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Eläkeläiset: Mit GPS zum Alkoholversteck

Ein Interview von Nathalie Martin

mit Onni Varis (Keyboard, Gesang),
Petteri Halonen (Keyboard, Gitarre, Gesang)
und – als Stargast: der Fahrer.

Die Band, die ihre Tour als »Funurlaub mit Musik«
(und Alkohol) betrachtet, hat's nicht mit fixen Terminen.
So auch Interview kurios: »Komm mal zum Soundcheck und mach was aus«.
(Die Jungs machen tatsächlich einen Soundcheck?!) Und wie lange dauert der?

»Nobody knows ...«

Doch wie immer klappt alles bestens – und die Rentner sind
(trotz des vorletzten Gigs der Tour) voll in Fahrt.

Eläkeläiset

Push-Down-BHs

Eläkeläiset

Musik für alte Leute

Weswegen der Bandname?

Petteri: Humppa (eine Art Polka) ist Musik für alte Leute ...
Onni: ... und Eläkeläiset bedeutet Rentner. So hat sich der Namen förmlich aufgedrängt.
Petteri: Aber die Original Humppa-Musik ist natürlich viel langsamer. Und unser Kleiderstil, ist der von alten Leuten, die zum Humppa gehen. Die ziehen dann ihre besten Sachen an ...
Onni: ... (greift grinsend an sein Jackett) das sind unsere besten Kleider. Vor allem auf dem Land gehen die Leute zu Humppa-Abenden, zu »Nachmittags-Tänzen« ...
Petteri: ... es gibt aber auch Humppa-Clubs in den Städten.

Ich habe schon junge Leute auf Festivals gesehen, die die gleichen Klamotten anhaben wie Ihr ...

Petteri: Ja, bei Club-Gigs auch ...

So habt Ihr also einen Mode-Stil kreiert ...

Onni: Haha, ja »The Horrible-Style«. Das Schlimmste ist: Es kommen sogar Frauen im Rentner-Look zu unseren Konzerten. (grinsend) Hängende Oberteile statt Push-Up-BHs ...

Eläkeläiset

Hängende Oberteile im Blick

Petteri: ... keine Miniröcke, stattdessen lange Säcke ...
Onni: Gibt es »Push-Down-BHs«?
Petteri: Haha, Push-Down-BHs. (Gelächter). Die Jungs können ja ruhig im Eläkeläiset-Stil rumlaufen, aber bitte nicht die Frauen.
Onni: Oh nein, die Frauen bitte nicht.

»Was wir machen ist zu schwer«

Was war der allererste Song, den Ihr gecovert habt?

Onni: »Rock'n'Roll All Nite« von KISS: Wir haben Rock durch »Humppa« und Roll durch »Tanssi« ersetzt, so hieß er dann »Humppataan Ja Tanssitaan«.

Eläkeläiset

Poesie kommt aus seinem Mund

Ihr habt auf eurem aktuellen Album »HUMPPAELÄMÄ« keine Coversongs, sondern nur eigene. Warum?

Onni: Wir hatten keine Genehmigungen, um Songs zu covern. Wir wollten z.B. Rammsteins »Mutter« covern, aber durften nicht (schade). So, da saßen wir nun mit unseren 40 Texten ... dann mussten wir die Musik halt selbst schreiben.

Ihr habt ein deutsches Lied »Dumkopf« (in dem ein »m« fehlt), wie kommt's?

Onni: (lacht) Da haben wir alle Wörter, die wir auf deutsch können, aneinander gereiht ... »Herren wollen Damen küssen« ...
Petteri: ... das ist Poesie.
Onni: Oh ja, wir verstehen was von deutscher Poesie! »Morgen, morgen, nur nicht heute« ... mein deutsch ist nicht so gut. Ich hatte es zwar drei Jahre in der Schule, hab's aber nie gesprochen. Aber Petteri kann gut deutsch ...

Eläkeläiset

Wir machen Musik, die sie nicht können

Okei, dann machen wir doch auf deutsch weiter ...

Petteri: (lachend auf deutsch) »Nein, auf englisch bitte«.

Wie sind die Reaktionen auf euch in Finnland? Immer wenn ich mit Finnen gesprochen haben, lieben oder hassen sie euch – aber es gibt nix dazwischen.

Petteri: (kopfschüttelnd) Nein, ich glaube nicht, dass es so ist.
Onni: (bestimmt) Doch.
Petteri: (erstaunt)Tatsächlich?
Onni: Aber finnische Musiker lieben uns – weil wir Musik machen, die sie nicht können ...
Petteri: ... und weil wir in Deutschland, Österreich, Schweiz, Holland touren ...
Onni: .. weil sie gerne spielen und saufen könnten wie wir – aber sie können es nicht. (Satanisches Grinsen) Was wir machen ist zu schwer.

