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DVD-Rezensionen 1 - 20 von 52 (insgesamt 52)

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22 Pistepirkko: Sleep Good - Rock Well
(2005, Bone Voyage Bone-0015)

Fünfzig Gigs in fünfzig Städten in fünfzig Tagen. Die 2001er-Tour des finnischen Trios war zugleich Mut-, Kraft- und Bestandsprobe. Wie geht ein Team, das nach zwanzig gemeinsamen Jahren eher Familie statt Freundeskreis bildet, mit dieser Anstrengung um?

Das eher unspektakuläre »On The Road«-Wesen der Nordlicher hat nun zum ersten Mal Andreas Haaning Christiansen rund um die Uhr mitgefilmt: Das morgendliche, verkaterte Gezerre in der eigenen Bettwäsche, obskure Autogrammjäger, die mit ihrem Deutsch-Englisch in der Düsseldorfer Kälte stehen gelassen werden und natürlich die allabendlichen Auftritte auf den Brettern, die vorgeben, die Welt zu bedeuten.

Aber die inzwischen nicht mehr ganz jungen Musiker sind Realisten und wissen um ihren Status, den sie auch in Einzel-Interviews betonen: Das hier ist immer noch Untergrund. Und so fallen die Gigs auch eher puristisch und soundmäßig etwas mager aus. Nein, eine exzellente Liveband waren sie noch nie – viel zu mehrschichtig, subtil und ambivalent sind ihre Alben, um sie ohne Abstriche mit drei Musikern live umsetzen zu können. Zudem setzen Pressetermine, interne Differenzen und die Rastlosigkeit des Rock'n'Roll-Lebens den Dreien zu. Am Ende überwiegt die Freude, wieder ins blaugetünchte finnische Heim einzukehren und die Erkenntnis: Ausgeschlafen rockt sich's besser!

Eine Vielzahl an Amateur-Aufnahmen, Slideshows mit Fotos aus Kindheit und Anfangstagen, Live-Tracks und weiteren kommentierten Touraufnahmen ergänzt dieses charmantes Low Budget-Rockumentary über eine sympathische Band. (maw)



Siehe auch:
22 Pistepirkko (CD-Rezension)


Zum Artikel über 22 Pistepirkko

 22 Pistepirkko: Sleep Good - Rock Well

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Arch Enemy: Live Apocalypse
(2006, Century Media Century Media)

Meine Fresse, kann diese Frau grunzen! Frontsau Angela verplempert keine Zeit mit unnötig langen Ansagen, sondern haut einen Song nach dem anderen raus – und die 2.500 Fans im restlos ausverkauften Londoner Forum danken es ihr: Enthusiastisch singen sie mit, surfen über die Menge, recken Teufelshörner in die Höhe. Nach einer guten Stunde brüllt die schwitzende Masse nach mehr. Natürlich erfüllen die Schweden ihren Wunsch: eine weitere Viertelstunde volle Dröhnung, das Publikum geht bis zur letzten Sekunde mit und tobt bis auf den letzten Emporenplatz. Angela schwenkt am Ende die schwedische Flagge, die ihr ein Fan aus der ersten Reihe überreicht. Was für eine geile Liveband!

Doch nach dem Abspann stellt sich die Frage: Moment, das Konzert war am 17.12.2004 – wieso veröffentlicht Arch Enemy die erste (Live)-DVD erst anderthalb Jahre später? Michaels Bruder Christopher Amott, Gitarrist und Gründungsmitglied, stand hier zum letzten Mal mit Arch Enemy auf der Bühne – Grund genug ihm mit DVD 1 der »LIVE APOCALYPSE« Tribut zu zollen. Erwähnt sei nebenbei die astreine Bild- und Tonqualität (wahlweise als Stereo, Dolby 5.1 Surround oder DTS 5.1 Surround) des kompletten Mitschnitts, insgesamt 19 Songs, ohne überflüssige Spielereien der Kameraleute.

DVD 2 fährt jede Menge Bonusmaterial auf: einen zehnminütigen »Tour! Tour! Tour!«-Film, sowie einen Mini-Film über die UK-Tour 2005. Danach plaudern Daniel und Michael im »Gear-Talk« eine Viertelstunde über ihre Ausrüstung und mehr. Interessantes erfährt der Zuschauer in den Interviews: etwa, wie sich Michael fühlte, als sein Bruder die Band verließ, dass Rob Halford für Angela den besten Sänger aller Zeiten darstellt, oder was wäre, »if I wasn't in Arch Enemy ...«.

Es flogt ein Blick hinter die Kulissen des Video-Drehs zu »My Apocalypse«, eine ausführliche Bilder-Slideshow und mehrere Promo-Videos: »Ravenous«, »We Will Rise«, »Nemesis«, »My Apocalypse«. Bei »Nemesis« kann man außerdem zwischen der normalen Version und dem Director's Cut wählen – oder kann die Unterscheide in der dritten Variante (Split-Screen) direkt vergleichen. Zu guter Letzt gibt es drei Livesongs in Multi-Angle Version: Bei »Dead Eyes See No Future«, »Bury Me An Angel« plus »Heart Of Darkness« kann man sich statt der normalen Version nach Wunsch auf einen der Musiker konzentrieren: Angela, Daniel oder das Trio Mike/Chris/Sharlee stehen zur Auswahl.

