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Subauditioni - Exotisch ist ein Rastamann mit Kokosnus

Ein Interview von Marco Pütz

Nachdem Antti Korpinen und Roope Niemäla ihr Debüt »THE SCOPE« bereits 2004 in Eigenregie aufgenommen hatten, fand sich erst zwei Jahre später mit Auerbach Tonträger ein Label, das den Vertrieb übernahm.

Mit ihren besinnlichen Klanggemälden sind die jungen Finnen bei dem Tochterunternehmen von Prophecy Productions bestens aufgehoben, stehen sie doch nun unter derselben Schirmherrschaft wie die von ihnen sehr geschätzte Band Tenhi.

Sie selbst bezeichnen ihre Musik als »Ambient Folk« oder »Acoustic-based Emotional Flow«, die den Hörer in eine tiefe, unter der Oberfläche verborgene Welt entführen soll.

Subaudition

Auf den Spuren Pink Floyds

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Kein Bäume-umarmen

Journalisten und Musikliebhaber nahmen Euer kürzlich erschienenes Album »THE SCOPE« sehr wohlwollend auf. Man verglich Euch häufig mit Sigur Rós oder Tenhi. Wie steht Ihr dazu? Schmeichelt es Euch, in einem Atemzug mit solchen Szenegrößen genannt zu werden? Oder nervt Euch derartiges Schubladendenken?

Antti: Neue Bands werden doch immer mit etablierten verglichen - unabhängig davon, in welcher Szene sie verwurzelt sind. Das ist einfach so. Ich persönlich mag Sigur Rós und Tenhi sehr, sodass ich mich geehrt fühle, wenn jemand die emotionale Kraft in unserer Musik wieder findet, die auch in ihrer steckt.

Einige meinen sogar, in Eurem Sound Parallelen zu frühen Alben von Pink Floyd zu erkennen. Wie breit ist Euer Soundspektrum wirklich? Welche Künstler haben Euch am meisten beeinflusst?

Roope: Es ist kein Zufall, dass unsere Musik mit der von Pink Floyd gleichgesetzt wird. Sie war für Antti und mich jahrelang größte Inspirationsquelle. Was das Soundspektrum anbelangt, so gibt es immer Raum, sich zu entfalten. Mir stellt sich hierbei vor allem die Frage, wie weit unsere Experimentierfreude geht und ab welchem Zeitpunkt sie der Musik eher abträglich ist.

Antti: Kein Zweifel! Pink Floyd haben mich ungemein beeinflusst. Danach kommen schon Tenhi, dicht gefolgt von Anathema und Katatonia. Meiner Meinung nach ist unser Sound ähnlich breit gefächert wie der von Pink Floyd, wenngleich sich unsere musikalischen Ausrichtungen stark voneinander unterscheiden. Es gibt bestimmte Bereiche, in die ich noch gerne vordringen würde. Beispielsweise könnte ich mir gut vorstellen, mit mehreren Gesangsebenen zu arbeiten – oder auch mit Streichinstrumenten.

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Breit wie Pink Floyd

Um eure Musik zu beschreiben, greift ihr auf ein Bild aus der Natur zurück. »Stell Dir einen Frühlingsmorgen vor. Der Nebel umfängt Dich, während Du auf das Ufer des Sees zusteuerst, auf dessen Oberfläche nur noch eine dünne Eisschicht liegt. Du weißt, dass diese jederzeit verschwinden und das Wasser sich in Folge unbegrenzt bewegen kann. Du atmest die frische Luft ein und begreifst, dass sich dieser Moment bereits angekündigt hat – ein Moment der Befreiung.«
Es macht den Eindruck, als sei für Euch die finnische Natur nicht nur wichtige Inspirationsquelle, sondern zugleich ein Mittel, Eurer Kunst eine gewisse Tiefe zu verleihen.

Roope: Obwohl ich die Natur liebe, streife ich nicht durch die Wälder und umarme Bäume. Ihr Einfluss auf unsere Musik ist dennoch enorm. Interessant finde ich daran, dass dies sehr subtil vonstatten geht, man häufig gar nicht bemerkt, wie sehr die Umwelt in die Kunst mit einfließt.

Antti: Ich schätze spätabendliche Spaziergänge im Wald oder am See. Alles, was wir erfahren, spiegelt sich in uns wider – ob nun in guter oder in schlechter Hinsicht. Folglich wirkt sich auch die Natur auch auf unsere Musik aus. Es war nie von uns intendiert, Naturaspekte in unserem künstlerischen Schaffen aufzunehmen. Seitdem allerdings viele Leute meinen, solcherlei Aspekte in unseren Liedern zu erkennen, teile ich ihre Ansicht. Davon abgesehen hat Musik für mich einen so großen Stellenwert, dass sie eigentlich nichts weiteres Bedarf, was ihr einen tieferen Sinn geben müsste.

