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Lange Rezensionen 1 - 10 von 159 im Genre »Avantgarde« und Land »Norwegen« (insgesamt 287)

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Camille Norment: Toll
( 2013, Prisma Records /Musikkoperatørene CD717, 7041881237171 )

Als »TOLL« am 11. September 2011 im Rahmen des Ultima Festivals im Henie Onstad Kunstzentrum (HOK) bei Oslo erstmals aufgeführt wurde, widmete die 1970 in den Vereinigten Staaten geborene Künstlerin und Musikerin Camille Norment ihr Werk nicht nur dem ehrenden Gedenken der Toten des 11. September 2001, sondern auch gleich jenen des Massenmords am 22. Juli 2011 in Oslo sowie dem ebenfalls am 11. September stattfindenden Geburtstag Arvo Pärts. Ob das nicht zu viel des Gut(gemeint)en ist...? Braucht Norments Musik diesen schweren Überbau?

Eher nicht. Der Bezug zu Arvo Pärt allerdings ist Teil des Programms, und die Veröffentlichung dieser im Februar 2013 ebenfalls im HOK aufgenommenen CD-Fassung von »TOLL« verzögerte sich Monate lang, weil Norment unbedingt sicherstellen wollte, dass das Zitat aus dessen »Fratres« ordnungsgemäß im CD-Info verzeichnet würde. Nun muss man wiederum festhalten, dass man Pärts Komposition gut kennen oder wenigstens darauf hingewiesen werden muss, um die Referenz aus dem Noise-Orkan herauszuhören. Andererseits: die minimalistisch schimmernde Schönheit anderer Passagen erinnert auch ohne direkten Bezug an die erhebende Qualität von Pärts Werk. Doch zu einem besonderen musikalischen Erlebnis macht »TOLL« die Verzahnung, Gegenüberstellung und Zerlegung dieser Schönheit durch dröhnende Feedbacks und anderer harscher Klangstrukturen.

Während Camille Norment die seltene Glasharmonika (die man gesehen haben muss, um sie sich vorstellen zu können) spielt, donnert Håvard Skasets E-Gitarre im Stil zwischen Stephen O'Malley und Glenn Branca, und Folkmusiker Vegar Vårdal treibt seine Hardangerfiedel an die Grenzen. Die körperliche und ästhetische Erfahrung dieser Komposition kann man zu Hause am besten nacherleben, wenn man eine gute Anlage hat und die Lautstärke bis ins Ungesunde aufdreht. Doch sind es die Kontraste, die das Erlebnis so grandios machen - das leise gläserne Funkeln und Schimmern löst die Spannungen, die über eine knappe Stunde immer wieder eindringlich aufgebaut werden. Eine überragende CD für Fans von Künstlern wie Marhaug, Sunn 0))), Ratkje und Vainio und alle, die nach dem fehlenden Baustein zwischen Pärt und der Noise-Szene gesucht haben. (ijb)



Siehe auch:
Vegar Vårdal
Maja Solveig Kjelstrup Ratkje

Mika Vainio

Lasse Marhaug


Camille Norment: Toll

Video-Link Offizielle Website

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A.R.S.: Ambjørnsen & Bo
( 2002, Norcd /Eiswasser Verlag )

Bo kommt zu früh zur Party. Bo hasst den schrecklich grünen Regenwald. Bo sieht sich selbst für einen kurzen Moment in der Ferne. Dazu schnalzt eine Stimme, prustet des Saxophon, schnarrt der Bass. Surreale Texte des Norwegers Ingvar Ambjörnsen treffen auf Töne des Hamburger Freejazz-Trios A.R.S. Und umgekehrt.

Seltsam-schräge Klangcollagen sind dabei entstanden - weniger geeignet zum coolen Fingerschnippen, denn zum Lauschen, Wundern, Rätseln. Und wer des Norwegischen nicht mächtig ist, den rettet das Textheft. Ein Graus für den Freund von wohltönender Harmonie, ein Muss für den couragierten Jazzfan mit Literaturherz. (frk)

 A.R.S.: Ambjørnsen & Bo

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Rolf Aamot: Tonal Image Films 1968-1991
( 2011, Prisma Records /Musikkoperatørene 7041881237126 )