Empfehlung: Macht mit beim speziellen Triathlon zu dieser DVD: Kaufen, anschauen, freuen. (nat)



Siehe auch:
Arch Enemy (CD-Rezension)


Zu den aktuellen Tourterminen von Arch Enemy

 Arch Enemy: Live Apocalypse

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Arch Enemy: Tyrants Of The Rising Sun – Live In Japan
(2008, Century Media 9978367)

Zwei Jahre nach »LIVE APOCALYPSE«, dem Mitschnitt vom Auftritt Ende 2004 im Londoner Forum, schmeißen Arch Enemy die näxte DVD auf den Markt. »TYRANTS OF THE RISING SUN – LIVE IN JAPAN« zeigt den Gig der Schweden im Tokioer Shinkiba Studio Coast, Teil der Asien-Tour Anfang 2008.
Eine Minute klatschen die Fans, recken Teufelshörner, bis sich ein schwarzgekleideter Daniel Erlandsson hinters Drumkit klemmt. Fast eine weitere vergeht bis er endlich erlösend auf die Becken klopft, das ebenfalls schwarzgekleidete Saitentrio spielend auf die Bühne tritt. Und endlich, endlich betritt Angela die Bühne, stößt den ersten tierischen Röchler ins Mikro. Die Fronterin im weißen »Pure Fucking Metal«-Outfit hat die Meute für die kompletten 95 Minuten im Griff – die jeweiligen Soloauftritte der Musiker beiseite gelassen.

Ja, mit dem zu »RISE OF THE TYRANT«-Album zurückgekehrten Christopher Amott ist das Quintett wieder eine Live-Supermacht. Schlag auf Schlag, ohne Verschnaufpause: Intro, »Blood On Your Hands«, »Ravenous«, »Taking Back My Soul«. Respekt. Kurze Ansage, weiter geht's, »Dead Eyes See No Future« kracht aus den Verstärkern, es folgt »Dark Insanity«. Erst vor »The Day You Died« wendet sich Angela an die Fans, widmet das, durch einen japanischen Film inspirierte Stück, dem japanischen Publikum. Der DVD-Betrachter fühlt sich dank der erneut ausgezeichneten Bild- und Tonqualität (wahlweise Stereo, Dolby 5.1/ DTS 5.1 Surround) fast, als sei er mittendrin, wenn die Japaner alles andere zurückhaltend den Schweden huldigen und kräftig mitgrölen. Nach einer halben Stunde hämmert Daniel mittlerweile klatschnass, aber ungebremst aufs Schlagzeug, liefert zehn Minuten später mühelos ein knapp vierminütiges Solo ab, weiter geht's: Es ist erst Halbzeit. Noch eine Dreiviertelstunde Spielspaß, bis sich Arch Enemy mit »Fields Of Desolation« und Outro endgültig verabschieden.

Das Konzert ist nun vorbei, doch nicht die DVD: Die Rubrik »Special Features« beinhaltet »The Road To Japan«, ein 45minütiges Road-Movie, mit ausführlichen Interviews der Band, angefangen mit »Bandyoungster« Angela. Versuche den Arch Enemy-Kulte im fernen Osten zu erklären, unternehmen auch Tetsu Miyamoto (Toys Factory Records) und Taka Okunu vom Burrn!-Magazin – das die Schweden via Leserwahl gleich in fünf Kategorien mit Auszeichnungen überhäufte: Beste Gruppe, bester Gitarrist, bester Schlagzeuger, bestes Album und bester Songwriter. Wo sie auch gehen schreiben die Schweden Autogramme für die Fans oder lassen sich mit ihnen fotografieren. Fazit des Road-Movies: Japan ist bunt, laut – und verrückt nach Arch Enemy.

Zu guter Letzt gibt's noch drei Promoclips: »Will Live Again« und »Revolution Begins« sowohl als Original wie auch »Band Performance«-Version. Summa summarum starke, gutgemachte 150 Minuten einer starken Band. (nat)


Zu den aktuellen Tourterminen von Arch Enemy

 Arch Enemy: Tyrants Of The Rising Sun – Live In Japan

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Björk: Biophilia Live
(2014, One Little Indian/Cinema Purgatorio)

»Biophilia« erschien im Oktober 2011 mit großem Brimborium, in diversen preislich intensiven Luxuseditionen und als »bahnbrechend« vermarktet, wurde von der Kritik zumeist als (über-)ambitioniertes, aber auch überkandideltes Comeback besprochen, von vielen Fans und Allgemeinheit allerdings zumeist lauwarm aufgenommen. Keine der Melodien konnte sich in Erinnerung halten, und auch nach vielfachem Hören konnten allenfalls Hardcore-Fans die Songs benennen oder auseinander halten. Zwei Jahre später, die kostspielige Tour zum Album wurde teils verhalten, teils ratlos aufgenommen, ließ Björk den Tourneeabschluss im Londoner Alexandra Palace filmen und im Frühjahr 2014 als Konzertfilm in die Kinos bringen.

Schließlich erschien unter dem Albumtitel »BIOPHILIA LIVE«, wahlweise als 3xLP+1DVD, 2xCD+1DVD oder 2xCD+Blu-ray, Björks bereits 12. Video-Album. Es ist zugleich ihr 6. offizielles Live-Album zum (nach offizieller Zählung) 7. Studio-Album (nur zu »Medúlla« gab es kein Livealbum). Leider liegt uns zur Besprechung nur ein komprimierter Vimeo-Link in mittelmäßiger Bild- und Tonqualität des 96-minütigen Konzertfilms vor, weshalb die Besprechung der restlichen Elemente des Albums und eine angemessene Würdigung des Gesamtpakets außen vor bleiben muss.

Wikipedia verrät, dass der Film unter der Regie von Nick Fenton (der auch die Montage verantwortete) Peter Strickland entstand. Letzterer trat bereits mit drei, von einigen verehrten, von anderen mit Indifferenz gestraften Filmen in Erscheinung: »Katalin Varga« (2009), »Berberian Sound Studio« (2012) und zuletzt »The Duke of Burgundy« (2014). Die Bilder fing der versierte Kameramann Brett Turnbull ein. All dies verspricht einen beeindruckend originellen und ambitionierten Konzertfilm, doch das Ergebnis ist verwunderlicher und enttäuschender Weise in erster Linie eine weitere konventionelle Konzertaufzeichung mit ein paar hübschen Naturbildern und einer von David Attenborough gesprochenen Begrüßung. Das wird vor allem die Fans erfreuen, vermag darüber hinaus jedoch nicht allzu viel Faszination auszulösen.

