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Lange Rezensionen 1 - 10 von 18 im Genre »Avantgarde« und Land »Island« (insgesamt 34)

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Amiina: Puzzle
( 2010, Amiina Music)

Einmal Elfen, immer Elfen? Nein, so einfach ist die Sache nicht. Dinge verändern sich. Amiina schwelgen auf ihrem zweiten Album »PUZZLE« zwar weiterhin in nebelverhüllten Gegenwelten, in denen sich eigenwillig-handgemachte Instrumentierung und selbstbewusste Wildweibchen-Schrulligkeit die Hände reichen. Aber die koboldinnenhafte Streicher-Versponnenheit ist den vier Damen längst ein zu enges Bühnenkostüm geworden. Amiina lassen sich von zwei neuen, männlichen Mistreitern inspiereren, die bezeichnenderweise Schlagzeug und den Elektronik-Spielkram bedienen und brechen auf in Richtung Kammerpop. Mit der Betonung auf Pop. Popsong mit Refrain! Eine ähnliche Entwicklung haben auch die Seelengefärten Sigur Rós unlängst vollzogen. Deren langen Atem man hier immer wieder spüren kann.

Ihre fragile Flüchtigkeit haben Amiina als Sextett bewahrt. Gewonnen haben sie an Dynamik und Struktur. Dass sie den Zauberkasten elektronischer Blubbereien entfesselt haben, eröffnet neue Möglichkeiten für spielerische Experimente. Amiina sind bereit für das Unerwartete, wie es im vielleicht schönsten Song »Over And Again« heißt. Spieluhren leiern, Windharfen jammern. Eine lächelnde Harmonie hängt über diesen neuen Schwurbeleien. Aber am stärksten ist »PUZZLE« in den eher experimentellen Instrumentalstücken, die ohne Ziel und Absicht schlendern. (emv)



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Siehe auch:
Sigur Rós
Jonsi

Nordic Affects


 Amiina: Puzzle

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Hafdís Bjarnadóttir: Íslandshljóð | Sounds of Iceland – field recordings
( 2015, Gruenrekorder Gruen 157 )

Auch wenn Hafdís Bjarnadóttir zuerst Musikerin ist, – die Isländerin machte sich als Jazzgitarristin einen Namen, bevor sie jüngst auch als Komponistin in Erscheinung trat – als »Nordische Musik« ist ihre CD »ÍSLANDSHLJÓЫ nur mit einer sehr offenen Ausdeutung des Begriffs »Musik« zu bezeichnen. Da landet man sofort bei Pierre Schaeffer bzw. der »Musique concrète«, und Kategorien wie »Songqualität« und »Interpretation« sind hier total inadäquat. Soweit die 42 Minuten lange Kompilation aus Field Recordings isländischer Natur, die Hafdís zwischen 2009 und 2013 an verschiedenen Orten der Insel aufgezeichnet hat, zu beurteilen sind, wurde nicht verfremdet oder verändert, allenfalls wurden einzelne Tonaufnahmen von zumeist einer bis maximal vier Minuten Länge zu sieben »Suiten« montiert.

So zeichnet »ÍSLANDSHLJÓÐ | Sounds of Iceland« eine akustische Rundreise durch sieben verschiedene Regionen Islands. Dabei ist wesentlich, dass es sich ausschließlich um natürliche Klänge handelt, fernab menschlicher Zivilisation. »Highland Plateau« ist das einzige Stück, das aus nur einem Tonfragment besteht, nahe dem (aktiven) Vulkan Laugarfjall. Man hört recht nah am Mikrofon einen einsamen Vogel rufen, etwas Raunen des Windes (evtl. ist es auch ein Geysir), dann antwortet ein zweiter Vogel in der Ferne, dann womöglich ein dritter, der Wind rauscht... und schon ist das Stück nach kaum zwei Minuten schon wieder zu Ende.