Skandinavische Musiker am Puls der Zeit

Subaudition

Naturkram für Finnen:
nichts Besonderes

Musik aus Finnland (beziehungsweise aus Skandinavien) erlebt seit Jahren einen Boom – vor allem in Deutschland. Worauf führt Ihr das zurück?

Roope: Ich verstehe nur allzu gut, dass unsere Fast-Food-Kultur die Menschen zunehmend beunruhigt und zermürbt. Vielleicht kann skandinavische Musik dem etwas entgegen setzen. Vielleicht strahlt sie tatsächlich eine bestimmte Ruhe und Leichtigkeit aus. Vielleicht finden die Leute unsere Musik auch einfach nur exotisch.

Für Finnen ist der ganze Naturkram nichts Besonderes. Ich zum Beispiel muss bei dem Stichwort »exotisch« unweigerlich an einen jamaikanischen Rastamann denken, der am Strand eine Kokosmuss verspeist. Für mich ist Subaudition alles andere als exotisch. Wir sind bloß zwei Jungs, die gemeinsam Musik machen und damit gelegentlich ein sehr gute Zeit haben.

Antti: Dass skandinavische Musik gerade so populär ist, ist lediglich eine weitere Modeerscheinung. Dies soll natürlich nicht bedeuten, dass Bands der ersten Stunde wie HIM oder Nightwish den Erfolg nicht verdient hätten. Viele finnische Gruppen sind wohl gerade deshalb so erfolgreich, weil sie eben aus Finnland stammen.

Kommen wir zur Kehrseite dieser im Grunde positiven Entwicklung. Stichwort: Kommerzialisierung. Gerade im Metalsektor gibt es inzwischen unzählige Trittbrettfahrer, die den Sound von Nightwish oder In Flames kopieren. Steht dem positiven Aspekt, viele unbekannte Künstler mit Plattenverträgen auszustatten, somit ein möglicher Qualitätsverlust entgegen?

Subaudition

Ruhe und Leichtigkeit
der skandinavischen Musik

Roope: Unambitionierte Gruppen gibt es bestimmt, denn Originalität ist nicht unbedingt die größte Stärke finnischer Metalbands. Für meinen Geschmack klingen viele von ihnen zu steril, zu technisch. Dennoch gibt es unter ihnen zahlreiche gute Formationen. Ich könnte zum Beispiel Moonsorrow, Rotten Sound, Amorphis, Farmakon oder – meine persönliche Favoriten – Thy Serpent and Enochian Crescent nennen. All diese Bands sind ihren Visionen treu bleiben.

Antti: Es gibt tatsächlich ein Problem hinsichtlich der Qualität junger finnischer Musiker. Manchmal macht es wirklich den Eindruck, als bekämen sie allein deshalb einen Plattenvertrag, weil sie Finnen sind und die verdammt schnellsten Gitarrensoli spielen können. Dies birgt allerdings die Gefahr, dass die eigentliche Sache – die Musik – in den Hintergrund gerät.

Im Gegensatz dazu versuchen wir, den Noten wieder einen Sinn zu geben. Dies ist meiner Meinung nach die weitaus größere Herausforderung, als der neue Alexi Laiho [Anmerkung des Autors: Gründungsmitglied von Inearthed] zu werden.

Könnt ihr Euch dennoch vorstellen, eines Tages mit anderen Bands oder Musikern zusammen zu arbeiten?

Roope: Ja, das wäre sogar großartig. Da mich Metal nicht sonderlich interessiert, könnte ich mir vor allem eine Zusammenarbeit mit Bands vorstellen, die unsere Offenheit für Musik teilen. Mich würde es sehr reizen, mit samischen Künstlern eine Platte aufzunehmen. Dies ist heutzutage allerdings auch nichts mehr wirklich Neues.

Antti: Aber ja, ich würde eines Tages gerne derartiges ausprobieren. Anders als Roope könnte ich mir sogar eine Zusammenarbeit mit einer Metalband vorstellen. Oder vielleicht mit einem Symphonieorchester. Oder einer Trip-Hop Band. Ich weiß es nicht. Solange etwas Neues drinsteckt, würde sicherlich mein Herzblut reinfließen. Es gibt allerdings noch eine Menge mit Subaudition zu tun, sodass eine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern in nächster Zeit wohl eher utopisch ist.

Subaudition

Kein Interesse an Metal

Anders als Sigur Rós oder Tenhi tragt ihr Eure Kompositionen in englischer Sprache vor. Spiegelt sich darin Euer Bestreben, international zu agieren? Erhofft ihr Euch gar einen internationalen Erfolg wie die finnischen Paradeexporte HIM und The Rasmus? Oder könnt ihr Euch auch vorstellen, eure Songtexte auf Finnisch, beziehungsweise Schwedisch zu verfassen.

