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Lange Rezensionen 1 - 10 von 46 im Genre »Avantgarde« und Land »Finnland« (insgesamt 69)

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Mika Vainio: Fe3O4 – Magnetite
( 2012, Touch /Boomkat TO:86 )

Nach etlichen starken bis grandiosen Platten, solo und mit anderen, stellt sich bei »Fe3O4 – MAGNETITE« erst einmal eine kleine Ernüchterung ein. Wie, das soll es jetzt gewesen sein? Na ja, wer hätte vom Altmeister der Klangextreme auch ein HipHop- oder Dance-Album erwartet? (Hm... andererseits... das wär doch mal was.) Vainio geht seinen Weg stoisch weiter, und das bedeutet: Klangforschung im elektronisch-analogen Kosmos. In diesem (Grenz-)Bereich von Musik, der jedem Gelegenheitshörer als nicht allzu ergiebig scheinen wird, hat Vainio über geschätzte 30 Platten mehr ausprobiert und gewagt – und erreicht – als man sich vorzustellen gewagt hatte, zuletzt vorwiegend in Kollaborationen improvisierter Art. Auch leise Alben gab es bereits von ihm, und doch ist »MAGNETITE« überraschend spröde – bzw. wie die Inspirationsquelle Magneteisen unnahbar und metallisch glänzend; und erinnert erst einmal an Sounds zu einer Installation.

Aber doch, das passt, gerade auch im radikalen Kontrast zum vorhergehenden, humorigen Noise-Gitarrenalbum »Life« ist diese beatfreie, streckenweise sehr leise und bis zum atmosphärischen Flirren und Fiepen reduzierte (Anti-)Musik ganz und gar Vainios konstant hohem künstlerischen Niveau entsprechend. »Fe3O4« ist seine fünfte CD bei Touch – das sich zum 30jährigen Bestehen in letzter Zeit recht weit aus dem Fenster lehnt, in die Avantgarde-Ecke hinein – und damit fast eine Art Gegenüber zu Hildur Gudnadóttirs »LEYFÐU LJÓSINU«, in dem Sinne, dass zwei bislang relativ greifbare Musiker einen guten Schritt in die »Neue Musik«-Komposition und in die Reduktion ihrer Mittel machen, hier bis in Sinuswellen und Stille hinein. Auch zu den ersten Touch-Alben Thomas Köners und Jana Winderens ergeben sich spannende Beziehungen.

Nur selten, etwa im letzten Track, »Elvis' TV Room« (und Mika Vainio bleibt doch ein Schalk) kehrt der typische dröhnende Vainio-Noise wieder, wenn auch nur kurz. Krasse Platte, aber richtig gut. (ijb)



Mehr CDs von Mika Vainio



Siehe auch:
Jana Winderen
Hildur Guðnadóttir

Thomas Köner

Ø


Mika Vainio: Fe<sub>3</sub>O<sub>4</sub> – Magnetite

Offizielle Website

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Af Ursin: Aura Legato
( 2005, Blackest Ever Black BLACKESTCD012/-LP012 )

Eine seltsame Platte. »AURO LEGATO« besticht schon äußerlich durch ein ungewöhnliches Design, das keinerlei Aufschluss darüber gibt, welche Art von Musik sich hinter den vier Stücken verbirgt oder um wen es sich bei dem Künstler Af Ursin handelt. Das Londoner Avantgarde-Label Blackest Ever Black, bekannt geworden mit teils exzellenten Platten voller neuer Idee von Vatican Shadow und Prurient, Raime und Regis, deutet immerhin an, dass »AURO LEGATO« keine leichte Musik für die Massen sein wird.

