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Logh: Düster, aber nicht depremierend

Ein Interview von Eva-Maria Vochazer

Andere Töne von Logh: Nachdem »THE RAGING SUN« 2003 sehr melancholisch ausgefallen war und die Tristesse nur durch wütende Gitarrenausbrüche unterbrochen wurde, nimmt die schwedische Band im neuen Album »A SUNSET PANORAMA« Abschied von den dunkelgrauen Tönen und zeigt sich gereifter, entspannter und gelassener.

Logh-Sänger- und Komponist Mattias Friberg erzählt im Telefoninterview, wieso das neue Albun an einem einzigen Tag aufgenommen wurde.

Logh

Ein ziemlich glücklicher Haufen

Logh

Konzentration vor laufenden Kameras

Ihr habt Euer neues Album »A SUNSET PANORAMA« an einem einzigen Tag im Gröndahl-Studio in Stockholm aufgenommen. Wie kam es dazu?

Tatsächlich hatten wir schon länger den Plan, ein Album völlig »live« einzuspielen. Pelle Gunnerfeldt, der die Aufnahme betreute, hat uns das schon vor einem Jahr vorgeschlagen, als wir mit seiner Band auf Tour waren. Er hat auch angeregt, das Ganze filmen zu lassen. Es klang nach einer großartigen Idee.

Wir hatten anfangs überhaupt nicht vor, das gesamte Album an einem Tag aufzunehmen und hatten ein Minimum von zwei Tagen eingeplant. Aber wir haben es tatsächlich geschafft. (lacht)

Die neue CD enthält auch eine DVD, auf der Ihr diesen Tag filmisch festgehalten habt. Ziemlich ungewöhnlich. Was steckt dahinter?

Wir wollen Hörern die Möglichkeit geben, sich im selben Raum wie wir aufzuhalten.

Logh

Jens Hellgren im Detail

War es nicht merkwürdig für Euch, im Studio zu sein und vor laufenden Kameras zu spielen?

Oh ja, das war ziemlich merkwürdig. Und ziemlich stressig. Das waren insgesamt neun Leute im Raum, die uns beobachtet haben. Aber naja (lacht), auf der anderen Seite hast Du immer Leute um dich herum, die dich anschauen, wenn du im Studio bist.

Aber dieses Mal war es doch etwas anderes: Jedes Mal, wenn wir irgendwas vergessen hatten, musste der Kameramann das Band zurückspulen. Also haben die ziemlichen Wert darauf gelegt, dass wir alles richtig machen. (lacht). Wir haben alle Songs des Albums in zwei oder drei Takes aufgenommen, bis auf einen.

Die Aufnahmen vermitteln eine Atmosphäre von großer Konzentration, von großer Intensität.

Ja, wir mussten konzentriert sein (lacht). Wir mussten uns sogar ziemlich heftig konzentrieren. Es gab so viel, auf dass du achten musst, wenn du alles richtig machen willst.

Logh

Weg vom Düster-Image

Das sah alles ziemlich ernst aus. Ihr habt ziemlich wenig gelacht bei den Aufnahmen.

Nein, das haben wir nicht. Nicht mal zwischen den Takes. Es gab nicht viel Gelegenheit zum Spaßhaben an diesem Tag.

Wie würdest Du die Stimmung der Songs auf »A SUNSET PANORAMA« beschreiben? Was ist der Unterschied zum Vorgängeralbum »THE RAGING SUN«?

Die Stimmung ist entspannter. Genau das wollten wir. Entspannter und vielleicht auch ruhiger. Wir wollen, dass die Hörer unserer Musik das Gefühl haben, dass wir sie an einen Ort bringen, wo sie sich gerne aufhalten. Auf keinen Fall das Gegenteil. Bei unserem zweiten Album "The Raging Sun" vermitteln wir eher das Gefühl, das alles ziemlich düster und schrecklich ist. Aber dieses Mal wollten wir etwas anderes.

Erinnerungen spielen eine wichtige Rolle in den neuen Songs?

