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Children Of Bodom: Wir haben's lieber kurz - aber gut!

Ein Interview von Nathalie Martin
(29.01.2006, Stuttgart)

Vor der Show im Stuttgarter LKA plaudert das jüngste Bodomkind, der sympathische Basser Henkka T. Blacksmith, aka Henri Seppälä, aus dem (Tour)Nähkästchen: von Fan-Souvenirs, Antwerpens Charme im Winter, unbewegten Japanern, betrunkenen Finnen, singenden Italienern – und natürlich: Britney Spears.

Children Of Bodom

Der ganz normale Tour-Wahnsinn

Wie läuft denn die Tour bisher?

Children Of Bodom

Das jüngste Bodomkind:
Interviewpartner Henkka T. Blacksmith

Ganz gut! Wir haben im September in Australien angefangen, dort spielten wir nur vier kleine Clubs, aber die waren ausverkauft. Dann ging's nach Japan, kurz heim, weiter in die USA als Headliner ... und fast alles war ausverkauft. Jetzt touren wir vier Wochen durch Europa, dann geht's zurück in die Staaten.

Irgendwelche Kuriositäten bis jetzt ?

Als wir in Denver ankamen, fiel die Hecktür vom Trailer, in dem unser ganzes Equipment war ab, ... zum Glück ist das nicht während der Fahrt passiert. Bis zum Abend hatte sie die Crew irgendwie wieder fixiert.

(Pause) …und in Österreich haben sie uns das hintere Nummernschild geklaut.

Ein Fan-Souvenir???

Keine Ahnung. Aber für uns war's ziemlich ärgerlich; wir können ja nicht ohne rumfahren. Also mussten wir zur Polizei und ein neues organisieren.

Seht Ihr was von den Orten wo ihr spielt? Oder nur Hotels und Clubs?

Klar sehen wir was! Wir haben fast jeden Tag frei: Wir fahren nachts, pennen im Bus und wir machen nicht mal den Soundcheck selbst. (lacht) Also wenn ich nicht gerade ein Interview habe, wie jetzt, habe ich frei.

Children Of Bodom

Alexis besonderes Kennzeichen:
extrem verletzungsgefährdet

Welcher Ort hat Dich denn besonders beeindruckt?

Wir waren zum ersten Mal in Australien. Sydney war sehr beeindruckend. Oder Antwerpen.

Antwerpen?!

Ja (lacht). Wir haben da schon mehrmals gespielt. Aber ich bin zum ersten Mal mit der Tram in die Stadt gefahren. Es war nach Weihnachten (Anmerkung der Redaktion: 29.12.), überall lag noch Schnee, in der Stadtmitte gab's eine Eisfläche wo Leute Schlittschuh liefen, das war wirklich schön.

Aber Du hast dich aufs Zuschauen beschränkt? Als Musiker ist das sicherer.

Ja, definitiv.

Apropos: Ist mit Alexis Arm alles okei? Schmerzfrei?

(AdR: Alexi brach sich den Arm vor den Aufnahmen des aktuellen Albums)
Oh ja, alles wieder bestens!
(AdR: ... dafür hat er sich bei einem Gig in Barcelona den Zeh gebrochen)

Wie geht noch mal »Follow The Reaper«?!

Children Of Bodom

Janne »Warman« – on stage
oft etwas statisch

Ihr habt auf Eurer Website die Fans abstimmen lassen, welche Songs sie gerne live hören wollen. War das nur zur Info für Euch oder habt Ihr die Setlist angepasst?

Teilsweise. Wir spielen jetzt beispielsweise »Lake Bodom« (AdR: Platz Eins der Fans) oder »Follow The Reaper«, (belustigt), den haben wir seit Jahren nicht mehr gespielt ... wir haben fast vergessen wie er geht.

Apropos Songs: Hast Du einen Liebling, den Du live besonders gern spielst?

Ich mag vor allem die vom neuen Album, eben weil sie neu sind. »Are You Dead Yet?« ist definitiv einer meiner Lieblinge!

… auch einer meiner. Wie steht's denn mit der geplanten DVD? Kommt sie?

Wir sind dran! Wir werden die Show in Stockholm (AdR: 5. Februar) aufzeichnen. (Grinst) Und dann natürlich jede Menge (Tour)Chaos drumherum. Vielleicht schaffen wir die Veröffentlichung noch dieses Jahr. Aber es steht noch kein Datum fest.

