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EF: Wir sind ein ironischer, sarkastischer Haufen

Ein Interview von Eva-Maria Vochazer

Sie sind Suchende. Explodieren in Schönheit und Lärm. Wollen in bester romantischer Tradition die blaue Blume finden, auch wenn sie das offiziell jederzeit dementieren würden. EF aus Göteborg sind mit ihrer empfindsamen Variante des Postrock unermüdlich am Touren, um Ekstase, Hingabe, Ernsthaftigkeit und Spaß unter heftigem Einsatz von Gitarren und Kinderinstrumenten zu propagieren. Eva-Maria Vochazer hat die Gelegenheit genutzt, um in Frankfurt am Rande eines Konzerts mit Sänger und Gitarrist Tomas und Schlagzeuger Niklas über das Gefühl des Unterwegsseins, neue Einflüsse und treue Fans zu reden.



Ihr seid in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder in Deutschland auf Tour gewesen - so häufig, dass böse Zungen behaupten könnten, dass ihr überhaupt nicht mehr in Schweden lebt ...

EF

Sänger und Gitarrist Tomas

NIKLAS, grinsend: Ich glaube, dass wir in Berlin insgesamt häufiger aufgetreten sind als in Schweden überhaupt.

TOMAS: Wir glauben, dass das Publikum in Deutschland besser ist als in Schweden. Die Bedingungen sind besser. Ehrlich gesagt: Ich fahre mit der Band viel lieber nach Berlin als nach Stockholm.

NIKLAS: Es ist tatsächlich so, dass die Leute in Deutschland oder Holland oder Belgien viel eher ausgegehen, um sich eine gute Band anzuhören.

In Deutschland wollen die Leute ein gutes Konzert hören

Was ist denn in Schweden so anders als in Deutschland?

EF

Gitarrist Claes

NIKLAS: Ehrlich gesagt gehen die Schweden abends aus, um sich zu betrinken…

TOMAS: …und um jemanden abzuschleppen….

NIKLAS: Die Schweden trinken Bier und hören dazu eine Band, die vielleicht zufälligerweise gerade spielt - und nicht umgekehrt.In Deutschland kommen die Leute eher, um ein gutes Konzert zu hören.

Arme Deutsche, die werden also nicht abgeschleppt?:-)

NIKLAS und TOMAS (brechen in Gelächter aus): Das haben wir nicht gesagt!

Ihr seid so häufig auf ausgedehnten Touren quer durch Europa gewesem, wie geht ihr mit diesem anstrengenden Zeitplan um?

NIKLAS: Die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, die halten uns aufrecht, auch wenn es anstrengend ist! Jedes Mal, wenn wir touren, treffen wir so viele nette und interessante Leute.

TOMAS: Und es gibt dabei auch schmeichelhafte Dinge: Da ist dieses Mädchen, das hat uns schon vier Mal gesehen - auf der Tour im Frühjahr. Und ein Typ, der war jetzt schon sechs Mal da.

Wir spielen selten in Schweden

EF

Drummer Niklas

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es in Schweden keinerlei Interesse an EF gibt.

NIKLAS: Natürlich gibt es auch viele Leute in Schweden, die unsere Musik mögen. Aber wir spielen sehr selten dort.

TOMAS: Das ist irgendwie nicht unser Fokus. Es macht viel mehr Spaß, hier zu spielen!

NIKLAS: Und es liegt zum Teil auch daran, dass wir eben in Schweden nicht so viele große Städte und damit auch Clubs haben, wo wir auftreten können. Klar, Stockholm, Göteborg, Malmö…aber dann hört es sehr schnell auf.

TOMAS: Und das ist einer der Gründe, warum wir gerne im Deutschland, Österreich und den angrenzenden Ländern spielen - es gibt sehr viele Auftrittsmöglichkeiten.

NIKLAS: In Schweden ist es sehr schwierig, Veranstaltungsorte für unsere Art Musik zu finden. Natürlich stimmt das nicht für Musiker wie Mando Diao. Die werden häufig im Radio gespielt. Wenn unsere Musik im Radio laufen würde, wäre es vielleicht einfacher - aber das findet natürlich nicht statt.

