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Deadbabes: Cure nur Sonntags

Ein Interview von Nathalie Martin ...

... mit Sänger und Texter Lasse, der gerade frisch von den Aufnahmen für ein neues Album kommt – leicht heiser (kein Wunder nach zehn Stunden Studio) – und zudem munter von einem Thema zum anderen springt.

Deadbabes

»Klar sind wir schwul ...«

Deadbabes

Alice Coopers Dead Babies

Woher stammt der Bandname?

Von einem Alice Cooper-Song. Ich war ein großer Alice Cooper-Fan. Mein Vater hatte keine Kinderplatten, aber war Alice Cooper-Fan, also hörte ich ihn immer. Da war ich so vier, fünf Jahre alt.

... und dann sollten wir unseren ersten Gig spielen und hatten keinen Namen. Der Veranstalter rief mich an und fragte »Wie heißt eure Band eigentlich?« Ich sah die Alice Cooper-CD und sagte »Dead Babies«. Er schrieb's falsch auf – so wurden wir »Deadbabes«. Aber nach einer Weile bedeuten Namen eh nix mehr. (lacht) ... vielleicht sollten wir uns für jedes Album umbenennen.

Welche Musik hörst du jetzt?

Deadbabes - Antti

Antti – Gitarre

Kein Alice Cooper mehr (lacht), sondern andere Sachen. Beispielsweise Cure ... am besten Sonntags.

Sonntags?

(grinst) Ja, wenn du einen Kater hast, ist das am Besten. Und Massive Attack: »100th WINDOW« ist eins der besten Alben 2003. Die Band hab ich auf Provinssi-Rock live gesehen. Die waren cool. Ich bin richtig in ihre Musik eingetaucht.

(Pause) R'n'B und Hip-Hop. Ich hasse das ... aber ich höre nur die guten Sachen. Ich mag die Art, wie sie produziert werden, da gibt es gute Sounds (grinst) – und die können wir vielleicht für unsere Musik brauchen. Und Klassik.

Ihr erinnert mich an Cure, vor allem live.

(Verblüfft) Ehrlich? Du bist die Erste, die das sagt. Alle anderen sagen Depeche Mode oder Duran Duran. Aber ich denke unser neues Album wird (noch) mehr Richtung Cure gehen ... ich warte schon auf deren neues Album.

Ich habe neulich mit meiner Band diskutiert, und wir haben festgestellt, dass es wirklich wenig Alben gibt, auf die man wartet. 99,9 % der Neuerscheinungen sind scheiße.

Lahti, Helsinki und Tampere

Deadbabes - Jaani

Schnee von gestern: Jaani – Drums

Wer schreibt bei euch die Songs / Texte?

Unser Drummer Jaani und ich.

Wie oft probt ihr?

Tja, das ist etwas schwierig. Wir können nur zweimal wöchentlich proben, da wir aus drei verschiedenen Städten kommen: Lahti, Helsinki und Tampere. Aber unser Gitarrist will von Tampere nach Helsinki ziehen, dann wird es leichter.

Habt ihr keine Angst, dass ihr mit eurer EP und eurer Optik (schwarze geschminkte Augen, schwarze Kleider) in die HIM / 69 Eyes-Schublade gesteckt werdet?

(lacht) Also ich trage Make-Up seit ich 14 bin, mittlerweile macht das eh jeder. Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, gelbe T-Shirts oder so zu tragen. Ich denke, wir kleiden uns genauso, dass es zu unsere Musik passt – und die ist anders als HIM oder 69 Eyes. Wir versuchen gerade ein deutsches oder schwedisches Label zu finden. Das ist besser zum touren. In Finnland habe ich langsam alles gesehen – ich mache jetzt seit zehn Jahren Musik.

(Pause) Musik hat nichts mit Alter zu tun, du kannst 15 sein und gute Musik machen – oder 50. Erst gestern habe ich mit Jyrki (69 Eyes) über das Thema gesprochen, und er meinte 'mach' dir keine Gedanken, du bist noch so jung'. Na ja, er ist 35, also hab ich noch neun Jahre Zeit. ... Oder mehr (grinst), wie Keith Richards oder Lemmy.

Wie kommt eure EP denn in Finnland an?

Deadbabes - Jussi

Jussi – Bass

Hm, ... wir haben ungefähr 2000 Stück verkauft. In Finnland machen aber kaum Bands EPs. Hier gibt es einfach keine EP-Kultur. Wir werden auch kaum im Radio gespielt: Wir sind bei einem kleinen Label, da wird nicht viel Werbung gemacht. Aber dafür kannst du bei einem kleinen Label wirklich die Musik machen, die du willst.

... trotzdem scheint ihr ganz gut anzukommen: Als ich im Free-Record-Shop nach guten und interessanten finnischen Bands gefragt habe, wurde mir sofort eure EP hingelegt.

