Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten CD-Rezensionen Service Suche Impressum

Ruoska: Die versteinerte Peitsche

Ein Interview von Nathalie Martin
(15. Juli 2005, Helsinki, Tuska-Festival)

Das Quartett, als finnische Version von Manowar vermarktet – und von manchen belächelt – eroberte Finnland mit seiner »Metal-Wahrheit« im Sturm. Zwischen Tuska-Auftritt, anschließendem Autogramme schreiben und viel zu früher Abfahrt der Stahlbeton-Jungs äußert sich Gitarrist/Gelegenheitssänger Arto Järvinen zu Metal, Rammstein ... und Sklavinnen.

Teräsbetoni

Jungs, meint ihr das wirklich ernst?

Teräsbetoni

Arto Järvinen: »Wir lieben Heavy Metal«

Als ich »Taivas Lyö Tulta« zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, das ist eine Parodie. Tut mir leid, aber diese Frage muss ich stellen: Meint Ihr das ernst?

(Inbrünstig) Wir lieben Heavy Metal, wir spielen ihn – und wir spaßen nicht damit. Wir lieben Metal und was wir tun so sehr, dass wir deswegen auf der Bühne lachen. Deswegen denken viele »we make a joke«.

Und wie sehen das Eure Fans? Nehmen die das ernst? Ich hab da unterschiedliche Meinungen gehört ...

Viele mögen es in erster Linie, weil es Metal ist, und erst dann, weil es auch lustig ist. Nehmt es ernst – aber nicht ZU ernst!

Habt ihr eigentlich mehr männliche oder weibliche Fans?

Wir haben bemerkt, dass wir erstaunlich viele weibliche Fans haben. (grinsend) Kennst du »Orjatar« und weißt du, was das heißt?

Das wäre meine näxte Frage gewesen … Es gibt Frauen, die der Titel »Sklavin«, beziehungsweise der Text stört ...

Die haben's nicht verstanden. »Orjatar« handelt nicht von »Frauen versklaven«. Im Gegenteil, wir respektieren sie und wertschätzen sie sehr. Und wenn Leute die Texte nicht verstehen oder diese ernst nehmen … we don't care!

(lacht) Wir singen ja auch über Pferde, mit denen wir in die Schlacht ziehen – und reiten nicht durch die Gegend. Wir sind ganz normale Jungs.

Aus dem finnischen Hinterland ins japanische Radio

Wie entstand Teräsbetoni?

Teräsbetoni

Jarkko Ahola: »Onko tällä naisia?«

Wir trafen uns Ende 2002, die ersten Lieder haben wir 2003 veröffentlicht, kurz drauf kriegten wir einen Anruf von einer Plattenfirma.

Klingt ganz einfach ...

(Nachdenklich) Komisch ... aber alles klappte irgendwie: die Plattenfirma, das Publikum zog mit, alles. (Pause) Ich bin immer noch nicht aus dem Traum aufgewacht, dass wir in Deutschland veröffentlicht werden und beim Wacken Openair spielen! Wir sind doch nur Jungs aus dem finnischen Hinterland.

Von wo?

Aus der Region Tampere. Wirklich direkt in Tampere wohnt nur einer von uns.

Und wie habt Ihr denn den Sprung zur Veröffentlichung in Deutschland geschafft?

Eigentlich begann alles bei der Metalexpo dieses Jahr (A.d.R.: in Helsinki), da waren etliche deutsche Journalisten im Publikum, die unsere Musik nach Deutschland brachten und da war auch ein japanischer Radio-DJ, der unsere CD mitnahm ... jetzt laufen wir sogar im japanischen Radio!

Rammstein – und Manowar

Teräsbetoni

... zwei vereinte Kämpfer

Außer Eläkeläiset fällt mir spontan keine finnischsprachige Veröffentlichung in Deutschland ein. Als ich von der Veröffentlichung hörte, dachte ich es gibt eine englische Version des Albums für den deutschen Markt. Erstaunlicherweise aber nicht ...

Als wir das Album aufnahmen, hätten wir nie erwartet, dass es jemals woanders veröffentlicht würde!

(Pause) Wir singen von der Bruderschaft, von Kämpfen für die Sache (A.d.R.: Die Sache = Heavy Metal); in unseren Texten stecken Feinheiten, die du nur in deiner Muttersprache ausdrücken kannst, die mehr aussagen, als wenn wir sie einfach ins Englische übersetzten.

Abgesehen davon, dass die Feinheiten verloren gehen, denken wir, dass Finnisch eine sehr (ausdrucks)starke Sprache ist. Da gibt es keine Notwendigkeit, die Texte auf Englisch zu machen. Und ich kenne eine deutsche Band, die die ganze Welt in ihrer Muttersprache erobert ...

(oh nein!) wir beide im Chor: Rammstein!

Deren Texte verstehen die meisten auch nicht. (Pause) Alle Reporter, mit denen ich bisher gesprochen haben, verstanden unsere Texte nicht und fragten mich danach. Aber sie sagten, sie lieben die Musik ..... was mich wundert: Wir haben gerade mal die minimale instrumentale Besetzung für Rock'n'Roll Bands, also nichts Besonderes. Vielleicht ist es doch gerade das Finnische, das sie anzieht?

In Deutschland werdet Ihr ja als die »finnische Version von Manowar« gehandelt, wie groß ist deren Einfluss?

Teräsbetoni

Live-Rückgrat der Band:
Drummer Kuokkanen

Eigentlich sind nur Jarkko Ahola (A.d.R.: der Sänger) und ich von Manowar beeinflusst, weder unser anderer Gitarrist, noch der Drummer. Natürlich kannst du bei uns Elemente von Manowar hören und sehen. Aber wir kopieren sie nicht!