TOMAS: Das läuft in Schweden so ab: Wenn wir anreisen und die Leute im Club, in dem wir spielen, etwa fragen, ob wir etwas zu essen haben können, heißt es: Jungs, ihr könnt ein paar Biere haben, und das wars dann. Und wenn wir dann fragen : Und wo sollen wir schlafen?, dann lautet die Antwort häufig: So was haben wir nicht. Wir können dann selber sehen, wo wir bleiben. Das ist Schweden. Es ist schwierig.

EF wird von in der Postrock-Ecke eingeordnet. Fühlt Ihr Euch dort gut aufgehoben?

TOMAS, grinsend: Es ist Postrock. Stimmt schon. Das kommt schon hin.

NIKLAS: Wir könnten uns auch künstlerisch aufgemotzt anders nennen, aber das wollen wir nicht und haben es auch nicht nötig.

Postrock basiert vor allem auf Gefühlen

EF

Gitarrist und Cellist Jonatan

Was bedeutete Postrock für Euch?

NIKLAS: Es ist Musik, die vor allem auf Gefühlen basiert und nicht auf solchen Dingen wie coolen Refrains oder hippen Gitarrenriffs. Es hat nichts mit Produktstrategien zu tun. Wie etwa, dass unsere T-Shirts auf den Index gesetzt werden. (lacht).

Es steckt jede Menge Wut in unseren Songs

Euer erstes Album »GIVE ME BEAUTY« ist in der Tat sehr gefühlsbetont, man könnte es sogar romantisch nennen. Es besitzt gleichzeitig auch eine unbestreitbare Tiefe. Würdet Ihr zustimmen?

NIKLAS: Da ist schon etwas dran. Es ist aber nicht so, dass wir uns bewusst hinsetzen und uns sagen »wir schreiben jetzt einen typischen Postrock-Song«. Ich finde auch, dass jede Menge Wut in unseren Songs steckt.

TOMAS: Und so richtig, richtig schlecht geht es uns beim Songschreiben auch nicht! (lacht).

NIKLAS: Unser erstes Album ist im Sommer entstanden, in einer Zeit, in der das Leben einfach ist. Unser zweites Album haben wir im Winter aufgenommen, und ich glaube, dass kann man auch hören. Es ist dunkler ausgefallen als der Vorgänger.

Fünf unterschiedliche Meinungen

EF

Unser zweites Album ist dunkler

Eure Musik lebt von den Gegensätzen - den ruhigen Phasen und den geradezu gewalttätigen Ausbrüchen.

NIKLAS: Das ist ziemlich schizophren, das stimmt. Vielleicht ist es ein Echo der Tatsache, dass wir bei EF alle völlig unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Wir haben keinen Songwriter - und wenn wir Musik machen, dann müssen wir fünf völlig unterschiedliche Meinungen unter einen Hut bringen. Ich glaube aber ernsthaft, dass dies eine gute Sache ist - und die Songs können auch manchmal ziemlich merkwürdig ausfallen. Unsere Unterschiedlichkeit macht einen definitiven Unterschied.

Wir wollten anders sein!

EF

Wir wollten ein Meisterwerk abliefern!

Auf Eurem zweiten Album treten elektronische Einflüsse erstmals stärker in den Vordergrund. Wie kam es zu dieser neuen Entwicklung?

TOMAS, todernst, mit einem gewissen Glitzern in den Augen: Wir sind wohl ein bisschen erwachsen geworden.

NIKLAS: Es ist zu personellen Veränderungen gekommen in der Band nach dem ersten Album…

TOMAS: Einer der Gitarristen ist ausgestiegen…wir waren auch gitarrenorientierter in unserem Songwriting auf dem ersten Album…

NIKLAS: Die Electronics sind einfach so dazugekommen. Wir hatten keinen Produzenten für unser zweites Album. Mein Bruder ist dazugestoßen und hat uns ein wenig geholfen. Er spielt elektronische Musik bei einem schwedischen Label…und so ist das entstanden. Wir wollten mit dem neuen Album auch neue Wege gehen. Wir hatten die Gelegenheit, etwas völlig anderes zu machen, und er hat uns dabei unterstützt. Und natürlich mögen wir elektronischen Spielkram und Beats.

TOMAS, mit Nachdruck: Wir wollten anders sein!