Legt man die Scheibe auf, ist man erst einmal ratlos, in welcher Geschwindigkeit die Musik abgespielt werden muss. Als LP würde man 33rpm erwarten, doch was man dann zu Gehör bekommt, klingt derart verschleppt und zeitlupenartig ambientmäßig, dass eine Recherche im Internet doch für 45rpm spricht. Dort findet man auch heraus, dass sich hinter dem Pseudonym Af Ursin der finnische Klangkünstler Timo van Luijk verbirgt, der in mehreren Gruppen und Projekten in Belgien aktiv ist, wo er seit langem lebt und die LP bereits 2005 über sein eigenes Label La Scie Dorée veröffentlicht hat, bevor sie Kiran Sande auf seinem Imprint 2016 neu verlegte, nun auch als CD. Ebenso gut hätte »AURO LEGATO« bei Erik Skodvins Miasmah erscheinen können, denn dort würden sich die dunklen, so vielschichtigen wie ungreifbaren Ambient-Kompositionen bestens zwischen artverwandten Kollegen wie Kreng, Marcus Fjellström, Juv und Simon Scott einfügen.

Auch wiederholtes Hören lässt allenfalls mutmaßen, welche Klangquellen van Luijk für seine entrückten Collagen verwendet, die Titel »Rêverie En Mineur«, »Capsule Détachée« und »Tableau Fluide« können einen besseren Eindruck von der amorphen Klangwelt vermitteln als bemühte Beschreibungen. Was Af Ursin hier gestaltet, kann man ebenso als Musique Concrète wie als experimentell-minimalistischen Neofolk bezeichnen; auf jeden Fall ist es stimmungsvoll und verströmt einen abgründigen, surreal-persönlichen Zauber jenseits markanter Stilistik, sehr vergleichbar mit Alben von Ingenting Kollektiva, Utu Lautturi und Multicast Dynamics. (ijb)



Siehe auch:
Marcus Fjellström
Multicast Dynamics

Utu Lautturi

Ingenting Kollektiva


 Af Ursin: Aura Legato

Audio-Link Offizielle Website

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AGF & Various: Kuuntele
( 2013, AGF Producktion 017 // 880918216225 )

Mit »KUUNTELE« zeigt Antye Greie (bzw. Greie-Ripatti) alias AGF (das »F« ist noch aus der Zeit geblieben, als sie Greie-Fuchs hieß), dass sie ganz in ihrer finnischen Wahlheimat angekommen ist. Gemeinsam mit »Vladislav Delay« (Sasu Ripatti) lebt sie seit ein paar Jahren auf der etwas abgelegenen Insel Hailuoto, die aus deutscher Perspektive fast am Polarkreis liegt. Natur, Wetter, Jahreszeiten, Temperaturen bekommen dort jedenfalls eine ungleich prägnantere Relevanz als in Berlin, wo sie mehr als zehn Jahre wohnte und mit Künstler(inne)n wie Eliane Radigue und Ellen Allien arbeitete. Gleichzeitig, sagt sie, erinnere sie vieles in Finnland an ihre Kindheit in Ostdeutschland, wo sie 1969 geboren wurde.

Das Tolle an »KUUNTELE« (finnisch »zuhören«) ist allerdings, wie AGF mit diversen finnischen Vokal-Gästen ihre bisherige Diskografie zwischen Klangkunst und Musik souverän fortschreibt und weiter auslotet. Sie nennt sich »poem producer« und verdichtet wie auf ihrem vorigen Album »Gedichterbe«, aber ansonsten auf unvergleichliche Weise, elektronische Elemente mit Sprachfragmenten zu einer nahtlosen Collage aus inneren Stimmungsbildern, teils schroffer abstrakter Elektronik und mehr oder weniger greifbaren Texten.

Die Gedichte entstanden zwischen 1683 (Maria Simointytär) und 2010, dem Jahr, in dem Juha Rautio »Kuuntele« schrieb, das der Autor hier selbst rhythmisch, staccato vorträgt. Auch über die Grenzen Finnlands hinaus ist Eino Leino (1878–1926) bekannt geworden, dessen »Sinisten Risti« (»Blue Cross«) von Rapper/ Spoken Word Artist Matti P. ganz zeitgemäß interpretiert wird. AGFs Elektronik fasziniert stets durch ein Eigenleben, tritt in Dialog mit den Texten, unterstreicht oder kontrastiert sie geräuschhaft, ambient, klangschön oder dissonant. Ein radikal faszinierendes Album. Höchst bereichernd und anregend ist auch der Text im Beiheft. (ijb)