Antti: Ich kann mich am besten auf Englisch ausdrücken. Obwohl ich unsere Muttersprache sehr schätze, ist meine Verbindung zum Englischen stärker als zum Finnischen. Die englische Sprache ist einfach flexibler und vielseitiger verwendbar, sodass sie für mich persönlich die mehr oder weniger einzige Sprache ist, die ich zum Texten verwenden würde.

Schwedisch mag zwar in Finnland offizielle zweite Amtssprache sein, doch ist dies bloß unserer Geschichte geschuldet. Ich für mein Teil habe jedenfalls keine sonderlich starke Beziehung zum Schwedischen.

Meine Erwartungen, was den internationalen Erfolg angeht, sind im Übrigen eher gering. Mich würde es schon sehr glücklich machen, wenn wir – sagen wir einmal – 10.000 Einheiten von »THE SCOPE« verkaufen würden. Zu wissen, dass Deine Musik fremde Menschen berührt, ist das Schönste an der ganzen Sache.

Unerforschte Weiten

Subaudition

Spätabendliche Spaziergänge?

Ihr habt mit Auerbach Tonträger einen Vertrag für fünf weitere Alben abgeschlossen. Würdet ihr von Euch behaupten, Euren Still gefunden zu haben, sodass ihr in der Tradition von »THE SCOPE« weitermachen werdet? Oder könnte es sein, dass der Nachfolger ganz anders klingt?

Antti: Es gibt mit Subaudition noch eine Menge zu entdecken, und ich denke schon, dass unser nächstes Album ein wenig anders klingen wird. Wir werden verstärkt mit Kontrasten arbeiten, uns für die einzelnen Kompositionen mehr Zeit lassen. Ich möchte nicht behaupten, dass sich das nächste Album grundlegend von »THE SCOPE« unterscheiden wird. Dennoch soll nichts unsere Kreativität einengen.

Wie sieht es mit einer Tournee aus? Sind Auftritte geplant? Vielleicht sogar in Deutschland?

Roope: Man kann nicht genau absehen, wie sich die Dinge entwickeln werden. In letzter Zeit ist eine Menge in unserem Leben passiert, und ich weiß nicht, was die Zukunft noch für uns bereithält. Um Konzerte geben zu können, benötigen wir in jedem Fall einige gute Gastmusiker. Bevor wir diese nicht gefunden haben, wird es wohl keine Auftritte geben.

Subaudition

Roope Niemelä

Antti: Ich denke, dass wir erst nach Veröffentlichung unseres zweiten Albums Konzerte spielen werden. Man darf nicht vergessen: »THE SCOPE« wurde bereits Mitte 2004 aufgenommen, und wir haben den Großteil der Songs deshalb wieder verlernt. Anstatt neues Material zu komponieren, müssen wir die alten Songs erst einmal wieder üben. Für mich bedeutet Musikmachen ohnehin eher, neues Liedgut zu kreieren, als altes bei Konzerten zu reproduzieren.

Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass wir früher oder später auf der Bühne stehen werden. Wenn wir die Schwierigkeiten, die Roope bereits angesprochen hat, gemeistert haben, würde es mich mehr als glücklich machen, mit anderen guten Bands einige Gigs in Deutschland zu geben. [Anm. des Autors: Der erste Auftritt fand doch schon etwas früher statt, nämlich am 11. August 2006 in Tampere.]

Was passiert bei Euch in naher Zukunft? Arbeitet Ihr schon am Nachfolger von »THE SCOPE«? Oder an irgendeinem anderen außermusikalischen Projekt?

Subaudition

Antti Korpinen

Roope: Im Moment konzentriere ich mich auf meinen Gitarrenkurs. Das klingt zwar ein bisschen dämlich, ist aber die Wahrheit. Neues Material ist bereits fertig – sehr viel sogar. Wir brauchen noch etwas Zeit, aus den Haufen Ideen und Noten etwas Ganzes zu machen. Die Dinge fangen langsam an. Doch schlussendlich wird alles seinen Platz finden.

Antti: Bisher floss alles Material für Subaudition mühelos aus uns heraus, wenn denn der richtige Zeitpunkt gekommen war. Viele neue Songs sind schon geschrieben – und sie sind sehr vielseitig ausgefallen. Wir werden sicherlich noch weitere gute Einfälle haben, sobald wir Zeit für die Proben finden.

Darüber hinaus müssen wir noch arbeiten, gehen zur Uni oder schreiben für Imperiumi, Finnlands größtem Online-Metalmagazin. Was letztere Tätigkeit betrifft, so ist es mir inzwischen lieber, Fragen zu beantworten als zu stellen. Wir schätzen wirklich sehr, was uns gerade widerfährt.

Vielen Dank für das Gespräch.

© Marco Pütz,
Foto-Credits: Subaudition

DISCOGRAFIE

2004

Waves At Ease (Promo)

2006

The Scope



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