NIKLAS, grinsend. Natürlich wollten wir mit dem zweiten Album ein Meisterwerk abliefern, wie jedes Mal. Aber wir standen ziemlich unter Zeitdruck, weil wir für Anfang des Jahres 2008 bereits für eine Tour gebucht waren und wir das Album zur Tour fertiggestellt haben wollten. Wenn wir die Wahl gehabt hätten, dann hätten wir bei den Aufnahmen gerne noch zwei Monate angehängt. So war es einfach ein bisschen…

TOMAS: …sehr hektisch.

Gelächter.

Verschiedenartigkeiten prallen aufeinander

EF

Wir wissen vorher nicht genau,
wie es klingt.

Jetzt mal wieder ernsthaft: In welche musikalische Richtung bewegt ihr euch mit dem zweiten Album?

NIKLAS: Das ist wirklich schwer zu sagen, weil so viele verschiedene Einflüsse auf uns einwirken.

TOMAS: Wir hören alle fünf völlig unterschiedliche Musikstile. Irgendwie mischen wir das alles zusammen. Und was dabei herauskommt, wenn diese Verschiedenartigkeit aufeinanderprallt, ist genau das, was wir tun!

NIKLAS, leidenschaftlich argumentierend: Wir wissen vorher nie so genau, wie ein Song klingen wird! Wir waren bei unserem neuen Album »I AM RESPONSIBLE« völlig davon überzeugt, dass es ein sehr leichtes Album sein würde. Auch wenn einige Leute in der Sache anderer Meinung sein dürften. Und so genau kann man das nie sagen!

TOMAS: Und wir haben noch nicht damit begonnen, nach der Veröffentlichung neue Songs zu schreiben. Und so haben wir im Moment noch keine Ahnung, in welche Richtung es künftig gehen wird! Wir sind viel getourt. Aber wir werden uns sehr bald wieder an die Arbeit machen! Aber wie gesagt, es gab personelle Veränderungen bei EF. Unser alter Bassist Michael, der zu unseren Gründungsmitgliedern gehörte, ist in diesem Jahr ausgestiegen.

NIKLAS: Das war ein sehr großer Verlust für uns. Michael ist immer noch da - aber leider nicht mehr in der Band!

(Seit Sommer 2008 ist übrigens auch Cellist Jonatan Hammar nicht mehr bei EF dabei).

EF

Wir spielen heftige Musik!

Euch werden bestimmt viele Fragen zum Titel eures neuen Albums gestellt, denn »I AM RESPONSIBLE« klingt sehr ernsthaft, sehr moralisch. Wie ist es dazu gekommen?

TOMAS und NIKLAS brechen in Gelächter aus.

NIKLAS: Wir spielen ja zum Teil ziemlich heftige Musik…und manche Leute schließen daraus, dass wir ziemlich heftige Leute sind. Und depressiv dazu, natürlich!

TOMAS: In Wirklichkeit sind wir aber ein ziemlich ironischer, sarkastischer Haufen. Und wenn Du uns nach den Shows siehst, wie wir abtanzen, dann glaubst Du nicht mehr, dass die Sache mit dem Depressiven hinhaut!

NIKLAS, grinsend: In Wahrheit hat es mit dem Titel des neuen Albums auf sich, dass wir uns ständig Zitate aus einem sehr lustigen schwedischen Fernsehfilm um die Ohren hauen, einer Komödie namens »Percy'å«'s Tears«. Und da haben wir natürlich eine Lieblingsszene, und die zitieren wir dauernd, vor allem Claes und Jonatan und ich, und da trägt der Hauptdarsteller eben dieses T-Shirt mit dem Aufdruck »I AM RESPONSIBLE«.

Es steckt ein gutes Stück Humor mit drin

Und, ist dieser Hauptdarsteller einer von den Guten oder einer einer von den Bösen?

NIKLAS, grinst noch breiter: Er ist einer von den Netten! Aber er kriegt immer eins drauf in diesen Szenen! Aber naja, wir haben diese Serie beim Songsschreiben ständig gesehen, und irgendwie hat sich dieser Spruch festgesetzt. Und dann haben wir uns gesagt, wir sind ja alle verantwortlich für diese Songs. Für diese manchmal auch wirklich schweren Songs. Wir sind verantwortlich. Und ein gutes Stück Humor steckt auch mit drin. Wir wollten diese beiden Elemente miteinander verbinden.

