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Lange Rezensionen 1 - 10 von 42 im Genre »Avantgarde« und Land »Schweden« (insgesamt 57)

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Tape: Opera
( 2002, Häpna /A-Musik 09 )

Die Gebrüder Andreas und Johan Berthling sowie Tomas Hallonsten kann man als Soundtüftler der Gelassenheit bezeichnen. Den dreien geht es mitnichten um lärmiges Austesten technischer Möglichkeiten, sind die Instrumente erst an das Stromnetz angeschlossen. Vielmehr pflegen sie ganz stille, hypnotisierende Sounds, bei denen die scheinbar unhörbaren Passagen ebenso wichtig sind wie das rasch zu Erkennende.

Die akustische Gitarre lässt sich vom Laptop begleiten; das Akkordeon nutzt seine sonoren Resonanzen, um Klanglandschaften dauerhaft zu besiedeln. Dazu rumpelt und raschelt es vernehmlich im Hintergrund; es rauscht und knistert, als seien gute Geister unterwegs, um über uns zu wachen. Musik für Stunden, bei denen man nicht recht weiß, in welchem Teil der Welt man sich gerade befindet und wo man nichts weniger gebrauchen kann als standardisierte Pop-Artigkeit mit Mitklatsch-Zwang. (frk)



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Palllin

 Tape: Opera

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Hans Appelqvist: Naima
( 2006, Häpna /A-Musik H.31 )

Alles scheint ganz alltäglich, bis sich irgend etwas um einen halben Millimeter verschiebt. Dann ist eine Frau mit Pelikankopf, die einem sagt, was man tun soll, keine Unmöglichkeit mehr. Es ist dieses Wesen mit Namen Naima, dem Hans Appleqvist seine CD widmet – ein kleiner, großer musikalischer Schritt seitwärts hinaus aus der Realität.

Field Recordings, seltsame Samples, eine kalte Computerstimme und warmer Gesang, Windows-Soundfiles, MIDI-Instrumente und echte Gitarren, mal erschreckend pompös, mal simpel klimpernd. Das alles verwebt sich zu einem perfekten, farbstarken Klanggemälde, das man beinahe hyperreal vor Augen hat. Was genau es aber bedeutet, ist ein wundersames Rätsel, das man gar nicht lösen mag. Zwischen Pop-Balladen und sehr merkwürdigem Experimentalgestus pendelt die CD zwischen den Welten hin und her, immer getragen von einer leisen Melancholie. Nachher ist man ein kleines bisschen traurig, und sei es nur, weil einem die normale Welt so normal-banal vorkommt.

Übrigens: Appleqvists Debüt auf dem kleinen, sehr feinen Häpna-Label hieß »ATT MÖTA VERKLIGHETEN«: »Der Wirklichkeit begegnen«. Naima führt einen in die Gegenrichtung. (sep)



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Hans Appelqvist: Naima

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Andreas Bertilsson: Paramount
( 2007, Komplott /A-Musik escudre08 )

Wie lange nun der Schöpfer brauchte, um das Universum zu erschaffen, sei mal dahingestellt. Der Schwede Andreas Bertilsson baute seine mindestens universale, exakt dreißigminütige Klangwelt »PARAMOUNT« in einem Jahr zusammen, eine Welt voller Details und Geister und wundervoller Tiefe. Digitale Klänge und Field Recordings vermischen sich hier symbiotisch: Knarzen und Atmen, Wasser und knisternde 0/1-Wölkchen, geflüsterter Text und stark verzerrter E-Bass, Kieselstein-Klickern und Schlagzeug.

Klanglich ist das brillant produziert, diamantklar und transparent und ungeheuer nah. In die Collage, so kann man es wohl nennen, kann man sich hineinfallen lassen wie in einen abstrakten Kopfkinofilm, der höchst ambivalente, starke Bilder erzeugt. Am Ende kulminieren Zimbeln und Stimmen in einem Wall aus Klang, einer akustischen Supernova – das angemessene Ende für dieses perfekt erschaffene Klanguniversum. Unbedingt eine Reise wert! (sep)

Andreas Bertilsson: Paramount

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Anders Dahl: Hundloka, Flockblomstriga 1
( 2006, Häpna H.27 )

