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Atrox: Von Zeit zu Zeit singe ich sogar absichtlich richtig schrecklich

Ein Interview von Sascha Blach

Metal-Gitarren, komplexe Breaks und Kunstgesang – Atrox sitzen zwischen allen Stühlen und lieben die Experimente. Ein Gespräch mit der auf vielen Hochzeiten tanzenden Sängerin Monika Edvardsen.

Atrox

Von Suffocation zu Atrox

Atrox

Diese norwegische Band wurde bereits 1988 unter dem Namen Suffocation gegründet, bevor man sich zwei Jahre später in Atrox umbenannte. In den folgenden Jahren nahmen Atrox drei Demos auf, bevor sie für eine 7" bei dem Label »Danza Ipnotica« und für eine Full-Length-CD bei »Head Not Found« unterschrieben. Die 7" »SILENCE THE ECHOES« und das Album »MESMERIZED« wurden beide im April 1997 veröffentlicht.

1998 unterschrieben Atrox schließlich bei dem Label Season Of Mist und nahmen im Januar des darauf folgenden Jahres das Album »CONTENTUM« auf, das im Mai 2000 endlich veröffentlicht wurde. Über die Jahre hinweg gab es zahlreiche Line-Up-Wechsel, so dass mittlerweile niemand mehr aus der Ursprungsformation in der Band spielt. Die wichtigste Besetzung bestand aus Eivind Fjoseide (Gitarre), Rune Sørgård (Gitarre & Samples), Tor-Arne Helgesen (Drums), Tom (Bass) sowie Sängerin und Keyboarderin Monika Edvardsen, die auf die stilistische Entwicklung ihrer Band eingeht.

»Es steckt ein Sinn hinter allem, was ich tue«

Atrox

Von Death zu Schizo Metal

»Die Musik entwickelte sich mit der Zeit von klassischem Death Metal über Doom/Death mit atmosphärischen Anleihen bis hin zu dem was wir heute Schizo-Metal nennen. Dies beinhaltet zahlreiche experimentelle Einflüsse und hält uns stilistisch ein breites Spektrum offen.«

Sehr charakteristisch für den Sound von Atrox ist dabei der ungewöhnliche Gesang der Sängerin, der als »schizophren« gar nicht mal so falsch umschrieben ist. »Mir ist durchaus bewusst, daß manche Leute meinen Gesang zu abgedreht, bizarr und intensiv finden«, gesteht Monika. »Aber Menschen, für die Musik eine Herausforderung darstellt, lieben den Gesang, und genau das wollten wir erreichen. Von Zeit zu Zeit singe ich sogar absichtlich richtig schrecklich. Aber es ist doch immer die Frage, was man als schrecklich empfindet, denn auch etwas Hässliches kann manchmal schön sein. Ich wollte einfach verschiedene Emotionen in der Musik umsetzen. Es ist meine Absicht ,die Leute zu verwirren und sie neugierig zu machen, damit sie Fragen stellen und beginnen, für sich selbst zu denken. Es steckt durchaus ein Sinn hinter allem was ich tue.«

Atrox

Aber auch die Texte, die auf den ersten Blick sogar ein wenig romantisch und verträumt erscheinen, lässt der bizarre Gesang oft in einem ganz anderen Licht erscheinen. »Ein Text drängt meine Art zu singen in eine bestimmte Richtung, aber ebenso ändern sich die Bedeutungen der Texte durch meinen abgedrehten Gesang. Wenn ich Texte schreibe, habe ich im Kopf, wie ich sie betonen möchte, damit die Menschen einen Anhaltspunkt haben, um sie zu interpretieren. Es ist, als würde in meinem Kopf, während ich schreibe, die ganze Zeit eine Stimme mitsummen.

Manchmal kann man Gefühle nicht in Worte fassen, und dann versuche ich sie durch meine Art zu singen auszudrücken. »Sultry Air« ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn man nur den Text liest, ein atmosphärisches Liebeslied, aber wenn man den ganzen Song hört, verändert sich die ursprüngliche Bedeutung und verneint die Aussage des Textes auf eigenartige Weise.«

Gierige Menschen und tanzende Eidechsen

Atrox

In engem Zusammenhang zu den Texten steht auch das phantastische Cover von »CONTENTUM«, das ebenfalls viel Platz für Interpretationen offen läßt. »Das Cover habe ich gezeichnet«, wirft Monika ein. »Ich wollte, dass es Musik und Texte gleichermaßen unterstreicht. Alles, was ich für diese Band mache – sowohl Musik als auch Texte und Artworks – entstehen aus ein und der selben Intention heraus. Deswegen ist es ganz normal, dass es einen engen Zusammenhang zwischen diesen Dingen gibt. Die Eidechse und der Kessel auf dem Cover tauchen auch in den Texten auf. »Lizard Dance« ist ein kleines Schauspiel von ein paar gierigen Menschen und tanzenden Eidechsen. Es porträtiert menschliche Charaktere, die ich nicht mag. Deswegen ist der Gesang auch sehr nachdrücklich.«

Atrox, The Third And The Mortal, Tactile Gemma

Ulla Pirttijärvi

Interessant dürfte sicherlich auch sein, dass Monika die kleine Schwester von Ann-Mari Edvardsen ist, die noch bis vor zwei Jahren bei The 3rd And The Mortal sang. Doch Monika betont, dass man die Hilfe ihrer Landsmänner weder in geschäftlichen Dingen in Anspruch nimmt noch sich von ihnen beeinflusst sieht. »Aber es gibt natürlich auch einige Gemeinsamkeiten. Eivind von Atrox und Geir von The 3rd And The Mortal spielen zusammen bei Manes, und Ann-Mari, Rune von Atrox und ich haben ein Projekt namens Tactile Gemma. Wir haben es gegründet, nachdem Ann-Mari The 3rd And The Mortal verlassen hat.

Ich habe The Third And The Mortal auch schon bei der Covergestaltung geholfen. Ein Photo im Booklet von »IN THIS ROOM« sowie das Ornament von »NIGHTSWAN« sind von mir. Ebenso habe ich ein paar Gesänge zu »Eat The Distance« auf dem Album und den Konzerten beigesteuert. Durch diesen Auftritt bin ich überhaupt erst mit den Jungs von Atrox in Kontakt gekommen.«

Ulla Pirttijärvi

Noch abgedrehter ...

Und neben der Aufnahme des Tactile Gemma-Debüts fanden Monika auch noch Zeit für ein weiteres Atrox-Album namens »TERRESTRIALS«: »Manche sagen, daß unsere neuen Songs etwas mehr in Richtung Prog-Rock tendieren und noch abgedrehter sind. Zumindest denke ich, dass der Gesang ein bisschen weniger und normaler wird, da ich mich aufgrund der komplexen Songs mehr auf die Synthesizer konzentrieren muss. Aber wir werden auf jeden Fall auch weiterhin mit verschiedenen Stilen experimentieren und ich glaube, dass alle, die »CONTENTUM« mochten, unser neues Material noch mehr lieben werden ...

Nachtrag: Im Januar 2004 verließ Monika Atrox wegen musikalischer Differenzen. Während die Band ihrer bisherigen Richtung weiter folgen will, möchte sich die Sängerin vom Metal abwenden. Wir halten Euch auf dem Laufenden ...

© 2000 Sascha Blach, erstmals veröffentlicht in Legacy
Fotos: Øyvind Mjølund



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