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Ein Interview von Heiko Jaeckel

Popmusik »Made In Sweden« - das ist mittlerweile auf der ganzen Welt als Gütesiegel bekannt. Fast im Jahresrhythmus treten schwedische Bands oder Einzelinterpreten in die internationalen Hitlisten ein und lassen sich daraus nicht mehr vertreiben. Zum Beispiel Eskobar.

Schielen auf P3

Eskobar

Schwedische Mittelklasse-Jungs

Egal, welcher Schublade sie zugeordnet werden, ob Rock, Pop, Heavy Metal, Soul oder Jazz, das Erfolgsgeheimnis bleibt gleich: Ohrwürmer, die trotzdem nicht kitschig klingen - offenbar eine genetisch bedingte Begabung schwedischer Musikschaffender.

Auch wenn Eskobar nun gar nicht wie ihre allseits bekannten Landsleute klingen, geschweige denn aussehen, so ist die musikalische Verwandtschaft unverkennbar und ebenso ihre Aussicht auf weltweiten Erfolg. »Der größte Traum unseres Lebens war immer, eines Tages von unserer Musik leben zu können«, verrät Schlagzeuger Robert Birming.

Ein Traum, der gerade Wirklichkeit wird. Mit »Someone New«, einem Duett mit der Kanadierin Heather Nova, haben sie in Schweden endlich den Durchbruch geschafft. Top 15 in den Verkaufs-Charts und - noch bemerkenswerter - sogar Nummer eins in den Hörer-Charts des landesweiten Radiosenders P3. »Das ist für uns viel wichtiger als die Verkaufs-Hitparade«, versichert Gitarrist Frederik Zäll, »denn dadurch sehen wir, wie gut unsere Musik wirklich ankommt.«

Wakeboard und Serversysteme

Eskobar

Eskobar

Eskobar

Bei Eskobar handelt es sich ausnahmsweise einmal nicht um ein von Produzenten zusammengestelltes Retortenprojekt , sondern um ein »reines Naturprodukt«, das aus einer Schülerband hervorgegangen ist.

Den Erfolg mussten sich Sänger Daniel Bellqvist (* 1974), Gitarrist Frederik Zäll (* 1975) und Schlagzeuger Robert Birming (* 1971) Schrittchen für Schrittchen selbst erarbeiten, ohne Erfolgsgarantie. Auf Tournee in kleinen Hallen und Klubs, als Vorgruppe eines bekannteren Künstlers oder auf Festivals.

»Wir stammen alle drei aus typischen, schwedischen Mittelklassefamilien mit eigenem Haus«, erzählt Robert Birming, der sich nach der Schule zunächst ganz auf den Sport konzentrierte. Als Wakeboard-Artist - eine Art Wasserskifahren auf dem Snowboard - gehörte er zur schwedischen Elite, auch wenn es für eine Medaille nie ganz gereicht hat.

Der hoch aufgeschossene Frederik Zäll dagegen versuchte sich in der Computer-Branche finanziell über Wasser zu halten, verkaufte PC-Systeme und Server an große schwedischen Firmen. »Ich habe davon zwar eigentlich überhaupt keine Ahnung gehabt, aber ich habe sie einfach verkauft«, sagt er lachend.

Sänger Daniel, mit offiziellen 1,74 m eine eher unscheinbare Person, jobbte in verschiedenen Stockholmer Bekleidungs-Shops und Restaurants. Alles keine Berufe mit Zukunft, denn die Zukunft sollte schließlich Musik heißen.

Ganz in schwarz gekleidet, die Haare im Stil der frühen 70er Jahre geschnitten, dunkel gefärbt, Gitarrist Frederik hat noch dazu die Augen Gothic-mäßig mit schwarzem Kajalstift umrandet: Auf den ersten Blick wirkt das Trio aus der Stockholmer Vorstadt Åkersberga eher alternativ - eine Band, die eine Minderheit bedienen möchte, uniformierten Musikgeschmack predigen und eben einfach anders sein will.