Wenn Musik Aggregatzustände hätte, wäre das Debut des Schweden Anders Dahl wohl gasförmig. Gitarre und Bouzuki, Violine und Klarinette, Blockflöte und Perkussion, präparierte Lautsprecher und Computer sind die Elemente, aus denen er auf »HUNDLOKA« eine dreiteilige Klangwolke entstehen lässt. Meist flächig und sphärisch, mit hohem, aber nicht unangenehmen Geräuschanteil entfaltet die Musik schnell einen Hörsog; man verirrt sich gern zwischen den Partikeln. Henrik Olsson steuert auf dem zweiten Track metallische Perkussion bei, und beim letzten Track kommt noch körniger, zerstäubter Computer-Sound hinzu. Trotzdem kreisen die 40 Minuten stets um zentrale Töne und Akkorde, die mal im Rauschen und Knistern verschwinden, mal zu fast reinen Sinustönen ausdünnen.

Irgendwie ist was dran am Titel »Hundloka« (schwedisch für »Wiesenkerbel«), so wie die Musik wuchert und sich nach allen Seiten multipliziert. Gleichzeitig ist sie so etwas wie ein musikalischer Vor- oder Zwischenzustand, kreist um sich selbst, droht manchmal fast zu verschwinden. Eine Musik, die dafür gemacht zu sein scheint, den Sonnenflecken beim Wandern über die Tapete zuzusehen. (sep)

Anders Dahl: Hundloka, Flockblomstriga 1

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Diablo Swing Orchestra: The Butcher's Ballroom
( 2007, Candlelight Candle195CD )

Nach über 500 Jahren ist das teuflische Orchester wieder auferstanden – so erzählt es zumindest die Bandgeschichte. Doch vereint die Musik des Diablo Swing Orchestras nicht nur den Klang verschiedenster Epochen, sondern auch den verschiedenster Länder: Sie verquicken auf ihrem Debüt Klassik mit Swing-Jazz, (symphonischen) Metal mit mexikanischen Mariachi-Stil. Dank dieses Stilmixes setzt das Sextett Bass, Gitarre und Schlagzeug auf unterschiedlichste Weisen ein.

Ferner wimmert im Opener ein Saxophon und ein Trompeter peppt »Poetic Pitbull Revolutions« auf. Die Schweden lassen Cello-Melodien ebenso selbstverständlich einfließen wie Didgeridoos, fremdartige Saiteninstrumente oder futuristische Spielereien. Dazu schmettert Annlouice Loegdlund Arien à la Tarja Turunen, zeitweise pointiert durch einen männlichen Gegenpart. »THE BUTCHER'S BALLROOM« ist ein Gesamtkunstwerk, das auf 13 höchst originellen Stücken basiert – und nur geeignet für Leute mit einer gesunden Portion Neugier sowie Appetit auf Exotisches. (nat)



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Tarja Turunen

 Diablo Swing Orchestra: The Butcher

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Rolf Enström: Quarks
( 2007, Caprice Records CAP 21650 )

Nach Quarks, winzigen Atomsplittern, hat Enström diese Sammlung elektroakustischer Werke genannt. Und wirklich ist seine Musik das klangliche Pendant zum Schwirren von Elementarteilchen, ein hörender Blick ins Innere von Mikroprozessen – was allerdings einen großen Teil aller Elektroakustik treffend beschreibt. So ist in den meisten der fünf aufeinander bezogenen Werke dieser CD eine unverwechselbare kompositorische Handschrift schwer auszumachen, auch wenn sich das Handwerk auf hohem Niveau bewegt.

Wabern, abstürzende metallische Schläge, Flächen, Nebel, Rauschen, ein Gemisch aus gesampelten und rein elektronischen Klängen, aufgekörnt und zusammengeballt, kunstvoll gemischt und verstrickt, gleichzeitig fremdartig kalt und brodelnd: Enström entwickelt seine Klänge, denen die teure Hard- und Software großer Elektro-Musik-Studios anzuhören ist, konsequent auseinander oder assoziativ aufeinander folgend. Taucht man ein in diese Maschinenträume, mag man die Quarks aneinander vorbeizischen hören. Spannend ist das allemal – wie jede gut gemachte elektroakustische Musik, die leider noch immer schwer den Weg zu den Hörern findet. (sep)

Rolf Enström: Quarks

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Ernesto: A New Blues
( 2005, Exceptional Records exlpcd0504 )

