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Ein Interview von Christian Dännart

Mit dem vierten Album »NORTHERN LIGHT« veröffentlicht die schwedische Elektro-Band Covenant ihr organischstes und schlüssigstes Album.
Joakim Montelius, der Programmierer, Texter und Sprecher von Covenant gab Auskunft im Interview.

Covenant

Inszeniert von Wunschproduzent Jacob Hellner (Rammstein/Clawfinger) entstanden elf elektronische, filigran gezimmerte Songs mit der Stimme von Eskil Simonsson.
Neben technoiden, beatbetonten Stücken wie dem Opener »Monochrome«, der Single »Call The Ships To Port« oder »We Stand Alone« sind mit »Bullet« und »Prometheus« introvertierte Popsongs zu hören, und das balladeske »Invisible And Silent« sprengt dann wohl die letzten stylistischen Barrieren und EBM-Klischees hinfort.

Covenant

»NORTHERN LIGHT« klingt etwas melancholischer als der Vorgänger »UNITED STATES OF MIND«. Unter welchen Bedingungen entstand das Album?

In der Tat ist das neue Album etwas düsterer. Aufnahmen fanden im winterlichen Stockholm statt, und das Leben im Norden im Winter ist nicht sehr lustig. Das ist aber nur ein Grund für die Melancholie - das Album dreht sich um Veränderungen, die sich in unserer Leben ereignet haben, auch um persönliche Dinge, und denkwürdige politische Situationen der letzten zwei Jahre. Dinge, die uns alle betreffen: Wir bewegen uns zurück in die Zeit des kalten Kriegs.

Eigentlich waren wir froh, dass das vorbei war. Jetzt werden wir bei den Gedanken immer zynischer - die Hoffnung auf eine bessere Welt, die vor fünf Jahren sehr präsent war, kehrt sich ins Gegenteil. Das hat unseren Sound und den Ausdruck beeinflusst.

Viele Songs handeln auch davon, Dinge zu beenden und sich nach Neuem umzuschauen, die Formen des eigenen Lebens zu verändern und Umstände zu verändern, die falsch laufen. So klingt dann auch viel Positives in der vordergründigen Melancholie mit.

Covenant

Die Songs sollen ermutigen, Dinge anzupacken, um sie zu verändern. Texte zu schreiben und Musik zu machen ist ein Werkzeug, ein Instrument, um Dinge geschehen zu lassen und Wünsche zu erfüllen. Ein Instrument für die Entwicklung.

Auf »NORTHERN LIGHT« sprengt Ihr die Grenzen dessen, was man man unter Elektro oder EBM versteht. Ich kann mir vorstellen, dass das Album auch für Nicht-Szeneleute interessant wäre.

Die Ideen in unseren Songs basieren nicht nur auf elektronischer Musik; das macht uns in der Tat akzeptabel bei Leuten, die nicht aus der Szene kommen. Wir gingen aber nicht mit dem Vorsatz an das Album, möglichst viele neue Leute damit zu erreichen, so funktioniert das nicht.

Zum ersten Mal ein Produzent

Covenant

Mit Jacob Hellner habt Ihr einen Produzenten verpflichtet, der für sehr gitarrenlastige Musik bekannt ist.

Die Gitarren bei Clawfinger und Rammstein sind dominant; beide Bands haben aber auch eine sehr elektronische Seite, und Jacob hat noch ganz andere Dinge angepackt, wie zum Beispiel das Flesh Quartett.

Sie benutzen traditionelle Streichinstrumente wie Cello und Violinen - das Ergebnis klingt aber wie Rockmusik. Ich bin ein Fan dieser Band, und deshalb war es leicht, Jacob als Produzenten zu wählen.

Zum Album »NORTHERN LIGHT« habt Ihr zum ersten Mal einen Produzenten hinzugezogen. Wie war die Arbeit für Euch?

Covenant

Jeder Produzent hat die Vision, einen einzigartigen Sound zu finden, und Jacob Hellner fand sehr schnell zur Essenz dessen, was wir uns vorgestellt haben, und hat das dann weiterentwickelt. Jacob ließ viele Instrumente von Musikern einspielen. Er holte sich einen Drummer und einen Bassisten ins Studio, um sie einige Drumloops und Samples einspielen zu lassen, und wir wählten dann die besten Samples aus.