Rolf Aamot, 1934 in Bergen geboren, studierte in den 1950er Jahren Malerei in Oslo und später auch Film in Stockholm und wurde im jungen Alter von 18, 20 Jahren als Grafikkünstler, Fotograf und elektronischer Maler bekannt. Ab Anfang der Sechziger arbeitete er mit dem Verhältnis von Bild und Ton, was dazu führte, dass er als Filmemacher schon 1966 im norwegischen Fernsehen mit einem sogenannten »Tonal Image« mit Musik von Arne Nordheim präsentiert wurde. Aamot gehört also zur Modernen Avantgarde der audiovisuellen Kunstszene Norwegens, der früh die »neuen« Medien zu nutzen wusste. In den Siebziger und Achtziger Jahren setzte er seine Arbeit auch in Form von Collagen aus abstrakten Klängen und Bildern fort, die in Form dieser Archivaufnahmen im Henie Onstad Kunstsenter eingelagert wurden.

Erstmals dokumentiert diese CD die »TONAL IMAGES«, die Rolf Aamot mit Bjørg Lødøen produzierte. Unwirkliche Klänge, die uns in eine ferne Vergangenheit entführen, eine eigenartige, schräge (Nicht-)Musik aus vorrangig elektronischen Klangerzeugern, die mit zuvor aufgenommenen akustischen Instrumenten und Stimmen interagieren bzw. transformiert wurden. Bereits die gut zwanzig Minuten Düsterkeit von »Actio« (1980) sind eine bizarre Reise in eine Zeit, die länger her scheint als sie offenbar ist, Freunde aktueller Ambient-/Drone-Avantgarde jedoch durchaus zu erfreuen weiß.

Auch in Stücken wie dem flickerigen »Kinetisk Energi Part 1 & 2« (1968) oder dem schwer fassbaren Surren und Flirren von »Nordlys« (»Nordlicht«, 1991) sind die dunkel-surrealen Klangwelten von Helge »Deathprod« Sten sehr nahe. »Visuelt« (1971), ebenfalls rund zwanzig Minuten lang, lässt sich mit den assoziativen Geräuschkulissen gut als Hörspiel erfahren. Als komponierte Stücke funktionieren diese fünf Collagen zwar nur bedingt, als Trip oder als Konfrontation mit Sound-Art der vorigen Generation jedoch umso mehr. (ijb)



Siehe auch:
Arne Nordheim
Henie Onstad Kunstsenter

Deathprod (Helge Sten)

Sigurd Berge


Rolf Aamot: Tonal Image Films 1968-1991

Offizielle Website

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Eivind Aarset: Dream Logic
( 2012, ECM /Universal ECM2301 / 3713657 )

Man kann nicht gerade sagen, dass Eivind Aarset nun mit Anfang fünfzig bei ECM angekommen wäre. Immerhin ist der Gitarrist bereits seit fast zwanzig Jahren auf einer Reihe doch recht unterschiedlicher, nach wie vor durchweg hervorragender Alben beim Label präsent, nicht nur auf Molværs »Khmer« und »Solid Ether«, sondern jüngst auch auf den jüngsten Werken der vormals gemeinsam aktiven Arve Henriksen und Food. Nach einer Handvoll exzellenter eigener Alben bei Jazzland und dem Ende der engen Partnerschaft mit Molvær wurde es zuletzt recht ruhig um Aarset. Sein letztes Studioalbum liegt fünf Jahre zurück. Und ausgesprochen ruhig und introspektiv wurde auch nun sein ECM-Solodebüt, besonders im direkten Vergleich mit den früheren CDs mit seinen Bands Sonic Codex Orchestra und Électronique Noire.

Aarset ist zurück. Und der Neuanfang könnte kaum eindrucksvoller sein. Jedoch das Gegenteil von spektakulär, fast eine Ambient-CD wurde »DREAM LOGIC«, und dem einen oder anderen werden sofort Bilder vor dem inneren Auge und Ohr entstehen, wenn klar wird, dass das Album von Jan Bang produziert und alle Stücke im Duo mit Bang eingespielt wurden. Wer dessen jüngste Platten kennt, weiß, dass Aarsets neue Ausrichtung nurmehr wenig mit seinem High-Energy-ElectroJazz gemein hat, sondern eher in der »Fourth World«-Tradition von Eno/Hassell steht, gelegentlich sogar an die Rune-Grammofon-Alben Arve Henriksens erinnert. Stücke wie »Black Silence« oder »Jukai (Sea Of Trees)« leben von fragmentarischen Sounds, kaum greifbar zwischen elektronischen und akustischen Instrumenten. Die Gitarre scheint oft eine untergeordnete Rolle in diesem fragil-emotionalen Klangkosmos einzunehmen.
Hoffentlich wenden sich diejenigen nicht ab, die auf die Präsenz der gewohnten Aarset-Energie gewartet haben. Es wäre sehr bedauerlich. (ijb)