Siehe auch:
A-Symmetry
Lau Nau

Islaja

Ripatti / Vladislav Delay


 AGF & Various: Kuuntele

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Pekka Airaksinen: Mahagood
( 2008, N&B Research Digest NBRD-12DD )

Pekka Airaksinen ist ein Urgestein des finnischen Undergrounds. In den 60ern mischte er mit seiner Band The Sperm Musikgeschmack und Performancekultur auf; gleichzeitig gilt er heute als ein Pionier der experimentellen elektronischen Musik in Skandinavien. Dieses Album zeigt, warum – denn der Pionier hat auch heute noch was zu sagen. Vor allem die Art und Weise, wie er das tut, ist beeindruckend. Airaksinen sampelt seine musikalische Sozialisation: Elektronische Musik aus den 50ern, als Technik und Klang noch in den Kinderschuhen steckten, und Jazz aus derselben Zeit.

Das Ergebnis ist psychedelisch: Die Jazz-Samples rotieren nervös mit einer falschen Fröhlichkeit. Die Elektroakustik-Samples ähneln eingefrorenen Kristallglassplitter-Wolken, bei denen sich jeder Splitter in tausend anderen spiegelt. Über alle neun Tracks kehren bestimmte Floskeln, zunehmend dekonstruiert, wieder – so wie das Pferdchen auf einem quietschenden 50er-Jahre-Kinderkarussell. Das alles ist zeitlich so perfekt aufeinander abgestimmt und die Samples mit so feinem Gehör ausgesucht, dass dahinter nur eine Meisterhand stecken kann. Was sie ja auch tut. (sep)

Pekka Airaksinen: Mahagood

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Avertere: Anna-Karin Korhonen & Avertere
( 2008, Plastinka PLACD 058 )

Das ist eines dieser Alben, die bei jedem Durchlauf neue Details offenbaren – aber auch eines dieser Alben, die dazu verlocken, die Gedanken abschweifen zu lassen. Eins dieser Alben, die so unaufdringlich klingen, dass sie immer wieder drohen, der Aufmerksamkeit zu entgleiten. Meditativ, ja schon fast hypnotisch lullen die neun Stücke den Hörer ein.

Eine knappe Stunde musizieren die Komponistin/E-Kantele-Spielerin Anna-Karin Korhonen und ihre drei Mitstreiter fast rein instrumental: Um den Gesang der Geigerin Suvi Oskala oder der Akkordeonistin Meri-Tuuli Saarnio wahrzunehmen, muss der Musikfreund schon sehr genau hinhören. Bei Avertere dominieren die Instrumente; in erster Linien die E-Kantele, ergänzt durch wohldosierten Akkordeon-/ Geigeneinsatz und dezentes Schlagzeugspiel / Perkussion. Die Melodien streifen Weltmusik, Pop und Jazz, garniert mit ein paar Funktupfen. Wer seine Ohren mit schubladenfreien Klängen erfreuen will, der gönne ihnen dieses feine Scheibchen Ethno-Jazz-Kantele-Pop. (nat)

 Avertere: Anna-Karin Korhonen & Avertere

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Alexei Borisov & Anton Nikkilä: Where Are They Now
( 2007, N&B Research Digest NBRD-08 )

Die Texte des Russen Alexei Borisov, gelesen mit schleppender Grabesstimme, sind ziemlich dada – Namen und Daten, wirre Bilder, Notizenfetzen. Die elektronischen Klänge des Finnen Anton Nikkilä sind das musikalische Pendant dazu. Kein Wunder also, dass die beiden, die sich einst bei einem Interview kennenlernten, nun gemeinsam Musik machen.