Eine Frage, die Ihr sicher schon hundertmal beantworten musstest: Warum habt ihr Britney Spears' »Oops I Did It Again« gecovert?

Children Of Bodom

Der Basser bevorzugt Clubshows

(grinst) Allerdings. Wenn wir im Studio sind, nehmen wir immer Coversongs auf; dabei versuchen wir immer etwas Überraschendes zu machen ... nach einer betrunkenen Nacht sagten wir einfach »Let's cover fucking Britney Spears!«

Und wie war das mit Teräsbetonis »Taivas Lyö Tulta«, auf Tuska?

(lacht) Oh, das war eine ganz spontane Idee.

…die Ihr hoffentlich nicht wiederholt. Alexis' Stimme ist mir in der COB-Version lieber.

(schmunzelt) …ich denke wir werden das nicht wiederholen.

»ARE YOU DEAD YET?«

Noch eine Frage, die Ihr garantiert nicht mehr hören könnt: Weswegen der Albumtitel?

(nickt grinsend) Das war Alexis Idee. Nachdem er den Arm gebrochen hatte, morgens aufwachte und auch noch furchtbare Kopfschmerzen hatte, fragte er sich selbst »Are You Dead Yet?«

Zur Verwirrung hat auch noch eine andere nordische Band einen ähnlichen Titel auf dem Markt ...

... ja, Carnal Forge. Aber deren Album heißt »Aren't You Dead Yet?«

Wieso klingt Euer neues Album so anders; der Unterschied zum Vorgänger ist ziemlich groß?

Wir wissen es nicht ...

... aber Alexi hat die Songs geschrieben?

Ja, die Musik und Texte. Alles war wie immer, keine Ahnung wieso.
(Belustigt) ... wir wissen auch nicht, wie das nächste klingen wird.

Children Of Bodom

»Let's cover fucking Britney Spears!«

Das einzige, das alles verbindet: Eure Alben sind immer so kurz. Plötzlich ist es zu Ende, und man sitzt da und ist frustriert ...

(Energisch) Das ist doch eine gute Sache! Wir haben vielleicht neun, zehn Songs, mit denen wir wirklich zufrieden sind; die kommen drauf. (Pause) Wir könnten das Album natürlich länger machen, aber dann wäre es nicht so gut. Wir haben's lieber kurz, aber gut!

Spielst Du lieber Clubs oder Festivals?

(Wie aus der Pistole geschossen) Clubs! Genau solche wie hier, die sind cool! Die Atmosphäre ist intensiver, der Sound viel besser; hier kannst du einen richtigen Soundcheck machen, auf Festivals gehst du raus und hoffst, dass er stimmt. Du siehst die Fans richtig, hast einen besseren Kontakt zu ihnen. Auf Festivals sind die Leute, um gemütlich abzuhängen.

Könnt Ihr Eure Vorbands selbst auswählen?

Das Management schlägt uns ein paar vor, und wir wählen dann. Für die gesamte Europatour bleiben es Ektomorf / One Man Army And The Undead Quartett; in Amerika hatten wir Trivium und Amon Amarth als Support mit.

... es gibt keinen »typisch finnischen« Sound

Wo habt Ihr zurzeit die meisten Fans?

Ich habe meinen Mail-Account aufgegeben, weil ich einfach nicht mehr die Zeit dafür habe. Aber generell bekommt die Band in letzter Zeit überwiegend Post von Amerikanern. Ansonsten mailen viele Europäer oder Japaner ... wir bekommen sogar welche aus dem Iran oder Indonesien.

Habt ihr denn schon mal in Asien getourt – außer in Japan?

Nein ... nur einmal haben wir eine Show in Südkorea gespielt.

Wie unterscheiden sich Eure Fans auf den verschiedenen Kontinenten?

Children Of Bodom

»Silent Night« nein – »Bodom Night« ja!

In den USA ist es einfach, mit den Leuten zu kommunizieren, weil wir alle englisch sprechen: In Südeuropa ist's schon schwieriger, und in Japan spricht fast keiner englisch. (Pause) Japanische Fans stehen vor dem Konzert unbewegt und still da, und in der Sekunde, in der die Musik anfängt, bewegen sie sich, wie auf Knopfdruck. Finnen sind vorher laut (grinst) ... und betrunken, und die Italiener beispielsweise singen vorher.

Noch eine Anmerkung zum Namen »Children Of Bodom«: Wart Ihr denn selbst mal am Bodominjärvi?

