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The Bones: Bigger is better

Ein Interview von Nathalie Martin
(
3.Mai 2008, Köln)

Warum The Bones Schweden »verpassten«, bisher noch nicht in Australien/Asien tourten und was ihr zweites Album mit Homer Simpson zu tun hat – all das verraten Sänger/Gitarrist Beef Bonanza und Gitarrist/Sänger Marcus »Boner« Petersson vor ihrem Auftritt in der Kölner Essigfabrik.

The Bones

»We gonna destroy it«

Ist das hier Eure erste Headliner-Tour?

The Bones

Beef: Oh nein! Wir hatten eigentlich fast nur Headliner-Touren. Wir waren außer bei den Touren mit US Bombs, Die Toten Hosen und Dropkick Murphys immer Headliner. Jetzt, bei dieser, Tour spielen wir nur eine Support-Show: In Paris für Agnostic Front.

Wo führt Euch die aktuelle Tour denn hin?

Boner: Oh, diesmal ist es nur eine kleine Tour, zwei Wochen, durch Deutschland, Frankreich, Belgien, ...

Und wie sieht's mit Südeuropa aus? Spanien, Italien,… habt ihr da keine Anfragen?

Beef: Oh doch! Immer! Jede Menge.

Boner: Wir haben letztes Jahr da getourt.

Beef: Und im Sommer spielen wir dann noch einige Festivals, überwiegend in Deutschland…

Boner: ... Wacken (AdR: zum ersten Mal) ...

Beef: ... die MTV Campus Party In Dresden ...

Boner: ... »we gonna destroy it« (lacht)

Beef: Vielleicht gibt's im Herbst noch eine USA-Tour, wir haben vor drei Jahren schon mal in den Staaten getourt. Das ist aber alles noch nicht spruchreif ...

The Bones

Schon eine Idee, mit wem Ihr dort touren würdet?

Boner: Keine Ahnung, das ist alles noch in Planung, wahrscheinlich wird's eine »Lucky Package«-Tour.

Wie wär's denn mit Social Distortion…?

Boner: Das wäre ein großer Spaß…

Beef: …ja, für SIE! (beide lachen)

Wart Ihr schon mal in Australien, oder gibt es Pläne dahin zu gehen?

Beef: Wir würden schon gerne, auch in die asiatischen Länder, aber beides erfordert viel Planung, ist teuer, aufwendig, wir brauchen ein Visum, ...

Boner (unterbricht ihn grinsend): Sag es einfach: Wenn uns jemand von dort bucht, spielen wir.

The Bones

The Bones stehen auf Vinyl – und Berlin

Abgesehen von den Tourplänen, gibt es auch Pläne für eure erste DVD?

The Bones

Beef: Ja, wir planen eine Live-DVD: Ein Mitschnitt von unserem Konzert am 11. Oktober im SO36 in Berlin ...

Boner: ... und mit Bonusmaterial von unseren Touren etc.

Wieso gerade Berlin?

Beef: Unsere Booking-Agentur ist von dort. Und wir haben schon oft im SO36 gespielt, wir mögen den Club – und kombinieren das mit der Popkomm.

Gibt es dann auch ein Live-Album von diesem Auftritt?

Beef: ... vielleicht ...

Boner: ... es ist alles noch in Planung ...

... und was macht Ihr, wenn ihr nicht gerade Platten aufnehmt, tourt oder Pläne schmiedet?

Boner: Arbeiten (grinst).

Beef: Wir haben alle Jobs, wenn wir »frei« haben.

Boner: Ich habe ein Studio, dort entstand auch »BURNOUT BOULEVARD«, unser erstes komplett selbst produziertes Album.

»BURNOUT BOULEVARD« ist auch die erste Scheibe beim neuen Label. Wie kamt ihr denn zu Century Media?

The Bones

Boner: Einfach gesagt – die haben uns ein besseres Angebot gemacht.

Beef: Aber Vinyl ist nach wie vor über People Like You erhältlich, wir haben immer auch auf Vinyl veröffentlicht.

Verkauft Ihr viel Vinyl?

Beef: Oh ja!

... vor allem sehen die (Platten)Cover in der Größe gleich viel besser aus.

Boner (grinsend): Ja. Bigger Is Better.

Eure '97er EP »THE HORRORWAY« war binnen einiger Monate ausverkauft. Ist eine Neuauflage geplant?

Beef: Nein, bis jetzt nicht. Die Rechte liegen bei der Band – (grinst) und wir denken nicht dran, die einem Label zu überlassen.

Karlskrona statt Stockholm

Und wohnt ihr alle immer noch in Karlskrona?