Der größte Anreiz des Films liegt sicher darin, dass sich all jene, die sich die hochpreisigen Tickets der Tournee nicht leisten konnten, eine gute Ahnung der Show nach Hause (oder in den Kinosaal in Reichweite) holen können. Damit erfüllt »BIOPHILIA LIVE« mit Sicherheit seinen Zweck, mit abgefahrenen Projektionen reizvoll anzusehender Visuals aus Mikrofauna, Milchstraßen, Vulkan- und Ozeanwelt, mit makellos dargebotenen Performances der Mitwirkenden, inklusive dem eindrucksvollen Chor, und studiomäßig cleanem Sound. Als Dokument fein, als Konzertfilm leider ein nicht eingelöstes Versprechen, besonders in Anbetracht der Möglichkeiten und Björks Ambitionen. (ijb)

 Björk: Biophilia Live

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Björk: Medúlla Special – Double DVD Edition
(2005, One Little Indian/Universal 9868397)

Wenig Künstler verfolgen ihren Weg so kompromisslos wie Björk ... und haben auch noch Erfolg damit. Ihr Album »MEDÚLLA« realisierte die Isländerin nur mit Stimmen, und manch einer mag sich gefragt haben, wie das alles gemacht wurde. Antwort liefert diese Doppel-DVD, deren Betrachtung von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend wie ein Krimi ist.

Gebrauchsanweisung: Zunächst höre man am besten noch einmal konzentriert das Album an. Wer das nicht ohnehin im Schrank stehen hat, kann dies hier noch mal in hochwertigem Dolby-Surround tun. Dann lässt man sich von der 45minütigen Doku »The Inner Or Deep Part Of An Animal Or Plant Structure« über die Entstehungsgeschichte des Albums informieren, worin nicht nur Björk selbst bereitwillig Auskunft gibt, sondern auch die Vokal-Zauberer Rahzel, Dokaka oder Mike Patton in Aktion zu bewundern sind, in verteilten Studio-Schauplätzen wie New York, London, Reykjavik, den Kanarischen Inseln und Salvador.

Dann wechsle man zur zweiten DVD mit den drei Musikvideos zu »Oceania«, »Who Is It« und »Triumph Of A Heart«, die als wahre visuelle Meisterwerke immer wieder neue Details offenbaren. Daran anschließend empfiehlt sich – neben zwei weiteren Bonus-Videos zu den Nummern »Desired Constellation« und »Where Is The Line« – der halbstündige »Behind The Scenes«-Film zum Dreh von »Triumph Of My Heart«.

Jenes von Spike Jonze gedrehte Video fußt auf dem isländischen Mythos von der Katze, die sich um den vernachlässigten Hof kümmern muss, während der Ehepartner durch die Bars zieht. Die Statisten in der Kneipe – überwiegend Künstler und Björks Freunde – geben dem Song durch sehenswerte Gesangseinlagen ein völlig neues Gesicht. Eine Maßstäbe setzende Musik-DVD. (peb)



Siehe auch:
Björk (CD-Rezension)

 Björk: Medúlla Special – Double DVD Edition

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The Cardigans: Live In London
(2005, Universal 982.325-6)

1996: Die Band steht kurz vor ihrem Durchbruch, ausgelöst vor allem durch den Hit »Lovefool« und das Album »FIRST BAND ON THE MOON«. Doch noch kennt man sie nur in Insiderkreisen, und wohl deswegen fand das Konzert am 20./21. November 1996 im Londoner Shepherds Bush Empire im eher familiären Rahmen statt, mit schlichtem Dekor und ohne großen Show-Pomp.

Der war natürlich nie Sache der fünf Schweden aus Jönköping, doch damals gingen sie schon noch besonders schüchtern-scheu, wohl auch nervös ans Werk. »Spröde« ist das rechte Wort, das das Auftreten und den damaligen Sound der Band um Männerschwarm Nina Persson am treffendsten beschreibt. Spröde und voll kantigem Wave-Charme, was ihrem bisweilen angejazzten Lounge-Pop eine kontrastreiche Anmutung gibt.

Witzig wirken in diesem Zusammenhang das erste und letzte Lied des Repertoires, die einzigen Songs aus fremder Feder: Dass die Cardigans mit »Iron Man« und »Sabbath Bloody Sabbath« auch mal Black Sabbath coverten, weiß heute kaum noch einer. Das Konzert als Ganzes kann dennoch nur bedingt überzeugen: Zu gleichförmig haspelt das Quintett die Songs herunter; zu unbeteiligt wirken alle Beteiligten.

Fans der Cardigans-Frühzeit freut dieser bereits 1997 im VHS-Format veröffentlichte, für die DVD-Fassung um eine 13minütige Dokumentation, ein Promo-Video und eine Fotogalerie erweiterte Mitschnitt natürlich trotzdem. (peb)



Siehe auch:
The Cardigans (CD-Rezension)

The Cardigans: Live In London

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Children Of Bodom: Chaos Ridden Years – Stockholm Knockout Live
(2007, Spinefarm/Universal)

Mit ihrem letzten Album »ARE YOU DEAD?« übertrafen sie ihr bisheriges Discografie-Highlight »HATEBREEDER« und damit sich selbst. Damit sind nicht nur die spieltechnischen Fertigkeiten gemeint, obwohl auch die im Metal-Genre so ziemlich auf der Spitze thronen: Allein wie Sänger/Gitarrist Alexi »Wildchild« Laiho und der noch begabtere Zweitgitarrist Roope Latvala sich ständig feurige Saiten-Duelle liefern, verlangt Bewunderung.

Zusammen mit Bassist Henkka T. Blacksmith toben sie als mähnenschwingendes Headbanger-Triumvirat über die Stockholmer Bühnenbretter, während Keyboarder Janne Warman in die Soli synchron mit einsteigt und bei Drummer Jaska W. Raatkainen in virtuoser Präzision die Bassdrum-Pedale glühen.

