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Kari Rueslåtten: Volksmusik inspiriert mich

Ein Interview von Petra von Schenck

Das Jahr 2005 beginnt für die frühere »The 3rd & The Mortal«-Sängerin Kari Rueslatten mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums. Über dies und noch einiges mehr sprach sie kurz vor Weihnachten in einem vergnügten Telefoninterview.

Kari Rueslåtten

Metal? – man sollte nie »nie« sagen

Wo bist Du im Moment?

Kari Rueslåtten

In einer Rockband spielen ...

Ich bin gestern Abend in Trondheim angekommen und jetzt bei meinen Eltern. Es ist sehr, sehr schön hier und fast wie im Märchen – ein richtiges Weihnachtswetter. Und ordentlich kalt – fast zwei Minusgrade und viel Schnee.

Dein neues Album »OTHER PEOPLE'S STORIES« kommt auch in Norwegen im Januar heraus. Hast Du auch schon Deine Lieder im Radio gehört?

Ich habe sie nicht selbst gehört, aber meine Mutter hat einige gehört und auch meine Familie und meine Freunde ... Sie kamen zwar im Radio, aber ich selbst habe sie noch nicht gehört.

Bekannt geworden bist Du als Sängerin der Metal-Band The 3rd & The Mortal. Du warst erst zwölf, als Du begannst, in einer Rockband zu spielen, stimmt das?

Ja, beim ersten Mal. Das war ein riesiger Traum: In einer Rockband zu spielen. Das war das, was ich machen wollte und das, an was ich mich halten wollte.

Hast Du eigentlich auch noch Kontakt zu Deinen früheren Kollegen bei The 3rd & The Mortal?

Kari Rueslåtten

»Trondheim-Connection«

Ja, doch, wir sind doch gute Freunde. Wir sind alle in Trondheim aufgewachsen. Wenn ich also zu Weihnachten nach Hause komme, dann....(lacht)

....wirst Du alle sehen...

Genau. Und das finde ich schön. Das sind sehr freundliche, umgängliche Jungs und absolut gute Freunde. So bin ich froh darüber, dass sie in der Band spielen. Ich finde, das ist schön.

Glaubst Du, dass Du noch einmal Metal-Musik einspielen wirst oder hast Du das Kapitel für Dich abgeschlossen?

Tja – man sollte nie »nie« sagen. Ich mache jetzt so lange meine Solo-Platten, dass es jetzt nicht natürlich wäre, Metal zu spielen. Das muss ich bei einem Projekt mit jemand anderem – zum Beispiel mit einer Metal-Band – machen, aber ob es dazu kommt, weiß ich nicht.

Vielleicht kannst Du beide Wege miteinander verbinden?

Das werden wir dann sehen.

Am liebsten instrumental

Du hattest auch begonnen, die Musikschule in Trondheim zu besuchen. Hast Du sie eigentlich abgeschlossen?

Kari Rueslåtten

Von Garbarek zu McLachlan

Ja, jetzt bin ich damit fertig, siehst Du. (lacht herzlich) Jetzt wohne ich in Oslo. Aber ich habe auch ein wenig Musik an der Universität in Trondheim studiert. Das war wohl in ... daran erinnere ich mich nicht mehr ...

Hattest Du nicht 1987 mit klassischem Gesang begonnen?

Ja, ja, doch – ja, das stimmt ganz sicher, weil ich damals mit der Musikschule begonnen hatte. Aber das ist lange her. Jetzt singe ich nicht mehr länger so viel klassische Musik.

Wirst Du jetzt auch von verschiedenen Musikern inspiriert? Welche Musik hörst Du gerne?

Ich höre mir Jan Garbarek an – ihn mag ich gerne. Speziell die Instrumentalmusik. Ich mag es besonders, wenn es keinen Gesang gibt bei Jan Garbareks Stücken. Dann höre ich mir auch gerne Loreena McKennitt und Sarah McLachlan an ...

Der Stil von Loreenas und Sarahs Musik ähnelt auch Deiner eigenen Musik.

Das freut mich. Aber gleichzeitig habe ich wohl vielleicht ein wenig mehr dunkle Seiten, ein wenig mehr elektronische Parts, so dass es von einem klein wenig anderen Ausdruck herkommen muss, als das, was die beiden machen.

Von Volksmusik fasziniert

Kari Rueslåtten

Natur und Folklore

Du hast schon sehr unterschiedliche Musik gemacht. Wie hast Du Deinen Weg gefunden?