Ab der ersten Sekunde dabei

Eläkeläiset

WIR LIEBEN SIE!

Ihr habt viele Fans in Deutschland ...

Onni: Ja – und auf dieser Tour waren wir zum ersten Mal in der Schweiz. (grinst) Die haben uns auch geliebt ...
Petteri: ... und die Österreicher mögen uns auch.
Onni: »It's funny how the shit works« (Kollektiv-Gelächter)

Wo liegt der Unterschied zwischen finnischem und deutschem Publikum?

Petteri: Deutsches Publikum ist »easier«, die sind ab der ersten Sekunde dabei.
Onni: Bei finnischem Publikum brauchst du eine Stunde ...
Petteri: ... sagen wir halbe Stunde ...
Onni: ... bis sie lockerer werden. Und die verstehen ja auch, dass wir nur Scheiße singen.
Petteri: Die deutschen Fand kommen wegen unserer Musik – und deswegen (brüllt) LIEBEN WIR SIE!

Habt Ihr auch schon in England oder Frankreich gespielt?

Onni: Einmal in Paris ...
Petteri: ... das war aber nur für eine Fernsehsendung, also waren da kaum Leute.

Eläkeläiset

Onni, erster Interviewpartner

Und wie war's?

Petteri: Keine Ahnung, ich kann mich nicht erinnern, ich war zu betrunken. Aber in Luxemburg haben wir mal gespielt.
Onni: Ja, irgendwo, mit Kühen und Schweinen ...
Petteri: ... in einem Schweinestall?!
Onni: Und in England müssten wir zahlen, um auftreten zu dürfen – weil da jeder spielen will, also spielen wir da nicht.

Spielt Ihr auch finnische Festivals im Sommer?

Petteri: Nur eins.
Onni: Haha, ja, da, wo sie am meisten zahlen ... Und die besten Bands kommen, z.B. Motörhead.
Petteri: ... Ruisrock. Und das beste: Es ist in meiner Heimatstadt, da hab ich's nicht weit.

Ich habe gehört, dass Ihr letzten Sommer in Finnland mal 25 Stunden nonstop gespielt habt?

Eläkeläiset

Wir zerstören nur Keyboards

Onni: Ja, Humppa-Maratoni: Das war zum zehnjährigen Bestehen von Eläkeläiset und zum 25jährigen Provinssirock-Jubiläum. Dort war übrigens auch unser allererster Auftritt.
Petteri: »It was a bisschen schwer«.
Onni: aber wir waren ja 15 ...
Petteri: 20 ...
Stimme aus dem Hintergrund: 16 ...
Onni: ... 16 Leute und konnten uns abwechseln. Das Festival ging von Freitag Abend bis Sonntag.
Petteri: Und wir hatten unseren eigenen Platz zum Spielen.

Ihr habt eine sehr destruktive Art, Eure Konzerte zu spielen; in Freiburg habt Ihr ein Keyboard zerstört ...

Onni: (breites Grinsen) Ach, das ist gar nix ...
Petteri: ... in Bamberg haben wir vier kaputt gemacht.
Onni: Normalerweise zerstören wir nur Keyboards – die sind am billigsten.
Petteri: Bei einem Drum-Kit hätten wir echte Problem, da wäre es schon schwer, nur eins zu leihen.

Eläkeläiset

Wer bei Humppa-Covern keinen Spaß versteht ...

Hattet Ihr schon mal Probleme mit Künstlern, deren Songs ihr gecovert habt?

Eläkeläiset

14 Schluck Bier in Ehren ...

Onni: Mit den Scorpions. Wir haben »Wind Of Change« gecovert: »Sauerkraut-Humppa«, das handelt vom Sauerkrautessen – und anschließenden furzen. Wir haben das mal auf einem Konzert gespielt, als dritten Song, Natürlich war da so ein Universal-Mensch im Publikum und hat gleich bei unserer Plattenfirma angerufen. Jetzt dürfen wir es nicht mehr live spielen oder auf einer CD veröffentlichen. Das gleiche passierte mit »Smells Like Teenspirit«, aka »Shotgun-Humppa«: Da haben wir dann einen Anruf aus Amerika gekriegt im Stil »Kurt Cobain hat sich gerade erst erschossen, da könnt ihr so was doch nicht spielen«.

Was ist Euer Lieblings-Coversong?

