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Ein Interview von Christian Dännart

Veränderungen sind eine Konstante im Sound der in Helsinki beheimateten Band The 69 Eyes. Auf bisher sieben Alben vollzog sich eine Metamorphose vom dreckigen, von Iggy & The Stooges-beeinflussten Sleaze-Rock zum Gothic-Rock. Dabei bewegen sich The 69 Eyes in der Schnittmenge von The Cult und Type-O-Negative. Drummer Jussi sprach über den neuen Weg zwischen HIM und Duran Duran.

The 69 Eyes

Ein guter Film

The 69 Eyes

Der Opener »Crashin' High« von »PARIS KILLS« zeigt die Marschrichtung an. Statt dichter Gitarrenwände hört man neben dem Gesang von Jyrki 69 viel Keyboards und opulenten Chorgesang. Die Fans werden trotzdem nicht enttäuscht, denn die Gitarren klingen nur weniger dominant - eher homogen eingebettet in die Keyboards und den Gesang. Zudem hat »PARIS KILLS« wieder einige Clubhits am Start: Neben der Single dürften auch »Crashin' High«, »Don't Turn Your Back On Fear« und »Betty Blue« für volle Tanzflächen sorgen.

Euer neues Album trägt den Namen »PARIS KILLS«. Was verbindet Ihr damit?

Es gibt drei Theorien zum Album »PARIS KILLS«. Die einfachste ist: Jeder kann einige Namen von berühmten Persönlichkeiten, Musikern, Künstlern nennen, die auf dem Pariser Friedhof liegen. Ich mag den Titel sehr, und er passt auch zu unserem Bandnamen, es ist der Name eines guten Films.

The 69 Eyes

Im Vergleich zum letzten Album »BLESSED BE« haben die Melodien noch einmal zugelegt. Auch setzt Ihr bei einigen Stücken Chöre ein; dafür treten die Gitarren etwas in den Hintergrund.

Die Songs sollen den Glamour von Paris verkörpern. Mit Paris assoziiere ich als erstes Glamour. Auf dem neuen Album konzentrierten wir uns voll und ganz auf die Melodien und den Gesang von Jyrki. Auch sollte dieser nicht von zu lauten Gitarren entwertet werden. Ich bin der Meinung, dass wir damit erfolgreich waren - das Ergebnis klingt immer noch nach The 69 Eyes.

Wir waren uns alle einig, dass wir uns vorwärts entwickeln müssen und nicht in einer Stilfalle enden dürfen, um uns so gegenseitig anzuöden. Es wäre sehr einfach gewesen, dem sehr erfolgreichen »BLESSED BE« ein »BLESSED BE VOL. 2« folgen zu lassen, aber das hätte uns nicht wirklich zufriedengestellt.

Woher kam die Idee, den Sound von The 69 Eyes zu Gunsten der Harmonien zu mäßigen?

Zur Zeit stehen wir auf klassische Pophymnen, die niemals untergehen werden. Songs die man auf dem Heimweg um 5 Uhr früh im Taxi hört, wie zum Beispiel »Forever Young« von Alphaville. Viele Leute, die unsere Alben mögen, mögen auch Alphaville oder Duran Duran!

Man hört die Songs nicht unbedingt zu Hause; emotional am besten entfalten sie sich aber, wenn man sie gar nicht erwartet. Für uns wäre es natürlich sehr schön, auch so eine Hymne zu schreiben. Einen Tribut an »Forever Young« haben wir auf dem neuen Album, mit dem Song »Radical«.

Die Karten werden neu gemischt

Jyriki 69

Ein Sänger an der Seine: Jyriki 69

»PARIS KILLS« schließt die Album-Trilogie ab, die Ihr mit »WASTING THE DAWN« begonnen habt. Euer akustisches Erscheinen hat sich seit dem Album schon sehr geändert.

Das Album »WASTING THE DAWN« war sehr rockig - mit viel Verzerrung, um einen möglichst dreckigen Sound zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wollten wir auch ein Album dieser Qualität machen, also ging das in Ordnung, weil wir sehr zufrieden damit waren.

Wo besteht der Zusammenhang zwischen »WASTING THE DAWN«, »BLESSED BE« und »PARIS KILLS«?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Zusammenhang der Trilogie zu erklären. Eine wäre, dass die Albumtitel zusammen einen Sinn ergeben: Zusammen ist die Trilogie ein Tribut an alle Poeten und speziell an Jim Morrison.

Auf den Alben gab es außerdem immer wieder Fingerzeige und Verweise auf Dinge, die mit ihm zu tun haben, und mit »PARIS KILLS« und dem letzten Song »Dawn's Highway« schließen wir die Sache ab. Die Karten werden jetzt neu gemischt, und wir starten ein neues Spiel.

