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Nils Petter Molvær: Loslassen ist nicht so einfach

Ein Interview von Petra von Schenck

Mit Material aus dem Live-Album »STREAMER« sollte Nils Petter Molvær am nächsten Tag im Berliner Tränenpalast auftreten – aber vorher gab er erst noch ein Telefon-Interview.

Nils Petter Molvær

Es gibt da eine Energie ...

Nils Petter Molvær

Warum hast Du Dich entschlossen, gerade jetzt ein Live-Album herauszugeben?

Das ist etwas, was schon lange geplant war. Viele Leute haben mich immer wieder darauf angesprochen, ob ich nicht ein Live-Album einspielen würde. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis es soweit war. Das Album spiegelt meinen momentanen Stand wieder.

Wie kamen die Einspielungen zustande?

Ich hatte einen Tape-Recorder bei den Konzerten dabei und habe mir verschiedene angehört. Die Mitschnitte von den beiden Konzerten im Marquee Club in London und während des Tampere Jazz Festivals in Finnland passten einfach prima zusammen. So wurden es eben diese Aufnahmen.

Ist es für Dich schwer, Deine Songs in einem Konzert zu spielen?

Nein, gar nicht. Im Studio ist es eine einsame Sache, aber im Konzert ist es einfach zu spielen. Ich mag die Interaktion mit dem Publikum. Es gibt da eine Energie, wenn man spielt und die Leute darauf reagieren.

Arbeitest Du auch an der Musik, wenn Du auf Reisen bist?

Nils Petter Molvaer

Das Studium war nicht wichtig

Ja natürlich – Ich habe einen Computer dabei und arbeite mit verschiedenen Soundfiles. Aber da bleibt nicht viel Zeit dafür, während ich mit der Band unterwegs bin.

Wie konstruierst Du deine Musik? Wie gehst Du dabei vor?

Zuerst habe ich einen Rhythmus, eine Melodie oder einen Dub, und darauf baue ich dann auf. Ich mache meine Aufnahmen und gebe sie als MP3 an eines meiner Bandmitglieder, und der nimmt dann seine Gitarre dazu auf. Das bearbeite ich dann weiter, und so geht das hin und her und funktioniert sehr gut.

Spielst Du noch andere Instrumente?

Das habe ich als Kind gemacht. Schlagzeug, ... Es war mehr ein Ausprobieren, wie man das eben so macht in dem Alter, um seine Identität zu finden. Dabei habe dann die Trompete für mich entdeckt.

Woran erkennst Du, ob eine Aufnahme »fertig« ist?

Das ist sehr schwer. Man arbeitet an einem Stück und kann eigentlich immer noch etwas verbessern daran. Aber irgendwann muss man es einfach stehen lassen. Loslassen ist nicht so einfach...

Frozen Waterfall

Nils Petter Molvaer

Profitierst Du jetzt noch von deinem Musikstudium in Trondheim? Hilft das?

Nein. Das Studium war nicht wichtig. Ich hätte es eigentlich nicht machen brauchen. Die eigenen Erfahrungen sind viel wichtiger. Bei einer Musikgruppe war ich lange dabei – das war viel entscheidender.

An welchen Projekten arbeitest du momentan?

Zur Zeit arbeite ich an einem Theaterstück von Ibsen für ein Theater in Oslo. Die Regisseurin ist sehr gut, und es macht Spaß, mit ihr zu zusammenzuarbeiten. Parallel dazu arbeite ich an einem neuen Studio-Album, das nächstes Frühjahr herauskommen wird ... und dann gibt es noch ein Projekt für einen französischen Film, an dem ich arbeite.

Wie stimmst Du Dich darauf ein, bei so unterschiedlichen Projekten mitzuwirken?

Es ist eigentlich ganz einfach. So unterschiedlich sind sie gar nicht. Auch ist es kein so großer Unterschied, ob ich jetzt mit ein paar der jungen Bands, Berufsmusikern oder Folkmusikern arbeite. Mit einem Folkmusiker zu arbeiten, könnte ich mir auch gut vorstellen. Warum nicht? Das wäre sicher eine interessante Erfahrung.

