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Ein Interview von Nathalie Martin

Mit alkoholfreien(!) Drinks, Häppchen und Interviews
überbrücken die Babies die Wartezeit
auf ihren letzten Deutschland-Auftritt dieser Tour, und der hat es in sich.
Wer die obligatorischen Fragen nach Sex, Drugs & Rock'n'Roll vermisst,
dem sei gesagt: Entweder man spricht drüber – oder man hat es.

Ein Interview mit Schlagzeuger Peder sowie Bassist Johan, der ab und an die eine oder andere Frage kommentiert.

Baclyard Babies

Warten auf den Flipper

Backyard Babies

Dregen hat Spaß

Seit Jahren warte ich auf euren geplanten »Backyard Babies Pinball« – gibt's den inzwischen?

Peder: ... öh ... nein, den gibt's nicht. Wir würden gerne einen haben, aber das ist zu teuer.
Johan: (grinst) Vielleicht sollten wir stattdessen ein Backyard Babies Golf-Set rausbringen ...
Peder: Wir werden diesen Flipper machen - ich versprech's.
Johan: (abwehrend) ... ich verspreche nix.
Peder: (grinst) ... ich schon.
(na dann sind wir mal gespannt, was die Zukunft bringt)

Reden wir über Euer neues Album – auf das wir so lange warten mussten. Wieso?

Peder: Nach »MAKING ENEMIES IS GOOD« waren wir ja zwei Jahre auf Tour und haben im Anschluss erst mal eine Pause gemacht (unterbricht sich selbst); tatsächlich touren wir seit sieben Jahren fast nonstop. Jedenfalls haben wir dann neue Songs geschrieben, Demos aufgenommen – das waren eigentlich schon fertige Songs – mischen, Studio, etc.

Backyard Babies

»Johan was too famous ...«

Außerdem haben wir noch das Video für »Minus Celsius« in L.A. gedreht. (Pause) Hm, im Grunde haben wir seit »MAKING ENEMIES« durchgearbeitet. Wir schreiben unsere Songs auch nicht unterwegs, sondern in Ruhe zuhause.

Wer schreibt bei Euch die Songs?

Peder und Johan: Wir alle.
Peder: Bei Making Enemies fingen wir alle an, Songs zu schrieben. Inzwischen entwickeln und »formen« wir sie gemeinsam. Die Texte schreiben Nicke und Dregen.

Solidarität mit den Tätern

Weswegen der Albumname »Stockholm Syndrome«?

Peder: Hinter dem Begriff Stockholm-Syndrom steckt eine interessante Geschichte.
(Im August 1973 betraten mehrere Unbekannte mit Maschinengewehren die Sveriges Kreditbank in Stockholm und nahmen vier Angestellte als Geiseln. Während der anschließenden fünf Tage war das Leben der Geiseln permanent in Gefahr, und man beobachtete zum ersten Mal eine psychologische Erscheinung, die später als »Stockholm-Syndrom« bekannt wurde: Dieser Begriff steht für ein spezifisches Verhalten von Verbrechensopfern, die sich in dieser Extremsituation ungewollt den Tätern anpassen oder sich sogar in sie verlieben, sie bemitleiden, möglicherweise sogar deren Ziele unterstützen.

... und außerdem denkt jeder, dass alle schwedischen Bands aus Stockholm kommen.

Backyard Babies

Zwei Fäuste für ein Halleluja

Ihr habt auf »STOCKHOLM SYNDROME« den Song »Friends«, den ich für einen der besten auf dem Album halte ...

Peder: Danke!

... und den Ihr schon 1999, also vor »MAKING ENEMIES« aufgenommen habt. Warum erschien er erst jetzt?

Peder: Ja, das stimmt: Nicke hatte den Song schon lange geschrieben, und wir haben auf der Tour unsere Freunde aufgenommen (beispielsweise Danko Jones, L7, Cardigans, Tyla, Michael Monroe, Joey Ramone). Dann starb Joey Ramone – und wir wollten ihn nicht direkt nach seinem Tod veröffentlichen, quasi »Geld mit seinem Tod verdienen«. Deswegen haben wir gewartet.

Welches ist Euer Lieblingssong auf Stockholm Syndrom?

Peder: »Minus Celsius«.
Johan: »Pigs For Swine«.

Und von allen vier Alben?

Backyard Babies

Interviewpartner Peder

Peder: Ich würde sagen, auch »Minus Celsius«. Es kommt immer drauf an, wie viel Spaß es macht, einen Song live zu spielen – im Moment macht mir der am meisten Spaß. »Look At You« (von »TOTAL 13«) mag ich auch sehr gern: (grinst) Seit wir den veröffentlicht haben, spielen wir ihn jedes Mal, bei jedem Gig.

Könnt ihr Euch zu Hause eigentlich »frei« bewegen oder werdet ihr erkannt, nach Autogrammen gefragt?