Nach 80 Minuten souverän gespieltem Live-Material von druckvoller und relativ guter Klangqualität ist aber noch nicht Schluss, wenngleich sich das Bonusmaterial eher in Grenzen hält: Die 45minütige Doku »Chaos Ridden Years« erzählt die Bandgeschichte, und die Viertelstunde »Deleted Scenes« – genau genommen also doch nicht »deleted« – haben immerhin einen gewissen Unterhaltungswert.

Des Weiteren gibt's sieben Promo-Videos und ein »Behind The Scenes« zum Stockholm-Konzert, das allerdings recht langweilig und mit seinen dreieinhalb Minuten auch sehr kurz ausgefallen ist. Trotzdem: »Det var mycket bra« – so röhrt Alexi ins Mikro, bevor Janne über einem der Bühnen-Flammenwerfer Würstchen grillt. (peb)



Siehe auch:
Children Of Bodom (CD-Rezension)


Zum Artikel über Children Of Bodom


Zur Konzertkritik über Children Of Bodom

 Children Of Bodom: Chaos Ridden Years – Stockholm Knockout Live

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Tim Christensen: Live At Abbey Road Studios
(2004, EMI Denmark 724354441400)

»Ladies and Gentlemen, Abbey Road Studios proudly present: Mr. Tim Christensen«, ertönt die Stimme aus dem Off, und schon legen Christensen und Konsorten mit dem rockigen »Jump The Gun« los. Danach wird's beschaulicher, und trotzdem grooven die nächsten ruhigen Songs – bis es bei »Get The Fuck Out Of My Mindestens« und »Screaming At The Top Of My Lungs« noch mal härter zur Sache geht.

Die beiden vorletzten Stücke spielt Christensen alleine nur mit Akustik-Klampfe, bevor Gitarrist Lars Sjærbæk, Bassist Nicolai Munch-Hansen und Schlagzeuger Olaf Olson zurückkehren. Vereint stimmen sie das finale »Time Is The Space Between Us« an. 70 Minuten dauert das komplette Konzert, das die Gruppe so ungezwungen wie eine fröhliche Session im Proberaum rüberbringt – allerdings weisen die 14 Stücke eine ausgezeichnete Bild/Tonqualität auf.

Als Hintergrund zum Gig liefert die DVD eine Art Tourbericht »From Roskilde To Abbey Road«: Dieser startet beim Roskilde-Festival, zeigt die Anreise zu den Studios, den Gang der Dänen über DEN Zebrastreifen (Beatles), sowie kurze Interviewhappen – in leider etwas schlechterer Bildqualität.

Darüber hinaus bietet der äußerst gelungene Silberling einige Extras: ein 20minütiges Interview auf Dänisch mit dem Mastermind Christensen, Aufbau, Sound-/Lichtcheck, Kamera-Installation und Make-Up(!) für die Band im kurzweiligen »Behind The Scenes« plus eine gute Viertelstunde akustische Session extra. Und wer immer noch nicht genug hat, möge zu den zwei beigelegten CDs greifen: zum ersten das Konzert mit Band, zum zweiten die Akustik-Session mit fünf Songs.

Die komplette DVD ist auf Dänisch, Untertitel gibt's nur auf Englisch. Achtung: Diese verstecken sich unter dem Menüpunkt »Setup«! In Deutschland ist sie leider nicht erhältlich; beziehen kann man sie aber über den Shop CD-Skiven, der von der Künstler-Website verlinkt ist. (nat)



Siehe auch:
Tim Christensen (CD-Rezension)
Dizzy Mizz Lizzy (CD-Rezension)


Tim Christensen: Live At Abbey Road Studios

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Dark Funeral: Attera Orbis Terrarum Part 1
(2007, Regain Records RR090)

Drei komplette Auftritte plus Bonusmaterial packen Dark Funeral auf die Doppel-DVD »ATTERA ORBIS TERRARUM«. Das erste Set filmen sie am 12. März 2005 auf der Metalmania im polnischen Katowice. Nach einem kurzen Intro feiert das Quintett »The Arrival Of Satans Empire«. Wen jemand diesen Mitschnitt als Augenschmaus bezeichnet, dann nur dank Kameraführung und Lichtshow: Bierwampen dominieren das äußere Erscheinungsbild – Sänger E.M. Caligula macht Turbonegro-Fronter Hank van Helvete ernsthaft Konkurrenz. An der Setlist gibt es nichts zu mäkeln – »The Secrets of Black Arts« oder »Ravenna Strogoi Mortii« fehlen nicht. Doch gibt der Mischer stellenweise zuviel Hall auf den Gesang, das Publikum ist (zu) leise und zurückhaltend.

Der zweite Gig am 5. März 2006 im niederländischen Tilburg ist ganz anders aufgemacht als die »Ostblock-Variante«. Ein theatralisch inszeniertes Intro, ganz in schwarz-weiß gehalten, stimmt auf die folgende gute Stunde ein. Wechsel zum Farbbild, ab geht die Post. Im 013 passt der Sound, nicht nur von Caligulas Gekeife. Ihre Bierfriedhöfe hüllen die Schweden in Lederrüstungen, verziert mit Pentagrammen in blutrot. Die Zuhörer machen sich hier etwas lauter bemerkbar. Manko hier: Die hektischen Wechsel und Schnitte der Kameras.

Die abschließende Show am 17. März 2006 im Pariser Club »La Locomotive« startet am euphorischsten und gefällt am besten, trotz gleicher Setlist wie in Tilburg – und den genau gleichen Sprüchen. Hier passt einfach alles, vom Intro bis hin zum artgerechten Rausschmeißer »An Apprentice Of Satan«: Das authentische Publikum, die moshende Band, Lichtshow, Bild- und Tonqualität.