Zunächst waren wir skeptisch, denn die meisten Versuche, echte Instrumente in künstliche Soundscapes zu involvieren, klangen meist künstlich und seltsam. In diesem Fall klappte das aber sehr gut. Die Idee hatten wir eigentlich auch schon, nur kannten wir die richtigen Leute nicht und hatten auch nicht den richtigen Plan.

Covenant

Die Arbeit mit dem Produzenten hat uns sehr viel an Wissen gebracht, in technischen Dingen, und auch was die Produktion angeht. Jacob ist ein wahrer »Maniac«, der ständig Musik um sich braucht. Es gab einige wenige Details, über die wir diskutierten; zu 95 Prozent waren wir aber auf einer Wellenlänge. Alles in allem war es eine sehr gute Erfahrung, eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Live ein Avantgarde-Theater

Wird sich Euer neues Material gut live umsetzen lassen?

Covenant

Für die Liveumsetzung sehe ich keine Probleme. Dafür haben wir ein Playback vorproduziert, und vieles lässt sich programmieren. Um wirklich alles live zu performen, bräuchten wir an die zwanzig Leute. Ich denke nicht, dass wir zusätzliche Musiker mitnehmen, eher einen weiteren Sänger für die mehrstimmigen Passagen.

Zur Zeit arbeiten wir an einem Livekonzept - wir hoffen, dass wir es auch realisieren können. Es basiert auf Visuals und wird eine Art Avantgarde-Theater. Wir werden Computer und verschiedene Projektionsflächen verwenden und die Bühne in ein Theater verwandeln.

Es ist schwer zu erklären, aber wenn es so funktioniert, wie wir es vor haben, dann wird es gigantisch. Wir testen gerade die Möglichkeiten aus, und versuchen es ökonomisch zu gestalten.

Viele Electronic-Bands wie Underworld oder VNV Nation haben sehr effektvolle und intensive Visuals. Es ist schwierig, in der Richtung etwas völlig Neues zu machen, und deshalb versuchen wir einen neuen Weg. Wir sind eine Band, deren Musik von Keyboards kommt, und da ist nicht allzu viel Bewegung drin, deshalb muss etwas Derartiges geboten sein.

Wird es zum neuen Album einen Videoclip geben?

Covenant

Covenant

Covenant

Es wird einen Clip für den Song »Bullet« geben, die zweite Single. Das Video wurde letzte Woche gedreht, das Endresultat haben wir aber auch noch nicht gesehen. Es wird sich wohl sehr von anderen Videos unterscheiden - es ist sehr futuristisch und visuell interessant, wie ich hoffe. Bleibt zu hoffen, dass die Sender es auch spielen.

»Barcelona ist der interessanteste Ort«

Wie sieht denn die Radiolandschaft in Schweden aus, haben Bands jenseits des Mainstreams die Chance, Gehör zu finden?

Das nationale Radio in Schweden ist sehr gut; es hat keine kommerziellen Interessen und spielt viel Underground-Zeug.

Die kommerziellen Radiostationen sind sehr beliebt und spielen denselben Mist wie alle anderen Stationen dieser Welt. Das ist sehr zerstörerisch für das musikalische Klima. Die Leute brauchen neue Ideen, und die bekommen sie durch solche Musik garantiert nicht.

Nur noch Clas Nachmanson ist in Eurem Heimatland Schweden geblieben, Eskil Simonsson ist Wahl-Berliner, und Dich hat es nach Spanien verschlagen.

Reisen ist eine sehr inspirierende Sache. Zur Zeit lebe ich mit meiner Freundin in Barcelona, aber es würde mich auch reizen, einige Zeit in New York zu verbringen, vielleicht auch in Seattle oder Buenos Aires. Spanien an sich ist für mich nicht sonderlich interessant. Barcelona hat aber dort einen Status wie Berlin in Deutschland oder New York City in den USA.

Jeder kosmopolitische Ort hat seine Seele, und so ist es auch mit Barcelona und der Vermischung der Kulturen hier. Es unterscheidet sich stark von Nordeuropa - für mich ist Barcelona in Europa der interessanteste Ort.

© Christian Dännart, erstmals erschienen auf Tribe Online.
Fotos: KASSKARA.



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