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Audrey: Zart, unaufdringlich, aber nicht traurig

Ein Interview von Eva-Maria Vochazer

Leise Geschichten erzählen, das Cello sprechen lassen, Gefühle andeuten, Poesie schaffen: Die vier jungen Frauen von Audrey sind Newcomer in der schwedischen Popszene und gerade dabei, sich auch außerhalb Skandinaviens hinaus bekannt zu machen.

Beim Soundcheck im Frankfurter Dreikönigskeller sind Audrey konzentriert, aber fröhlich. Es ist ihre erste Deutschlandtournee; sie haben sich zuvor im Wirrwar zwischen den vielen verschiedenen Mainbrücken verfahren und sind aufgekratzt und quietschlebendig.

Eva-Maria Vochazer sprach mit Cellistin und Pianistin Emelie Molin und Gitarristin Victoria Skoglund darüber, wie alles vor rund zwei Jahren angefangen hat, warum sie zwar eine feministische Haltung haben, sich aber nicht bewusst als Mädchenband sehen, woher sie ihre Inspirationen nehmen und warum gerade einer ihrer größten Träume unverhofft wahr wird.

Audrey

Wollen ihre eigene Stimme finden: Victoria, Emelie, Anna und Rebecka

Inspiration von Landschaften oder Bildern

Audrey

Sanfte Töne von Rebecka Kristiansson

Wie seid Ihr zusammengekommen?

Emelie: Wir spielen seit zwei Jahren zusammen. Ich bin erst ein wenig später zur Band gestoßen. Victoria, Anna und Rebecka hatten schon zwei oder drei Monate zusammengespielt. Ich kannte Anna und fragte sie einfach, ob ich mit ihnen spielen kann. Ich hatte zuvor schon in einer anderen Band gespielt.
Victoria: Wir haben alle zuvor in anderen Bands gespielt...aber wir wollten Musik spielen, die wir mögen und von der wir alle ein Teil sind.

Welche Musik mögt Ihr denn?

Emelie: Wir mögen ganz unterschiedliche Musik...das ist alles ziemlich schwierig ...
Victoria: Es ist nicht unbedingt die Art Musik, die wie unsere klingt ...
Emelie: Die Musik, die wir hören, kann nicht uns nicht als Wegweiser dienen, in welche Richtung wir gehen wollen. Unsere Musik kommt aus uns selbst. Wenn wir und hinsetzen und Songs schreiben, dann sagen wir uns nicht "ich habe diese Platte gehört und so wollen wir jetzt klingen". Wir bekommen unsere Inspirationen nicht von der Musik, sondern zum Beispiel von Landschaften oder Bildern oder Dingen, die wir lieben.

Viele Dinge selbst in die Hand genommen

Audrey

Gitarristin Victoria Skoglund

Ihr habt, als ihr als Gruppe angefangen habt, sehr viele Dinge selbst in die Hand genommen. Ihr habt selbst Eure Auftritte und Tourneen organisiert.

Victoria. Ja, wir haben selbst Clubs, in denen wir auftreten wollten, kontaktiert. Wir haben dort gefragt, ob sie unsere Musik mögen.
Emelie: Aber nachdem wir zwei oder drei Auftritte hatten, haben die Leute uns angerufen und uns gefragt, ob wir nochmal spielen wollten. Wir haben wirklich nichts weiter gemacht. Wir haben die Auftritte vor allem auch für uns gemacht.
Victoria: Einfach auch aus Spaß an der Sache.
Emelie: Und dann ist das Ganze ein Teil von uns geworden. (lacht)

Könnt Ihr von Eurer Musik leben?

Victoria: Wir studieren noch. Geld verdienen tun wir mit unserer Musik nicht.
Emelie: Aber langsam entwickelt sich etwas. Wir haben jetzt sogar einen Manager und eine Agentur ...

Background in klassischer Musik

Ihr scheint einen Background in klassischer Musik zu haben?

Emelie: Ja, das stimmt.
Victoria: Eigentlich wir alle. Ich habe verschiedene Instrumente gespielt.
Emelie: Wenn man in Schweden in die erste Klasse kommt, kann man zwischen verschiedenen Instrumenten wählen. Ich wollte eigentlich Gitarre lernen, aber der Kurs war schon voll und so konnte ich zwischen Bass und Cello wählen. Ich dachte so »ahääm« (lacht) und habe mich dann für das Cello entschieden.

Audrey

Cellistin Emelie Molin

Hattet Ihr von Anfang an geplant, eine reine Mädchenband zu sein, oder ist das reiner Zufall?

Victoria: Darüber habe ich nie nachgedacht.
Emelie: Nein, ich auch nicht.
Victoria: Rebecka und ich sind seit langem befreundet ...
Emelie: Es ist einfach so passiert.

Aber ihr habt keinen feministischen Hintergrund?

Victoria: Nein.
Emelie: Wir haben natürlich alle feministische Einstellungen (lacht). Aber es ist nicht so gelaufen, dass wir uns gesagt haben »Hey, wir gründen jetzt eine Rrriot Girls Band«. (lacht).