Nun zum Bonusmaterial: Das »Amateur Footage« aus den Jahren 1994 bis 1997 besticht nicht gerade durch Bild- und Tonqualität. Doch bietet es Fans Gelegenheit die Anfangstage ihrer Idole zehn Songs lang mitzuverfolgen, sei als motivierte Jünglinge in einer Osloer Kneipe 1994 oder Bathorys »Equimanthorn« in einer kleinen Halle covernd.

Und wen mir nun noch jemand erklären könnte, was das »Atrum Regina«-Video in der Bonusabteilung soll, zusammengebastelt aus Material der enthaltenen Konzerte, dann wären keine Fragen mehr offen. (nat)

 Dark Funeral: Attera Orbis Terrarum Part 1

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Thomas Dybdahl: ... That Great October DVD
(2004, CCAP 025)

Wie schön, dass es auch eine DVD dieses wuscheligen Newcomers gibt, denn Thomas Dybdahl kann gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen! Die DVD enthält einen Konzertmitschnitt vom 16.3.2003, 13 Songs lang und fast vollständig deckungsgleich mit der gleichnamigen CD.

Live klingen die Songs jedoch rauer, karger und – was eigentlich kaum möglich ist – noch emotionaler. Dybdahl und seine Band – nachlässig gekleidete Burschen mit komischen Hütchen sowie einer aus der Form geratenen, nicht mehr oder noch nicht modischen Koteletten-Bart-Kombination – zelebrieren mit Pedal-Steel-Gitarre, soulig schnurrender Orgel und Falsettgesang fast verloren geglaubte Tugenden wie sehnsüchtig im Herzen rumorende Lieder mit zum Heulen schönen Melodien.

Daneben findet man auf der Scheibe noch einen fast halbstündigen norwegischen Dokumentarfilm (ohne Untertitel), eine Bildergallerie und fünf Musikvidoes: Selbst die heben sich ab vom MTV-Einerlei, wenn etwa ein Junge seiner Flamme schlicht und einfach das Liebeslied »From Grace« ins Angesicht schmachtet. Zu bestellen direkt in Norwegen auf Dybdahls Homepage. (peb)



Siehe auch:
Thomas Dybdahl (CD-Rezension)

Thomas Dybdahl: ... That Great October DVD

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e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio): Live in Stockholm
(2003, ACT/Contraire ACTDVD 9900-9)

Als Pianist Esbjörn Svensson, Bassmann Dan Berglund und Trommler Magnus Öström am 10. Dezember 2000 im ausverkauften Nalen-Club ihrer Heimatstadt auftraten, stand einmal mehr die Verschmelzung traditioneller Jazzelemente mit topmodernen Pop-Einflüssen auf dem Programm.

In bekannt-bewährten Titeln wie »Dodge The Dodo«, »From Gagarin's Point Of View« und dem unveröffentlichten »Bowling« schlugen die gewitzten Schweden ohrenfällig eine Brücke von der Klaviertrio-Schule eines Keith Jarrett zur Klangelektronik unserer Tage, wie man sie etwa von Portishead oder Radiohead kennt. Solange es solche Neuerer gibt, muss einem um den Fortbestand des in die Jahre gekommenen Jazzgenres nicht bang sein.

Erfreulicherweise hat man diese Sternstunde des Live-Jazz auf Zelluloid festgehalten. Mit acht Kameras wurden das Bühnengeschehen und die dazugehörige Lightshow eingefangen. Die 96-minütige DVD-Fassung gibt all das in stimmungsvollen Bildern wieder, die eher an die Videoclip-Ästhetik auf MTV als an herkömmliche Konzertaufzeichnungen erinnern, was aber nicht anbiedernd, sondern einfach nur sehr erfrischend wirkt.

In der Zugabenabteilung der Digital Versatile Disc findet der Fan Interviews, eine Fotogalerie, zwei Promofilme und eine Diskografie. Bravissimo! (hake)



Siehe auch:
e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio) (CD-Rezension)


Zum Artikel über e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)

 e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio): Live in Stockholm

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Eläkeläiset: Sekoilun Ytimessä 1993-2003
(2004, Humppa/Indigo Humppa025)

Der Wahnsinn hat einen Namen: Eläkeläiset, zu deutsch »Rentner«. Selten nüchtern, und erst recht nicht auf der Bühne. Gewandet entweder in Anzug und Schlips oder nackt, ebenfalls auf der Bühne. Musikalisch brettert das Quartett durch so rasanten Polka im 2/4-Takt, dass sich die Burschen als mittlerweile bekannteste Humppa-Combo qualifizieren konnten.

Diesen Wahnsinn kann man nun auf DVD nachverfolgen, satte 250 Minuten lang. Der Kern der Aufnahmen widmet sich Eläkeläisets wirklich »sehr spezieller« Livepräsenz mit Ausschnitten aus den Konzerten in Potsdam und Helsinki, dem Wacken-Festival und Tampere. In sich hat's jedoch besonders das Bonusmaterial: Hier findet man amüsante Skurrilitäten wie eine Karaoke-Show, Wodka-Staffeln, Spuckwettbewerbe oder eine finnische Erklärung zum Thema »Breitbild«. Absolut empfehlenswert für Freunde des kruden Humors.

Überhaupt darf man sich die DVD nicht als logische Abfolge gesammelter Rentner-Filme vorstellen, sondern eher als Kuddelmuddel von durchgeknalltem Backstage-Material, völlig bescheuerten Filmschnipseln und Liveaufzeichnungen, die aussehen, als hätte es die Kamera selbst bereut, das beobachtet zu haben. Zur Nachahmung nur bedingt zu empfehlen, zum gemeinsamen Anschauen bei fortgeschrittener Demenz und/oder nach heftigem Alkoholkonsum jedoch sehr. (peb)



Siehe auch:
Eläkeläiset (CD-Rezension)


Zum Artikel über Eläkeläiset


Zur Konzertkritik über Eläkeläiset

 Eläkeläiset: Sekoilun Ytimessä 1993-2003

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Europe: Live From The Dark
(2005, Sanctuary/Soulfood MYNDVD047)

Klar – diese Doppel-DVD dürfte mehr ein Weihnachtsgeschenk für den Papi sein als für die minderjährige Tochter. Obwohl Sänger JoeyTempest, Gitarrist John Norum und der Rest des Schweden-Fünfers optisch noch immer fast Starschnitt-tauglich sind. Aber eben nur fast.