Logh

Keine Zeit für Spaß

Ja; es ist so etwas wie eine Sammlung verlorengegangener Erinnerungen. Der Prozess, die Musik und die Texte zu schreiben, war sehr intensiv. Wenn Du so hart an etwas arbeitest, weißt Du hinterher nicht mehr genau, warum Du es auf diese oder jene Weise gemacht hast und was die Absicht war, die dahinterstand. So vieles passiert gleichzeitig.

Sogar jetzt geht es mir so, dass ich bei den Songs einem Ergebnis gegenüberstehe, bei dem ich nicht genau weiß, wo es eigentlich herkommt. Aber ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis ... auch wenn ich nicht weiß, woher das Ganze tatsächlich rührt.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich meine Erinnerungen zu verlieren beginne. In meinem Privatleben. Ich werde immer schlechter darin, mich an Sachen zu erinnern. Das steckt dahinter.

Was ist zuerst da, wenn Du Songs schreibst: Die Texte oder die Musik?

Die Musik ist zuerst da.

Logh

Erschöpft am Ende der Aufnahmen

Die neuen Songs klingen reifer und wärmer, finde ich.

Bei der Aufnahme zu unserem letzten Album hatten wir eine wirklich furchtbare Zeit. Es war Winter, und wir waren nicht sehr gut vorbereitet, als wir anfingen.

Es gab eine Menge Streit in der Band, wir waren krank, und es war kalt und es war dunkel. Und wir hatten kein Geld, und wir haben jeden Tag das Gleiche gegessen. Es war eine ziemlich schlechte Erfahrung. Und so hatten wir uns dieses Mal vorgenommen, alles richtig zu machen. Ok, die Aufnahme selbst war nicht relaxt (lacht). Aber die ganze Pre-Production-Phase war entspannter. Wir hatten Spaß.

Deine Stimme hat sich verändert und scheint eine größere Ausdruckskraft gewonnen zu haben.

Ja, das stimmt. Wir hatten sehr viele Auftritte. So hatten wir viel Möglichkeiten, uns zu erproben. Klar, man hofft immer, besser zu werden. Und dann hatte ich bei den Vocals natürlich noch jede Menge Hilfe von Johan Gustavsson, einem der beiden, die die Aufnahme geleitet haben. Seine Ratschläge haben mir sehr geholfen.

Fleetwood Mac?

Logh

Schlagzeuger Marco Hildén

Ihr werdet häufig mit Mogwai oder gar mit Kings of Convenience verglichen. Gerade mit letzteren habt Ihr nicht doch nicht so recht was zu tun?

Nein, nicht so richtig. (lacht). Auf unserem ersten Album gab es einige Mogwai-Elemente. Aber wer uns mit Kings of Convenience vergleicht, hat nicht die geringste Idee von dem, was wir eigentlich machen. Es macht mir nichts aus, wenn Leute unsere Musik nicht mögen. Aber wenn ich so was höre, bin ich schon manchmal etwas angesäuert. Aber andererseits: Wir sind sogar schon mit Fleetwood Mac verglichen worden (lacht).

Viele nicht-skandinavische Kritiker versuchen, Euch einen »typisch nordischen« Stempel zu verpassen, also karg, dunkel, winterlich. Gibt es denn so etwas wie eine »nordische Tradition« in der Musik?

Nein. Glaube ich nicht. Klar kann man das so interpretieren. Unser erstes und zweites Album waren schon wie sehr karge Landschaften angelegt, so wie hier. Aber auf unserem neuen Album entwerfen wir Landschaften voller Wärme und Poesie. Es gibt nichts, was übergreifend musikalisch typisch für alle skandinavischen Länder ist.

Logh

»Wir sind nicht Fleetwood Mac«

Skandinavische Bands sind in Deutschland gerade sehr angesagt. Gibt es derzeit besonders viele kreative skandinavische Bands oder hat es die schon immer gegeben?

