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![]() Ein Interview von Peter Bickel »Recorded At Rainbow Studio, Oslo. Engineer: Jan Erik Kongshaug.« Immer wieder ECM
Besonders bekannt ist Kongshaug durch seine etwa 500 Aufnahmen für das renommierte Münchner Jazz-Label ECM. Die Zusammenarbeit mit ECM begann, als der ausgebildete Elektro-Techniker 1970 seinen Landsmamn Jan Garbarek im Arne-Bendiksen-Studio aufnahm. Als Freelancer arbeitete Kongshaug anschließend in vielen verschiedenen Studios wie etwa der New Yorker Power Station, bis er 1983 sein Rainbow Studio gründete. 200 ECM-Platten entstanden dort schon unter seiner Klang-Regie. Was aber kaum einer außerhalb Norwegens weiß: Der 1944 geborene Kongshaug verdiente sein Geld schon lange vor seiner Tonmeister-Tätigkeit als Musiker und hat die Gitarre seither nie für längere Zeit aus der Hand gelegt. Vom Akkordeon zur Gitarre
Eigentlich wurde ihm die Musik sogar in die Wiege gelegt: Seine Mutter sang, und Vater Jon Konshaug arbeitete als professioneller Gitarrist. Da es in den 50er Jahren noch kaum Studio-Jobs gab, bestritt dieser seinen Lebensunterhalt mit Auftritten in Restaurants. Jan Erik startete seine musikalische Laufbahn zunächst auf dem Akkordeon, entdeckte jedoch als 14jähriger »sein« Instrument: die Gitarre. Während der Schulzeit in Trondheim stand er fast jedes Wochenende auf der Bühne. Und gerade volljährig geworden, zog es Kongshaug schon in die Welt hinaus. Für ein Jahr spielte er auf einem Kreuzschiff für amerikanische Touristen, das kreuz und quer um den Globus fuhr. Das war auch die Zeit, als Kongshaug mit dem Baßspiel begann: »Wir waren sieben Musiker auf diesem Schiff, und wir wurden oft geteilt, weil wir an verschiedenen Orten des Schiffes spielen sollten«, erinnert er sich. »Es gab ein Trio mit Baß, Piano und Violine, dann noch ein Quartett mit Gitarre, Schlagzeug, Piano und Akkordeon. Einen Bassisten hatten wir in der zweiten Combo nicht, aber der Baß lag immer auf der Bühne bereit ...« Erste Jobs bei Asmund Bjørken
Zehnmal brachte ihn sein Kreuzschiff allein im Jahr 1964 nach New York. Die Gelegenheit, großartige Jazz-Konzerte zu hören, ließ er sich dort nicht entgehen. Musiker wie John Coltrane sollten seinen musikalischen Geschmack prägen, obwohl Jan Erik Kongshaug die Abwechslung liebt. So begleitete er etwa den Posaunisten Frode Thingnæs auf einigen Funk-Platten, darunter auch die einzige Direct-to-disc-Produktion Norwegens. Ein anderer langjähriger Wegbegleiter war Asmund Bjørken. Mit ihm spielte Kongshaug am liebsten Bebop und Songs von Cannonball Adderley. Da die Leute in den Clubs jedoch meist klassische Tanzmusik oder Folk hören wollten, mußten sie auch dieses Repertoire auf Wunsch abspulen können. Hinterm Mischpult und vorm Mikrofon Den Geiger Sven Nyhus begleitete Kongshaug sogar auf 15 Alben, von denen zwei in Norwegen mit einem Grammy ausgezeichnet wurden. Und wenn Not am Mann war, wechselte Kongshaug immer wieder gern vom Tonmeister-Sessel vors Mikrophon. Mit 54 zum Solo-Debüt
Und zuhause? Da hört er fast alles, von Gustav Mahler bis zu Keith Jarrett, dessen wichtigste Platten Kongshaug in seinem Rainbow Studio aufgenommen hat. Diese enorme stilistische Reife und musikalische Neugier spricht auch aus jeder Note seines ersten Solo-Albums. Kaum zu glauben, aber wahr: Da mußte einer der weltweit begehrtesten Tonmeister und seit drei Jahrzehnten aktiver Musiker erst 54 Jahre alt werden, um sich mit eigener Band und eigenen Songs vorzustellen. Beim Eintauchen in Jan Erik Kongshaugs geschmeidige Bebop-Improvisationen wird jedoch schnell klar, dass sich das Warten gelohnt hat.
© Peter Bickel,
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