Ja, also eigentlich wurde ich immer sehr von der norwegischen Volksmusik inspiriert. .. und der Natur, norwegischer Tradition und origineller Musik. Als ich mit The 3rd & The Mortal aufhörte und mit meiner Solokarriere begann, war es nur natürlich, dass ich diese Elemente mitnahm, um weiterhin die Volksmusik-inspirierte Musik zu machen.

Und so kam eigentlich »SPINDELSINN« zustande. Es war eine Idee – nicht um authentische norwegische Volkstöne zu nehmen, aber um neue Melodien mit einem ... was soll ich sagen ... Spiegel der traditionellen Musik zu komponieren.

Hat Deine Familie auch einen Volksmusik-Hintergrund oder hast Du sie einfach nur gern gehört, als Du klein warst?

(Nachdenklich) Doch, ich glaube schon, dass das damit zusammenhängt, dass mein Vater von einem Ort in Norwegen namens Ledane kommt – ein Ort, aus dem Volksmusiker stammen. So hat er immer so viele norwegische Volkstöne und Märchen in sich aufgenommen. Er stammt von einem ganz kleinen Ort, welcher sich für die Welt erst öffnen musste. So kommt es wohl, dass ich davon fasziniert war.

Ich glaube, immer wenn die Eltern eine große Liebe für Musik haben, mögen die Kinder sie auch gern ...

Kari Rueslåtten

Zur Zeit der »Demo Recordings«

Das muss fast so sein, dass man von dem inspiriert wird, was auch die Eltern inspiriert.

Selbst Produziertes mit tragbarem Studio

Bei all diesen verschiedenen Musikstilen merkt man, dass Du gerne etwas ausprobierst – auch bei der Elektronik. Die bedienst Du auch selbst, nicht war?

Ja. Ich habe drei Jahre in London gewohnt und mir dort Musikprogrammierung und -produzierung und Technik beigebracht. Auf »OTHER PEOPLE'S STORIES« habe ich alles selbst gemacht. Ich war Techniker und habe es selbst produziert, aber ich habe auch viele tüchtige Leute bei mir gehabt, zum Beispiel andere Musikprogrammierer. Aber hier hatte ich die Verantwortung eines Produzenten und das war sehr spannend.

Du konntest also frei entscheiden, was Du gerne verwirklichen wolltest?

Kari Rueslåtten

Geschichten anderer Leute erzählen

Genau! Ausserdem konnte ich noch mehr machen. Jetzt besitze ich ein eigenes Studio. Ich habe allerdings mehr an einem Ort, der Volde heißt und an der Küste liegt, aufgenommen. Das ist ein sehr schöner Ort, und da sind die Jungs in der Band meist. So haben wir also das Studio dort aufgebaut, viele Mirkofone reingestellt und große Teile der Platte dort aufgenommen.

Das war eine sehr spannende Sache, dass man mit den Sachen so weit kommen kann, ... dass man faktisch das Studio dahin mitnehmen kann, wo man will ... dass man eine gute Konzert- und Tonqualität bekommen kann, selbst wenn man nicht in solchen großen Räumen in einem Studio ist.

Wann hast Du mit dem Album begonnen?

Wir haben im Sommer angefangen ... nein, wir begannen vor einem Jahr.

Die Geschichten anderer Leute

Dein neues Album hast Du »OTHER PEOPLE'S STORIES« getauft. Hast Du die Geschichten anderer Leute aufgeschrieben oder wie hast Du zu den Texten gefunden?

Das erste Lied, das ich für diese Platte gemacht habe, hieß »OTHER PEOPLE'S STORIES«. Da hab ich mit einem Mal gewusst, wie die Platte werden soll: dass ich Geschichten erzählen will und jedes Lied soll ein Menschenschicksal erzählen. Ich wollte nicht die Geschichten vortäuschen, aber ich musste mich auf eine Weise in die Lage eines anderen Menschen hinein versetzen und die Welt aus der Perspektive dieses Menschen sehen, und so erzählte ich diese Geschichten – das war meine Idee.

Kari Rueslåtten

Ganz ruhig, Männer: Diese Frau
kommt auch noch nach Deutschland

Hast Du auch mit anderen Menschen gesprochen, von denen Du Informationen verwendet hast oder sind die Texte allein Deiner Phantasie entsprungen?

Beides. Ein paar Sachen sind wirklich ... was soll ich sagen? (Lacht ein wenig.) Ich hoffe, dass sie nicht erkennen, dass sie es sind, von denen die Texte handeln. Andere Male habe ich die Menschen eingesetzt und nur versucht zu fantasieren, worüber ihr Leben handelt. In anderen Fällen habe ich nur Bruchstücke von diesen Situationen und verschiedene Bücher gelesen.