Wer schreibt die Songs/Texte, wer Euren Superhit »Taivas Lyö Tulta« und »Orjatar«?

»Taivas Lyö Tulta« hat unser anderer Gitarrist, Rantanen, geschrieben, und »Orjatar« ist Aholas Lied. Ich bin der dritte Songschreiber. Normalerweise macht einer von uns ein fast fertiges Demo eines Songs, Text und Melodie inklusive. Wenn es gut genug ist und der Rest der Band den Song mag, spielen wir ihn alle zusammen, arrangieren ein bisschen um – und fertig ist ein neuer Teräsbetoni-Song.

Armselige Imitationen von »Taivas Lyö Tulta«

Ihr wirkt noch ziemlich jung – wie alt seid Ihr?

Unser Alter variiert zwischen 22 und 28. Einige sagen, wir sind zu jung um »Kick-Ass Metal« zu spielen; andere, wir seien zu alt für einen Plattenvertrag.

Wie ist das Verhältnis zu finnischen Musikerkollegen im Allgemeinen und Metallern im Besonderen? Wie waren deren Reaktionen auf eure Musik, aber auch auf euren Erfolg?

Teräsbetoni

Handzeichen für die Unbelehrbaren?

Ich denke, die ersten Reaktionen waren »what the fuck is this parodyshit!?«. Aber schon bald verstanden die meisten unsere Musik und damit die Band. Letzen Endes kämpfen wir auf der gleichen Seite!

Doch noch immer bekommen wir von einigen sehr bekannten Bands wirklich armselige Imitationen von »Taivas Lyö Tulta« zu sehen, wenn sie auf der Bühne stehen und ihre eigene Show abliefern. Ich denke diese Leute sind immer noch bestürzt über die unaufhaltsame Kraft, mit der wir die Szene eroberten.

Vielleicht wissen die einfach nicht, was sie von Teräsbetoni halten sollen. Aber wir trafen viele großartige Gruppen, tranken Alkohol mit etlichen netten Musikern – kämpften aber auch in den Hotelbüschen mit einigen Verrückten!

Hattet Ihr bereits ein besonders kurioses Erlebnis bei euren Konzerten?

(grinsend) So was wie ein Mini-Stonehenge auf der Bühne, um den Elfen herum tanzten? Nein. Nichts dergleichen.

Und eine letzte Frage: War Jarkko nicht Sänger bei Dreamtale?

Das war er tatsächlich. Er sang auf deren letzten Album – auf jedem ihrer Alben hatten sie einen anderen Sänger – und verließ die Band dann. Er sagt selbst, dass er bei Dreamtale bloß gesungen hat. Bei Teräsbetoni kann er Stücke schreiben und die Musik machen, die er wirklich mag. In Dreamtale war er ein Söldner, aber in Teräsbetoni ist er ein Kriegsherr!

Ein passendes Schlusswort. Paljon kiitoksia Artolle.

Teräsbetoni


DER RUF DES METAL
Eine kurze Biografie

So, oder so ähnlich lautet die Entstehungsgeschichte Teräsbetonis auf der offiziellen Website – und befolgt auch hier Artos Rat: Nehmt es ernst – aber nicht zu ernst!

»Die Kombination aus zwei der härtesten Elemente der Welt – welche in der Hitze relativ ähnlich verbrennen – ergibt eine Verbindung, die praktisch unzerbrechlich ist. Sehr ähnlich der Denkweise eines Soldaten.

Vor zwei Jahren gründeten in Mittelfinnland vier Musiker eine Band namens Teräsbetoni. Inspiriert vom Heavy Metal singen sie von Angelegenheiten, die früher nur einige berührten. Es ist jetzt Zeit, die nordischen Soldaten zu vereinigen und über Schlachten in der finnischen Sprache zu singen. Dies ist kein einfacher Weg, aber wir nehmen die Herausforderung ohne Furcht an.

Dem Ruf des Metal zu folgen ist schwer, doch nicht für jene, die der Instinkt des wahren Kämpfers leitet«, lautet die Kernzeile der ersten Single »Taivas Lyö Tulta«, die für drei Wochen infolge die Spitzenposition in den finnischen Single-Charts hielt.

In den Anfangstagen veröffentlicht die Band ihre Musik über das Internet und schafft so ihre Fanbasis. Ende 2004 nimmt Warner Musik Finnland die Band unter Vertrag, welche sich sofort an das erste Album macht. Die Gruppe wählt Anssi Kippo (Children Of Bodom, Sentenced, Lullacry, Norther) um das Debüt zu produzieren.

Teräsbetoni treten bei der finnischen Metalexpo in Helsinki auf und gewinnen die Anerkennung der Musikfachleute. Ergebnis: Etliche Buchungen für die folgenden Sommerfestivals. Nebeneffekt des internationalen Interesses an der Band: Die erste Single »Taivas Lyö Tulta« wird in Japans Radios gespielt.

Am 6. April senkt sich der Schatten von Teräsbetoni über die Welt, da ihr Debüt an diesem Datum das Licht der Welt erblickt. Das Album »METALLITOTUUS« soll die tapfersten und siegreichsten Soldaten zum Kampf für »True Metal« vereinen.«

... und die Geschichte geht weiter. Zum Beispiel mit dem Goldstatus für Album und Single in ihrer Heimat.

Line-Up:
Jarkko Ahola Gesang, Bass
Arto Järvinen Gitarre
V. Rantanen Gitarre
J. Kuokkanen Drums

© 2005 Nathalie Martin, exklusiv für Nordische Musik
Fotos: Nathalie Martin, Teräsbetoni/image.net (1)

Discografie

2005 Metallitotuus


Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum

Bands:    Allgemein:    Konzerte:


© 2000 - 2017, Design & Programmierung: Polarpixel