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DVD-Rezensionen 21 - 30 von 49 (insgesamt 49)

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In The Country: Sights (DVD+CD)
(2011, Rune Grammofon 2113)

Das vierte Album der sich derzeit als Quartett präsentierenden Jazzband In The Country ist, zumindest theoretisch, ein Livealbum, und im Zuge der in jüngerer Zeit häufigen Praxis direkt ein Doppelpack aus CD und DVD (fast) derselben Aufnahmen. Soweit die Fakten; letztlich merkt man beiden Scheiben nicht an, dass die Aufnahmen aus drei Konzerten (im Oktober 2010 in Kongsberg und Oslo) stammen, da Liveatmosphäre und Publikum komplett aus Bild und Ton herausgelassen wurden. Zudem ist »SIGHTS« weniger Konzertaufzeichnung als ein 70-minütiges Poesiealbum. Angeblich hatten die Musiker auf den Film keinen unmittelbaren gestalterischen Einfluss und haben das Ergebnis weder gesehen noch korrigiert, bevor die DVD in die Fertigstellung ging.

Durchschnittliche Konzertaufzeichnungen gibt es ohnehin zuhauf, doch was der Film von Claus Arthur Breda-Gulbrandsen bietet, ist eher eine weitläufige Kreuzung aus verspieltem Musikvideo und Live-Film, in sehr offenem Collage-stil, frei assozierend. Super8 und flache, pixelige Schwarzweiß-Videoästhetik stehen gleichberechtigt neben malerischen Farb- und Formexplosionen aus dem 3D-Grafikstudio, Wälder, surreale Experimental-filmsequenzen, poetische Naturdetails wie Fliegenpilze und Blumen, Schneelandschaften, Inszeniertes und Dokumentarisches, langsame Kamerafahrten und rasante Schnittwechsel springen flatterhaft durcheinander. Und immer wieder kehrt die Aufmerksamkeit zu den vier Musikern beim Spielen zurück, auch hier wohlgemerkt ohne jegdliche Publikumsaufnahmen, streckenweise handelt es sich wohl sogar um Studioaufnahmen.

Leider eignet sich »Sights« dann doch eher als Videoinstallation für nebenbei denn als Film zum aufmerksamen Zuschauen über die volle Länge, da man weder genügend Raum hat, den Musikern auf die Finger zu schauen, noch die Bilder bzw. Experimentalfilmereien befriedigenden Reiz ausstrahlen. Schöner Ansatz, leider nicht hinreichend überzeugend; wahrscheinlich steckte ohenhin kein umfangreicher Plan dahinter. Nett und humorvoll erfreut jedenfalls das unabhängig vom Film entstandene »Three Canopy Walkway«-Musikvideo, als Epilog nach dem Abspann, in gutgelaunter Sommerabendstimmung mit Tänzern, Akrobaten und Tieren.
zur CD-Rezension von »Sounds and Sights« (ijb)



Siehe auch:
In The Country (CD-Rezension)
Solveig Slettahjell (CD-Rezension)


 In The Country: Sights (DVD+CD)

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Kaizers Orchestra: Viva La Vega
(2006, Kaizerecords/Universal 0602498772492)

Wer sie kennt, schätzt sie, normalerweise. Die norwegisch s(w)ingende Combo agiert eben einfach zu schräg, um nicht ihrem Charme zu verfallen: An 150 Abenden im Jahr rumpeln sie durch raubeinigen Polkarock, gewandet in Anzüge und schwarze Krawatten. Der Pump-Orgler trägt gern Gasmaske, und das Schicksal der Ölfässer auf der Bühne sieht auch nicht rosig aus.

Kaizers Orchestra sind vor allem eine Live-Band, und ein wenig dieses Charmes wird auch auf der DVD »VIVA LA VEGA« spürbar: Im September 2005 arbeiteten sich die Norweger im Kopenhagener Club Vega durch die besten Songs ihrer drei Alben, insgesamt 24 an der Zahl.