Das Phänomen gibt es seit vielen Jahren. Das Gleiche habe ich schon gehört, als wir unsere erste Platte auf den Markt gebracht haben. Nur mit anderen Bands. Es gibt viele sehr gute skandinavische Gruppen – lange schon. Vielleicht hat sich in Deutschland derzeit nur ein neues Bewusstsein dafür entwickelt. (lacht).

Du hast kürzlich auf Kristofer Aströms Album »Loupita« mitgewirkt. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Ich habe seine Band Fireside als Techniker auf Tour begleitet. Und eines Nachts im Tourbus hat mich Kristofer aus irgendeinem Grund gefragt, ob ich nicht etwas spielen könnte.

Und so spiele ich den Song, den ich auch geschrieben habe. Und er mochte es und hat es auf einem kleinen Kassettenrecorder aufgenommen. Ich wollte das Stück nicht für Logh haben.

Fireside und The Hives

Logh

Ich war ziemlich überrascht, als ich Euer neues Album-Cover gesehen habe. Pink und Gelb sind so ziemlich die letzten Farben, die ich bislang mit Logh verbunden habe.

Genau darum geht's! (lacht). Wir wollten die Art, wie die Leute uns bisher gesehen haben, ein wenig auf die Probe stellen. Wir hatten einfach keine Lust mehr, als diese düstere, depremierende Band angesehen zu werden.

Klar, wir sind schon düster, aber definitiv nicht depremierend. Ich denke, wir sind optimistisch. Die Stimmung ist schon düster, aber auf der persönlichen Ebene waren wir ein ziemlich glücklicher Haufen Leute (lacht). Als Stephen O'Malley, der die künstlerische Umsetzung des CD-Covers gemacht hat, fragte, was wir uns denn so vorstellen, haben wir einfach gesagt: »viele Farben«. Ich finde, dass diese Farben sehr gut zur Musik passen.

In Euren Credits bedankt Ihr Euch bei den Hives und Fireside. Wie das?

Wir haben uns eine der Gitarren von den Hives geborgt. Und mit Fireside sind wir 2003 sehr lange getourt.

Logh


Kurz und schmerzlos?
Eine Biografie

Logh kommt im Jahr 1998 im schwedischen Lund zusammen. 2002 erscheint das Debut-Album »EVERY TIME A BELL RINGS, AN ANGEL GETS HIS WINGS« bei Bad Taste Records. Im gleichen Jahr tourt Logh intensiv, vor allem durch Skandinavien.

Logh

Sänger Mattias Friberg

2003 erscheint »THE RAGING SUN«, ein Album, das eine schwierige Entstehungsgeschichte hat: Die Band verbringt zwei Monate im Studio, nimmt auf, verwirft die Aufnahmen, die Bandmitglieder werden krank, erholen sich, werden wieder krank. Erst als John Congleton, Produzent unter anderem von Erykah Badu, Anfang Februar im Studio auftaucht, beginnt »THE RAGING SUN« endgültig Gestalt anzunehmen. In sechs Tagen wird das Album aufgenommen. Für die Band ist der wütend-düstere Zweitling ein erster Durchbruch, der wohlwollend besprochen wird. Eine ausgedehnte internationale Tour schließt sich an.

Sehr viele Live-Auftritte später beginnen die Vorbereitungen für das dritte Album »A SUNSET PANORAMA«. Logh probt im Vorfeld ein halbes Jahr und geht im September 2004 ins Gröhndahl-Studio in Stockholm.

»A SUNSET PANORAMA« entsteht gemeinsam mit Pelle Gunnerfeldt (Produzent von The Hives) innerhalb von nur zehn Stunden. Die Aufnahmen werden nur von einer kurzen Mittagspause unterbrochen. Die Session wird von fünf Kameras aufgenommen und in Stereo und 5.1-Surround abgemischt.

© 2005 Eva-Maria Vochazer, exklusiv für Nordische Musik
Foto-Credits: Jens Nordström (2), Annika Grottell (7, alle Studio-Fotos), Claus Cinsci (2, Live-Fotos)

Discografie

2002

2002 Every Time a Bell Rings, An Angel Gets His Wings

2003

The Raging Sun

2005 A Sunset Panorama


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