Neuer Blues also: Traditionelle Schemata in kontemporärer Umgebung – das hat der in Birmingham lebende Jonatan Bäckelie aus Göteborg zum überspannenden Charakteristikum seines Debütalbums erkoren. Er verquirlt das konzentrierte Elektronik-Substrat von Rare Groove und Downbeat mit Bluesanleihen, wobei die leicht verrutschten, nie offensiven Beats auch Lebenszeichen von sich geben und hie und da in den Vordergrund trollen. Jazz findet man hier genau so, wie Soul – war doch sein Vater Wanderprediger und Musik schon seit jeher Bestandteil seiner Sozialisation. So zeugen selbst unbeholfen dahertapsende Pianoklänge von musikalischer Souveränität. Die geruhsamen und chilligen Sounds wirken dabei jederzeit warm und unscharf, wenngleich auch teilweise etwas bemüht und langatmig.

»A NEW BLUES« ist eine eklektische Angelegenheit, die man in stark abgewanderter Form auch bei Beanfield vorfindet, auf deren Album der Mitzwanziger Gast-Vocals beisteuern durfte. Kein Wunder, denn seine Stimme ist emphatisch und wirkt in den schönsten Momenten so geborgen wie ein an der Nase schon ganz abgewetzter Teddybär. (maw)

 Ernesto: A New Blues

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Fire! Orchestra: Exit!
( 2013, Rune Grammofon RCD 2138 )

Was wird wohl passieren, wenn die Ein-Mann-Bigband Mats Gustafsson (Saxofon) sein Trio (Fire!) zu einer echten Bigband aufpumpt und darin 30 Schweden versammelt, die die besten Zeugnisse vorweisen können in den Fächern Freejazz, Rock und Avantgarde? Nun ja, so etwas wie eine klangliche Supernova. Allerdings, und das erkennt man staunend beim zweiten Hören nach der ersten Überwältigung, eine, die ebenso fein errechnet und ausbalanciert wie dann anschließend mit Wucht losgelassen wurde.

Vier Drummer. Vier Bassisten. Ein apokalyptischer Bläsersatz. Die unerhörten Vokalistinnen Mariam Wallentin und Sofia Jernberg, die ihre Stimme peitschen und durch Mikrointervallskalen quetschen. Das Geschrei von Gitarren und Live-Elektronik. Dazu seltsam eindringliche Lyrics von Arnold de Boer (The Ex). Dieses Gemisch zündet im Verlauf der zwei Halbstunden-Tracks in ganz verschiedene Richtungen: krautrockoger Beginn. Extatischer Gruppenfreejazz. Diebstähle aus den Klanglabors der Neuen Musik. Hymnische Rock-Töne. Avantgardistisches Gefrickel mit Ton- und Stimmbändern, Knöpfchen und Tasten.

Im Fylkingen, Stockholmer Avantgarde-Musikcenter, vor einem - so liest man - überwältigten Publikum aufgenommen, punktet die CD neben der musikalischen Offenbarung auch durch einen extrem brillanten Sound: Auch mitten im größten Chaos bleiben verblüffender Weise zahlreiche Einzelstimmen hörbar, wie mit dem Verfolgerscheinwerfer rückt der Mix mal Stimmen, mal den Konzertflügel, mal ein Saxophon ins Rampenlicht. Eine Stunde Rausch, und das glasklar. "Exit" drückt auf dem CD-Player so schnell keiner mehr. (sep)



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Siehe auch:
Fire!
Tape

The Thing

Wildbirds & Peacedrums


 Fire! Orchestra: Exit!

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Marcus Fjellström: Schattenspieler
( 2010, Miasma /Morr Music / Anost MIACD013/MIALP013 )

Dunkel, dunkel ist die Welt die Marcus Fjellström auf seinem dritten eigenen Album eröffnet; als hätte sich der Hörer in einen düster-abgründigen Wachtraum verirrt, schwärzer als ein Film von David Lynch. Dessen langjährige Sound- und Musik-Partner Angelo Badalementi und Alan Splet gehören ganz offensichtlich zu Fjellströms prägenden Einflüssen. Sein musikalischer Kosmos reicht aber noch viel weiter. Grenzen abzustecken wäre eine Sisyphosarbeit. Ligeti und Penderecki dürfen ebenso assoziiert werden wie Bernard Herrmann, Cage, Debussy oder Lutosławski, aber auch Grenzgänger der (Rock-)Musik wie Laibach oder Einstürzende Neubauten, Autechre oder Amon Tobins komplexe Sample-Gebilde. Überflüssig zu erwähnen, dass all diese Einflüsse nicht direkt herauszuhören sind. »SCHATTENSPIELER« erschien zudem nach vorherigen Veröffentlichungen bei Lampse nun beim kleinen Label Miasmah des Norwegers Erik Skodvin, der unter Pseudoynmen wie Svarte Greiner oder im Duo Deaf Center wiederum für eine ganz andere akustische Welt als die eben genannten steht, »Dark Ambient«, »Electronic Drone« oder »Modern Composition«.