Wunderbare Ideen landen in der Mülltonne

EF

Jede Menge Diskussionen

Wie entstehen Eure Songs? Wie funktioniert dieses kollektive Herangehen ans Musikschreiben?

NIKLAS: Es ist nicht so, dass wir in dieser Phase bewusst proben. Unsere Songs entstehen beim Jammen.

TOMAS: Wenn es danach ginge, hätten wir schon Dutzende Alben aufnehmen können, wenn wir jeder einzelnen Idee nachhängen würden.

NIKLAS: Wie gesagt: Wir alle sind von völlig unterschiedlichen Musikstilen beeinflusst. Es kann also vorkommen, dass einer von uns von einer Songidee völlig begeistert ist, und ein anderer stöhnt und sagt, dass er das geradezu hasst und das diese Sache überhaupt nicht geht! Etwa wenn Jonatan meint: »Ich finde das superschön!« und ich sage: »Nie im Leben stelle ich mich auf eine Bühne und spiele das!« Es kann lange hin- und hergehen. Sehr viel landet dann im Müll…

TOMAS: …wir haben eine Mülltonne, die randvoll mit Ideen ist! Um ehrlich zu sein: Wir haben zwei große Mülltonnen in unserem Probenraum. (lacht).

NIKLAS: In der Mülltonne landen jede Menge wunderbarer Sachen, aber wenn es nicht bei uns allen gemeinsam funktioniert, dann geht es eben nicht. Wir entwickeln die Songs alle zusammen. Und wenn wir alle damit einverstanden sind, dass eine musikalische Idee funktioniert, dann nehmen wir diese Idee als Basis und bauen alles darauf auf.

TOMAS: Es kann ganz schön schwierig sein, fünf verschiedene Persönlichkeiten unter einen Hut zu bekommen!

NIKLAS: Das heißt natürlich jede Menge Diskussionen, viel Herumgebrülle, viele Tränen…(lacht)

EF

Schweden ist schwierig

Ihr setzt auf Euren Alben die Vocals nur sehr dosiert ein, auch beim zweiten Album..

NIKLAS: Wir hatten uns eingebildet, dass wir auf unserem neuen Album mehr Vocals verwenden…

Die Vocals nehmen wir als Letztes auf

Vielleicht entsteht der Eindruck daher, weil auf Eurem ersten Album der Song »Hello Scotland« dieses sehr einprägsame Duett von Männer -und Frauenstimme enthalten ist, das einfach hängenbleibt.

NIKLAS: Wir nehmen die Vocals immer als Letztes auf. Wir gehen nicht mit dem allerersten Gedanken an Vocals an unsere Songs heran. Oft ist es so, dass wir denken: Wir brauchen das nicht. Wir haben ja schon alles, was wir nötig ist. Aber zugegebenermaßen…manchmal hätten wir gerne mehr Vocals….es ergibt sich einfach nicht.

TOMAS: Ich hätte nichts dagegen, wenn wir mehr Vocals hätten.
(lacht).

EF

Kein zweites Duett

Was ist aus der Gastsängerin vom ersten Album geworden?

NIKLAS: Keine Ahnung. Wir kennen sie nur flüchtig. (lacht). Das hat sich alles aus einer schrägen Idee heraus entwickelt.

TOMAS, breit grinsend: Ich singe das Duett mit ihr und bin ihr nie begegnet!

NIKLAS: Es war eine abgefahrene Idee. Wir hatten den Song »Hello Scotland« so gut wie im Kasten und Tomas hatte seine Vocals bereits aufgenommen. Der Freund von uns, der die ganzen Aufnahmen bei sich zuhause aufgenommen hat, kannte diese Sängerin. Und eines Abends kam sie zufällig vorbei und hat eine Cola Light getrunken. – ok, sie war schon sehr cool! - und der Freund hat sie gebeten, diese Zeilen zu singen. Und sie sagte: »Klar, kann ich versuchen«. Das Ergebnis klang dann so wunderbar, dass wir ihre Stimme mit in den Song integriert haben. Das behalten wir drin, dachten wir. Als wir unser zweites Album aufgenommen haben, haben wir auch wieder an ein Duett gedacht - aber eine weitere Zusammenarbeit mit ihr ist nie zustandegekommen. Lustigerweise haben wir vieles Mails bekommen von Leuten, die uns gefragt haben, warum wir auf unserem zweiten Album nicht wieder ein Duett haben und von Kritikern, die uns deshalb in ihren Bewertungen tatsächlich Punkte abgezogen haben!