Obwohl Sound und Kamera makellos sind und die Bühnenpräsenz so gut wie möglich eingefangen wurde, findet man die Highlights woanders: so etwa in der Dokumentation ihres legendären Auftritts auf dem Prekestolen, wo das Kaizers Orchestra im Winter auf diesem 600 Meter hohen Felsplateau über dem Lysefjord spielte. Richtig vermutet: Das Publikum musste zwei Stunden wandern, um zum Auftrittsort zu ge-langen; das Equipment wurde mit einem Helikopter transportiert.

Der Rest des viereinhalbstündigen Materials setzt sich zusammen aus Dokus zu den Aufnahmen des letzten Albums »MAESTRO« und zur Europa-Tour zusammen, aus Videos und Bios und so weiter. Und verbunden wird das Ganze durch ein mehr als stimmungsvolles DVD-Menü, in dem – wen wundert's – u.a. eine Pumporgel und eine Gasmaske eine zentrale Rolle spielen. (peb)



Siehe auch:
Kaizers Orchestra (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kaizers Orchestra


Zur Konzertkritik über Kaizers Orchestra

 Kaizers Orchestra: Viva La Vega

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Kashmir: The Aftermath
(2005, Columbia/Sony BMG 2028827000)

Kashmir machen keine unnötigen Worte. Sie umarmen sich noch einmal herzlichst, bevor sie in den Jubel eintauchen und die Bühne betreten. Eine Kamera hält ihren Weg durch die Katakomben des Kopenhagener Vega-Theaters auf schwarz-weißem 16mm-Film fest. Ein Heimspiel für die erfolgreichsten Melancholiker des Landes. Die vielen Treppen führen nach oben.

Langsam sammelt sich das Quartett hinter einem weißen, tuchartigen Vorhang. Spots zeichnen unscharfe Konturen, die jubelnde Menge harrt in reger Erwartung. Mit »Melpomene« fällt der Sichtschutz und ebnet den Blick auf die Band. Die Setlist ist ganz auf das zu diesem Zeitpunkt aktuelle Album »ZITILITES« zugeschnitten, ergänzt durch Höhepunkte der vorangegangenen Alben. Die Band ergibt sich in ihren Sound, schichtet vorsichtig Gitarrenparts und wird dabei niemals zu laut. Im Gegenteil. Wenn Kasper Eistrup solo anstimmt, dann sind Standing Ovations der Nackenhaare nicht mehr weit. Ergreifend in der Schlichtheit – wie so vieles in den zwölf Songs, unter denen »THE AFTERMATH« verdient auch die Überschrift ziert.

Die Kameraführung unter der Regie des Filmemachers Kasper Trosting, der auch für die Band-Dokumentation »ROCKET BROTHER« verantwortlich zeichnet, fällt hingegen recht standardisiert aus. Täuscht der Anfang in ungewohntem Schwarz-Weiß noch Kunstcharakter vor, verblassen die Farbbilder in der Halle. Mit den Aufnahmen vornehmlich in der Halbnahen wahrt der Regisseur eine unnötige Distanz. Die ruhige Schnittführung hingegen passt sich der erhabenen Stimmung an – die nur durch permanente Mitklatscher gestört wird.

Das Fehlen jeglicher Bonusfeatures (nur eine fast deckungsgleiche Live-Audio CD liegt bei) wird hingegen nicht ausreichend durch das fantastische Artwork und Booklet kompensiert. (maw)



Siehe auch:
Kashmir (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kashmir

 Kashmir: The Aftermath

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The Knife: Silent Shout
(2007, Rabid Records VVR1043972)

Rar gesät sind ihre Konzerte. Mysteriös hinter Masken versteckt und immer im Halbdunkel agierend sind die Geschwister Dreijer so livescheu wie kaum ein anderes Projekt. Wenn sie aber dann mal auftreten, geben sie sich keine Blöße. Lichtshows und Visuals unterstützen ihre metallisch-sphärische Elektronik, die live bis auf wenig digitales Schlagwerk und Gesang fast eine 1:1 Umsetzung der Alben erfährt. »SILENT SHOUT«, das 2006er Meisterwerk, steht bei diesem Mitschnitt vom 12. April 2006 aus Göteborg im Vordergrund.