Mehr CDs von Eivind Aarset



Siehe auch:
Jan Bang
Bang, Honoré, Sylvian, Endresen, Henriksen

Nils Christian Moe-Repstad, Molvær, Aarset, Bang & Honoré

Food



Zum Artikel über Eivind Aarset

Eivind Aarset: Dream Logic

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Akku5: Akku5
( 2011, Norcd nordcd1104 )

»Jazz, Folk, World Music - Old Traditions New Sounds« fasst sich das Label NORCD selbst zusammen. Genau so lässt sich auch diese CD resümieren. Akku war einst das Trio, das die Volkalistinnen Ruth Wilhelmine Meyer und Elfi Sverdrup mit Tubist Lars Andreas Haug starteten, allesamt im Avantgarde-Jazz und Neo-Folk verankerte norwegische Musiker(innen). Seit 1996 spielen sie in dieser Formation, doch 2010 erweiterten sie ihren Ansatz um Landsmann Knut Aalefjær (Percussion) und Grzech Piotrowski (Saxofon) aus Polen zu Akku5.

Die Grundlagen ihrer Musik und damit der zehn Stücke dieser CD fassen sie zwar im Groben als die Klänge der Nordpolargegenden zusammen, doch zu den Einflüssen rechnen sich auch ein geistliches armenisches Lied oder ein »langes Gespräch mit einem Schimpansen«. Dazu Inuit- und sibirische Obertongesänge, norwegische Sonnengebete sowie Geräusche von Langschwanzenten. Man sieht: die Begriffe Tradition und Weltmusik werden extrem offen verstanden. Akku5 sind weitgereist, spielten auch schon eine Konzertreihe für die Tiere des Zoos in Kristiansand. All das macht die Musik des Quintetts alles andere als leichtverdauliche Kost. Was die meisten Zuhörer als Jazz oder Folk erwarten, gibt hier dementsprechend überhaupt nicht geboten, vielmehr Expeditionen in entlegenste Gegenden dessen, was wir Weltmusik nennen, Farben von Klängen und Stimmen, die man faszinierend finden kann, die uns in ganz andere Welten entführen, die uns irritieren und auch befremden. Absoluter Tipp für Musikfreunde, die manchmal denken, es gäbe nichts Neues mehr zu entdecken! (ijb)



Siehe auch:
Ruth Wilhelmine Meyer & Helge Lien
Lars Andreas Haug

Knut Aalefjær im Helge Lien Trio


 Akku5: Akku5

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Alog: Unemployed
( 2011, Rune Grammofon /Grappa RCD 2116 )

Dass hier Alog drübersteht, ist ein bisschen irreführend. Espen Sommer Eide und Dag-Are Haugan sind zwar immer noch die Masterminds hinter der charakteristischen Mischung aus experimenteller Elektronik, Sounddesign, akustischer Forschung und Gefrickel - aber dieses Album ist mehr.

Einerseits ist es eine Werkschau. Eide und Haugan stellen hier Material aus vielen Jahren zusammen - entstanden in vielen Situationen: Straßenmusizierend in San Francisco. Sigbjørn Apelands Harmonium-Sammlung ausprobierend. Tapes zu Loops zusammenklebend. Uralt-Schallplatten sampelnd. Insofern ist es konsequent, neben der CD-Version eine um vieles üppigere, limitierte 4-LP-Vinyl-Edition rauszubringen. Wenn schon ordentlich, denn schon.

Andererseits ist das Album eine Art organisierte Session mit zahlreichen Gästen. Da trällert Jenny Hval, da experimentiert Signe Lidén, Ole-Henrik Moe und Kari Rønnekleiv steuern minimalistische Geigentöne bei. Und - Highlight - Jaap Blonk, der beste Ursonaten-Rezitator seit Schwitters himself, grummelt den Text von "Bømlo brenn om natta", ein Track, der einem mit seinem wirren Pathos wochenlang nicht mehr aus dem Kopf geht. Alog and beyond - ein tolles Album! (sep)



Mehr CDs von Alog



Siehe auch:
Jenny Hval
Ole Henrik Moe

Sigbjørn Apeland

Phonophani


 Alog: Unemployed

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Sigbjørn Apeland: Glossolalia
( 2010, Hubro HUBRO CD2503 )

Sie stehen in den verstaubten Ecken norwegischer Gemeindesäle, in den mit Spitzendeckchen dekorierten Wohnzimmer alleinstehender älterer Damen, in Schulkellern und auf Flohmärkten. Die Zeit des Harmoniums ist vorbei, sollte man meinen, und das schon mindestens seit 1960 oder so. Sigbjørn Apeland will das nicht akzeptieren und hat eine Solo-CD veröffentlicht, auf der nur Harmonium zu hören ist.

