demos und ein »String Medley« als Bonus. Hier kann man erstmals die ruhige und auf Piano(ersatz) reduzierte Seite der Band kennenlernen; vor allem »Ted’s Ballad« erinnert (auch in der endgültigen Albumversion) in Gesang an die Hollies. (ijb)



Mehr CDs von A.C.T.

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