Die Grenzen zwischen den Protagonisten und der Videoprojektionen auf Riesenleinwänden verschwimmen. Kaum sind die Akteure für Bruchteile einer Sekunde im Blickfeld der Kameras, werden sie von teilweise abstrakten, teilweise konkreten Sequenzen überlagert, die kongenial mit den Songs synchronisiert sind und in ihrer Vielfältigkeit beeindrucken. Schade nur, dass die Kameraführung oftmals nur aus der Halbtotalen die Dreijers einfängt, Publikum- und On Stage-Aufnahmen komplett fehlen und so die Show selbst wie ein langes Musikvideo wirkt. Der Schnitt wirkt im Gegensatz zu den scharfen, hektischen Beats eher gemächlich und wirkt nur richtig stimmig bei den flächigeren Parts. Mit zwei Kameras mehr und einem noch mutigeren Schnitt hätte man dieses visuell dennoch höchst prägende Werk leicht zum Referenzprodukt erheben können. Musikalisch reiht sich Hit an Hit – besonders »Marble House« und »Silent Shout« werden in kraftvolle Bilder getüncht.

Elf Musikvideos zu den diversen Singles ergänzen das Livematerial. Zwischen eher trashigeren, einfacheren Videos zum 2003er Album »DEEP CUTS« und den brillant animierten Videos des Nachfolgers entdeckt man eine überbordende Kreativität, die bei The Knife sich im Gesamtkunstwerk entfaltet. Als Bonus gibt es den Konzertmitschnitt als Audio-CD oben drauf – aber wer braucht die schon, wenn die DVD perfekten 5.1 Sound bietet? (maw)



Siehe auch:
The Knife (CD-Rezension)

The Knife: Silent Shout

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Kotiteollisuus: Itärintama 2003-2010
(2010, Johanna Kustannus Oy/Megamania MGMDVD7009)

Nach fünf Jahren veröffentlichen die finnischen Hart-Rocker Kotiteollisuus endlich den Nachfolger ihrer ersten, selbstbetitelten DVD: »ITÄRINTAMA 2003-2010« (»OSTFRONT 2003-2010«) heißt die Doppel-DVD mit insgesamt 260 Minuten Spielzeit und einem hübschen Begleitheftchen namens »No Sori!«.

Warnung: Der Trailer zur DVD bekam auf YouTube sofort den »freigegeben ab 18«-Stempel; wer sich vor nackter (Männer-)Haut – und »schlechtem Humor« fürchtet – lässt besser die Finger weg.
Tatsächlich fängt die erste DVD »KARJALASTA KAJAHTAA« trügerisch harmlos an, mit dem Mitschnitt von fünf Liedern beim Provinssirock Open Air 2007. Aus dem gleichen Jahr stammen die nächsten vier Livestücke (Voice Festival).

Doch danach wird’s langsam, sagen wir: kurios. Unter dem Titel »No Sori!-TV Esittää: No Sturi! - Live 2009« (= No Sori-TV präsentiert: Nosturi Live 2009) folgen wechselweise Aufzeichnungen aus dem Helsinkier Club Nosturi und durchgeknallte Kurzfilme Marke Kotiteollisuus. Um den »schlechten Humor« (Zitat aus dem Trailer) vollständig zu erfassen, empfiehlt es sich Finnisch zu verstehen. Kann der Nicht-Finnisch-Sprechende dem »70 Kilo Kebab« oder der vorm Konzert rasierten Clownsfriseur noch ohne Worte folgen, so wird es spätestens im »Makkaramaa« kritisch.