Wenn Du sagt, dass Du gerne liest – was machst Du neben der Musik noch gerne? Was inspiriert Dich zu Deiner Musik?

Ich lese sehr viele Bücher, sehe Filme und höre mir andere Arten von Musik an. Speziell von den Büchern hole ich mir viele Inspirationen. Ausserdem bin ich sehr gerne draußen in der Natur . Dort erhalte ich vielleicht die meisten Inspirationen.

Deine Songs auf dem Albums »SPINDELSINN« klingen ganz besonders naturverbunden – speziell »Skogens Kjole«, eine Art Spaziergang im Wald. Mit dem letzten Album »OTHER PEOPLE'S STORIES« hast Du Dich wieder ein wenig davon entfernt.

Kari Rueslåtten

Englisch für alle

Nein, es ist schon noch vorhanden, tritt aber nicht so in den Vordergrund. Ich fühle, dass viele der Melodien für »OTHER PEOPLES STORIES« ein wenig auf einer Volkston-Weise aufgebaut sind. Das ist nicht so deutlich wie bei »SPINDELSINN« – da war ich sehr von der Volksmusik inspiriert gewesen.

Von der Kraft der Melodie

Warum hast Du eigentlich wieder angefangen, Englisch zu verwenden?

Ich finde, es ist etwas einfacher, auf Englisch zu schreiben, das muss ich einräumen. Aber gleichzeitig meine ich doch auch, dass ich mehr auf norwegisch schreiben sollte, weil es eine Herausforderung ist. Es ist einfach eine Herausforderung, in seiner eigenen Sprache zu schreiben.

Ich wollte, dass die Leute verstehen, was ich singe, weil die Texte so wichtig für mich sind. Und Englisch ist die Sprache, die die meisten verstehen. Gleichzeitig – meine ich – ist es sehr faszinierend, auf Norwegisch zu singen.

Hattest Du die Texte für das neueste Album zuerst oder gab es die Melodien vorher?

Das ist ein unterschiedlich, aber meistens habe ich den Text zuerst, weil ich den Text für so wichtig halte. Der Text ist wie ein Kern in der Musik, glaube ich. Wenn ich den Text habe, kann ich gut eine Melodie um diesen legen, der zu den Worten passt.

Kari Rueslåtten

Kari hat den Kern in der Musik entdeckt

Bei »OTHER PEOPLE'S STORIES« hatte ich einen sehr klaren Gedanken über die Texte, aber ab und zu kann ich mich einfach hinsetzen und Klavier spielen, und da kommt dann die Melodie. Dann muss man die Worte nur noch den Melodien anpassen. Aber ich bevorzuge es, wenn ich den Text zuerst habe – da wird deutlich, welcher Stimmung er gleicht und was man daraus machen kann.

Du komponierst die Melodien mit dem Klavier?

Ja. Ich versuche immer, das Lied erst ganz fertigzustellen, weil ich dann hören kann, ob die Melodie stark genug ist. Danach kann ich das Lied in den Computer eingeben und arrangieren, die Sound-Bibliothek benutzen und so weiter. Aber es ist so wichtig, dass da eine starke Melodie ist, bevor man eine Menge Arrangements darauf legt. Wenn man ein Arrangement hat, es nicht mehr so leicht zu hören, ob man eine starke Melodie hat.

Man findet nicht mehr so gut zurück zum Ausgangspunkt, wenn man zu viele Informationen draufpackt.

Ja, genau. Man vergisst, manchmal dass die Melodie das Stärkste sein muss. Wenn man eine Menge Arrangements darauf legt – das wird schön, das klingt fein –, vergisst man leicht, dass die eigentliche Melodie das Wichtigste sein sollte. Darum mag ich es, am Klavier zu komponieren.

Von Träumen und Reisen

Kari Rueslåtten

Auf dem Weg nach Deutschland

Hast Du einen speziellen Traum ,den Du in Deinem musikalischen Leben gerne verwirklichen würdest?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, mehr zu reisen – auch in verschiedene Länder –, um dort zu spielen. Das wäre sehr spannend. Ich habe Anfragen von Argentinien und Brasilien und auch Mexiko bekommen. Aber es ist schlecht, etwas zu planen, und dann wird nichts daraus.

Aber jetzt habe ich mir wirklich vorgenommen, zumindest nach Deutschland zu kommen, weil es ja auch so nah ist. Je weiter es vorangeht, desto mehr müssen wir daran denken, auch mit unserer Musik umherzureisen. Das tun wir zur Zeit noch wenig.

Wir sind nur eine Flugstunde voneinander entfernt. Das ist nicht weit.