Obwohl, Musik: naja. »Akustische Kunst« sollte man dieses Wüten verzerrter und überlastet knirschender Gitarren, Schlagzeuge, Samples vielleicht eher nennen, die die beiden noch mit einigem Rest- und Störgeräusch anreichern, das schmerzhaft nach kaputtem Gerät klingt. Und doch ist das alles musikalisch, weil strukturiert, komponiert, improvisiert. Unter seltsamen Titeln wie »Automated Management System For The Seafood Industry« ballen sich die Noisemassen wie von selbst zu Beats, die plötzlich beinahe lässig sind.

Aus geschredderten 50er-Swing-Loops steigt so etwas wie ein Hauch Melancholie auf und geht unverhofft ans Herz. In diesem Track, »Metaphysics Of Swing«, sagt Borisov (wie man in der Übersetzung nachlesen kann) Sachen wie »The nature of vocal pop is always different. Sound of glass, ignition is possible«. »Achtung entflammbar« also – wer sich als Hörer auf die unverwechselbare Ästhetik des Duos einlässt, könnte tatsächlich Feuer fangen. Vor Begeisterung. (sep)



Mehr CDs von Alexei Borisov & Anton Nikkilä

Alexei Borisov: Where Are They Now

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Candy Cane: Fay-ra-Doowra
( 2007, Jukeboss JUKE010 )

Endlich liegen sie in meinem Player, die von Lapko wärmstens empfohlenen Candy Cane. Und ja: Dieses Quartett klingt wirklich ganz anders. Extravagant vermischt es auf »FAY-RA DOOWRA« verschiedenste Klänge: Ein bisschen Noise hier, ein paar Punkrhythmen dort, ein paar gequält, seltsam verzerrt wirkende Gastbläser, alles zertrümmerndes Schlagwerk, zartes Glockenspiel, flinke Finger hetzen furios übers Klavier. Den Gesang dosiert Fronter Marko Neuman (Gitarre, Perkussion, Keyboard) äußerst sparsam, in manchen der Dutzend Lieder unterstützt ihn ein Mikrogrunzer oder eine Gastsängerin, die zwischen ihren Klargesang gelegentliche Jauchzer à la Agnete Kjølsrud (Animal Alpha) mogelt.

Der 1995 in Tampere gegründeten Gruppe samt Gästen gelingt trotz diesem avantgardistischen Gemenge ein majestätisches, orchestrales Gesamtwerk. Knappe 38 Minuten dauert das zweite Album von Neumann, Gitarrist/Bassist Tomi Isoviita, Gitarrist Miikka Salonen sowie Schlagzeuger Raine Näsi – aber die haben es in sich. Eine unglaubliche Fülle von Instrumenten – zu den bereits genannten gesellen sich gelegentlich Posaune, Mandoline, Saxofon, Cello –, Effekten, Details, und versteckten Melodien fordert des Hörers ganze Aufmerksamkeit. Und genau dieses anspruchsvolle Wesen wird Candy Cane vor dem Schicksal ihres Namensgebers bewahren: Wie die rotweißen Zuckerstangen der Massenproduktion zum Opfer zu fallen. (nat)



Siehe auch:
Lapko
Split (Verilöyly, Navigatios, Cahier)

Animal Alpha


 Candy Cane: Fay-ra-Doowra

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Cleaning Women: Aelita
( 2004, BV-9 )

Die Cleaning Women sind bekannt als Männer in Minirock und Strumpfhosen, für ihre selbstgebauten Instrumente wie Metall-Schlagzeug und in Wäscheständer eingeschweißte Gitarrenhälse, sowie für entsprechend schräge Musik. Für »AELITA« haben sie sich von Jakov Protazanovs (Soviet Union 1924) gleichnamigem Science Fiction-Stummfilm inspirieren lassen.

