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Ein Interview von Peter Bickel

Er spielte auf zahllosen Alben, so etwa für Morten Harket,
Dee Dee Bridgewater, Cher, Ketil Bjørnstad oder Nils-Petter Molvær,
doch nur wenige kennen seinen Namen.

Für seine Auftraggeber wechselt Eivind Aarset
Stile und Sounds auf Knopfdruck.
Solo verfolgt der Gitarrist allerdings seinen eigenen,
weniger kommerziellen und dafür umso interessanteren Weg,
auf den Spuren von David Torn, Terje Rypdal und Bill Laswell.

Eivind Aarset

Ohne Elektronik schlecht gelaunt

Verwendest Du immer das gleiche Equipment oder ist das Setup immer etwas unterschiedlich?

Eivind Aarset

Die Saiten im Röntgenblick

Zur Zeit mache ich nicht viel anderes außer den elektronischen Sachen, also sind die Geräte im wesentlichen das, was ich immer mitbringe.
(Anmerkung der Redaktion: Für alle Gitarristen mit Interesse für Eivinds Equipment haben wir unten seine Gerätschaften aufgelistet.

Wenn Du all Dein zahlreiches Equipment auf dem Weg zu einem Konzert verlierst und nur mit Deiner Gitarre und Deinem Verstärker ankommst – was würdest Du tun?

Ich wäre vermutlich in ziemlich mieser Laune, aber so lange ich noch ein Lautstärke-Pedal, ein Echogerät und ein Verzerrer-Pedal auftreiben könnte, würde ich wieder besser gelaunt werden.

Trat dieser Fall schon mal ein, dass Deine Elektronik nicht zum Konzert ankam?

Oh ja, mehr als nur einmal ...

Eivind Aarset

Wenn Du in einen Plattenladen kämst und Deine eigenen CDs suchen würdest, in welcher Ecke würdest Du suchen: Jazz, Beats, Rock oder ...?

Vermutlich weil ich bei einem Label namens Jazzland bin, stehen meine Platten in dieser Kategorie. Aber ich denke, dass meine Musik ebenso viel Rock und Beats-Musik wie Jazz enthält, also weiß ich das selbst nicht.

Vorbilder

Wenn ich Deine Musik zu beschreiben versuche, verwende ich Namen wie David Torn oder Steve Tibbetts – Gitarristen, die eine Menge Elektronik verwenden, keinen Gesang einsetzen und sich in einer breiten Palette von Stilen und Genres bewegen. Was denkst Du über diese Vergleiche?

Ich habe großen Respekt vor beiden Musikern, daher ist es eine große Ehre, mit ihnen verglichen zu werden. Besonders David Torn war lange Zeit eine Inspirationsquelle für mich.

Deine Musik scheint beeinflusst zu sein von den Klängen der Großstädte und all den elektronischen »Gadgets« unseres Alltagslebens, während die Musik zum Beispiel von Jan Garbarek von der Natur diktiert wurde, wie man sagt. Wenn Du in einer kleinen Hütte in Nordnorwegen leben würdest – welche Art von Musik würdest Du dann machen?

Eivind Aarset

Langweile vermeiden

Die Musik ist ein Resultat meiner Erfahrungen, sowohl musikalisch als auch generell im Leben. Ich bin nicht sicher, ob sich das ändern würde, nur weil ich an einen abgelegenen Platz ziehe. Aber es könnte natürlich schon so sein.

Einige Deiner frühen musikalischen Einflüsse kenne ich: Hendrix, Deep Purple, Santana, Miles Davis, Rypdal und so weiter. Aber wer sind Deine heutigen musikalischen Helden?

Die Leute, die Du gennant hast, sind immer noch unter meinen Lieblingsmusikern, aber ich würde gern einige Namen hinzufügen, wie etwa Erkan Ogur, David Torn, Djivan Gasparian, Jon Hassel, Tortoise, Aphex Twin, Bjørk, Bill Laswell, Brian Eno, Tricky. Und die Liste könnte vermutlich ewig weitergehen ...