Nicht alle Aufnahmen erzählen solche Geschichten; häufig ist das Plätschern von Gletscherwasser oder das Donnern von Wasserfällen zu hören, verschiedene Geysire, heiße Quellen... und immer wieder auch Vögel, die interessantesten Mitwirkenden dieser Natur-Tour. Schade nur, dass diese interessanten Vögel nicht weiter erläutert oder mit Fotografien in dem ansonsten sehr eindruckvollen Beiheft vorgestellt werden; so erfährt man leider nicht wirklich viel. Auch hätten die Ausschnitte fast durchweg sehr gerne länger sein können. Bei einem solchen offen unkommerziellen »Liebhaber-Produkt« hätten die 24 Fragmente locker auf 70 oder 75 Minuten ausgedehnt sein dürfen. (ijb)



Mehr CDs von Hafdís Bjarnadóttir



Siehe auch:
Nordic Affects
Heike Vester


Hafdís Bjarnadóttir: Íslandshljóð | Sounds of Iceland – field recordings

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Calder: Lower
( 2008, Make Mine Music MMM052 )

Verträumt, sphärisch, mystisch, mit Mut zu großer Linie, zu Melodie und gleichzeitig zu seltsamen Arrangements: So mögen wir zeitgenössische Avantgarde-Musiker. Was Calder, das Duo aus Lárus Sigurðsson and Ólafur Josephsson, hier präsentiert, reicht aber leider gar nicht an Leute wie Jóhann Johhansson oder auch Stafrænn Hákon heran – obwohl doch Letzterer niemand anderes ist als Josephsson selbst.

Lower ist ständig auf (und manchmal weit jenseits) der Grenze zur Entspannungsmusik, wie sie gern in Solarien oder als Unterwasserbeschallung in Thermalbädern eingesetzt wird. Die Tracks plätschern dahin, vermeiden jeden Haken, jeden auch im entferntesten anstößigen Klang, jedes Spannungselemt also. Der Gesamteindruck bleibt süßlich, man fühlt sich am Gehörten leicht überfressen und seiner überdrüssig. Das ist wirklich schade – dann lieber Stafrænn Hákons »GUMMI« hören, ein so fesselndes, wunderschönes Album, dass man darüber dieses hier getrost vergessen kann. (sep)



Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson
Stafræn Hákon


 Calder: Lower

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Hildur Guðnadóttir: Leyfðu Ljósinu
( 2012, Touch TO:90 / TO:90USB )

Kann die Meinung von einem, der schon die bisherigen (Solo-)Alben von Hildur Guðnadóttir als zu simpel und überschätzt beurteilt, wohl rechtes Gewicht haben, wenn es nun um ihr neues, noch viel einfacher angelegtes Werk geht? Dieses schlägt, das ist schon mal positiv, einen neuen Weg ein, und die Überraschung kommt gleich zu Beginn: Guðnadóttir hat György Ligetis irrlichterndes »Lux Aeterna« neu aufgenommen, als Interpretation mit Cello und Drones. (Für die Nicht-Spezialisten sei erläutert: »Lux Aeterna« erlangte große popularkulturelle Berühmtheit in der Szene in Stanley Kubricks »2001«, wenn der Moon Bus geräuschlos dahinschwebt.) Und in der Tat: »LEYFÐU LJÓSINU« heißt übersetzt so viel wie »Lass das Licht zu«; der Bezug zu Ligeti kommt also nicht von ungefähr.

Die mittlerweile Dreißigjährige wagt weitere Schritte ins »ernste neoklassische Fach«. In dieser Hinsicht schreibt ihr neues Album, das nicht nur als Stereo-CD, sondern auch als Multikanal-Version auf einem 2GB-USB-Stick in von der Künstlerin handgefertigem Papiercover erhältlich ist, das Duo mit Hauschka fort. Doch »LEYFÐU LJÓSINU« ist sperriger, ein vierzigminütiges Avantgarde-Stück für Cello, Stimme und Elektronik, das Guðnadóttir im Januar 2012 im Music Research Centre der Universität New York aufgenommen hat; allein und ohne Overdubs, muss betont werden. In ihrem Minimalismus und der Melodieführung näher an Ambient als an »Neoklassik«, erinnert das Werk an Akustik&Drone-Musik von Nico Muhly oder Machinefabriek mit Aaron Martin. Oder aber an den ebenfalls eher dronig ambienten Impro-Minimalismus des Trios »Microtub«.

Hildur Guðnadóttir will es offenbar niemandem recht machen, sondern Music Research betreiben. Wem soll man »LEYFÐU LJÓSINU« also empfehlen? Sicher weniger jenen, die bei »Mount A«, »Without Sinking« oder bei Wohlfühlambient leuchtende Augen bekommen, als Freunden anspruchsvoller Grenzgänge. (ijb)



Mehr CDs von Hildur Guðnadóttir



Siehe auch:
Angel
Hildur Guðnadóttir & Hauschka

Nordic Affects

Jana Winderen


Hildur Guðnadóttir: Leyfðu Ljósinu

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Hildur Guðnadóttir & Hauschka: Pan Tone
( 2011, Sonic Pieces /Morr Music / Anost SP012 )