Wirft man einen Blick auf Eure Lyrics, dann erscheinen sie doch eher bizarr. Da kann man eigentlich alle möglichen Dinge reininterpretieren.

Manche der Texte sind sehr offen zu interpretieren, manche nicht. Auch wir finden immer wieder neue Seiten an Songs, die schon mehrere Jahre alt sind. Viele Ideen kommen von Filmen, die wir uns ansehen, oder es sind Beobachtungen aus dem Leben. Ein Beispiel wäre »Betty Blue«. Das gab es auf jedem Album, auf »BLESSED BE« gab es den Song »Brandon Lee«. Meist sind darin versteckte Verweise und Anspielungen.

Die Drums zuletzt

The 69 Eyes

Wie sind die Songs zu »PARIS KILLS« entstanden?

Größtenteils entstanden sie auf der Tour. Nach dem letzten Gig auf dem Mera Luna Festival in Deutschland kamen wir zurück nach Helsinki und gingen geradewegs ins Studio, spielten die erste Single ein und schrieben die übrigen Songs für das Album, die im gleichen Zuge dann auch aufgenommen wurden.

So retteten wir das Live-Feeling, das Feedback vom Publikum, all die positive Energie und was sich in unseren Köpfen angesammelt hat. Wir setzten es in Songs um - unter dem Gesichtspunkt, dass sie auch live sehr gut realisierbar sind.

Auch »PARIS KILLS« entstand wie »BLESSED BE« wieder mit Produzent Johnny Lee Michaels. Die Zusammenarbeit scheint also recht fruchtbar.

The 69 Eyes

Bad bad guy ...

Wir wollten ihn deshalb wieder, weil er das verkörpert, was die wahre Bedeutung des Wortes »Produzent« sein sollte. Er war eigentlich mehr ein Bandmitglied; oft kam er mit wertvollen Ideen, gerade was die Arrangements anging. Er ist auch Filmsoundtrack-Komponist, was eine wunderbare Sache für uns war, denn wir wollten etwas Filmatmosphäre auf das Album bringen.

Außerdem war es möglich, mit ihm bei den Aufnahmen völlig unüblich vorzugehen. Normalerweise werden zuerst Drums und Bass aufgenommen. Bei unseren Aufnahmen war ich der letzte, der seinen Part einspielte. Der Grund war, dass wir uns so besser auf den Song und die Melodien konzentrieren konnten, außerdem konnten wir die Songs immer noch ändern und umarrangieren.

Als das alles erledigt war, spielte ich erst das Schlagzeug ein. Das hört sich für die Kollegen vielleicht verrückt an, aber wir verfuhren bereits bei »BLESSED BE« so, und bei »PARIS KILLS« war es dann das natürlichste der Welt.

Besser als Shakira und Britney Spears

Im Moment scheint ja alles wunderbar für Euch zu laufen, und in Eurer Heimat seid Ihr wohl eine wirklich große Nummer.

Ich möchte nicht wie ein Rockstar-Arschloch klingen, aber für uns läuft es wirklich sehr sehr gut in Finnland. Es gab dort nur ein Konzert, das nicht ausverkauft war. Wir machen das jetzt schon so lange, und es gab zu Anfang eine kleine, loyale Fangemeinde, die immer größer wurde.

The 69 Eyes

Nach Neujahr veröffentlichten wir die erste Single aus dem neuen Album - »Dance d'Amour« -, was dann die meistverkaufte Single in ganz Finnland werden sollte. Sie lief besser als Shakira oder Britney Spears, und sie wird bald Platinstatus erreichen!

Die bekannteste finnische Band hierzulande ist wohl HIM. Wie sieht es für die in der Heimat aus?

HIM touren in Finnland nicht so viel, weil sie auch überall in ganz Europa touren. Ich wüde aber sagen, dass The 69 Eyes und HIM ungefähr das gleiche Publikum haben. Außerdem gehören beide Bands in Finnland zum Mainstream. Zu den Konzerten kommen also nicht nur schwarz angezogene Mädchen, sondern auch deren Mütter!

Jetzt, da »PARIS KILLS« erschienen ist und Ihr Eure Trilogie abgeschlossen habt, hast Du da schon neue Ideen?

Zu diesem Zeitpunkt ist es schwer zu sagen, in welche Richtung die Sache gehen wird. Ich bin sehr zufrieden damit, dass wir eigentlich mit jedem Album etwas Neues anpacken.

© Christian Dännart, erstmals erschienen in Tribe-Online.
Fotos: Kira Glusckoff und Nauska



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