Nils Petter Molvaer

Folk? Warum nicht?

Anlässlich des 10. Jahrestages der Olympischen Winterspiele fand in Lillehammer ein Jubiläumsfest statt. Am 13. Februar 2004 fand das »Frosen Waterfall Concert« statt, eine Auftragskomposition, die Du zusammen mit Magne Furuholmen kreiert hast. Wie kam Eure Zusammenarbeit zustande?

Oh, wir hatten uns vor vielen Jahren getroffen und wollten schon damals gerne etwas zusammen machen. Magne hat mich dann vor einer Weile angesprochen, ob wir das Projekt in Lillehammer nicht zusammen machen würden. Es klang richtig gut, und so habe ich zugesagt.

Ich habe dann an meinem Part gearbeitet und Magne an seinem. Dann haben wir unsere Teile zusammengelegt, und da ist dann etwas ganz Neues daraus entstanden. Magne ist ein sehr feiner Mensch und macht sehr viele verschiedene Sachen. Mittlerweile sind wir sehr gut befreundet.

Wirst Du auch wieder mit Sidsel Endresen zusammenarbeiten?

Mit Ihr würde ich auch sehr gerne etwas machen, aber auch sie ist sehr mit ihren eigenen Projekten beschäftigt.

Nils Petter Molvaer

Wie würdest Du die norwegische Musikszene beschreiben?

Es ist eine sehr kleine und durchlässige Gruppe, bei der ganz unterschiedliche Leute miteinander arbeiten. Das klappt sehr gut.

Das Essen in Italien

Wo trittst Du nach dem Konzert in Berlin auf?

Oh, zunächst in Nürnberg, dann in der Schweiz, und dann geht es nach Hause. Später spiele ich dann auf dem Jazzfestival in Molde, in San Sebastian, bei einem Festival Ende Juli in Arendal und danach in Oslo.

...einen Moment, ich hole mir noch eine Zigarette ...

Vor kurzem war ich zwei Wochen in Italien – das Essen ist soo gut dort! Und der Wein ... Ich habe sehr viel zugenommen! Wenn ich nach Hause komme, wird meine Familie mich wohl auf Diät setzen.

Wird es noch eine größere Tournee in Deutschland geben?

Ja, wir werden im Herbst eine größere Tour durch Deutschland machen. Im Oktober werden wir dann auch im Rhein-Main-Gebiet sein.

Nils Petter Molvaer

Diät nach Italien

Wer wird Dich auf der Tournee begleiten? Wird auch Eivind Aarset dabei sein?

Eivind Aarset ist zur Zeit mit seinen eigenen Projekten beschäftigt. Mit Jan Bang arbeite ich schon lange, mit DJ Strangefruit habe ich schon viele Projekte zusammen gemacht, Morten Qvenild, Rune Arnesen ... Eigentlich arbeite ich mit allen schon eine ganze Weile.

Auf der Tour werden zwei Schlagzeuger, Keyboarder ... und ich dabei sein. 5 Leute also. Nicht mehr so groß und mit so viel Equipment wie früher. Mit der gleichen Ausstattung werden wir auch im Herbst auf Tournee sein.

Zur Zeit gibt es zwei offizielle Websites über Dich. Wie sehen hier Deine Pläne aus?

Ich habe jetzt eine neue eigene Website. Die alte gehört noch zu den Zeiten mit Universal Musik. Die neue Seite ist sehr aufwändig gestaltet – man kann da noch sehr viel ausprobieren. Das ist erst der Anfang. In Zukunft wird die neue Seite noch viel mehr beinhalten, zum Beispiel die aktuellen Tourdaten und weitere aktuelle Infos. Es gibt noch viel zum Eintragen.

Line-Up:
Nils Petter Molvær: Trompete
Morten Qvenild: Keyboards
Rune Arnesen: Schlagzeug
Jan Bang: Samples
DJ Strangefruit: Samples


Nils Petter Molvær


Klagetöne von der Westküste
Eine Biografie

Nils Petter Molvær wurde 1960 in Langevag auf der kleinen Insel Sula geboren, die vor Alesund an der norwegischen Westküste liegt.

