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Wir stellen auf diesen Seiten in loser Reihenfolge Bücher zum Thema »Nordische Musik« vor. Das kann eine Abba-Biografie ebenso sein wie eine wissenschaftliche Abhandlung über die Kantele von 1876 bis 1894 im südwestfinnischen Riikonnnen-Gebirge oder ein Roman wie »Populärmusik aus Vittula«.

Bisherige Rezensionen (sortiert nach Autoren-Nachname):
Åke Edwardson: Der Jukebox-Mann
Jakob Ejersbo: Nordkraft
Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor
Marjaleena Lembcke: Finnische Tangos
Wolfgang Müller: Hausmusik – Stare aus Hjertøya singen Kurt Schwitters
Mikael Niemi: Populärmusik aus Vittula
M.A. Numminen: Der Weihnachtsmann schlägt zurück
M.A. Numminen: Der Kneipenmann
Jan Ohmdal: The Swing Of Things – 20 År Med A-ha
Lars Saabye: Yesterday

Die neueste Rezension:
Lars Saabye: Yesterday

Erwachsenwerden ist schwer.
Vor allem in der Beatles-Aera.
Vor allem in der norwegischen Hauptstadt – fernab des Wirkens der Pilzköpfe.

Oslo, Frühling 1965. Gunnar, Seb, Ola und Kim sind ganz normale Halbstarke. Sie klauen Mercedes-Sterne, spielen Fußball oder blättern begierig im Pornoheft, das Gunnars großer Bruder Stig aus Kopenhagen mitbringt.
Doch dann packt sie das Beatles-Fieber. Sie nennen sich John, Paul, George und Ringo, wollen eine Band gründen. Den passenden Namen haben sie schon im Wörterbuch entdeckt: »The Snafus« – kurz für »Situation normal all fouled up«.

Leider liegen die Instrumente in unerreichbarer Ferne. Das Quartett plant gar sich nur konfirmieren zu lassen, um so an die begehrten Instrumente zu gelangen … doch Seb verliert den Glauben, schmeißt den Konfirmandenunterricht, Gunnar folgt ihm und selbst die beiden Verbliebenen bekommen keine. Ola trommelt immerhin schon im Orchester, Seb müht sich wechselweise auf Blockflöte und Mundharmonika ab.

Unterdessen versucht Ich-Erzähler Kim alias »Paul« beim Nachbarn Jensenius, Ex-Opernsänger, hinter das Geheimnis der Sangeskunst zu kommen – wogegen an seinen Eltern die ganze Aera spurlos vorbeigeht: Für seinen Vater ist »Ringo« nur ein Wort, das in ein Feld seiner geliebten Kreuzworträtsel eingetragen wird. Stig, »Johns« großer Bruder, versorgt die ganze Bande nicht nur mit Bob Dylan-Platten und einschlägigen Zeitschriften, sondern auch mit Politik: Vietnam und die Pariser Massenunruhen beschäftigen auch die heimische Jugend.

Darüber hinaus plagen sie noch ganz andere Sorgen, zum einen ist da die lästige Schule, angefüllt mit allerlei kuriosen Mitschülern, Lehrern und leidigen Aufsätzen, zum anderen die verständnislosen Eltern: Olas Papa, seines Zeichens Friseurmeister, blickt panisch der Arbeitslosigkeit entgegen. Um ihn herum leben nur Rentner – und jugendliche Langhaarige. Kurz entschlossen setzt er nachts im Schlaf bei Ola alias »Ringo« die Schere an. Oweia. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Jungs zaghaft beginnen sich für das andere Geschlecht interessieren.

Schließlich gelingt es ihnen ein Mädchen für sich zu gewinnen, nur Kim schwankt zwischen zweien, quält sich in seinem ganz persönlichen Klassenkampf: Da ist Nina, das Mädchen von nebenan sowie Cecilie, die Tochter aus gutem Hause. Und da sind schließlich all die Parties im Zeichen der Endsechziger: Alkohol. Zigaretten. Drogen. Jim Morrison. Die Doors. Plötzlich sind die Snafus komplett, die Beatles vorübergehend out.

Rasant rotiert das Rad der Zeit. Mondlandung. Woodstock. »Abbey Road«. Gerüchte um Paul McCartneys angeblichen Tod. 1. Mai Demonstrationen. Musterung. Viel zu schnell verfliegt die Jugend. Gunnar, Ola gehen zum Bund, Seb will zur See, der untaugliche Kim verplempert die Zeit – bis zur Rückkehr der anderen. Aber Seb fehlt, lediglich eine alte Postkarte verkündet: »Ich will nach Paris«.

Das Trio macht sich auf die Suche. Nach Seb. Nach ihrer alten Freundschaft. Nach der vergangen Jugend. Dem Sinn des Lebens.

Dieser wunderbar fesselnder Roman erzählt vom Leben – und Scheitern an selbigem. Ihn aus der Hand zu legen fällt schwer.

Leseprobe:

»Das war die längste Single, die wir je erlebt hatten. Sie dauerte mindestens eine Viertelstunde. Hey Jude. Das saß, das baute sich zu einem Wahnsinnsgeschrei auf, erzeugte ein Riesengeschrei, das bis zur letzen Rille Wartete, und dann war Schluss. Es gefiel mir. Es war mit das Beste.

Keiner sagte etwas. Gunnar drehte die Platte herum. Revolution. John sang … Acht ausgefahrenen Ohren flatterten dusch den Raum. Vier klopfende Herzen. Der Stift drehte seien Runden. John Lennon sang ganz ruhig von der Revolution. Gunnars Stirn wurde niedrig und kraus wie ein zusammengequetschte Ziehharmonika. Ola klopfte mit einer Teddy den Takt.

Danach war es still. Wir hörten nur die Schritte des Vaters im Wohnzimmer.
»Revisionistisch«, flüsterte Gunnar. »Schlimmer als Gustavsen«.
Wir waren eine Zeitlang still. Es hatte angefangen zu regnen. Ich räusperte mich.
»Paris war nur der Anfang«, sagte ich. »Jetzt geht es erst richtig los«.
Die anderen nickten etwas unsicher. Wir spielten beide Seiten noch einmal. Ich dachte an Äpfel.

»Ich mag Yoko Ono nicht«, sagte Ola. »Ich glaub' mit ihr gibt's noch Ärger«.
»Ich bin nicht mehr mit Sidsel zusammen«, sagte Gunnar plötzlich und starrte aus dem Fenster. »ist im Sommer auseinander gegangen. Wir waren nie einer Meinung. Brachte nichts mehr«.
»Mit Guri ist es auch so gut wie aus«, murmelte Seb. »Der Slalomheini hat ihr total den Kopf verdreht.«

Das war doch alles etwas viel auf einmal. Die Sowjets und die CSSR. Gunnar und Sidsel. Seb und Guri. John Lennon und Yoko Ono. Beatles und die Revolution. Ich dachte an Cecilie, für die ich wider Luft war, und Nina, die an dem vertrackten Abend im Juni sich für mich die Hacken abgerannt hatte«.
(nat)





Lars Saabye:
Yesterday


aus dem Norwegischen von Christel Hildebrandt;
btb/Goldmann-Verlag,
1997,
572 Seiten,
12 Euro



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