TOMAS: Wir hatten tatsächlich zuvor ernsthaft an diese Möglichkeit gedacht. Sogar einen Song für ein mögliches Duett ausgesucht. Aber Jonatan war dagegen, und deshalb ist nichts daraus geworden. (lächelt).

Unser Sound klingt jetzt cooler

EF

Wir experimentieren gerne

Eure Musik hat manchmal eine geradezu naive, kindliche Qualität. Ihr setzt gerne Instrumente aus dem Kinderzimmer ein - wie Glockenspiel und Melodika. Wie seht Ihr das?

NIKLAS: Keine Ahnung, ob das naiv ist oder nicht. Wir experimentieren wirklich gerne mit diesen Instrumenten. Wir probieren gerne neue Dinge aus. Und um ehrlich zu sein: Wir haben unseren Gitarrensound etwas zurückgeschraubt.

TOMAS: Bei unserem zweiten Album hat der Produzent gesagt, dass wir - bildlich gesprochen! - von 15 Gitarren zehn weglassen sollen!

NIKLAS: Das ist genau das Problem mit Musik - es passiert so viel, es gibt so viele Einflüsse, dass man davon richtig erschöpft werden kann, so viele Möglichkeiten!

TOMAS: Ich finde, dass unser Sound jetzt cooler klingt!

Ihr werdet also fast ein bisschen ruhiger. Kennt Ihr eigentlich Ólafur Arnalds, den isländischen Musiker, der sehr ruhige Musik macht, die aber irgendwie auch in Richtung Postrock geht?

NIKLAS: Ja, seine Musik ist wunderschön. Und für mich als Schlagzeuger ist es natürlich auch interessant zu wissen, dass Ólafur gleichzeitig auch Drummer bei Hardcore-Bands ist…also ziemlich wild! (Grinst).

Wir teilen alles mit Immanu El

Es gibt eine schwedische Postrockband, die auch ein bisschen ruhiger ist - und zwar Immanu El aus Göteborg. Mehrere Immanu El-Musiker spielen auch bei EF, nämlich Claes und Jonatan. Ihr scheint eine Menge gemeinsam zu haben...Obwohl Jonatan inzwischen ausgestiegen ist....

NIKLAS, lachend: Ja, wir teilen alles.

EF ist...Rock!

EF

Wenig Gemeinsames mit Immanu El

Aber es gibt auch eine Menge Unterschiede!

NIKLAS, überzeugt: Immanu El ist eine Popband!

TOMAS: Und EF ist…..Rock!

NIKLAS: Ich spiele nicht bei Immanu EL! Also…ich finde, dass Immanu El sehr, sehr viel mehr Easy Listening ist. Und das Publikum von EF und Immanu El ist völlig unterschiedlich. Ich denke, dass Immanu El eher ein jüngeres Publikum anzieht. Mal ernsthaft: Immanue El sind ziemlich anders als wir. Claes zum Beispiel, einer unserer Gitarristen, bringt eine Menge seiner persönlichen musikalischen Einflüsse in das Immanu-El-Projekt mit ein….mhmmm. Ich kann es schlecht ausdrücken. Beide Bands teilen sich Mitglieder - aber der Sound ist ein völlig anderer! Ein Musikkritiker hat es mal so ausgedrückt, dass Immanu El eine jüngere Ausgabe von EF ist. So etwas wie unsere jüngerem Brüder.

TOMAS: Ich finde eher, dass EF und Immanu El in zwei völlig verschiedenen Welten spielen. Ich sehe wenig Gemeinsames.

NIKLAS: Die Stimme von Claes, dem Sänger von Immanu El, hat sich ziemlich verändert, seit er bei dieser Band so aktiv ist, hat ein anderer Kritiker gesagt. Seh ich übrigens nicht unbedingt so. Aber, um zum Punkt zu kommen, ich sehe tatsächlich keine riesigen Gemeinsamkeiten zwischen EF und Immanu El.