(freudig überrascht) Tatsächlich?

Habt ihr nach Erscheinen eurer EP viel getourt?

Wir haben ungefähr 50 Gigs gespielt. Kleinere Festivals, viele Club-Gigs. (Grinst) Das war manchmal schon abenteuerlich.

»Gig kurios ...« – der erste.

Wir haben einen Gig in Lahti gespielt, in einem Club namens Diva. Der war voll mit »Discoleuten«, die nur tanzen wollten – und dann gab's vielleicht zwanzig Leute, die wegen uns da waren. (grinst)

Das Beste war noch, dass da irgendeine Porno-Veranstaltung stattfand – und hinter uns eine Video-Leinwand war. Als ich mich auf der Bühne mal umdrehte, konnte ich einen Hardcore-Porno-Streifen sehen ... aber so hat wenigstens jeder auf die Bühne geschaut. (lacht)

Deadbabes - Karl

Karl – Keyboards

»Gig kurios ...« – der zweite.

... und dann haben wir noch im Rahmen vom »Tuska« (=Schmerz) in einem Club gespielt. Da waren nur Metaller, überwiegend Männer. Als wir da auf die Bühne sind, dachte ich, die nehmen uns auseinander. Aber ... sie schienen uns zu mögen. Nur ein paar haben geschrieen: »Seid ihr schwul?« (lacht)

Okei, ich hatte 'ne Lederhose und ein schwarzes Netzhemd an, und einer der Jungs so 'ne Lederkappe mit 'ner Kette. Ich hab dann einen der Schreihälse an seinen langen schwarzen Haaren gepackt und in Richtung meiner Hose gezogen und gemeint: »Klar sind wir schwul!« (dämonisches Grinsen) ... der hat sich dann nach dem Gig bei mir entschuldigt – und schließlich kamen auch ein paar Frauen nach vorne.

Metal-Hype in Finnland

Ist das Musikerleben schwierig in Finnland? Ich habe das Gefühl, jeder Zweite spielt in einer Band.

Das stimmt. Es gibt so viele Bands in Finnland, aber nur weinig gute. Allein in Helsinki sind es Hunderte.

Und welche Bands sind denn gut?

Deadbabes - Lasse

Lasse – Gesang

69 Eyes haben etliche gute Sachen. Dann HIM – auch wenn ich die Musik nicht so mag, aber Ville ist ein exzellenter Musiker. Und dann gibt es einige gute kleinere, beispielsweise Viola und Lapko.

Ich verstehe nicht, warum die »großen« finnischen Bands keine unbekannten, »kleinen« Bands aus Finnland als Support mitnehmen, wenn sie z.B. in Deutschland touren.

Ja, das ist seltsam. Aber wir haben schon in Finnland mit 69 Eyes getourt, zwar nicht in Helsinki, aber sonst, z.B. in Jyväskylä. Hier ist im Moment gerade ein Metal-Hype. Keine Ahnung, wieso, Bands wie z.B. Children Of Bodom. Und jetzt versucht jeder Heavy Metal oder 80er Jahre-Hardrock zu machen. Ich hoffe, der Hype ist bald vorbei. Es ist langweilig, wenn eine Band wie die andere klingt. Iron Maiden, die gibt's schon – warum noch mehr davon?

Gibt es Videos von euch?

Nein. Moon TV wurde eingestellt, jetzt gibt's noch »Sessions« auf SubTV. Das macht keinen Sinn, ein teures Video zu produzieren, das dann ein, zweimal gezeigt wird. Aber ich denke, wenn das neue Album veröffentlicht wird und wir ins Ausland wollen, müssen wir eines machen.

Zukunftsmusik?

Nur wenig Gigs zu spielen. Wir müssen uns voll und ganz darauf konzentrieren, das bestmögliche Album zu machen. Wir hoffen auf Sommer-Festival-Gigs – und dazu sollte unser neues Album im April/Mai rauskommen. Das wird auch nicht mehr so »poppig« klingen wie die EP, mehr Nick Cave-mäßig, dunkler, düsterer.

Lasse: Kiitoksia haastattelusta =)

Hei. Ich hoffe, wenn wir uns das näxte Mal sehen, dann ist es in Deutschland. Und (er kann's nicht lasse-n): Grüße an die ganzen schönen Frauen da!

Line-Up:
Lasse – Gesang
Jussi Oskari – Bass
Antti – Gitarre
Jaani – Drums
Karl – Keyboard

Nachtrag: Drummer Jaani ist mittlerweile nicht mehr in der Band. Der neue Drummer heißt Kris Kylven.

© 2004 Nathalie Martin, exklusiv für Nordische Musik
Fotos: Deadbabes


Discografie

2003 The Drug (EP)


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