Nils Petter Molvaer

Schon früh kam er durch seinen musikalischen Vater mit Jazz in Kontakt und begann mit 13 als Keyboarder, Bassist oder Schlagzeuger in verschiedenen Bands zu spielen. Zu seinen musikalischen Vorbildern gehören Miles Davis, Don Cherry, Billie Holiday, Brian Eno, Joni Mitchell and Bill Laswell.

1979 begann Nils Petter Molvær, Musik am Konservatorium in Trondheim zu studieren. In dieser Zeit wurden andere Musiker auf ihn aufmerksam, und so entschloss er sich zwei Jahre später, nach Oslo zu ziehen, um professioneller Musiker zu werden. Er arbeitete an seinem eigenen Stil und gehörte in den 80er Jahren zu den Geheimtipps der Pop- und Jazzszene Oslos.

Während dieser Zeit lernt er die Sängerin Sidsel Endresen kennen, mit der er ihn eine bis heute andauernde Zusammenarbeit verbindet. Auch mit der Percussionistin Marilyn Mazur arbeitete er lange Jahre zusammen. Bis zum Beginn der 90er spielte er in den zwei Jazzensembles Masqualero und Oslo 13. Er begegnete Manfred Eicher und spielte danach bei verschiedenen Studioproduktionen von ECM.

Nils Petter Molvaer

Durch eine Auftragskomposition für das »Voss International Jazz Festival« inspiriert, entwickelte Nils Petter Molvær 1993 erste Ideen für seinen eigenen individuellen musikalischen Stil. Das Ergebnis – das Debut-Album »KHMER« – wurde 1997 veröffentlicht und erntete hervorragende Kritiken. Im Folgejahr erhielt er den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Die amerikanische Zeitung L.A. Weekly ernannte »KHMER« zum Jazzalbum des Jahres 1998.

Das Nachfolge-Album »SOLID ETHER« erschien 2000. Im darauf folgenden Jahr wurde das reine Remix-Album »Recoloured« veröffentlicht, auf dem verschiedene Musiker wie u.a. Bill Laswell oder Funkstörung mitarbeiten. 2002 folgte das Album NP3 – auf dem er sich u.a. mit dem Song »Axes of ignorance« mit der amerikanischen Außenpolitik auseinander setzte. »STREAMER« veröffentlichte Nils Petter Molvær am 30. August 2004 auf seinem eigenen neu gegründeten Label Sula.

© Petra von Schenck, exklusiv für Nordische Musik
Foto-Credits: Kerry Brown (1, 6)
Stian Andersen (2, 5, 7)
cf-wesenberg (3, 4, 8, 10)
Tom Sandberg (9)


Discografie

1997 Khmer
2000 Solid Ether
2001 Recoloured – The Remix Album
2002 NP3
2004 Streamer

Nils Petter Molvær wirkte unter anderem bei folgenden Alben mit:

Jon Eberson / Sidsel Endresen Group (1985 – 89)

1984 City Visions
1987 Pigs And Poetry

Masqualero (1983 – 92)
zusammen mit Jon Christensen, Arild Andersen, Jon Balke und Tore Brunborg

1986 Bande À Part
1988 Aero

Sidsel Endresen Group (1989 – 95)
zusammen mit Django Bates and Jon Christensen

1990 So I Write
1994 Exile
Oslo 13 (1982 – 92)
1992 Nonsentration
Marilyn Mazur's Future Song (1986 – 1998)
1992

Future Song

1997 Small Labyrinths
Duo with Robin Schulkowsky (1995 – 96)
1995 Hastening Westward
Jazzpunkensamble (1983 – 1998)
1997 13 Rounds
Eivind Aarset
1998 Électronique Noire
Bugge Wesseltoft
1998 New Conceptions Of Jazz
Sidsel Endresen
2000 Underow
Marie Boine
2001 Remixed


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