Die Passage »Ruisrock 2010« bestreitet das finnische Trio plus Gastgitarrist und Gastmumie nackt – und ist vermutlich der Grund für die Zensur im Internet. Wobei die Finnen immer darauf achten das »No Sori!«-Logo in angemessener Länge über ihr bestes Stück zu platzieren. Vielleicht führte auch die beste Kamera-Einstellung des Konzerts zur Zensur: Als Rahmen dienen ein paar nackte, haarige Männerschenkel, als Blickfang das nackte Euter, welches eine auf Schultern sitzende Besucherin unter Zuhilfenahme ihrer Hände dekorativ in die Kamera schüttelt.

Die zweite DVD »MOLOTOVIN COCKTAIL« beinhaltet schließlich acht Musikvideos sowie eine Dokumentation in bewährt durchgeknallter »No Sori!«-Manier, auch hier gilt: Muttersprachler sind im Vorteil. Alles in allem sollten sich Freunde finnischer Musik und finnischen Humors dieses Werk keinesfalls entgehen lassen – für Fans ein absolutes Muss! (nat)



Siehe auch:
Kotiteollisuus (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kotiteollisuus

 Kotiteollisuus: Itärintama 2003-2010

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Kotiteollisuus: Kotiteollisuus DVD
(2005, Johanna Kustannus Oy/Megamania MGMDVD7003)

Selten macht eine Band-DVD soviel Spaß, selten ist sie so liebevoll zusammengestellt, und noch seltener ist die Band selbst mit so großer Freude bei der Sache. Knappe vier Stunden erfährt der geneigte Fan qualitativ hochwertig in Bild und Ton, was er schon immer über die Band wissen – oder auch nicht wissen wollte: Nach Genuss der DVD und des beigelegten »No Sori«-Heftchens kennt der Betrachter sämtliche Körperteile des Trios.

Unterteilt in die Rubriken Videos, Konzerte, Dokumentation plus Bonus reist der Zuschauer mit Kotiteollisuus durch die Zeit: Im ersten Video 1998 »Routa Ei Lopu« ist Sänger/Gitarrist Jouni Hynynen noch völlig kahl, hat Glatze und keinen Bart; 2002 trägt er halblange Haare und Schnauzer (oweia), bis schließlich 2005 der Rauschebart zur Brust reicht und die Haare über den Rücken hängen.

Spaßig und kreativ sind die Videos der Finnen, wie das 2000er »Jos Sanon« von »TOMUSTA JA TUHJASTA« in dem die drei Heimarbeiter zum Vorschlaghammer greifen – und wer die Skulptur der drei Schmiede in Helsinki kennt, weiß, wie diese dargestellt sind: Nackt. Oder »Rakastaa/ Ei Rakasta« anno 2002 von »KUOLLEEN KUKAN NIMI« skizziert einen ganz normalen finnischen (Samstag)Abend, an dem Kotiteollisuus, getarnt als drei normale eingeborene Halbstarke, ihr eigenes Konzert besuchen – Alkoholgenuss, anschließender oraler Nahrungsauswurf sowie Kontakte zum anderen Geschlecht inklusive.

Beim Kulthit »Minä Olen« von 2003 deponieren Passanten Müll um das Trio, welches im Verlauf des »HELVETISTÄ ITÄÄN«-Songs blutige Kratzer, blaue Augen oder Platzwunden aufweist; unerschütterlich steht Jouni trotzdem da wie James Hetfield in seiner Blüte. »Vieraan Sanoma« vom 2005er »7«-Werk performt die Truppe in einer Raststätte, während die grauhaarige Pächterin mit Gießkanne durchs Bild läuft und Blumen gießt.