Eivind Aarset

Einmal mit Jon Hassel spielen

Du hast als Session-Gitarrist auf zahllosen Alben mitgespielt. Welches ware Deine Lieblings-Jobs?

Eivind Aarset

Live in der Hamburger Fabrik: Aarset, ...

Eivind Aarset

... Wibutee-Schlagzeuger Wetle Holte, ...

Eivind Aarset

... Beady Belle-Bassist Marjus Reksjø

Die zu nennen ist wirklich schwer, denn ich habe eine Menge gemacht, und da sind sehr verschiedene Dinge, die ich mag, auf sehr unterschiedlichen Platten. Die meisten davon sind außerdem nie außerhalb von Norwegen veröffentlicht worden, so dass es schwer für deutsche Leser sein dürfte, diese in Verbindung zu setzen.

Aber ich kann sagen, das ich recht stolz auf das bin, was ich auf den Platten von Nils Petter Molvær gemacht habe.

Aber war es nicht recht langweilig für Dich, zum Beispiel für Cher Mainstream-Pop zu spielen? War das nur zum Geld verdienen, oder hat es auch Spaß gemacht?

Nun, ich habe immer die Herausforderung geschätzt, gutes und hoffentlich kreatives Gitarrenspiel in verschiedenen »musikalischen Umgebungen« abzuliefern. Zu der Zeit war es wirklich ein großes Ding für mich, hinüber nach London ins Air Studio geflogen zu werden, nachdem ich zuvor kaum außerhalb von Norwegen gespielt hatte.

In anderen Worten: Es war überhaupt nicht langweilig. Genaugenommen habe ich immer Situationen vermieden, die langweilig für mich sein könnten.

Gibt es irgendwelche Traummusiker, mit denen Du noch gern spielen würdest?

Ich bin sehr zufrieden, weil ich mit vielen meiner Traummusiker gearbeitet habe und immer noch arbeite. Aber ich wäre auch sehr glücklich, wenn ich die Chance bekäme, mit Jon Hassel zu spielen.

Computer als Instrument

Auf »ÉLEQTRONIQUE NOIRE« hast Du den Computer als wichtiges Instrument benutzt, um die verschiedenen Teile neu zu arrangieren und in einen anderen Kontext zu stellen. War das auf »CONNECTED« auch so?

Ja, das war dort auch so, aber gleichzeitig gab es doch auch noch einen sehr unterschiedlichen Arbeitsprozess, da ich bei einigen Liedern andere Leute als Co-Autoren und Produzenten eingesetzt habe.

Ich denke, das hat geholfen, die Musik mehr zu öffnen. Außerdem hat es mich inspiriert, neue Möglichkeiten in meiner eigenen Musik und in meinem Spiel zu erkennen.

Welche Software-Tools verwendest Du?

Ich verwende Logic Audio, Live und Reaktor.



Eivind Aarset

Wie bist Du vorbereitet, wenn Du ins Studio gehst und Deine eigenen Songs aufnimmst? Hast Du eine Menge fester Ideen, die Du mit Deinen Begleitern entwickelst? Oder startest Du bei Punkt Null?

Auf »CONNECTED« starteten wir aus verschiedenen Winkeln. »Feverish« zum Beispiel war ein fertiges Stück, das genauso aufgenommen wurde wie es aufgeschrieben war. Anderes Material ensteht in Jam-Sessions und wird hinterher editiert. Wieder anderes ist teilweise notiert, wird aber nach der Aufnahme noch verändert.

Eivind Aarset

Once again: Aarset

Eivind Aarset

Mr. Holte

Eivind Aarset

Reksjø in Aktion

»CONNECTED« klingt viel »leiser« als die beiden Alben zuvor. Was ist der Grund? Hattest Du eine faule, entspannte Zeit im Studio?