Was heißt nur. Die Instrumente haben es an sich, zu ächzen und zu schnaufen, zu klappern und zu haken. Man hört - die Aufnahme versteckt das nicht, im Gegenteil - jeden Tastendruck, Ein- und Ausatmen des Blasebalgs, Pedalgetrampel. Aus diesem ganzen Gerödel lässt Apeland Klänge wachsen, die mal an Synthesizer-Ambient-Musik erinnern, mal an verwischte Volksmelodien, mal an endlos gedehnte Akkord-Bausteine aus melancholischen Popsongs. Ein faszinierendes Experiment - das ganz neue, aparte, schräge, versponnene Seiten des Folkmusikers zeigt. Und seiner Instrumente, Fabrikate von Henrik Eide und Einar Kaland aus Bergen.

Am Ende der CD ist man so eingenommen, hat sich so eingehört, dass man sich Apeland vorstellt, wie er die Füße vom Pedal, die Knie vom Blasebalg, die Hände von den Tasten nimmt, wie er aufsteht, den Deckel schließt und geht. Wie sich der Staub wieder auf der alten Kiste zu sammeln beginnt. (sep)



Siehe auch:
zusammen mit Nils Økland
Nils Økland

Frode Haltli

1982


Sigbjørn Apeland: Glossolalia

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asamisimasa: Laurence Crane: Sound of Horse
( 2016, Hubro /Grappa HUBROCD2582 )

Die Musik des 1961 in Oxford geborenen Komponisten erfreut sich unter norwegischen Musikern, speziell in der Szene in Oslo, jüngst großer Beliebtheit. Nach dem eindrucksvollen Crane-Projekt »Drones, Scales and Objects« des Cikada Ensembles und Håkon Stenes vorigem Hubro-Album »LUSH LAMENTS FOR LAZY MAMMAL« mit Stücken von Crane, Bryars und Wallumrød folgt hiermit innerhalb kurzer Zeit eine gelungene Fortsetzung, die dem Schaffen des Engländers zu weiterer verdienter Aufmerksamkeit verhilft. Dabei ist das Quartett bzw. Quintett asamisimasa schon viele Jahre mit der Musik Cranes unterwegs.

Der Projektname, den sich das in wechselnder Zusammensetzung auftretende Ensemble gab, ist fraglos von Federico Fellinis Meisterwerk »8½« aus dem Jahre 1963 inspiriert, auch wenn dort die längst zum geflügelten Wort geronnene Nonsens-Phrase ein klein wenig anders lautet: »Asa Nisi Masa«. Schön, wie der ins Unterbewusste zielende, die Fantasie anregende Spruch sich mit Laurence Cranes sehr reduzierter, schwebender Musik verbindet. Nicht nur »Sound of Horse«, der Titel des gut 20-minütigen, jüngsten Werks der fünf auf der CD vertretenen, würde sich denn auch erstaunlich gut in Fellinis surrealistisch angehauchte Welt einfügen. Asamisimasa haben diese siebenteilige Suite für Klarinette, Gitarre, Perkussion und Cello bei Crane in Auftrag gegeben und 2009 uraufgeführt. Sie ist, nebenbei bemerkt, von Mick Ronsons Gitarrensound in David Bowies Spiders from Mars inspiriert, was man vor allem im vierten Satz »Loud and Rough« nachhören kann.

Abgesehen von diesem einen rauen Ausbruch bleibt »SOUND OF HORSE« durchweg ruhig bis minimalistisch und bildet somit die angemessene Weiterführung von »LUSH LAMENTS«: ein ausgesprochen souveränes Crane-Porträt und seiner flirrenden Musik, die ebenso an Brian Eno wie an Morton Feldman und Cornelius Cardew anknüpft. (ijb)



Siehe auch:
Cikada Ensemble: Laurence Crane
Håkon Stene

Christian Wallrumrød Ensemble

Cornelius Cardew


 asamisimasa: Laurence Crane: Sound of Horse

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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Ballrogg: Cabin Music
( 2012, Hubro /Grappa HUBROCD2515 )

Zuerst die wichtigste Neuerung: Das Duo ist zum Trio geworden. Zu Sax und Bass hat sich Gitarrist Ivar Grydeland gesellt - und mit ihm zieht das in die Musik ein, was wir beim Vorgänger noch sanft kritisiert hatten: Die großen Linien, die über das Album tragen.