In punkto Routine und Professionalität macht ihnen aber kaum einer was vor: Als Europe 2004 – zwölf Jahre nach dem Ende der Band – ihre Reunion einläuteten, stellten sie schnell klar, dass sie noch immer eine sehenswerte Show auf die Bühnenbretter legen können und Tempest auch am Ende des 100minütigen Konzerts im Londoner Hammersmith – also beim letzten Song »The Final Countdown« – gut bei Stimme ist.

Apropos sehenswert: Es wäre schön, wenn man denn etwas sehen könnte: Die schauderhafte Bildqualität, schlechte Auflösung und schlechte Beleuchtung steht in krassem Missverhältnis zum differenzierten und druckvollen Sound. Die zweite DVD fährt jede Menge Bonusmaterial auf: Ein 24minütiger Clip dokumentiert einen Tourtag, vom Ende eines Konzerts bis zum Betreten der Bühne in London.

Die »Taxi Diaries« entpuppen sich als Taxi-Interviews mit allen Europe-Mitgliedern; interessanter für Musiker dürften die ausführlichen Erläuterungen der »Hair Rocker« zu ihrem Equipment sein – alles jedoch englisch ohne deutsche Untertitel. Zwei Bonustracks vom Soundcheck und ein paar Promovideos füllen die restliche Lücken.
Prädikat: Darf man haben, ohne rot zu werden; muss man aber nicht. (peb)



Siehe auch:
Europe (CD-Rezension)

 Europe: Live From The Dark

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Evergrey: A Night To Remember – Live 2004
(2005, InsideOut/SPV 556-40848)

Es war ein optisch wie dramaturgisch perfekt, fast schon zu perfekt inszeniertes Konzert mit Heimvorteil: Das 2004er-Konzert in Göteburg fand im 160 Jahre alten Storan Theater statt und wurde – lichttechnisch monumental in Szene gesetzt – von sieben entfesselten Kameras festgehalten.

Die schwedische Band um Tom S. Englund war denn auch bestmöglich vorbereitet: Selbst vertrackte Passagen meisterte sie scheinbar mühelos, angetrieben von knüppelnden Double-Bassdrums im Geschwindigkeitsrausch, während keine selbstbewusst-breitbeinige Macho-Pose ausgelassen wurde und die Mähnen heftig headbangend durch die Luft wirbelten. Für Abwechslung in den 20 Songs sorgen ein Streichquartett und ein Duett mit Carina Kjellberg, Englunds Frau.

Die zweite DVD, »The Shocking Truth« betitelt, enthält 6,5 (!) Stunden Hintergrund-Material und damit weit mehr, als man über die Band wissen muss: Musik-Videos, gesammelte Backstage-Mitschnitte, Doku-Szenen von Studio-Aufnahmen und wirklich ausführliche Interviews mit jedem Musiker samt detaillierter Erklärungen des Equipments. Sechseinhalb Stunden! Wer das am Stück schafft, braucht danach Urlaub.
Jedoch: virtuose Band, kraftvoller Progmetal und atemberaubende Arrangements. (peb)



Siehe auch:
Evergrey (CD-Rezension)

 Evergrey: A Night To Remember – Live 2004

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HC Gilje: Cityscapes
(2006, Lowave/Jakob 012 DVD)

Bringen wir rasch das Technische hinter uns: 60 Minuten Länge, vier Kurzvideos ohne Dialoge, als Bonus-Feature ein deutsch untertiteltes Interview mit dem norwegischen Filmkünstler HC Gilje.

Das Thema der Filme ist die Stadt, die Metropole als Archetyp mit ihren unpersönlichen Begegnungen, dem alles bestimmenden Verkehr, der Architektur und ihren abstrakten Formen. Die Filme erzählen vom modernen urbanen Herzschlag und stehen damit in einer Tradition von städtischen Sinfonien wie Dziga Vertovs »Der Mann mit der Kamera« (1929) oder Walter Ruttmans »Berlin – Sinfonie einer Großstadt« (1927).

Während jedoch aus jenen frühen Avantgarde-Betrachtungen menschlicher Siedlungen noch Faszination und Technikbegeisterung sprach, richtet der Trondheimer Experimentalkünstler einen neutralen, wenn nicht gar desillusionierten Blick auf sein Sujet. »Die Stadt formt unsere Psyche«, meint Gilje, und er sieht die Stadt als natürlichen menschlichen Lebensraum – so, wie es die Natur früher einmal war.

Könnte es für die Vertonung dessen bessere Audio-Künstler geben als Jazzkammer, die norwegischen Klang-Freigeister, die zwei der vier Filme mit surrealen Soundtracks unterlegen, die ebenso wie die Bilder ihr Recht auf Aufmerksamkeit fordern? (peb)



Siehe auch:
Jazzkammer (CD-Rezension)

HC Gilje: Cityscapes

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Gluecifer: Farewell To The Kings Of Rock
(2009, Mate In Germany/Soulfood MIG 011)

Schluss. Aus. Vorbei. Die norwegischen Kings Of Rock sind Geschichte. Am 14. Oktober 2005 gaben Gluecifer ihr Abschiedskonzert im Osloer Sentrum Scene. Diese DVD enthält eben dieses Konzert in voller Länge: »FAREWELL TO THE KINGS OF ROCK« zeigt binnen 100 Minuten warum »God's Chosen Dealer«s, wie die mittlerweile ebenfalls aufgelösten Hellacopters, zur Speerspitz des skandinavischen Rocks gehör(t)en.