Ja klar! Wir kommen aus Espoo. Das ist ein toller See mit netten Stränden. Gewählt haben wir den Namen, weil das Wort »Bodom« lustig klingt für uns Finnen (grübelt). Ich denke, es ist schwedisch. Und dann natürlich wegen des Mordes, der bekannteste Mord in der finnischen Geschichte.

... und die letzte Frage: Gibt's einen »typischen finnischen« Sound?

Ich denke nicht, nein. Wenn du die populärsten nimmst: Nightwish, HIM, Rasmus, (feixt) Children Of Bodom, Amorphis – die klingen alle ganz verschieden. Ich würde nicht sagen, dass es einen typisch finnischen Sound gibt.

Henkka, vielen Dank für das Interview – und viel Spaß bei der Show!

Children Of Bodom


»SOMETHING WILD« from Espoo
Eine Biografie

Anno 1993 beschließen die Schulkumpels Alexi Laiho und Jaska Raatikainen aus Espoo eine Deathmetal-Band namens »Inearthed« zu gründen: Gitarrist Alexi übernimmt auch den Gesang und schreibt die Songs, Jaska das Schlagzeug. Zusammen mit dem Bassisten/Texter Samuli Miettinen nehmen sie 1994 ihr erstes Demo auf, im Folgejahr das zweite.

Children Of Bodom

Kennen sich von der Schule:
Gründer Jaska und Alexi

Kurz danach kommt Gitarrist Alexander Kuoppala dazu, Henkka Seppäla ersetzt Samuli, in Jani Pera Pirisjoki finden sie einen Keyboarder. Vereint entsteht das dritte Demo, Inearthed spielen die ersten Clubshows.

Passend zum Aufnahmestart von »SOMETHING WILD« löst Janne »Warman« Wirman den alten Keyboarder ab und Alexi schreibt eigenhändig alle sieben Death/Black/Heavy-Metal-Songs. Über Umwege erreicht das Debüt das Spinefarm-Label, welches ihnen einen Plattenvertrag über drei Alben anbietet. Die Espooer ändern ihren Namen in »Children Of Bodom«, angelehnt an den berüchtigtsten Mord der finnischen Geschichte: 1960 attackiert ein Unbekannter vier Jugendliche am Bodominjärvi, drei sterben. Der Überlebende Nils Gustafsson kann sich an nichts erinnern, vom Mörder fehlt bis heute jede Spur.

Noch vor Erscheinen des Erstlings – das Cover ziert übrigens ein von Graham French aus Kanada gezeichneter Sensenmann, der später so etwas wie das »Band-Maskottchen« wird – eröffnen sie im Dezember 1997 eine Show für Dimmu Borgir. Ein anwesender Nuclear Blast-Mitarbeiter verschafft ihnen einen Lizenzvertrag für Rest-Europa und schickt den Fünfer gleich mit Hypocrisy, Benediction und Kovenant auf Tour, danach mit Dismember, Agathodaimon und Raise Hell. Da Janne wegen Abistress nicht mittouren kann, fährt auf der ersten Tour Erna Siikavirta als Keyboarderin mit, auf der zweiten Kimberly Goss (Ex-Dimmu Borgir, Sinergy).

Children Of Bodom

Der zweite Mann am Mikro

Kurz nachdem »SOMETHING WILD« in den Läden steht, erobert die neue Single »Children Of Bodom« acht Wochen lang die heimische Chartspitze – und erreicht später Goldstatus. Nach einer Show mit ihren Landsleuten Impaled Nazarene werben diese Alexi als Leadgitarristen an, Vorrang hat aber Children Of Bodom.

»HATEBREEDER« / »FOLLOW THE REAPER«


Zwischen Tour und ImpNaz findet Alexi dessen ungeachtet Zeit neue Songs zu schreiben, im Anschluss gehen die Jungs ins Studio um »HATEBREEDER« einzuspielen und French designt das neue, dieses Mal grüne Reaper-Cover. Nach der Veröffentlichung 1999 spielen COB einige Shows zusammen mit In Flames und Sinergy in Japan – Doppelbelastung für Alexi: Er zupft mittlerweile auch bei Sinergy die Saiten. Das japanische Toys Factory Label schneidet zwei Gigs mit und veröffentlicht eine Limited Edition mit extra Booklet. Im Herbst zeihen die Finnen mit In Flames, Dark Tranquillity und Arch Enemy durch Europa.