Tatsächlich macht Ballrogg Musik quasi mit der Pinzette. Die Musiker tragen winzige Schnipsel, Motive, Klangspreu zusammen und arrangieren daraus mit Präzision und Ideenreichtum Strukturen, ebenso simpel wie komplex sind. Geloopt breiten sie sich über Minuten aus, ständig in leichter Veränderung. Unter der Lupe der Wiederholung kann man dann bis in den letzten Winkel schauen und all die feinen Kleinigkeiten betrachten, die die Musiker zusammengetragen haben.

Oder, zweiter Höransatz, man schaltet das Analysemodul einfach ab und lässt sich treiben. Auf diese Weise wird aus Ballroggs Feinarbeit plötzlich die schönste Kiffermusik. Und das sollte jetzt ein Kompliment sein. (sep)



Mehr CDs von Ballrogg



Siehe auch:
Huntsville
Ivar Grydeland

Chrome Hill

Klaus Ellerhusen Holm / Muringa


 Ballrogg: Cabin Music

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Jan Bang: ...And Poppies From Kandahar
( 2010, SamadhiSound ss018 )

Wenn Jan Bang seinen Veröffentlichungsrhythmus beibehält, werden wir erst 2023 sein viertes Soloalbum zu Gehör bekommen. »Frozen Feelings« erschien 1989 und ist bis heute nicht auf CD erhältlich, und auch sein »Pop Killer« von 1998 blieb ebenso wenig bekannt, obwohl er schon damals Nils Petter Molvær, Eivind Aarset und Bugge Wesseltoft als Gäste zu bieten hatte, zu der Zeit, als deren Stern gerade noch recht frisch international strahlte, mit ihren jeweiligen Meilensteinalben. Jan Bang dagegen ist der Mann im Hintergrund geblieben. Wer aufmerksam liest, hat seinen Namen jedoch zahllose Male auf tollen, vorwiegend norwegischen Platten gelesen. Rar hat er sich nicht gemacht. Und auch wenn »...And Poppies From Kandahar« mit Stargästen und Samples gespickt ist, hat es aus der Pop/Elektro-Jazzszene selten ein leiseres, unaufgeregteres Album gegeben.

Jan Bang dürfte das Kunststück gelungen sein, erstmals die drei großen Trompetenstars ihres Genres bzw. Stils auf einer CD zu vereinen: Nils Petter Molvær, Arve Henriksen und beider erklärtes Vorbild, Altmeister Jon Hassell. Freilich hatte Bang auf deren Alben maßgeblich mitgewirkt und mitproduziert. Sein Fokus ist das Live-Sampling und das Basteln im Studio, und so sind diese elf Songs, obwohl wie ein beständiger eleganter Soundteppich miteinander verwoben, über ein halbes Jahr hinweg im Studio in Kristiansand entstanden. Sidsel Endresen und Eivind Aarset schauten einige Male vorbei, Rolf-Erik Nystrøms Saxofon, Lars Danielssons Bass, Anne Marie Almedals Stimme und einiges mehr kann herausgehört werden, sogar Richard Wagner, Muta und das Kammerflimmer Kollektief tauchen auf, und Labelchef David Sylvian sorgte am Ende für Titel und Art Direction.

Und doch bleibt alles ganz das Werk von Produzent Bang, eine geschmeidige, sehr atmosphärische, wenn auch nicht auf Anhieb zugängliche, von Jazz und Elektronik mehr angehauchte als durchdrungene Ambient-Pop-CD in der Tradition von Brian Enos und (natürlich) Jon Hassells Klassiker »Fourth World«. Am markantesten stechen die Passagen mit Sidsel Endresen hervor. (ijb)



Mehr CDs von Jan Bang



Siehe auch:
Tigran Hamasyan, Arve Henriksen, Eivind Aarset & Jan Bang
Bang, Honoré, Sylvian, Endresen, Henriksen

Eivind Aarset & Jan Bang

Nils Christian Moe-Repstad, Molvær, Aarset, Bang & Honoré


Jan Bang: ...And Poppies From Kandahar

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Lange Rezensionen 1 - 10 von 159 im Genre »Avantgarde« und Land »Norwegen« (insgesamt 287)

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