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Ein Interview von Liska Cersowsky

Die hölzernen Wurzeln verdankt sie ihrem Vater,
das musikalische Talent der Mutter.

Ane Bruns verzaubernde Stimme ist das Ergebnis
aus harten Leibesübungen beim Gitarrenspiel und unheilvollem Liebeskummer.

Ane Brun

Snus als Trend

Ane Brun

Keine Schnickse

So geschieht es dann und wann, dass eine junge Frau in die Tobacco-Dose greift und sich ein rundes Päckchen Snus links unter die Oberlippe stopft. Was unter den Schwedinnen längst zum Trend geworden ist - das weiß Ane Brunvoll - in ihrem Heimatland fast noch nur der Männlichkeit vorbehalten. »Gehe ich zurück nach Oslo« sagt die nunmehr in Stockholm ansässige Mitzwanzigerin, »muss ich zur Zigarette greifen, damit meine Freunde nicht glauben, ich wäre jetzt eine abgehobene Schnickse.«

Dabei steht die symphatische Blonde mit Künstlernamen und Debüt namens »SPENDING TIME WITH MORGAN« erst mal noch am zarten Anfang ihrer Karriere, die ihr eigentlich so wichtig gar nicht ist. Die Einnahmen, die sie durch die Verkäufe ihres Albums und vielzählige Konzerte erwirtschaften möchte, wird sie erst mal in die »Rückzahlung dieser riesigen Summe Studentenunterstützung« stecken müssen.

So auch in ihr eigenes Label »Determine Records« (zu deutsch etwa: »Das sind meine Platten«), über das sie nun ihre Stücke vertreibt. Einfache Songs, deren entwaffnend emotionale Ehrlichkeit sie ihren Vorbildern Nick Drake und Ani DiFranco zweifelsohne von den Saiten abgelesen hat.

Selbsttherapie mit Vaters Gitarre

Ane Brun

Glücklich allein

»Praktisch habe ich mit wirklich schweren Stücken angefangen zu üben« verrät sie im Rückblick auf ihre Anfänge als Musikerin. Nachdem Klarinetten- und Pianounterricht nicht das gewünschte Seelenheil bewirken wollten, griff sie mit 22 Jahren zu Vaters Akustikgitarre und gab sie nicht mehr aus der Hand. »Irgendwann wusste ich sehr viel mehr über Fingerpicking als über eigentliche Chords.«

Doch was sich anfänglich nur auf das Nachspielen ihrer Lieblingssongs beschränkte, wurde bald zur Selbsttherapie im eigenen Songwriting. Die starke biographische Färbung ihrer Texte macht es ihr bisweilen erst möglich, einige Stücke wieder live zu spielen, wenn die beschriebenen quälenden Geschehnisse anfangen als Erinnerungshilfe an eine kopfzerbrechende Zeit zu fungieren.

»Shot My Heart ist sehr persönlich. Jedes Mal, wenn ich dieses Lied spiele, hilft es mir darüber hinweg zu kommen.« lacht Ane mittlerweile. Denn den Grund aller ihrer Sehnsüchte, den gibt es nicht mehr. »Für meinen Freund bin ich damals nach Schweden gezogen, unsere Beziehung verlief allerdings ganz und gar nicht romantisch. Jetzt bin ich glücklich allein.«

Im Herzen ihres Publikums

Ane Brun

Seltsame Grimassen?

Und doch nicht ganz. Freunde haben ihr geholfen ihre Ideen für die Stücke umzusetzen. Bis auf den LapSteel-Gitarristen gibt es keine Studioband, keine engagierten Musiker. Wenn Cello, Saxophon und Streicher Ane nun also bei ihrem Fingerspiel begleiten, dann weil sie mit ihr an den Stücken solange gearbeitet haben, bis sie allesamt von jener emotionalen Stimmung bewegt waren, die sie festzuhalten suchten.

»Wenn das Geld dafür ausreicht, dann nehme ich gern meine Freunde als Live-Band mit auf Tour. Ebenso gern stehe ich aber auch allein auf der Bühne. - Ich weiß, dass ich beim Singen ganz seltsame Grimassen ziehe, aber in diesen Momenten bin ich einfach irgendwo anders.«

Im Herzen ihres Publikums mit Sicherheit.

© Liska Cersowsky
Fotos: V2



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