Onni: ... hm, »Final Countdown« (Europe) von unserem ersten Album.
Petteri: »Disco 2000« (Pulp) ... okei, ich hab deren Version nie gehört, aber ich mag unsere Version.
Onni: Ich mag auch unsere Fassung von »Man On The Moon« sehr gern ...
Petteri: ... die ist brillant!

Eläkeläiset

The Devil In Me

Es gibt da die MiniCD »Jenkkapolkkahumppa«, die ein Auszug aus dem »SOS«-Album sein sollte ...

Onni: ... das aber nie erschienen ist, wegen den fehlenden Genehmigungen. (grinst) Das liegt vielleicht auch daran, dass wir zuerst die Songs machen – und dann um Erlaubnis fragen. Mit den finnischen Bands gibt's da weniger Probleme, die kennen uns ja. Und würden sich lächerlich machen, wenn sie es uns verbieten würden. Als ich in Stupido-Twins (Plattenladen) stand, und gerade wegen »Gimme Gimme« telefoniert habe und das nicht covern durfte, stand Lauri (Rasmus) mit einem Stapel CDs da, die er kaufen wollte und meinte: »Psst, hei, ihr könnt doch Falling covern.« (grinst) So, das haben wir dann gemacht – 15 Minuten später habe ich ihm den Text gegeben.

Das nenne ich schnell ...

Onni: Ach was, ich habe, seit wir touren, 26 Texte geschrieben.

Welche finnischen Bands habt Ihr denn gecovert?

Eläkeläiset

Mit String (um den Kopf) und Krawatte

Petteri: 22 Pistepirkko, Peer Gynt, ...
Onni: 69 Eyes, eben Rasmus, HIM ...
Petteri: ... ich habe »Join Me« ja auch nie im Original gehört – aber ich mag unsere Version.
Onni: Am liebsten covern wir aber Bands, die in Europa richtig bekannt sind. Deutsche Bands, die wir gecovert haben, sind z.B. Kraftwerk und Scorpions ...
Onni: .. nein, nein! Das ist doch verboten.
Petteri: Wir wollten ja was von den Toten Hosen machen, aber die haben keinen einzigen guten Song.
Onni: Nicht einen einzigen. Punkbands in Deutschland – eine traurige Sache (Kopfschütteln) ... da gibt's nicht eine gute.

Hidden Alcohol

Ich habe auf eurer Homepage gesehen, dass Ihr auf Tour Alkohol versteckt (»Hidden Alcohol«). Macht Ihr das noch?

O und P (im Chor): Aber klar!
Petteri: Wir haben auf dieser Tour eine Flasche Wodka wiedergefunden, die war zwei Jahre alt ...
Onni: ... und getrunken. (natürlich ...) Eigentlich wollten wir auch in der Schweiz was verstecken, haben's aber vergessen.

Eläkeläiset

Petteri, zweiter Interviewpartner

Petteri: Dafür haben wir unser Keyboard wiedergefunden – in der Nähe vom Frankfurter Flughafen.
Onni: Wir haben es gleich mal eingestöpselt, und das klang so (gibt undefinierbare Laute von sich), es war total nass und schleimig ...
Petteri: ... tote Frösche dran.
Onni: Wir sollten auf dieser Tour Musiker verstecken ...
Petteri: ... oder alte Flugtickets – die brauch ich eh nicht mehr.
Onni: und dieses Mal haben wir ein »Fan-Paket« versteckt (beide lachen sich halbtot – den Inhalt will ich nicht kennen.)

Wie kamt Ihr überhaupt auf die Idee mit »Hidden Alcohol«?

(unisono): Too many alcohol!
Petteri: Wir haben ja die Karten im Internet – und das funktioniert. Wir haben ja auch vergessen, wo wir das Zeug versteckt haben. Aber mit der Karte haben wir es gefunden: ... 26 Schritte geradeaus, umdrehen, da ist ein Kreuz ...

Wie könnt Ihr noch Karten zeichnen, wenn ihr besoffen seid?

Eläkeläiset

26 Schritte geradeaus

Petteri: Ach, wir haben ja Internet im Bus, und unser Fahrer ist immer nüchtern ...
Fahrer: ... und seitdem wir das Navigationssystem haben, ist das eh kein Problem mehr.

Habt Ihr eine fixe Set-Liste für eure Tour?

(im Chor): Nein!
Onni: Jeder von uns fängt an etwas zu singen, in der Reihenfolge wie wir sitzen, und der Rest steigt dann ein.

(und so war es dann auch).
Paljon kiitoksia – für dieses aufschlussreiche Interview =)

© Text und Fotos: 2004 Nathalie Martin, exklusiv für Nordische Musik



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