In der Konzertabteilung lernen wir Jouni-Janne-Jaris Umarmungs-Ritual vor jedem Gig kennen, begleiten sie zu Ilosaarirock, zum Imatra Big Band Festival oder auf die MTV3-Bühne.
Die Dokumentation, natürlich auf Finnisch, beleuchtet die Hintergründe zum »7«-Album, schildert den Werdegang der Band oder zeigt sie beim MTV3-Chat.

Besondere Leckerbissen lauern im Bonusbereich: »KT-V« zeigt die lappeenrantaschen Musiker bei Interviews, auf Tour, im Proberaum, Backstage im Tavastia/bei Ilosaarirock oder einen kuriosen »Werberap« für die Notrufnummer 112 auf Schwedisch. Außerdem gibt es drei Tracks als Singalong-Version: »Minä Olen«, »Tämän Taivaan Alla« plus »Vieraan Sanoma«. Denn die Finnen sind mindestens so verrückt nach Karaoke wie die Japaner, allerdings bevorzugen sie die härtere Ausgabe »Hevikaraoke«. Genug der Worte – viel Spaß mit den Herren Hynynen, »Homo« Hongisto und Sinkkonen. (nat)



Siehe auch:
Kotiteollisuus (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kotiteollisuus

 Kotiteollisuus: Kotiteollisuus DVD

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Leningrad Cowboys: Total Balalaika Show
(2002, Sputnik Oy ?)

Nach fast zehn Jahren schafft es das legendäre Konzert der Leningrad Cowboys, erstmalig vereint mit dem Alexandrov Chor- und Tanzensemble der Roten Armee, auf DVD: Der knapp einstündige Mitschnitt der »TOTAL BALALAIKA SHOW« entstand schon am 12. Juni 1993 in Helsinki unter der Regie von Aki Kaurismäki. Vorab gibt es einen kleinen Vorspann, der zeigt wie am 28. Mai desselben Jahres das Abkommen über dieses Spektakel in Moskau unterschrieben wird. Das geht so unglaublich leise vonstatten, man glaubt beinahe, dies sei eine Stummfilm-Episode.

Dann kann die historische Show beginnen, das außergewöhnliche Zusammentreffen von West und Ost, von dem 70.000 Menschen Zeuge werden. Allerdings fährt die Kamera erst in der 26. Filmminute vollständig über die Zuschauermasse, die sich auf dem Helsinkier Senatsplatz versammelt hat – und diesen vollständig verdeckt. Unglaublich. Fast genauso unglaublich, wie die Bühnendekoration: Was sollen die Palmen? Schon vertrauter: Die Traktoren, teils als Gitarren getarnt.

Nach einem Intro, gesungen vom Rote Armee-Chor, stiefeln die Leningrad Cowboys auf die Bühne und stimmen »Let's Work Together« an. Danach folgt wiederum ein reines Chorstück: »Volga Boatman« bis schließlich bei »Happy Together« die finnischen Individualisten von Anfang an mit dem russischen Kollektiv aus mehr als 100 Sängern und 40 Musikern kombiniert werden.

Das erstaunliche: Es funktioniert. Für den Unterhaltungswert sorgen zugegebenermaßen die Einhörner, während das russische Ensemble mit unglaublichen Stimmen und ausgesuchten Instrumentalisten die musikalische Qualität garantiert. Und von den 20 Tänzern und Tänzerinnen abgesehen, das Wort »steif« in Perfektion verkörpern. Die Tänzer(innen) treten übrigens erstmals beim vierten Stück »Delilah« in Erscheinung. Es folgen gemeinsame vorgetragene Lieder, meist Rockklassiker, immer wieder unterbrochen durch traditionelle Stücke, die nur vom Alexandrov-Ensemble vorgetragen werden. Wie »Oh Field«, bei dem sich die Leningrad Cowboys äußerst dekorativ an den Bühnenrand auf den Rücken legen, nur Schuhe und Frisuren ragen senkrecht in die Luft – Respekt, Le Friseur.

