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The Third And The Mortal: Von einem Raum in den anderen

Ein Interview von Sascha Blach

Genau fünf Jahre war es still um die norwegische Avantgarde-Formation. Dann kam das Album »MEMOIRS«, auf dem vier der ursprünglich sechs Musiker mit diversen Gästen neue Wege in Richtung TripHop und »Electronic Art Rock«. Gitarrist Finn Olav Holthe ließ die letzten Jahre noch einmal Revue passieren.

The Third And The Mortal

Ein Neuanfang

The Thrid And The Mortal

Alles so trist hier ...

Ist »MEMOIRS« ein neuer Anfang für The Third And The Mortal oder – wie es der Titel suggeriert – ein finales Album, eine Art Rückblick?

»MEMOIRS« ist eine Zusammenfassung unserer musikalischen Einflüsse und enthält die Musik, die wir zum aktuellen Zeitpunkt machen wollten. Es ist nicht unser letztes Album; vielmehr sollte man es in musikalischer Hinsicht als einen neuen Anfang sehen.

Eure Veröffentlichung davor war die recht experimentelle CD »IN THIS ROOM« von 1997. Stand es nach dem Ausscheiden von Sängerin Ann-Mari Edvardsen in der Folgezeit jemals zur Debatte, die Band aufzulösen?

Nein, das haben wir niemals in Betracht gezogen, denn die vier übrig gebliebenen Mitglieder sind die treibenden Kräfte hinter The Third And The Mortal. Somit haben sich die Songwriter nicht geändert. Aber wir hatten nun die Möglichkeit ,als eine kleine und eingeschworene Gruppe zusammen zu arbeiten.

Aus welchem Grund habt ihr keinen neuen Vokalisten engagiert?

The Thrid And The Mortal

Im Probenraum

Weil wir mit verschiedenen Sängern zusammen arbeiten wollten. Auf diese Weise sind wir flexibler und können jedem Song die passende Stimme zuweisen.

Gab es keine Überlegungen wieder mit eurer ersten Sängerin Kari Rueslatten zu arbeiten, die in Fankreisen immer noch einen großen Kultstatus einnimmt?

Nein, und ich glaube auch nicht, dass das jemals passieren wird. Aber wir stehen nach wie vor in Kontakt zueinander.

Was ist in den fünf Jahren bis »MEMOIRS« passiert? Habt ihr eine längere Pause eingelegt oder hat sich das Songwriting tatsächlich über den kompletten Zeitraum gezogen?

Die ersten Monate waren wir mit der Umgruppierung beschäftigt. Danach begannen wir bereits erste Ideen für das Album zu sammeln. Im Grunde genommen haben wir die letzten fünf Jahre an dem Album gearbeitet, aber es wurden auch viele Songs wieder verworfen und viele Stücke änderten sich im Laufe der Zeit.

The Thrid And The Mortal

The Thrid And The Mortal

In jedem Fall ist »MEMOIRS« grundsätzlich anders als seine Vorgänger. Wie kam es zu diesem radikalen Stilwechsel?

Für mich persönlich ist die Veränderung gar nicht so groß. Wir legen immer noch einen großen Wert auf Atmosphäre, und auch unsere Art Gitarre zu spielen läßt sich in den Songs heraus hören. Sogar der Gesang klingt meiner Meinung nach The Third And The Mortal.

Dieser Aussage gegenüber steht jedoch die Tatsache, dass mit Andreas Elvenes erstmals auch ein männlicher Sänger auf einem Album der Band zu hören ist. Gastsängerin Kirsti Hukes Stimme hat zudem eine frappierende Ähnlichkeit zu Emiliana Torrini ,und auch Vergleiche mit Portishead, Massive Attack oder Tricky sind sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Leichtfertig könnte man euch in die Schublade TripHop zu den genannten Formation stecken.

Es ist schon richtig, dass wir auf diesem Album mehr elektronische Elemente verwenden als in der Vergangenheit. Aber was die Vergleiche angeht, wurden wir auch schon früher, als wir noch eine reine Rock-Band waren, immer mit diversen Formationen verglichen. Das lässt sich nie vermeiden, da die Menschen immer recht schnell mit Vergleichen bei der Hand sind.

Kommerziell ... oder nicht

Im Gegensatz zu Massive Attack beispielsweise bietet eure Musik auch mehr Tiefe, und es gibt mehr zu entdecken. Das hat allerdings auch zur Folge, daß man sich »MEMOIRS« erst ein paar Mal anhören muss, ehe die ersten Melodien im Ohr hängen bleiben. Wie mir scheint, habt ihr eine Abneigung gegenüber allzu offensichtlich kommerzieller Musik.

Wir gestalten unsere Musik so, wie wir das für richtig halten. Dabei beschäftigen wir uns nicht damit, ob sie kommerziell ist oder nicht. Schon in der Vergangenheit sind absolut unkommerzielle Alben wie »NEVERMIND« von Nirvana oder »THE DARK SIDE OF THE MOON« von Pink Floyd erfolgreich geworden. Es lässt sich niemals vorher sagen, welche Musik in einem Jahr angesagt ist. Deshalb richten wir uns erst gar nicht danach.