Die Menge im ausverkauften Club bejubelt bereits die Schatten hinterm den weißen Laken, die Silhouetten des Sängers Biff Malibu, der Gitarristen Captain Poon / Raldo Useless, von Bassist Stu Manx und Schlagzeuger Danny Young. Die ersten Takte von »Automatic Thrill« erklingen, der »Vorhang« fällt. Die Klangqualität ist von Anfang an extrem gut – zumindest was die Band betrifft: Obwohl das Publikum die Jungs frenetisch feiert, hört man davon keinen Ton. Das ändert sich glücklicherweise im Laufe des Sets, lässt wirkliche Live-Atmosphäre entstehen.

Trotz der Hitze auf der Bühne hält es sich Biff vier Songs lang in seinem Jackett aus, zwei Songs später folgt auch Raldo seinem Beispiel. Die – englisch untertitelten – Ansagen hält Biff meist kurz, die Jungs rocken ohne Gepose durch 22 Lieder aus all ihren Schaffensperioden: Vom Debütalbum »RIDIN' THE TIGER« über »SOARING WITH EAGLES…«, »TENDER IS THE SAVAGE« und »BASEMENT APES« bis zur letzten Studioscheibe »AUTOMATIC THRILL«.

Captain Poon nutzt Raldos Solo in »Black Book Lodge« um sich seiner Lederweste zu entledigen, liefert sich oben ohne dann ein mehrminütiges Saitenduell mit ihm. Bleibt die Frage, warum im folgenden Schlagzeugsolo ein goldenes Banner mit »Durex«-Logo hinterm Drumkit herabgelassen wird? Ist es Teil einer norwegischen Aufklärungskampagne – du denkst Chlamydien sind Zimmerpflanzen?

Gluecifer verschwinden nach »Black Book Lodge« und 75 Minuten Spielzeit zunächst einmal von der Bühne. Als Biff danach wieder zurückkehrt, das Mikro ergreift und den Fans für ihre Treue dankt, fallen ihm die ersten roten Rosen auf den Brustkasten. Mit den Blumen in der Hand, intoniert er die erste Zugabe »Desolate City«, für Zugabe Nummer zwei reichen die ersten Schlagzeugtakte von Danny aus: Schon ertönt aus hunderten Kehlen »I Got A War«, die letzten Takte spielt Stu Manx mit einer Rose zwischen den Zähnen – die ihm Raldo via Mundraub abnimmt.

Nach 90 Minuten lassen sich die Kings Of Rock für die wirklich letzten Zugaben auf die Bretter bitten: »Bossheaded« und »Easy Living«, das das Quintett dank diverser (Mitsing)Einlagen auf satte sieben Minuten streckt. Nach zweiminütigem Applaus ist es wirklich vorbei: Gluecifer sind Geschichte.

Als Bonus gibt es (leider nur) sämtliche Videos der Band: Den Anfang der zehn Clips macht »Desolate City«, »Easy Living« ist ebenso dabei wie »I Got War«, den Schlusspunkt setzt »Little Man«. (nat)



Siehe auch:
Gluecifer (CD-Rezension)
The Hellacopters (CD-Rezension)


 Gluecifer: Farewell To The Kings Of Rock

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Gluecifer: Royally Stuffed
(2004, SPV 99177)

»Nicht kleckern, sondern klotzen« lautet das Motto dieser Scheibe: Eine Dual-Layer-DVD hat Gluecifer gefüllt mit drei Stunden Spielzeit, davon 75 Minuten Livekonzert in Bergen, 30 Minuten Interview, allen acht Videos samt Bonus-Video, der kompletten Discografie mit Hörbeispielen sowie einer Reihe amüsanter Zusatz-Features.

Als da wären: bandeigene Videomitschnitte vom Blödeln, Trinken und Partyfeiern – ja sogar eine Session mit den Ärzten, wie sie alle zusammen Judas Priest covern. Auch wie zahlreiche Fans und Musiker – darunter die Kollegen von Krokus oder In Extremo – mehr oder weniger druckvoll den Satz »Rock is cool« artikulieren, sorgt für heitere Laune.

Die Hauptsache jedoch: Diese DVD belegt, dass Gluecifer zusammen mit Turbonegro und den Hellacopters zu den wichtigsten (Punk-)Rockbands Skandinaviens zählen. Biff Malibu, Cpt. Poon, Raldo Useless, Stu Manx und Danny Young bringen einfach jede Halle zum Kochen. In jüngster Zeit zunehmend durch riffgewaltigen Hardrock à la AC/DC – einer Gangart, die den Norwegern ausnehmend gut bekommt. Soli allerdings brauchen sie nicht, denn schnörkellos, laut und ungebärdig kommt Rock eben immer noch am besten. (peb)



Siehe auch:
Gluecifer (CD-Rezension)
Turbonegro (CD-Rezension)

The Hellacopters (CD-Rezension)


 Gluecifer: Royally Stuffed

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The Hellacopters: Good Night Cleveland
(2003, Island/Alive 8717056036090)

»The Hellacopters have earned two Gold Albums and a Grammy Award in Sweden. It's a different story in the USA ...«, so beginnt die Dokumentation der letzten zehn Tage der US-Tour. Wer jemals Vorurteile gegenüber Amis hatte, findet sie hier bestätigt, wie der Dialog zwischen Nicke und einem loyalen Fan zeigt: Auf sein »I love Sweden, man!« fragt ihn der Fronter, ob er denn schon mal da war. Er verneint, darauf will Nicke wissen, wieso er's dann lieben kann. Antwort: »Weil IHR von da kommt!« Sein Kumpel springt in die Bresche: »Ich war da! Als ich klein war … in den Alpen!« Yo man!