Beim monumentalen »Kalinka« tanzen und hüpfen die Einhörner wild über die Bühne, eines bietet gar Einlagen à la Rhythmische Sportgymnastik. Großer Spaß. Und spätestens beim nachfolgenden »Gimme All Your Lovin'« scheint auch die östliche Hälfte des Spektakels aufzutauen – schaut euch den »Pfeifer« in der 32. Minute an! Die Tänzer toben über die Bühne, alle haben sichtlich Spaß. Ihr ganzes Können zeigen die Tänzer schließlich in »Jewellry Box«.

Mit dem passenden »Those Were The Days«, womit auch sonst, endet die Dokumentation. Die Dokumentation eines historischen Ereignisses, eines Treffens zweier Kulturen, vereint in der Musik.

Als Bonus gibt es diverse Musik-Kurzfilme Kaurismäkis aus den Jahren 1986 bis 1992, so »Rocky VI« (Bonuspunkt für Igors Augenbrauen), »Thru The Wire«, das Doors-Cover »L. A. Woman«, »Those Were The Days« (Bonuspunkt für das »Esel-Verboten«-Schild) und »These Boots«. Besonders der letzte ist zum schießen komisch: Extra-Bonuspunkt für das Leningrad Cowboys-Baby – das es irgendwie vorgeblichen Geschichte Finnlands von 1952 - 1969 von der Geburt bis zur Ehe schafft. Abspann: »These Boots« …der Leningrad Cowboys.

Fazit: Bei der Doku könnten Bild und Ton besser sein, zudem wünscht man sich mehr Bonusmaterial. Dennoch: Sollte man gesehen haben. (nat)



Siehe auch:
Leningrad Cowboys (CD-Rezension)

 Leningrad Cowboys: Total Balalaika Show

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Lordi: Market Square Massacre
(2006, Drakkar/Sony BMG 88697 022696)

Seitdem die Schock-Rocker beim letzten Eurovision Song Contest abgeräumt haben, kennt sie jedes Kind. Wie wir alle wissen, lag der Grund für den Sieg weniger in Lordis musikalischer Potenz begründet – wobei die immerhin noch weit erhaben war über der der restlichen Teilnehmer –, sondern eher in ihrer amüsanten Monster-Maskerade, mit der engstirnige Gemüter ihre Probleme hatten – was der Rest der Welt wiederum unglaublich cool findet.

Die Moral-Hüter liefern den Finnen aber auch immer jede Menge Steilvorlagen: Erst jüngst hat der Musiksender VIVA das neue Lordi-Video als jugendgefährdend eingestuft. Nachdenken darf man über den in der Nachfolge von Alice Cooper und KISS simpelst geschmiedeten Hauruck-Rock'n'Roll nicht, denn dann würde er schnell seinen Lack verlieren. Deswegen gilt hier das Motto einer Geisterbahn: Einsteigen, Gehirn abschalten und Spaß haben.

Zunächst gibt's das von 80.000 Finnen bejubelte Live-Konzert auf dem Helsinkier Fischmarkt vom 26. Mai 2006 (leider nur sechs Songs, aber dafür aufgewertet mit imposanter Pyro-Show und schönen Luft-Aufnahmen aus dem Helikopter) – Weltrekord im Massen-Karaoke-Singen! Den eigentlichen Kern bildet jedoch das Eurovisions-Spektakel mit den TV-Auftritten von Vorentscheidung und Sieg sowie einem umfangreichen Athen-Video-Tagebuch. Als weitere Bonus-Dreingabe lock außerdem der halbstündige, gut gemachte Lordi-Horrorstreifen »The Kin« inklusive Making-Of. Und: Das animierte DVD-Menü ist spitzenklasse! (peb)

 Lordi: Market Square Massacre

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Midnight Choir: In The Shadow Of The Circus
(2008, Glitterhouse/Indigo GRDVD 653)

Der Mitternachts-Chor ist – oder besser »war«, denn die Band hat sich verdammt noch mal viel zu früh aufgelöst – der unumstrittene norwegischen Meister der schwermütigen Balladen. Die Burschen haben eine Handvoll einzigartiger CDs hingelegt, und plötzlich waren sie von der Bildfläche verschwunden. Zu groß waren die Differenzen zwischen Songwriter/Multi-Instrumentalist Al DeLoner und Paal Flaata, dem Sänger mit der kraftvoll klagenden Samtstimme. Bassist Ron Olsen war ja sowieso immer nur – wie sich das für Bassisten gehört – der ruhende Pol ...