Anfang 2000 steht Laiho mit Sinergy im Studio, im Sommer fliegen COB zum ersten Mal über den großen Teich, zum Milwaukee Metal Festival. Nachdem Janne, dessen progressiver Power Metal nicht so ganz ins COB-Konzept passt, sein erstes Soloalbum unter dem Namen Warman veröffentlicht hat, macht sich das Quintett an den Nachfolger. Ab August werkeln sie in Peter Tägtgrens (Hypocrisy/Pain) legendären Abyss Studios in Schweden, der blaue Sensenmann stammt dieses Mal aus der Feder des finnischen Künstlers Sami Saramäki.

Children Of Bodom

Selbst mosht der Mann

2001 erscheint »FOLLOW THE REAPER« außerhalb Finnlands und die Bodomkinder gondeln fleißig durch die Weltgeschichte, heizen den Fans mit ihrem Drittling ordentlich ein. Alexi, völlig ausgelastet mit deiner Hauptband und Sinergy steigt bei Impaled Nazarene aus, während Jaska das Debüt von Virtuocity eintrommelt. Janne steht für den Solo-Erstling des Stratovarius-Sängers Timo Kotipelto am Keyboard und nimmt den Warmen-Zweitling »BEYOND ABILITIES« auf.

Für den Viertling suchen COB zunäxt einen neuen Plattenvertrag, bleiben schließlich dennoch bei Spinefarm; um die Veröffentlichung in Resteuropa/Japan kümmert sich Universal. Auf den Sommer-Festivals (Dynamo, Wacken und Metaldayz) stellen sie, nach der höxt erfolgreichen Single »You're Better Off Dead«, einen weiteren neuen Song vor: »Needled 24/7«.

Im Oktober liegt dem japanischen »Young Guitar Magazine« eine DVD namens »Passage To The Reaper« bei, die Alexis Spielweise zeigt. Gegen Jahresende begleitet er Sinergy durch Europa; derweilen trommelt Jaska für einen Silberling der finnischen Darkmetal-Band Evemaster.

»HATE CREW DEATHROLL« / »ARE YOU DEAD YET?«


Im Januar 2003 liegt der wiederum rote Sensemann, erneut von Saramäki gezeichnet, in den finnischen Geschäften, Name: »HATE CREW DEATHROLL«, besonderes Kennzeichen: Chartstürmer – bereits fünf Tage nach der Veröffentlichung erreicht es für mehrere Wochen Platz Eins. In Finnland schon vergoldet erschließt es sich zwei Monate später auch dem Rest der Welt.

Children Of Bodom

Alexi »Wildchild« Laiho

Im Juli schockt die Nachricht vom Ausstieg Alexanders die Fans. Nach langem Bangen für die Fans finden COB in der Gitarrenlegende Roope Latvala und Alexis Sinergy-Mitstreiter einen würdigen Ersatz, integriert Gitarren-Keyboard-Duelle mit Alexi, Janne und Roope in die Live-Shows. Im November touren Children Of Bodom ausgedehnt durch die USA, gemeinsam mit Hypocrisy, Nevermore und Dimmu Borgir. Obwohl sie nur wenige Songs zum Besten geben, stehen sie hoch in der Gunst des amerikanischen Publikums.

Im Frühling 2004 kommen sie mit Iced Earth und Evergrey zurück in die Staaten. Ende Oktober erscheint die EP »Trashed, Lost And Stungout«. Nach ein paar Ausflügen nach Brasilien sowie einer weiteren US-Tour mit Throwdown, Fear Factory und Lamb Of God, legt Alexi mit dem Songwriting für den neuen Longplayer los – nur unterbrochen durch einen Bruch des rechten Arms Ende Dezember.

Mitte Mai 2005 starten Children Of Bodom ihre Festival-Tour beim Rock Hard Festival – die erste Show nach Alexis Armbruch. Dort präsentieren sie vorab die erste Single »In Your Face« des lang erwarteten neuen Werkes: »ARE YOU DEAD YET?« erscheint im Herbst ... und ab November tingeln die Finnen mal wieder um den Globus.

Noch viel mehr Hintergrundinfos findet man auf der wohl besten Children Of Bodom-Fansite, der deutsch/englischen Scythes-Of-Bodom:
www.endlesswar.net/SOB/site.php?lang=de

© 2005 Nathalie Martin, exklusiv für Nordische Musik
Fotos: Nathalie Martin

Discografie

1998 Something Wild
1999 Hatebreeder
2001 Follow The Reaper
2003 Hate Crew Deathroll
2005 Are You Dead Yet?


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