The Thrid And The Mortal

TTANTM ohne Sängerin ...

Hältst du es für möglich, daß ihr mit diesem Album in einem größeren Rahmen erfolgreich werdet und den Status einer Underground-Band hinter euch lassen könnt? Immerhin verkaufen die angesprochenen Formationen mit dieser Art von Musik eine ganze Menge Platten.

Das hoffe ich natürlich, und wir wären alle sehr froh, wenn das passieren würde. Der ultimative Traum eines jeden Musikers ist es schließlich, mit seiner Musik so viele Leute wie möglich zu erreichen. Und wenn man eine gewisse Anzahl an Platten verkauft, hat man einfach mehr Möglichkeiten.

Inwieweit hat sich euer privater Musikgeschmack in den letzten Jahren geändert? Welche Art von Musik bevorzugt ihr?

The Thrid And The Mortal

Unser privater Geschmack hat sich in den letzten Jahren genauso wie das Hörverhalten unserer Fans und der Welt im allgemeinen geändert. Aber es wird immer Bands oder Künstler geben, denen man über all die Jahre folgt. Ich persönlich höre mir die unterschiedlichste Musik an. Das Spektrum reicht von Ambient über 60er Jahre-Filmmusik bis hin zu zeitgemäßer Pop- und Rock-Musik.

Kannst du eure ersten drei Alben mal spontan Revue passieren lassen und mir deine Gedanken mitteilen?

»TEARS LAID IN EARTH«" enthält ein paar richtig gute Songs, aber aus heutiger Sicht ist die Produktion eher bescheiden. An »PAINTING ON GLASS«" sind wir dann ganz anders heran gegangen und haben viel experimentiert und improvisiert. Mit »IN THIS ROOM« haben wir uns schließlich vom normalen Rock-Sound wegbewegt und erstmals auch mit elektronischen Elementen und Samples gespielt.

Düsternis aus den Sechzigern

The Thrid And The Mortal

Artwork: TV-Streifen & Rasterbilder

Nicht zu vergessen die häufigen Einschübe aus der Jazz-Harmonik. Schade nur, dass viele Hörer dem zugegeben etwas sperrigen Album keine Chance mehr gaben und Ihr mehr und mehr an Background verloren habt. Sei es drum, mit »MEMOIRS« wagt ihr einen neuen Anfang, der hoffentlich wieder unter einem etwas glücklicheren Stern steht. Als Hindernis für einen weitflächigen Verkauf der Scheibe könnte sich allerdings das unvorteilhafte Cover erweisen, meinst du nicht?

Wir sind sehr zufrieden mit dem Artwork: Das ist alles, was zählt, wenngleich wir natürlich jedem Hörer seine Meinung dazu lassen. Das Cover soll eine Atmosphäre ähnlich eines düsteren Filmplakates aus den 60er Jahren vermitteln.

Sind die Texte durch ein Konzept verbunden?

Nein, es gibt kein Konzept auf dem Album. Jeder Text steht für sich.

Ist euch die Aussage der Texte wichtig, um euren Emotionen Ausdruck zu verleihen oder sind sie lediglich ein Teil der Musik?

Das differiert von Lied zu Lied. Bei manchen Songs sind uns die Texte enorm wichtig, während sie anderswo lediglich Ausschnitte aus einem längeren Text sind. Aber eine Interpretation sollte jeder Hörer für sich finden.

Live

Bringt Ihr auf Tour einen Teil der Gastmusiker mit oder wie stellt ihr euch die Liveumsetzung des durchaus komplexen Materials von »MEMOIRS« vor?

The Thrid And The Mortal

... und mit Sängerin (Kirsti Huke)

Wir haben einen DJ sowie unseren beiden Gastsänger Kirsti Huke und Andreas Elvenes dabei . Die elektronischen Elemente werden wir alle von einem Computer aus steuern. Zudem legen wir auf den visuellen Aspekt großen Wert und bauen zu diesem Zweck Animationen und Kurzfilme in unsere Show ein.

Was treibt euch im allgemeinen dazu, Musik zu machen?

Das ist immer schwer zu beantworten. Ich denke die Gründe, weshalb man mit Musik arbeitet, ändern sich mit der Zeit. Man wird älter und lernt Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Es kann sich aber auch von Tag zu Tag anders gestalten. An manchen Tagen spürt man das Verlangen in sich, etwas auszudrücken und an anderen Tagen macht man Musik um der täglichen Langeweile zu entfliehen.

Ok, ich danke dir für das Interview und ende mit der Frage nach euren weiteren Plänen.

Zunächst einmal werden wir etwas touren, um das Album zu promoten, und dann müssen wir auch schon wieder mit dem Songwriting für den nächsten Longplayer beginnen. Darüber planen wir noch ein paar andere Sachen für uns zehnjähriges Jubiläum nächstes Jahr, die wir für unsere treusten Fans aufnehmen wollen.

In diesem Sinne ... es bleibt spannend!


The Third And The Mortal

© Sascha Blach, erstmals veröffentlicht in Legacy
Foto-Credits: Tore Haller & Marcela Bovio



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