Eine Live-DVD war seit Jahren angekündigt und wurde dementsprechend ersehnt – jetzt ist sie endlich da. Der Live-Mitschnitt vom 23. März 2003 im Osloer Rockefeller zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und belegt außerdem, dass sie genug Ohrwürmer geschrieben hat, um ganz locker einen Abend zu bestreiten: »Will You Carry Me Across The Water«, »Muddy River Of Loneliness«, »Amsterdam Stranded« und natürlich »Painting By Matisse« sind – man möge mir meine Schwärmerei verzeigen – nichts weniger als Songs für die Ewigkeit.

Und auch die Besetzung an diesem Abend war eine Sternstunde in der Bandgeschichte, denn mit Ex-Talk Talk-Drummer Le Harris und Gitarrist/Keyboarder Chris Eckman von den Walkabouts waren Geistesverwandte am Werk, die diesen Abend zum Erlebnis machten. Schwelgen, Träumen, Abheben. Der übliche und quantitativ eher dürftige Bonus-Kram wie etwa die »Making Of« der CD »OLSEN'S LOT« sind da als Kaufargument nicht mehr nötig. (peb)



Siehe auch:
Midnight Choir (CD-Rezension)

 Midnight Choir: In The Shadow Of The Circus

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Silje Nergaard: Live In Köln
(2005, Emarcy/Universal 06024 9874767)

Die Norwegerin ist mit verantwortlich dafür, dass derzeit manche behaupten, die besten weiblichen Jazzstimmen kämen aus Skandinavien. Pat Metheny sagte ihr einst eine große Karriere voraus, und in der Tat kletterte Silje Negaards Bekanntheitsgrad im Laufe der letzten Alben »PORT OF CALL«, »AT FIRST LIGHT« und »NIGHTWATCH« stetig nach oben.

Davor sang sie noch auf Norwegisch, was ihrer Musik eine Aura an Unverwechselbarkeit verlieh, aber sei's drum: Nicht nur die Deutschen lieben halt ihre englischen Lieder, wovon man sich bei diesem Mitschnitt vom 24. Mai 2005 im Kölner Gloria-Theater überzeugen kann.

Völlig unaffektiert und in sich ruhend sang die Nergaard dort verjazzte Songs wie Stings »If You Love Somebody« oder David Bowies »This Is Not America«, sonst aber eigene, mit Songwriting-Partner Mike McGurk entstandene Kompositionen. Als eigentlicher Star des Abends glänzte neben Pedal Steel-Gitarrist Björn Charles Dreyer jedoch der Pianist Tord Gustavsen, der – anders als in seinem Trio – mit viel Pfeffer die Tasten aufmischte und die manchmal etwa kleinmädchenhafte Stimme seiner Chefin in den Hintergrund stellte.

Denn was auf den Studio-CD oft wie funkelndes Gold wirkt, zeigt auf der Live-DVD gewisse Ermüdungserscheinungen – besonders, wenn die stets sonnige Silje Nergaard bei »Tell Me Where You're Going« oder »Japanese Blue« zu dicht in Joni Mitchells Fahrwasser gerät. (peb)



Siehe auch:
Silje Nergaard (CD-Rezension)
Tord Gustavsen (CD-Rezension)



Zum Artikel über Silje Nergaard

Silje Nergaard: Live In Köln

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