Wohin nur mit dieser CD? »Pop« ist sie wohl leider nicht, »Klassik« und »Jazz« ebenso wenig. Sowohl der Pianist Volker Bertelmann alias Hauschka als auch die Cellistin Hildur Guðnadóttir sind zwar oft in der elektronischen Musik aktiv, doch »Beats« gibt es hier keine. Für die Schublade »Avantgarde« wiederum gründet ihr Duoalbum zu sehr auf Tradition und Eingängigkeit. Mehr Klassik als Pop – oder mehr Pop als Klassik? »PAN TONE« müsste man vielleicht am ehesten beschreiben als eine Kreuzung aus Suite und langer Sonate für Cello und Piano, bereichert um den Gestus einer höchst zeitgenössischen und so warmen wie minimalistischen Elektronik. Häufig findet man dafür die Bezeichnung als »New Composition«, »(Alternative) Ambient« oder »Indie Electronic« (vgl. Jóhann Jóhannsson oder Valgeir Sigurðsson).

Hauschkas Alben, obgleich zumeist im »New Age«- oder »Club Music«- Regal einsortiert, stehen zudem klar in der kompositorischen Tradition von Satie und John Cage, nicht zuletzt wegen seines Fokus aufs präparierte Piano. Und da ist die Grenze zum banalen Poesiealbumsgeklimper nicht selten schmal. Ähnliches konnte man überdies Guðnadóttirs bisherigen Veröffentlichungen entgegenhalten, ob solo oder etwa beim Trio »Angel«. Am eindringlichsten ist ihre Mitwirkung an »Katodivaihe«, der vorletzten CD von Pan Sonic, geblieben. In »PAN TONE« also, dieser live aufgenommenen Begegnung der beiden, entsteht nun ein so eigener, starker und auch fern jeglicher Oberflächlichkeit angesiedelter Kosmos, der das beste aus ihrem jeweiligen Schaffen zusammenführt. Der Pianist und die Cellistin gehen eine derart zwingende homogene Verbindung miteinander ein, dass die Frage aufkommt, warum denn bislang keine gemeinsamen Werke zu hören waren. Und man hofft, sie mögen doch bitte noch ganz viel Zeit miteinander verbringen, gerne weitere CDs miteinander eispielen – und dieses Niveau unbedingt auch in andere Zusammenarbeiten weitertragen, ausloten und gerne auch weiter variieren.

Sonic Pieces veröffentlicht dieses Album in limitierter Erstauflage von 450 handgemachten gebundenen CDs und 350 LPs, zu bestellen am besten direkt über die Label-Website: www.sonicpieces.com (ijb)



Siehe auch:
Pan Sonic
Jóhann Jóhannsson

Valgeir Sigurðsson

Hildur Guðnadóttir


Hildur Guðnadóttir: Pan Tone

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Gerður Gunnarsdóttir & Claudio Puntin: Ylir
( 2001, ECM /Universal 8001749 )

»Die Essenz des Nordens« herzustellen haben sich der Schweizer Klarinettist Claudio Puntin Gerdur sowie die Geigerin und Vokalkünstlerin Gerður Gunnarsdóttir vorgenommen und dafür zwei Jahre gebraucht. Beide experimentieren schon seit längerem an den Rändern von Klassik, Folk und Jazz: Puntin spielte u.a. bei Fred Frith, Gunnarsdóttir als erste Geigerin beim Isländischen Sinfonie Orchester.

Vielleicht etwas aufschreckend geht »YLIR« (»Winter«) los, mit grellen, sägenden Geigensequenzen. Doch dann setzt Gunnarsdóttirs Stimme ganz eigene Akzente, erhebt sich wort-, aber eben nicht klanglos. Es folgen kurz-prägnante Stücke, vermischt mit Folk-Zitaten und Klezmersprengseln. Zuweilen steht man kurz vorm Tanzlied, das dann doch wieder Platz macht für ergreifende sinfonische Landschaftsmalereien, für minimale Variationen des Zwiegesangs von Violine und Klarinette. Höhepunkte sind mit Sicherheit die Vertonung eines Laxness-Gedichts nach Jón Nordal – ein weitherziges, von mildem Gesang getragenes Stück – und die Adaption eines traditionellen isländschen Schlafliedes für ein verlassenes Baby. Und man merkt, dass es im Norden sehr warm und sehr kalt sein kann. (frk)