Wenn die Schweden nicht gerade mit Fans quatschen, spielen sie ihre eigenen Roadies, gehen einkaufen, schmieren Brote, waschen Wäsche, treten im Radio auf, würgen ekligen Fraß runter oder lassen sich für Musikzeitschriften auf einem Basketballfeld fotografieren. Die Kamera schwenkt manchmal im Blair Witch-Stil durch die Gegend, ab und zu hängt auch mal das Mikro ins Bild – egal: ROCK'N'ROLL! Von den eigentlichen Gigs kriegt der Zuschauer relativ wenig mit; kaum einen Song nehmen sie komplett auf. Dafür erfährt er beispielsweise, dass die Hellacopters-Originalbesetzung (mit Dregen) aus Ex-Entombed Drummer Nicke (»I miss the drums«) und drei Entombed-Drum-Roadies bestand.

Einen kleiner Gag am Rande bietet das Audio Menü in vier Varianten: Neben Stereo oder Mono gibt's eine mit Band-Kommentaren versehene sowie die "Spaghetti Western" Version ... nehmen die Jungs Drogen? Gesprochen wird auf Englisch/Schwedisch mit Untertiteln auf Englisch, Französisch und Deutsch. Ja, diese sind definitiv eine Erwähnung wert: Da gibt's »Hünchen« wie auf dem Schild einer Dönerbude, die norwegischen Kollegen heißen »Glucifer«, und der absolute Gewinner ist die Untertitelung des Lachens einer Tussi im Backstage: »Hihihahaha ...«.

Die Extras fallen etwas dürftig aus; neben »Outtakes« der jeweiligen USA-Shows findet sich als Rarität ein Mitschnitt vom Hultsfred 1996. Backstage rocken sie in der Originalbesetzung mit Dregen, der »Didn't Stop Us« singt, leider in miserabler Ton/Bildqualität. Wer also auf einen kompletten Konzertmitschnitt gehofft hat, ist hier falsch; wer aber einen Blick hinter die Kulissen werfen will, sollte sich das 114-minütige Spektakel auf jeden Fall gönnen. (nat)



Siehe auch:
The Hellacopters (CD-Rezension)

The Hellacopters: Good Night Cleveland

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HIM: Love Metal Archives Vol. 1
(2005, GUN/Sony BMG 82876690829)

HIM, eine der derzeit – vor allem in der weiblichen Teeniewelt – erfolgreichsten finnischen Rockexporte öffnet die Archiv-Pforten. Wenn das eher wahl- und lieblos als mit einem durchdachten Konzept gemacht wird, entsteht leicht der Einruck, hier wird ausgemistet und verramscht. Frelich klingen fünf Stunden Material erst einmal beeindruckend, aber wenn man sich durch alle 15 offiziellen Videos und 24 Live-Clips von sieben verschiedenen Bühnen gekämpft hat, fragt man sich: »Wozu«?

Der in den Studiofassungen mit Kompressoren und Limitern wie ein Heißluftballon aufgeblasene Sound zeigt zwar HIMs Talent für eingängige Melodiechen, kann aber nicht die billige Strickart der meisten Songs verhehlen. Die Entwicklung durch die Jahre 1998 bis 2004 enthüllt vor allem dreierlei: Erstens hat die Band an Bühnenpräsenz deutlich gewonnen. Zweitens hat Frontmann Ville Hermanni Valo mittlerweile endlich die alberne schwarze Strickmütze ausgemottet, nicht aber die Marotte abgelegt, Zigarette und Mikrofon mit einer Hand gleichzeitig möglichst cool halten zu wollen. Drittens nervt die Masche von Herzschmerz und morbider Todessehnsucht auf Dauer ganz gehörig.

Freilich haben Valo und seine Kumpanen im Laufe ihrer Karriere auch einige feine Songs zustande gebracht, aber die sind kaum berücksicht. Und so hinterlässt die DVD – trotz Bonusmaterial wie Alternativ-Videos, ursprünglich für Journalisten produzierte Electronic Press Kits und Live-Raritäten wie etwa dem Billy Idol-Cover »Rebel Yell« vom Provinssirock Festival – einen schlechteren Eindruck, als ihn die Band verdient hat.

Nett übrigens die Möglichkeit, sich die Clips entweder alphabetisch, nach Live- und Video-Fassungen oder chronologisch nach Alben sortiert anzusehen. Doch auch hier wieder ein Wermutstropfen: Die optisch ansprechende Benutzerführung ist teilweise entsetzlich umständlich. (peb)



Siehe auch:
HIM (CD-Rezension)


Zur Konzertkritik über HIM

 HIM: Love Metal Archives Vol. 1

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HIM: Poison Arrow
(2006, Chrome Dreams/In-Akustik CVIS392)

Diese DVD braucht nicht mal ein HIM-Fan – oder doch? Denn sie startet mit den Worten: »This film contains no music or performances by HIM«. Was enthält sie dann?

Nach einer ziemlich peinlichen Einleitung zu Finnland im Allgemeinen und Helsinki im Speziellen richtet die englische Sprecherin ihren Fokus auf HIM. Eine Stunde lang dürfen Menschen aus dem HIM-Dunstkreis, Fans inklusive, ihren Senf zu der finnischen Truppe abliefern – Neues erfährt ein Fan sicherlich nicht. Die Band flackert nur ab und zu als Hintergrundbild über den Bildschirm.

Das Ganze nennt sich dann »An unauthorised documentary film packed with exclusive interviews«, übrigens alles in mehr oder minder gutem Englisch ohne Untertitel. »POISON ARROW« krönt zu guter Letzt das Bonusmaterial: Ein »Kinder, habt Ihr auch gut aufgepasst«-Quiz mit 15 brillanten Fragen, sowie eine vollständige Discografie bis zum »DARK LIGHTS«-Album.

Und jetzt vergessen wir das Ganze ganz schnell wieder. (nat)



Siehe auch:
HIM (CD-Rezension)


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 HIM: Poison Arrow

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