Peder: Klar werden wir erkannt, und einige Leute wollen Autogramme, aber wir können uns frei bewegen. Es macht Spaß, erkannt zu werden, und es ist schön, wenn dich die Leute grüßen – (grinsend) solange nachts keiner schreiend vor meiner Türe steht ... (Pause) In Stockholm everyone's famous ...
Johan: ... ich wohn da nicht mehr, ich bin weggezogen, eine Stunde entfernt ...
Peder: ... he was too famous (Gelächter)

Japan

Backyard Babies

Gut »behütet«

Ihr habt gerade in Japan getourt – nicht zum ersten Mal.

Peder: Zum ersten Mal haben wir dort 1998 gespielt, inzwischen spielen wir regelmäßig in Japan.

Ihr seid »Big In Japan«, ist das nicht eher ungewöhnlich für eine schwedische Band?

Peder: Für eine schwedische Rockband schon, aber schwedische Popbands spielen da häufiger.

Wie unterscheidet sich das japanische Publikum von dem »europäischen«?

Peder: Zwischen den Songs sind sie ganz ruhig, wollen hören, was Nicke sagt. Sonst sind sie sehr höflich, sehr geordnet: (Grinst) Es ist schon fast lächerlich, wie sie nach unserer Show raus gehen: Der als letzter reinkam, geht als erster raus.

Ihr wart in Nord- und Südamerika, in Asien, in Australien, ... gibt es noch Orte, wo Ihr gerne auftreten würdet?

Peder: Afrika! Ich würde gerne in Südafrika spielen. (Pause) Oder in Island, in Reykjavik.

Backyard Babies

Auftritt mit Mantel – selbst schuld

Gibt es einen Lieblings-Gig von euch?

Peder: Die ganze Tournee mit AC/DC war großartig – aber ein bestimmter Gig? Nein. Außerdem gibt es einen großen Unterschied zwischen Festivals und Club-Gigs: Bei Club-Gigs gehört die ganze Aufmerksamkeit dir, alle sind wegen dir da – bei Festivals hast du viel mehr Leute.

Mit wem würdest Du gerne touren?

Peder: Rolling Stones!

Was haltet Ihr von Turbonegro und Gluecifer?

(Peder und Johan reißen wie auf Kommando synchron ihre Daumen in die Höhe): Super! Wir mögen die wirklich!
Peder: (lacht) Ich hab sogar deren Jacke (die legendäre Turbojugend-Jacke). Wobei ich es schade finde, dass bei Turbonegro manchmal deren Image mehr im Vordergrund zu stehen scheint als die Musik.

Habt Ihr schon mal zusammen getourt?

Peder und Johan: Leider nein.

Backyard Babies

Nicke konzentriert

Und wie steht's mit schwedischen Bands, wie The Mobile Mob Freakshow oder Cosmic Ballroom?

Peder: Sind nicht mein Fall (Pause, grinst) ... der Gitarrist von MMF war bei mir auf der Schule.

Wie ist die Rockszene in Finnland und Schweden? Ich habe immer das Gefühl, dass die Szene in Finnland größer ist: Mehr Clubs, mehr Festivals ...

Peder: (Fast entrüstet) Das denke ich nicht. In Schweden gibt es beispielsweise das »Hultsfred«-Festival, das größte und bekannteste, dann die Kalas-Festival-Tour, mit etwa zehn Gigs – bei der wir dabei sind. Und in Stockholm gibt's etliche (Rock)Clubs.

Gene Krupa und Robbie Williams

Ich weiß, dass Nicke und Dregen große Hanoi Rocks-Fans sind – und Ihr?

Peder und Johan: Wir auch!
Peder: Sie haben uns sehr beeinflusst (Pause) ... okei, welche Band haben sie nicht beeinflusst? Ich mag die alten Sachen aber lieber als die neuen. Hanoi Rocks haben uns gefragt, ob wir zusammen auf Japantour gehen (Hanoi Rocks waren/sind in Japan sehr populär), aber wir waren dann doch allein unterwegs.

Sonst nehmen wir lieber unbekannte schwedische Bands mit; in Spanien hatten wir z.B. Maryslim dabei. (Grinsend) Viele Bands wollen mit uns touren.

Backyard Babies

Nicke noch ein paar Jahre jünger

Tourt Ihr lieber allein oder mit Support?

Johan: (wie aus der Pistole geschossen): Support! Ich weiß, die Crew mag's nicht so gerne, aber mir ist das lieber.
Peder: Ja, bestenfalls artet das in einen Wettbewerb aus: Mit Danko Jones war das so; das ist das Beste, was passieren kann. (Pause) Wir haben 1992 zusammen mit Social Distortion in Deutschland getourt, das war »pretty cool« – und sie haben uns dann in die Staaten geholt.

Welche Platte habt ihr euch zuletzt gekauft?

Peder: Gene Krupa, ein Schlagzeuger, das geht so in Richtung 30er Jahre Swing.
Johan: Robbie Williams – live.

Zukunftspläne?

Peder: Erst mal die Tour zu Ende, Festivals im Sommer (Hultsfred, Southside, Hurricane, ...) und eine kleine Pause. Im Herbst steht noch eine Club-Tour an – auch in Deutschland, da die Gigs hier auf dieser Tour etwas zu kurz gekommen sind.

Peder och Johan, tack för intervjun =)

© 2004, Text und Fotos: Nathalie Martin, exklusiv für Nordische Musik,
außer erstes Foto: Backyard Babies,



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