Von Rap zu Grunge

Eskobar

Alles Vorurteile, alles Quatsch. »Es ist uns eigentlich immer noch nicht klar, was für Musik wir machen wollen«, sagt Frederik Zäll. Ob Jazz, Funk, Pop oder was auch immer - Eskobar nehmen in ihre Songs alles an Ideen auf, was ihnen gefällt . Und es gefällt ihnen vieles.

Sänger Daniel zum Beispiel, dessen weiche, melodische Stimme die Frauenherzen zum Schmelzen bringt, war Anfang der 90er Jahre sogar Rapper, ehe er auf Grunge umsattelte. Dabei sind seine größten Idole jedoch Reggae-Legende Bob Marley und Rock-Poet Bob Dylan. Na, wenn das keine Vielfalt ist!

In ihren eigenen Songs unterstützen Gitarren-Riffs der Bauart von The Cure, Chris Isaak, Oasis oder U2 die eingängigen Refrains im Stile von A-ha. Und bei der Single »Tell Me I'm Wrong" ertönt ein Intro, bei dem einem sofort Depeche Mode einfällt.

Eskobar

Depeche Mode in Schweden

»Absolut!«, bestätigt Daniel, »das ist unser Tribute an Depeche Mode. Eine tolle Band. Als uns die Parallele im Studio aufgefallen ist, haben wir uns gesagt: Was soll's? Wir lassen es einfach so.« Sie taten gut daran. Wer die Songs von Eskobars Album »THERE'S ONLY NOW« einmal gehört hat, der wird sie so schnell nicht wieder los.

Sicher, sagt Frederik, liebe er auch ihr Debütalbum »TIL WE'RE DEAD« von 2000: »Wir mussten damals ziemlich hart um einen Plattenvertrag kämpfen, da waren wir froh, dass wir überhaupt ein Album aufnehmen durften.« Doch mit dem Mut und dem Wissen von heute hätte es wahrscheinlich ganz anders geklungen: nicht so traurig und melancholisch, sondern poppiger, fröhlicher, abwechslungsreicher - eben so wie das Folge-Album, in dem das Trio seine eigenen Ideen ohne Bevormundung durch einen Produzenten verwirklichen konnte.

Gitarrensoli - nein Danke

Eskobar

Single-Formate und blauer Himmel

Typisch für Eskobar ist die Songlänge. Zwischen 3:30 und 4:15 Minuten bewegen sich die Lieder - klassische Single-Formate also, in der Musik, Text und Gesang eine kompakte Einheit bilden. »Warum sollen die länger sein?« fragt Frederik. »Wenn ich manchmal Platten höre, auf denen am Ende noch ein Gitarren-Solo kommt und der Song in die Länge gezogen wird, dann wundere ich mich immer: Was soll das? Merkt der eigentlich nicht, dass sein Lied schon längst zu Ende ist?«

Eskobar gehören auch nicht zu den Vielschreibern. An jeder guten Idee wird so lange gefeilt, bis alle zufrieden sind. Jeder Song ist für sie gleich wichtig und wertvoll, eine potenzielle Single-Auskopplung. Also nur mal schnell ein Lied komponieren, um das Album zu füllen, das gibt es bei ihnen nicht.

»Wir haben im vergangenen Jahr genau 14 Songs geschrieben«, erzählt Frederik. »Elf sind auf dem Album, drei sind auf der B-Seite unserer Singles. Vielleicht werden wir ja mal bekannt als die Band mit den besten B-Seiten der Welt.«

Frederik untertreibt: In Schweden sind Eskobar bereits Superstars und treten in den größten Galen auf, auch Japan haben sie bereits "geknackt". Mit dem nächsten Album werden sie wohl die Welt erobern ...

© Heiko Jaeckel,
Foto-Credits Jonas Linell



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