Beide: Oh ja!

Keine Pläne nach Stockholm zu ziehen, wie alle anderen Bands? Oder gerade deshalb nicht?

Boner: Genau!

Beef: Ja, das ist der eine Grund (grinst). Der andere ist: Wir brauchen von Karlskrona nach Stockholm fünf Stunden – in der Zeit sind wir in Hamburg!

Karlskrona liegt so gesehen wirklich nicht schlecht, direkt an der Küste ...

The Bones

Beef: Tatsächlich wohnen wir auf einer Insel.

Boner: Mein Studio ist auch auf der Insel.

... und wie viele Leute wohnen da?

Beef: Hm, insgesamt hat Karlskrona ungefähr 60.000 Einwohner, die meisten auf dem Festland. Auf der Insel vielleicht 30.000.

Boner: Ja, die sind Farmer – wir sind Fischer (grinst)

Existiert in Karlskrona eine Rock'n'Roll-Szene? Clubs, ...?

Beef: Nicht wirklich. Es gab einen, aber der ist zu.

Boner: In Karlskrona kannst du nur zwei Sachen machen: Sport oder Musik.

Beef: ... und wir sind keine großen Sportler (grinst).

Gibt es in Karlskrona denn viele Bands?

Boner: Oh, Hunderte.

Bekannte Bands?

Beef: ... nicht wirklich. Ein Studiomusiker war mal auf Tour mit, ich glaube, Shania Twain.

Boner: Wir sind die einzigen, die es nach »draußen« geschafft haben.

Beef: Wir spielen mehr Shows in Deutschland als in Schweden.

Boner: Viel mehr. Wenn wir 100 Gigs haben, spielen wir davon vielleicht ein, zwei in Schweden.

Und was spielt ihr lieber? Clubs oder Festivals?

The Bones

Beide: Das ist uns egal, Hauptsache spielen!

Boner: Das kommt auch immer auf die Leute an.

Habt ihr einen Lieblingsclub/ -festival?

Beide: Das »With Full Force« ist immer cool.

Beef: Aber uns ist egal, ob da 20 oder 20.000 Leute stehen, sie kriegen die Show.

Boner: Sie komme um uns zu sehen, zu hören. Egal ob da nur zwei Leute und zwei Hunde sind. Sie haben bezahlt, also verdienen sie die Show.

Alles wegen Homer Simpson

Euch gibt es nun schon seit 12 Jahren – was hat sich für Euch in dieser Zeit verändert?

Beef: Uns gibt es eigentlich schon länger, aber wir sagen offiziell 1996, als Boner zu uns kam. Tja, vor sechs Jahren haben wir den Bassisten gewechselt, ...

Also die Chemie stimmt?

Beef: Oh ja! Der Bassist ging auch nicht, weil wir uns nicht mehr verstanden haben, er ging weil er keine Zeit hatte, um mit uns zu touren. Das war der einzige Grund. Aber um zur Frage zurück zu kommen: Wir haben uns persönlich nicht verändert, wir sind immer noch die gleichen Menschen wie vorher auch. Also die größte Veränderung in den vergangenen 12 Jahren ist: besseres Essen ...

Boner: ... bessere Clubs ...

Beef: ... graue Haare. (grinst) (AdR: möglicherweise dank der Gigs vor zwei Personen und zwei Hunden?)

Wie verkauft sich denn Euer aktuelles Album?

Boner: Also die genauen Zahlen bekommen wir erst im Juni, ...

The Bones

Beef: ... aber wir waren in Deutschland in den Top 100 in ...

Beide: ... also gut.

Wo habt ihr denn die meisten Fans?

Beef: In Deutschland.

Boner: Im deutschsprachigen Raum generell, also auch in der Schweiz und Österreich.

Beef: Wir hatten ja immer deutsche Labels.

Wieso hattet Ihr von Anfang an deutsche Plattenfirmen?

Beef: Ach, wir waren mit einem Song auf einer Vinyl-Compilation – und ein Jahr später rief dann jemand vom People Like You-Label an: »Wir haben Euch gehört, das gefällt uns. Wir wollen Euch ins Studio schicken und eine Platte aufnehmen.« Wir sagten: »Wir sind schon im Studio«. Sie: »Perfekt!« (grinst) So war das.

Und so haben wir Schweden wohl »verpasst«. Wir haben auch gleich in Deutschland gespielt, einer der ersten Auftritte war in der Hamburger Markthalle, bei einer Tattoo-Convention. Für uns war das damals gleich ein richtig großer Auftritt. Wir können uns wirklich nicht beklagen.

Also verbringt Ihr mehr Zeit in Deutschland als in Schweden?

