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Leningrad Cowboys:
Total Balalaika Show
(2002, Sputnik Oy ?)
Nach fast zehn Jahren schafft es das legendäre Konzert der Leningrad Cowboys, erstmalig vereint mit dem Alexandrov Chor- und Tanzensemble der Roten Armee, auf DVD: Der knapp einstündige Mitschnitt der »TOTAL BALALAIKA SHOW« entstand schon am 12. Juni 1993 in Helsinki unter der Regie von Aki Kaurismäki. Vorab gibt es einen kleinen Vorspann, der zeigt wie am 28. Mai desselben Jahres das Abkommen über dieses Spektakel in Moskau unterschrieben wird. Das geht so unglaublich leise vonstatten, man glaubt beinahe, dies sei eine Stummfilm-Episode.
Dann kann die historische Show beginnen, das außergewöhnliche Zusammentreffen von West und Ost, von dem 70.000 Menschen Zeuge werden. Allerdings fährt die Kamera erst in der 26. Filmminute vollständig über die Zuschauermasse, die sich auf dem Helsinkier Senatsplatz versammelt hat – und diesen vollständig verdeckt. Unglaublich. Fast genauso unglaublich, wie die Bühnendekoration: Was sollen die Palmen? Schon vertrauter: Die Traktoren, teils als Gitarren getarnt.
Nach einem Intro, gesungen vom Rote Armee-Chor, stiefeln die Leningrad Cowboys auf die Bühne und stimmen »Let's Work Together« an. Danach folgt wiederum ein reines Chorstück: »Volga Boatman« bis schließlich bei »Happy Together« die finnischen Individualisten von Anfang an mit dem russischen Kollektiv aus mehr als 100 Sängern und 40 Musikern kombiniert werden.
Das erstaunliche: Es funktioniert. Für den Unterhaltungswert sorgen zugegebenermaßen die Einhörner, während das russische Ensemble mit unglaublichen Stimmen und ausgesuchten Instrumentalisten die musikalische Qualität garantiert. Und von den 20 Tänzern und Tänzerinnen abgesehen, das Wort »steif« in Perfektion verkörpern. Die Tänzer(innen) treten übrigens erstmals beim vierten Stück »Delilah« in Erscheinung. Es folgen gemeinsame vorgetragene Lieder, meist Rockklassiker, immer wieder unterbrochen durch traditionelle Stücke, die nur vom Alexandrov-Ensemble vorgetragen werden. Wie »Oh Field«, bei dem sich die Leningrad Cowboys äußerst dekorativ an den Bühnenrand auf den Rücken legen, nur Schuhe und Frisuren ragen senkrecht in die Luft – Respekt, Le Friseur.
Beim monumentalen »Kalinka« tanzen und hüpfen die Einhörner wild über die Bühne, eines bietet gar Einlagen à la Rhythmische Sportgymnastik. Großer Spaß. Und spätestens beim nachfolgenden »Gimme All Your Lovin'« scheint auch die östliche Hälfte des Spektakels aufzutauen – schaut euch den »Pfeifer« in der 32. Minute an! Die Tänzer toben über die Bühne, alle haben sichtlich Spaß. Ihr ganzes Können zeigen die Tänzer schließlich in »Jewellry Box«.
Mit dem passenden »Those Were The Days«, womit auch sonst, endet die Dokumentation. Die Dokumentation eines historischen Ereignisses, eines Treffens zweier Kulturen, vereint in der Musik.
Als Bonus gibt es diverse Musik-Kurzfilme Kaurismäkis aus den Jahren 1986 bis 1992, so »Rocky VI« (Bonuspunkt für Igors Augenbrauen), »Thru The Wire«, das Doors-Cover »L. A. Woman«, »Those Were The Days« (Bonuspunkt für das »Esel-Verboten«-Schild) und »These Boots«. Besonders der letzte ist zum schießen komisch: Extra-Bonuspunkt für das Leningrad Cowboys-Baby – das es irgendwie vorgeblichen Geschichte Finnlands von 1952 - 1969 von der Geburt bis zur Ehe schafft. Abspann: »These Boots« …der Leningrad Cowboys.
Fazit: Bei der Doku könnten Bild und Ton besser sein, zudem wünscht man sich mehr Bonusmaterial. Dennoch: Sollte man gesehen haben. (nat)
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