(Lacht) Nein, nein, das ist keine lange Reise ... Man muss es einfach planen und dann tun. Dazu habe ich große Lust.

Ich habe gelesen, dass »OTHER PEOPLE'S STORIES« zuerst in Japan herauskam – vor Norwegen und Europa. Stimmt das?

Ja. es war etwas schwierig, es in Japan unterzubringen, und so war ich eigentlich sehr froh, dass sie mich haben wollten. Ich hoffe nur, dass es auch weiterhin gut läuft. Ich glaube, es war wichtig, dass die Musik jetzt auch in einem fremden Land herauskommt.

Kari Rueslåtten

Es gibt sehr viele skandinavische Musiker – speziell norwegische Künstler –, die sehr populär in Japan sind. Bist Du auch schon in Japan aufgetreten?

Nein, das habe ich noch nicht gemacht.

Wirst Du mit Deinem neuen Album auch im neuen Jahr nach Deutschland kommen?

Ich hoffe es. Ich habe sehr große Lust dazu. Ich weiß, dass die Jungs in der Band auch große Lust haben, nach Deutschland zu kommen. Wir sind mit dem Manager schon ziemlich weit vorangekommen mit der Planung, und ich hoffe wirklich, dass es dazu kommen wird.

Bist Du vorher schon mal in Deutschland gewesen?

Nein, ich war noch nie in Deutschland.

Hoffentlich klappt es, und Du kommst bald zu uns.

Ja, das wäre prima!

Kari Rueslåtten


Trondheim, Oslo, London
Eine Biografie

Kari Rueslatten wurde am 3. Oktober 1973 in Trondheim geboren. Mit zwölf Jahren sang sie 1985 erstmalig in einer Rockband mit.

Kari Rueslåtten

Aus der »SPINDELSINN«-Ära

1987 begann sie, klassische Musik an der Universität in Trondheim zu studieren. Gemeinsam mit Rune Hoemsnes, Finn Olav Holthe, Geir Nilssen und Trond Engum gründete sie 1992 die Band The 3rd & The Mortal, die als eine der ersten die Stilrichtungen Metal und Folk Musik verbanden. Mit dieser nahm sie die Alben »SORROW« (EP) und »TEARS LAID IN EARTH« auf und wurde in Norwegen vor allem unter ihrem Vornamen Kari bekannt.

1995 verliess sie die Band, konzentrierte sich auf ihre Solo-Karriere und veröffentlichte zunächst eine eigene Demo-CD, die in der norwegischen Musikbranche für Aufmerksamkeit sorgte. Ebenso sang sie auf dem Album »NORDAVIND« der Band Storm mit.

Die zwei folgenden Alben »SPINDELSINN« (mit norwegischen Texten) und »MESMERIZED« erschienen bei Sony Norwegen. Ihr Musikstil orientierte sich nun verstärkt an norwegischer Folk-Musik. Eine Auszeichnung erhielt sie 1997 bei den Norwegian Grammy Awards in der Kategorie »Best Vokal-Artists«.

Im Herbst desselben Jahres zog sie von Trondheim nach Oslo. 1998 wurde sie als »Best Female Artist Of The Year« der Norwegian Hit-Awards nominiert und tourte im Herbst durch Norwegen.

Um unabhängiger ihre musikalischen Vorstellungen verwirklichen zu können, zog sie für drei Jahre nach London, wo sie sowohl Musikprogrammierung und -produktion, als auch die Handhabung der Technik erlernte. Ihr nächstes Album »Pilot« – erschienen im Mai 2002 – produzierte Kari erstmalig selbst, ebenso wie »EXILE«.

Daneben lieh Kari den Bands »Rawthang« und »AK1200« für verschiedene Alben ihre Stimme. Im Januar 2005 erschien ihr ebenfalls selbst produziertes »OTHER PEOPLE'S STORIES«.

© 2004 Petra von Schenck, exklusiv für Nordische Musik
Fotos: Kari Rueslåtten

Discografie

Mitwirkung bei:

2003 Beautiful (Rawthang)
2003 At Close Range (AK1200)
2003 Scorned (Rawthang)
2002 Epilogue + Epilogue VIP (Rawthang)
1995 Nordavind (Storm)
1994 Tears Laid In Earth (The 3rd & The Mortal)
1994

Sorrow (EP) (The 3rd & The Mortal)

Eigene Alben

2004

Other People's Stories

2002

Exile

2002

Pilot

1998

Mesmerized

1997

Spindelsinn

1997 Demo Recordings Re-Issue
1995 Demo Recordings


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