EF

Wir spielen Postrock

Kommen wir nochmal kurz auf den Anfang unseres Gesprächs und die schwedische Musikszene zurück - wie sieht denn die Göteborger Szene aus, in der ihr euch bewegt? Mit welchen Bands seid Ihr befreundet?

TOMAS: Es gibt natürlich jede Menge Bands in Göteborg, mit denen wir befreundet sind! Wie etwa September Malevolence oder Audrey die ganzen Bands vom Label Tender Version…sogar ein bisschen mit Jens Lekman, aber der ist jetzt nach Australien gezogen. (grinst).

NIKLAS: Aber so richtig doll sind wir mit dem auch nicht befreundet! (lacht).

TOMAS: Nein, mit diesen Popleuten sind wir weniger befreundet. (grinst)

Göteborg ist eine gute Stadt für Pop- und Rockmusik

Also kann Göteborg doch gar nicht so ein fürchterlicher Ort sein!

TOMAS: Göteborg ist eine sehr, sehr gute Stadt für Pop- und Rockmusik. Aber es die Stadt ist ein sehr schwieriges Pflaster für Postrockmusik und auch für elektronische Musik…

Wir haben gute Clubs in Göteborg

EF

Schwierig für Postrock

Aber es gibt doch einige sehr gute Clubs in Göteborg?

NIKLAS: Ja, klar haben wir Clubs. Aber es ist schwierig für Bands wie uns, dort Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen. Den allergrößten Teil unserer Shows in Göteborg haben wir in der Vergangenheit irgendwie selbst organisiert.

Aber es gibt doch ein gewisses Netzwerk für Euch - Plattenläden, Labels, Bars...

NIKLAS: Klar, das stimmt schon - aber wir können keine Auftritt für uns in einer Bar bekommen. Das ist in Schweden anders als in Deutschland. In Schweden ist das verboten. In Deutschland dagegen darfst du in jeder Kneipe eine kleine Bühne aufbauen.

Junge Bands in Schweden werden unterstützt

Finnische Indie-Musiker schauen oft neidisch hinüber nach Schweden, weil Musiker dort von Staatsseite aus besser unterstützt und gefördert werden als sie.

TOMAS: Da ist schon ein bisschen was dran.

Niklas: Das hängt auch mit dem schwedischen Bildungssystem zusammen. Und der Tatsache, dass Musik tatsächlich für Schweden ein großer Exportartikel ist. Ich glaube sogar, dass Musik beim Export an zweiter Stelle steht. Junge Bands werden unterstützt, wenn sie am Anfang stehen. Und in der Schule muss jedes Kind mindestens ein Instrument spielen lernen. Aber auf der anderen Seite musst Du dir Bands wie uns anschauen: Wir haben versucht, Unterstützung zu bekommen, und da ist nicht sehr viel passiert.

EF

Wenig gute Clubs zum Auftreten

Aber die finnischen Kollegen sind immer neidisch darauf, dass schwedischen Bands zum Beispiel kostenlos Übungsräume zur Verfügung gestellt werden.

NIKLAS, schon leicht unwirsch: Jaaaah, man bekommt Übungsräume zur Verfügung gestellt..

TOMAS: Aber das passt nicht immer…und wir zahlen ein Heidengeld für unseren derzeitigen Übungsraum.

NIKLAS: Aber was richtig ist: Wenn Du ernsthaft ein Instrument lernen willst, dann werden Dir Sachen wie drei Intensivstunden die Woche geboten. Wenn Du daran gewöhnt bist, kannst Du dir natürlich nicht vorstellen, dass es anderswo nicht so ist.

Es gibt kein Interesse an anspruchsvoller Musik

So viel zum Thema Privilegien!

NIKLAS: Aber das alles bedeutet nicht, dass es in Schweden ein ausgeprägtes Interesse an etwas anspruchsvollerer Musik gibt! Schweden ist so beschissen in dieser Hinsicht! Ich nehme mal zwei Beispiele: Für irgendein x-beliebiges Technokonzert bringst Du immer 500 Leute in einen Club. Aber kürzlich hat die sehr wichtige amerikanische Indierockband American Music Club in Schweden gespielt - und es waren gerade mal 50 Leute bei dem Konzert, das ich besucht habe. Für uns sind diese Musiker Legenden!


© Eva-Maria Vochazer, exklusiv für Nordische Musik
Foto-Credits: Rockzoom





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