Gerður Gunnarsdóttir: Ylir

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Bjarni Gunnarsson: Processes & Potentials
( 2013, 3LEAVES 3L025 )

Ambient-Noise (oder Noise-Ambient) aus Island bekommt man (leider?) nicht alle Tage zu Gehör. Überhaupt scheint in Skandinavien dieses Genre nur wenige Vertreter hervorgebracht zu haben. Bjarni Gunnarsson aus Reykjavik gelang es direkt mit seinem ersten Soloalbum, der Kollektion »Safn 2006-2009« in der Szene auf sich aufmerksam zu machen. Mit dem zweiten allerdings setzt er mehr als einen starken Akzent – »PROCESSES & POTENTIALS« kann überzeugend mit den Großen des Genres mithalten, vor allem mit dem Werk Mika Vainios alias Ø, der im aktuellen Jahr gleich drei höchst unterschiedliche Alben veröffentlichte.

Ganz so in die stilistische Breite wie der finnische Kollege geht Gunnarsson freilich nicht. Seine knapp fünfzig Minuten dichte CD besticht gleichwohl durch eine starke eigene Haltung und Sprache. Auch wenn die Klangbilder teils scharf und aggressiv auftreten, beeindrucken die sechs Tracks durch eine eigenartig souveräne innere Ruhe und weit fließende dramatische Bögen. Beats (wie etwa bei Pan Sonic oder Vainio) kommen quasi gar nicht erst vor, aber aus der zwischen den Polen Ambient und Noise entstehenden Dynamik hinterlässt das Album dennoch einen solchen Eindruck.

Das Album erscheint in einer teils handgemachten Edition bei Ákos Garais 3LEAVES-Label, das sich auf die Fahne geschrieben hat, Künstler zu unterstützen, die sich durch eine »gewisse Sensibilität gegenüber ihrer Umgebung« auszeichnen und ihr Verhältnis zu dieser Umwelt erforschen, in Form von Musik zwischen Sound Art und Field Recordings. Klingt intellektuell, und Gunnarsson kann mit seinem Ansatz mühelos einer solchen geistigen Anforderung standhalten; seine musikalischen Ergebnisse sind allerdings auch ohne jeden Wissenshintergrund eindringlich zu genießen, jedenfalls wenn man mutige intuitive Stile schätzt und sich gerne aus der Komfortzone herauslocken lässt. (ijb)



Mehr CDs von Bjarni Gunnarsson



Siehe auch:
Mika Vainio (Ø)
Juv

Pjusk

John Hegre


Bjarni Gunnarsson: Processes & Potentials

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Thibault Jehanne: Eskifjörður
( 2014, ingeos /ingeos.org kaon se14 )

Eskifjörður ist ein isländischer Fischerort, abgeschieden auf der Westseite der Insel. Der 25-jährige Klangkünstler Thibault Jehanne reiste in die menschenleere Gegend, um einen »Film ohne Bilder« zu machen, wofür er natürlich Field-Recordings sammelte. Dementsprechend sind zu hören: Meereswellen und vorbeifahrende Autos, spielende Kinder, diverse Arbeitsgeräusche und sprechende Personen... und nach und nach merkt man, dass Jehanne aus diesem Material eigene Klangcollagen modelliert hat, die sich von Naturalismus verabschieden.

Anzunehmen, dass der Sound-Artist elektronische Bearbeitungen vorgenommen hat, ganz eindeutig festzumachen ist das nicht. Könnte ja auch sein, dass alle Elemente durch altmodische Effektgeräte und Mischinstrumente geschickt wurden, wie es früher etwa Alan Splet und David Lynch zur Perfektion getrieben haben. Deren Frühwerk, wie vor allem ihr Film (mit Bildern) »Eraserhead« kommt einem da zuverlässig in den Sinn. Auch der ist ja mittlerweile als »normale« LP (ohne Bilder) mit zwei langen Sound-Environments wiederveröffentlicht und damit einer neuen Generation von Ambient- und Avantgarde-Musikern in frischer Qualität zugänglich gemacht worden. Entsprechend fügt sich »Eraserhead« heute kommod in die Dark-Ambient-Szene ein. Nicht ganz so eindringlich und dicht ist dieses dreiteilige »Eskifjörður«, gliedert sich jedoch auch gut ein. Ist es da noch wichtig, dass die Aufnahmen aus der Abgeschiedenheit Islands stammen? Das muss der Künstler selbst beantworten. (ijb)



Siehe auch:
Jana Winderen

Thibault Jehanne: Eskifjörður

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Jóhann Jóhannsson: Fordlandia
( 2008, 4AD CAD2812CD )

Fordlândia ist ein einziges Missverständnis. Mitten im brasilianischen Regenwald gelegen, wurde die Kleinstadt rund um Kautschukplantagen aus dem Boden gestampft, um Gummi für die Automobilindustrie zu gewinnen. Der unfruchtbare Boden, die Ahnungslosigkeit der ausländischen Investoren und die mürrischen Arbeiter machten dieses Unterfangen aber zu einem Fiasko. Aufstände wurden brutal niedergeschlagen, bis Naturkautschuk überflüssig wurde und die Stadt ihrem Verfall preis gegeben wurde.