Das Ergebnis kommt als kuriose Mischung aus Industrial, tanzbarem Pop, Metal und schrägem Humor daher. Sphärenklänge wie bei Roger Corman oder Ed Wood treffen auf herrlich sinnfreien Krach, Theremin-Gefiepe und Geschepper. Kinderliedartige Melodien kontrastieren mit verschrobenen Harmonien und metallenen Latin-Rhythmen. Als Höhepunkt wäre »Hotel Jungle Fever« mit Dancefloor-Hitpotential zu nennen: Davon findet man auf der CD auch ein Video; außerdem einen Ausschnitt von »Aelita«. »Intergalactic Industrial Techno Rock« – skurril, witzig, abwechslungsreich und auf hohem Niveau. (tjk)

 Cleaning Women: Aelita

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Ektroverde: Arpeggio
( 1999, Bad Vugum BAD-87CD )

Dass die Grenzen zwischen Krautrock, Jazz, elektronischen Klängen und psychedelischen Klangerkundungen fließen können – Ektroverde aus der Instrumentalrock-Hochburg Pori zeigen auf ihrem fünften Album »ARPEGGIO« entspannt und experimentierfreudig, wie das geht. Herausgekommen sind elegant-coole, großstädtisch wirkende Songs, die sich bestens als Chill-Out für die ganz frühen Morgenstunden eignen, wenn sich der Club langsam zu leeren beginnt.

Jazzige Klavierimprovisationen werden mit Synthieklängen kontrastiert, ein selbstbewusster Bass und ein intelligent-präzises Schlagzeug geben das Grundgerüst vor, die Gitarre geht auf Abenteuersuche und klingt zwischendurch wie ein Dudelsack. Akkorde werden mit kleinsten Veränderungen wiederholt – und die Möglichkeiten der Improvisation scheinen unerschöpflich. Was kaum verwundert, da Ektroverde ein sich häufig veränderndes Musikerkollektiv ist, in dem aber die Hauptakteure von Pharaoh Overlord und Circle wie Jussi Lehtisalo prägend sind. Ziemlich spacig, aber sehr dynamisch und – Überraschung! – äußerst tanzbar. (emv)



Mehr CDs von Ektroverde



Siehe auch:
Pharaoh Overlord
Circle

Moon Fog Prophet


 Ektroverde: Arpeggio

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ES: Kesämaan Lapset
( 2009, Fonal Records FR-64 )

Sami Sanpäkkilä ist nicht nur der Mann hinter Fonal Records, einem der derzeit eigenwilligsten und innovativsten Labels in Skandinavien. Er ist gleichzeitig ein Film- und Videokünstle, der wegen seines sehr anderen Blickes respektiert wird. Sami Sanpäkkilä ist aber auch Musiker, der sich wie alle auf seinem Label versammelten Künstler – wie etwa Paavoharju oder Eleanoora Rosenholm – nur schwer verorten lassen will. Mit ES, seinem Soloprojekt, legt er mit »«KESÄMAAN LAPSET« (übersetzt: Kinder des Sommerlandes) bereits seine fünfte Veröffentlichung vor. Experimenteller Ambientpop, bevölkert von Waldgeistern und verhuschten Schatten. Endlose Drones, statisches Geknister, ein verlorenes Piano, schüchterne Synthies, folkige Frauenstimmen. Nur um die Richtung anzudeuten, in die es hier geht. Wer sentimentale Reminiszenen an ein verlorenes Kinderparadies erwartet, liegt völlig falsch. Und sommerlich wird es hier nicht. Eher herbstmelancholisch.

Der Titeltrack etwa ist eine über 20-minütige, rein instrumentale Meditation über Schwerelosigkeit und Traurigkeit, die einen Filmsoundtrack für Tarkowskij abgeben könnte. Sami Sanpäkkilä liebt die Andeutung. Er liebt das Hakenschlagen und die abrupten Richtungswechsel und eine harsche Zärtlichkeit. Er liebt das Abdriften in elektronische Fallgruben, das lustvolle Verfremden der traditionellen finnischen Waldbesessenheit. Und die klassische Klavierromantik. Fassen lässt er sich nicht, dieser Mann. Aber erahnen. Als Mensch mit abgründigen Sehnsüchten, der in seiner sehr eigenen, eigentümlichen Klangwelt lebt. (emv)



Siehe auch:
Paavoharju
Eleanora Rosenholm


 ES: Kesämaan Lapset

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