Nein, es ist alles andere als Faulheit. Wenn ich faul wäre, würde ich etwas komplett Anderes machen. Ich mag einfach softe Musik ebenso gern wie härteres Zeug, und ich denke, es ist nett, diese Kontraste zu erzeugen.

Die Herausforderung ist, auf Platte eine Form zu finden, das die Lieder zusammengehören lässt, so dass sie nicht ebenso gut Stücke für komplett unterschiedliche Alben sein könnten.

Strangefruit

Was ist eigentlich genau die Aufgabe eines Musikers wie Pål »Strangefruit« Nyhus in Deiner Musik, der ja wie ein DJ am Pult werkelt und scratcht? Wäre es nicht einfacher, die Turntable-Dinge heutzutage mit Samplern oder anderer Elektronik zu erzeugen?

Ich habe mit Strangefruit lange Jahre in Nils Petter Molværs Band gespielt. Eine seiner großen Eigenschaften ist, dass er auf eine sehr organische, persönliche, musikalische und intuitive Weise auf Musik reagiert, die ich niemals mit einer großen Bibliothek an Samples erzeugen könnte.

Wie würdest Du den Hauptunterschied beschreiben, wenn Du im Studio oder live spielst. Ich meine nicht die technischen Aspekte, sondern eher das Konzept und philosophischen Hintergrund: Bedeutet Studio »Musik kreieren« und live »Musik rekreieren«?

Ich glaube, es wäre sehr langweilig, auf Tournee zu gehen und Sounds nur zu »rekreieren« – ganz besonders bei meiner Musik, die viele unterschiedliche Ebenen hat. Die zu erzeugen versuchen würde sehr frustrierend sein, weil ich niermals die gleiche Kontrolle über die Sounds bekommen könnte wie im Studio.

Eine andere Sache ist, dass Ideen meiner Meinung nach dazu tendieren, am frischsten zu klingen, wenn sie das erste Mal gespielt werden. Deshalb finde ich es besser, live so zu spielen, dass wir nach neuen Lösungen forschen statt nur das nachzuahmen, was wir auf der Platte gemacht haben.

In der norwegischen Jazz-/Avantgarde-Szene scheint jeder mit jedem zu spielen. Ist das wirklich alles wie eine kleine und nette Familie?

Mehr oder weniger. Aber ich spiele nicht sehr häufig mit den wahren »Acoustic Guys«, obwohl ich sie wirklich mag.

Meine letzte Frage: Wie entscheidest Du, wer auf Deinen CDs mitspielt? Entscheidest Du danach, wer gerade Zeit hat, stellst Du ein Team vor der Aufnahme zusammen oder reagierst Du spontan während des Aufnahmeprozesses?

Meistens entscheide ich lange Zeit im voraus, weil Leute manchmal sehr in Termine eingebunden sind und ich manche Ideen in Ruhe vorher ausprobieren muss. Manchmal kann ein Stück dennoch erst mitten in der Aufnahme entstehen. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass bisher alle Leute, die ich haben wollte, verfügbar waren.

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© 2004 Peter Bickel, exklusiv für Nordische Musik
Fotos: CF Wesenberg, Peter, Bickel, Rainer Brela



Gitarren-Anlage

Das Gitarrensignal geht folgenden Weg:

Im Mackie-Mixer ist wird das Signal auf folgende Geräte geroutet:
Eventide Eclipse
Line 6 Delay
Electrix Repeater.

Das Ausgangssignal des Mixers geht zum Eingang der Gitarrenverstärker.

Derzeit bevorzugt Eivind auf der Bühne Vox AC 30. Zuhause hat er außerdem Fender Princton und Bad Cat.

Prescription Electronics Experienze Fuzz
Dunlop Wah
T-Rex Overdrive
Roland DD5 (Digital Delay)
Roger Mayer Voodo Vibe
TC Electronics Compressor
Electro Harmonix Micro Synth (Kein Synth, mehr ein Fuzz mit Tiefpass & Resonanzfilter)
Boss Volume-Pedal
Mackie Mixer


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