Johánnssons Klänge vertonen auf eine sublime Art diese Tragödie, sind vage Andeutungen und offensichtlicher Pomp zugleich. Gänzlich unaufgeregt nimmt dieses instrumentale Album Fahrt auf, mit ausladenden Streicherflächen, die nur mit wenig digitalen Störgeräuschen eine bedrückende Stimmung evozieren. Traurigkeit, Tristesse und subtile Ahnungen begleiten das Eintauchen in die karge Welt des Isländers, der viel von seiner Arbeit als Soundtrack-Komponist auch zu diesem Werk mitgenommen hat. Dabei verfällt er auch gerne einmal überaus kitschige spätromantische und impressionistische Klischees oder wartet mit sakralem Orgelpfeifen auf, was dieser Platte aber eine zusätzliche Dimension der Intimität und inneren Ruhe verleiht. Es geht um das bewusste Innehalten, das konsequente Zuhören und um die Empfindung, die in der heutigen Zeit immer mehr der Abstumpfung unterliegt. »FORDLANDIA« ist ein einziger ruhiger Fluss, der viele Elemente der Klassik auf sich vereint und doch in seiner Komplexität eher überschaubar bleibt. Nur manchmal gibt wie bei »The Rocket Builder (Io Pan)« ein schwereloser Beat Halt und erinnert den in entfernten Kosmen schwebenden Kopf daran, dass diese Musikwatte ein einziger Glücksmoment ist. (maw)



Mehr CDs von Jóhann Jóhannsson



Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson Filmmusik
Erik K. Skodvin aka Svarte Greiner

Evil Madness

BJ Nilsen


Jóhann Jóhannsson: Fordlandia

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Kippi Kaninus: Temperaments
( LP, 2014, Mengi MENGI02LP )

Neun Jahre sind eine lange Zeit, in der sich die Musikwelt sehr verändert hat. So erscheint, neun Jahre nach »Happens Secretly«, Guðmundur Vignir Karlssons drittes Album »TEMPERAMENTS« nun direkt, zeitgemäß auf Vinyl, beim engagierten Kunstmusik- und Jazzlabel Mengi. Kunst auch deshalb, weil schon die Covers bei Mengi den Kauf wert sind. Dass Kippi Kaninus' nach zwei Solo-CDs sein höchst eigenwilliges Ensemblewerk mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussions und Posaune/Thranophon eingespielt hat, geht bei der verrückt-extravaganten, computerisierten Soundästhetik fast ein wenig unter.

Doch da passt der LP-Titel wiederum hervorragend: Temperamentvoll sind diese polyrhythmischen, überaus charmant ambitionierten Avant-Popjazz-Nummern ohne Frage. Kippis Musik wird beschrieben als: schnell, langsam, theatralisch, absurd, schön und fröhlich. Warum verkomplizierten? Überhaupt steht Kippi die Band hervorragend; ihre Mitglieder sind in Island verdiente Jungs aus scheinbar grundverschiedenen Kontexten, darunter der Gitarrist Pétur Þór Ben(ediktsson), der jüngst mit dem Alvaret Ensemble in Erscheinung getretene Blasmusiker Ingi Garðar Erlendsson und Sugarcubes-Percussionist Sigtryggur Baldursson. Und die hyperaktive Musik dieser ausgeflippt kontrollierten Band hat es in sich: Verrückte Anti-Popmusik zwischen Animal Collective, ihrem finnischen Pendant Kemialliset Ystävät oder den nicht weniger abgedrehten Evil Madness, versetzt mit einer feinen Krautrocknote. Tolle Scheibe. (ijb)



Mehr CDs von Kippi Kaninus



Siehe auch:
Pétur Ben
Alvaret Ensemble + Ingi Garðar Erlendsson

Kemialliset Ystävät

Sugarcubes


Kippi Kaninus: Temperaments

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