Fjellström wurde wie Skodvin 1979 geboren und lebt seit ein paar Jahren in Berlin. Er stammt aus dem kleinen nordschwedischen Luleå in Polarkreisnähe, studierte Komposition im nahen Piteå und gehört zu der jungen Generation von Komponisten, deren Schaffen so flexibel wie unvoreingenommen in allen Bereichen audiovisueller Möglichkeiten und Stilformen bewegt; also Installationen und Animationsfilme stehen gleichwertig neben Chormusik oder Electronica ... Nach einem Werk für großes Streichorchester, Elektronik und Filmprojektion schreibt er derzeit an einem Ballett für ein schwedisches Haus. Doch all diese Hintergründe und Einflüsse sind auf »SCHATTENSPIELER« nur sehr am Rande zu erahnen. Hier wird man in eine Welt eingeladen, in der Schatten und Schemen vorherrschen, Fragmente und Erinnerungen an Musik, wie wir sie kennen, Klänge geistern wie Irrlichter oder wie Echos ihrer selbst umher. Fjellström bastelt in langer Kleinarbeit mit ausgesuchten Samples und teils zufällig gefundenen Klangbruchstücken und komponiert auf diese Weise einen Kosmos, der mehr Kino evoziert als es viele Filme vermögen. Als zentrales Thema nennt Fjellström denn auch alten Film Noir, Kino des Expressionismus und verschwundene Experimentalfilme und -musik. Schön und verstörend zur selben Zeit. Das Mastering übernahm Andreas Tilliander (Mokira). (ijb)



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Siehe auch:
Svarte Greiner
Erik Westbergs Vokalensemble


Marcus Fjellström: Schattenspieler

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Goat: Requiem
( 2016, Rocket Recordings)

Den eigenen Gründungsmythos erschaffen: Die schwedischen Experimental-Psychrocker Goat sind ungewöhnlich findig, was den eigenen intellektuellen Überbau betrifft. Angeblich stammt diese musikalische Großkommune aus dem Dorf Korpilombolo jenseits des Polarkreises, nahe der Grenze zu Finnland. Wo selbstredend seit Jahrhunderten schamanische Rituale praktiziert werden! Aus den Wäldern des Nordens sind diese Neo-Hippies, die live prinzipiell nur mit Masken und wallenden Afrika-Gewändern auftreten, inzwischen in Göteborg eingetroffen. Und geben in ständig wechselnder Besetzung die unberechenbaren Kifferrock-Waldschrate, die Genregrenzen grundsätzlich ignorieren. Diese wilde, kreative Horde hat auf ihrem mit unerwarteten Schlenkern aufwartenden dritten Album »REQUIEM« erfreulicherweise vor nichts und niemandem Respekt. Goat trauen sich was!

Die Schweden vagabundieren mit anarchischer Lust durch die Stile, ohne sich dabei selbst untreu zu werden. Andenflöten, Afrobeats (hallo Paul Simon!) und orientalische Klänge treffen auf psychedelisch ausufernde Gitarrenwälle und experimentelle Störgeräusche. Müsste man an Brüder und Schwestern im Geiste denken, dann fielen nur die finnischen Exzentriker Paavoharju ein, die ihrerseits in den dichten Wäldern hart an der finnischen Grenze hausen. Goat wollen sich bewusst nicht fassen lassen. Und zelebrieren im heimlichen Albumhöhhepunkt, dem Siebeneinhalb-Minüter »Goatband« den guten alten Psychrock im Schamanengewand, bis uns Hören und Sehen vergeht. Diese Schweden müssen ihre Seelen dem Waldgott verschrieben haben! (emv)



Siehe auch:
Paavoharju

 Goat: Requiem

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