Beef: Ja. Wir haben hier jede Menge Bekannte und Freunde – und ich habe meine Freundin auch hier kennen gelernt.

Und wie bekannt seid Ihr zuhause, könnt Ihr Euch noch frei bewegen?

The Bones

Beef: Ach, zuhause ist das normalerweise kein Problem. Hier ist's schlimmer, vor allem in Wien. Manchmal wollen die Leute unbedingt über eine einzelne Textzeile diskutieren. (Lacht) Aber selbst dann ist es nicht so schlimm wie am Samstagabend in Schweden, wenn die Leute richtig betrunken sind.

Wir verstehen nicht, warum Leute immer etwas sehen wollen, das nicht da ist. (Fängt an zu lachen) Unser zweites Album zum Beispiel, das heißt »BIGGER THAN JESUS«. WIR fanden das lustig. (lacht) Da kamen dann ständig Leute und fragten: »Denkt Ihr wirklich, Ihr seid größer als Jesus?« Wir erzählten dann irgendwelche Lügen – und alle Journalisten haben es geglaubt. (lacht).

Okay. Die ganze Wahrheit ist: Homer Simpson hatte in einer Folge eine Band namens »The Be Sharps«. Deren zweites Album hieß »BIGGER THAN JESUS« – unser zweites Album heißt »BIGGER THAN JESUS«. Alles drehte sich um Homer Simpson. So einfach ist das.

Und so einfach marschieren The Bones später auf die Bühne der Kölner Essigfabrik und feiern mit den Fans ein dreckig, verschwitztes Punk'n'Roll-Konzert, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt. Eine verdammt geile Liveband.

Mycket tack för intervjun och konserten!

The Bones

The Bones aus dem schwedischen Karlskrona gibt es eigentlich schon seit 1993 – allerdings noch als Trio alias Sänger/Gitarrist Beef Bonanza, Bassist Andi Nero und Schlagzeuger Spooky Fred. Aber erst 1996 als Gitarrist/Sänger Boner dazu stößt, ist die Band komplett. Inspiriert von klassischem Punkrock à la Ramones, Indierock à la Barracudas und Rock'n'Roll von Elvis bis Motörhead spielt das Quartett einigen lokale Gigs und beschließt danach ein paar Tracks für die Nachwelt festzuhalten: Das Mini-Album »THE HORRORWAY« erscheint 1997 auf dem bandeigenen Label, nur wenige Monate später haben sie alle unters Volk gebracht.

The Bones

Zwei Jahre später legen sie mit der EP »SIX FEET DOWN AND TWO FINGERS UP« nach, hämmern einen Song auf eine Vinyl-Compilation. Der fällt ein Jahr später jemand vom deutschen Label People Like You in die Finger und will die Schweden sofort fürs Langspiel-Debüt ins Studio schicken. Zu spät – die stecken bereits mitten in den Aufnahmen. Perfekt für beide Seiten, das Label schickt die Jungs mit »SCREWED, BLUED AND TATTOOED« auf Tour. Eine der ersten Shows führt sie in die Hamburger Markthalle, im Rahmen einer Tattoo-Convention, passend zum Debüt-Titel – und den zahlreichen Tattoos der Bones. Im Verlauf der Tour begeistern sie jede Menge Fans und werden schnell zu einem der Aushängeschilder von People Like You. Das zweite Album »BIGGER THAN JESUS« beschert den Karlskronen etliche Gigs, etwa mit den Toten Hosen.

2004 gehen The Bones mit »STRAIGHT FLUSH GHETTO« etwas härter zur Sache, auch live, wie sich die Fans auf der Label-Tournee mit Demented Are Go und Duane Peters überzeugen können. Festivalauftritte beim Summer Breeze, With Fulll Force und einige Popkomm-Gigs folgen. Für den Viertling anno 2007 wechseln sie zum Metal-Label Century, veröffentlichen »BURNOUT BOULEVARD« aber außerdem auf Vinyl bei ihrer alten Plattenfirma. Und kurz drauf geht’s wieder auf Tour, die Live-Werbetrommel für die aktuelle Scheibe rühren. Danach soll eine DVD und möglicherweise eine Live-CD folgen …und vielleicht klappt's ja auch mal mit einer gemeinsamen Social Distortion-The Bones-Tour.

Burnout? Noch lange nicht.

© Nathalie Martin, exklusiv für Nordische Musik
Foto-Credits: Nathalie Martin

Discografie

2007 Burnout Boulevard
2004 Straight Flush Ghetto
2002 Bigger Than Jesus
2000 Screwed, Blued & Tattooed


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