Ihr tour eine ganze Menge?

Victoria: Ja, wir waren viel in Schweden unterwegs. Aber wir waren auch schon in Dänemark. Und jetzt sind wir zum ersten Mal in Deutschland.
Emelie: Die Leute hier in Deutschland sind sehr freundlich. Sie sagen immer, was sie denken. Die Schweden sind bei unseren Konzerten sehr ruhig. In Deutschland ist es eher »europäisch«. Ich weiß nicht genau, wie ich das ausdrücken soll.

Seid Ihr Traurig?

Wie würdet Ihr Eure Musik beschreiben?

Victoria: äääähm (lacht)
Emelie: Ich sehe unsere Musik als sehr zart und unaufdringlich.. Aber gleichzeitig auch als sehr »edgy«. Wenn unsere Freunde oder Familien unsere Musik hören, fragen sie danach immer. »Seid Ihr traurig?« (lacht). Und dann denken sie immer an Landschaften oder Orte. An Kindheitserinnerungen. Und an ihre Lieblingsplätze, wenn sie spazierengehen.
Victoria: Oder an Träume. Manchmal haben die Leute sehr merkwürdige Assoziationen zu unserer Musik. (lacht).

Audrey

Sonic Youth und Hornbrille

Ich höre in Euren Songs auch ein fernes Echo von Folkeinflüssen.

Emelie: Vielleicht wegen des Cellos?
Victoria: Oder wegen der Stille?
Emelie: Ich mag Folkmusik übrigens sehr.

Welche Musik hat Euch beeinflusst?

Beide: Hmmmmmm...(lachen)
Emelie: Wenn ich jetzt eine Person oder eine Band nenne, klingt das so, als ob das alles wäre, für das ich stehe. Ich höre sehr viel verschiedene Musik. Aber in meinen »alten Tagen« habe ich natürlich viel Björk gehört.

Ihr klingt nicht so fürchterlich »björdesk«, finde ich.

Emelie: Natürlich klingen unsere Stimmen nicht wie die von Björk. Aber das sagen die Leute immer. Wir wollen aber unsere eigene Stimme finden. Mehr können wir nicht tun. (lacht)

Wann ist die beste Zeit, um Eure Musik zu hören?

Emelie: Meine kleine Kusine hört unsere Platte jeden Abend vorm Schlafengehen. Und ich denke immer: »Das ist so süß«. (lacht).
Victoria: Oder vielleicht, wenn man eine lange Strecke mit den Auto unterwegs ist.

Audrey

Unsere Musik hat fröhliche Seiten

Ihr klingt, ebenso wie Eure schwedischen Landsleute von Logh, sehr ruhig, aber nicht deprimiert.

Victoria: Nein, wir sind nicht deprimiert.
Emelie: Wir sind im Gegenteil sehr glücklich. .. unsere Musik mag aber manchmal ein bisschen traurig klingen. Aber sie hat auch eine Menge fröhliche Seiten.

Audrey

Typisch spanisch?

Kritiker beschreiben skandinavische Bands gerne mit Attributen wie karg oder winterlich ... oder in eurem Fall: typisch schwedisch.

Emelie: Die nordische Melancholie (lacht). Wahrscheinlich würden die Leute das Gleiche zu uns sagen, selbst wenn wir aus Spanien kämen. »Die klingen typisch spanisch!« (lacht)
Victoria: Die Leute scheinen viel zu schnell Schlussfolgerungen zu schließen. Aber wir können nun mal nichts dagegen tun, dass wir aus Schweden kommen (lacht).

Welche Bands aus Schweden mögt ihr?

Emelie: Logh.
Victoria: Und ein wenig auch Tiger Lou

Wann kommt Eure erste volle CD heraus? Noch in diesem Jahr?

Victoria: Wir wissen es noch nicht genau.
Emelie: Wir haben noch keinen Produzenten.
Victoria: Wir könnten zwar auch selbst produzieren, aber ich glaube, dass es wichtig ist, auch ein Feedback zu bekommen. Aber die Songs gibt es schon. Vielleicht im Mai oder Juni?

Mit welcher Band würdet Ihr gerne mal zusammen aufreten?

Beide kichern, und die Augen werden tellergroß: Mit Trail of the Dead.
Emelie: Für uns geht gerade ein Traum in Erfüllung. Wir haben eben erst erfahren, dass wir im Rahmen unserer Tour in Groningen als Support von Trail of the Dead auftreten werden.
Victoria: Eine meiner absoluten Lieblingsbands.
Emelie: Einer meiner größten Träume wird wahr.

Dann kann man Euch ja nur die Daumen drücken, dass alles gut klappt mit den Jungs ...

Beide, völlig aufgeregt: Ja, danke!

© 2005 Eva-Maria Vochazer, exklusiv für Nordische Musik
Foto-Credits: Mark Scheffer vom Vera Musikclub, Niederlande (3), Audrey



Discografie

2005

Audrey (EP)



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