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Lange Rezensionen 1 - 10 von 19 im Genre »Beats« und Land »Island« (insgesamt 25)

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Apparat Organ Quartet: Pólýfónía
( 2011, Crunchy Frog /Soulfood 14020 )

Das Schöne an Geisterbahnen ist, dass sie nicht nur billigen Trash-Grusel erzeugen, sondern gleichzeitig auch noch quietschbunt und superartifiziell sind und einen geheimen Zugang in die Sphären anarchischer Kindsköpfigkeit gewähren. Fast zehn Jahre haben sie sich Zeit gelassen, aber mit ihrem Zweitling »PÓLÝFÓNÍA« starten die fünf Herren vom Apparat Organ Quartet (vier Keyboards, ein Schlagzeug!) einen Trip durch Kirmes-Geisterbahnwelten, wobei sie die Tanzbude nicht auslassen. Wir wollen hier schließlich kindischen Spaß auf hohem Niveau haben!

Die neun Songs schreien vor allem eines: Retro! Siebziger! Sie rufen laut nach der mystischen Vereinigung von Vangelis mit John Carpenter, von Kraftwerk mit Goblin, von Horror mit Disco, von Kunstkino mit Lovecraft-Novellen. Über allem kreist die große Glitzerkugel und grinst hinreißend hinterhältig. Schlager und Melodram werden hier von anarchischen Elektroniknerds auf die Bühne gezerrt: Songs wie »Síríus Alfa« verführen gar zu hemmungslosem Abtanzen, während bei »Söngur Geimunglingsins« wieder dräuende Nebel des Grauens aufziehen und wir uns liebend gerne in starke Arme flüchten. Dass die finnischen Gesinnungsgenossen von Desert Planet über Aavikko bis zuletzt Nightsatan mit ähnlichen Stilmitteln arbeiten, wollen wir mal nicht mäkelnd anführen. Lieber uns mit dem Kopf voran in bonbonbunt-bedrohliche Parallelwelten stürzen. (emv)



Mehr CDs von Apparat Organ Quartet



Siehe auch:
Desert Planet
Nightsatan

Aavikko


 Apparat Organ Quartet: Pólýfónía

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Ólafur Arnalds & Nils Frahm: Collaborative Works
( 2 CDs, 2015, Erased Tape Records /Indigo ERATP074CD )

Ólafur Arnalds und Nils Frahm, die beiden Neo-Elektro-Komponisten aus Island bzw. Deutschland, die gleichermaßen im Pop wie in der Avantgarde zu verorten sind, machen, was sie wollen. Und das ist das große Plus, das besondere Etwas, das Alleinstellungsmerkmal ihrer Zusammenarbeit. Während beide als charmante Individualisten in ihrem jeweiligen Bereich stets begeistern [manch einen begeistert das eine Album mehr, mich zum Beispiel Frahms mutiges Livealbum »Spaces«, manch andere lieben eher die eleganten New-Age-beeinflussten Pop- und Piano-Entwürfe], verbinden die jenseits aller Erwartungshaltungen in reiner Freundschaftsbegegnung entstandenen »COLLABORATIVE WORKS« das Beste beider Welten. Zwanglos beweisen Ólafur und Nils, was Musizieren tatsächlich bedeuten kann: Sie spielen mit einander ihre Instrumente. Nur einmal gastiert Anne Müller mit ihrem Cello.

Da ist selbstredend nicht alles genial — aber alles ist hörenswert. Zu Beginn erinnert man sich an den warmen Elektro-Sound von Actress' »Splaszh« [Ist das noch Techno oder schon Ambient?], doch der Track wechselt auf halber Strecke total die Richtung. Manches mäandert lustig oder entspannt in der Gegend herum, anderes (»Wide Open«) fasziniert als fluffige Skizze formschöner Beats und Knistersounds, wieder anderes taucht 13 Minuten lang in die Melancholie ab. Dies sei kein Album, schreiben die beiden in den Anmerkungen, doch da widersprechen wir: Es ist eins, und zwar ein wirklich feines, ein Doppelalbum, eine Art Tagebuch-Release fünf gemeinsamer Jahre. Denn CD1 versammelt noch einmal die zauberhaft unprätentiösen drei Duo-EPs (7"/10"/12"), damit jetzt keiner mehr viel Geld für die teuren Sammlerstücke ausgeben muss. Und CD2 lädt ein zu einer nächtlichen Reise mit Ólafur Arnalds und Nils Frahm, einer frei improvisierten Video-Session im Juli 2015, als in Berlin der heißeste Sommer seit Menschengedenken herrschte.

Leichte Musik, bei der ganz vieles passiert. Wir freuen uns schon jetzt auf alles, was noch kommt. Macht bitte nur einfach weiter, was ihr wollt. (ijb)



Siehe auch:
Ólafur Arnalds
Arnalds & Ott

Anne Müller


Ólafur Arnalds: Collaborative Works

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Bistro Boy: Svartir Sandar
( 2016, Möller Records Helga052 )

Die klassische Pianolektionen waren Frosti Jónsson irgendwann zu fad. Immer nur schwarze Fitzelchen vom Blatt ablesen, wie langweilig! Der Musiker aus Reykjavík, der unter dem Künstlernamen Bistro Boy antritt, hat bei sanft blubbernden Beats seine neue Heimat gefunden. Sein zweites Album »SVARTIR SANDAR« (übersetzt: schwarzer Sand) ist ein gelassenes, fast schon meditatives Spiel mit den verträumten Elementen des loungigen Elektropop geworden. Was hat es mit dem schwarzen Sand auf sich? Ganz einfach: Dieser ist in Massen an den Stränden im Südosten Islands zu finden, wo Bistro Boy aufgewachsen ist. Der Landstrich gilt als eine der am dünnsten besiedelten Ecken der Atlantikinsel. Schwarzer Sand, der Himmel, das Meer und sonst nichts. Im feinen Track »Gola« pfeift der Wind durch klare, reduzierte Soundstrukturen.

Tiefenentspannt sind diese teils instrumental eingespielten Sound ausgefallen. Aber wer auf chillig-verspielte Sounds steht, wird am quirligeren »Sumarnótt« seine Freude haben. Sphärische Klänge beherrscht der Mann übrigens auch, wie er mit dem Downtempo-Track »Sandfok« beweist. Bisschen Vangelis oder dem Landsmann Jóhann Jóhansson gelauscht? Bistro Boy hat sein Album übrigens beim führenden isländischen Elektroniklabel Möller Records herausgebracht, zu deren Mitbegründern er gehört. Beats aus Reykjavík: Klingen ziemlich anders! (emv)

 Bistro Boy: Svartir Sandar

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Bjarki: трип 007: »Б«
( LP, 2016, Trip TRP007 )

Bjarki Runar Sigurdarson war 2015 der erste Künstler auf Nina Kraviz' Label трип, der zwischen den teils exzellenten Compilations eine eigene Platte bekam, »Arthur And Intergalactic Whales« mit dem Hit »I Wanna Go Bang«. Nicht überraschend also, dass Kraviz auch sein erstes Album herausbringt. Dennoch ist, angesichts seiner vielen tollen Tracks auf den bisherigen трип-Releases, bemerkenswert, dass Bjarkis Debüt nicht nur fast 70 Minuten lang wurde, sondern auch, dass zwischen Juni und Oktober gleich drei Alben erscheinen – mit insgesamt 41 Tracks. Nun werden nicht wenige Quantität statt Qualität befürchten, doch was die 13 Tracks auf »Б« betrifft, ist diese Sorge unbegründet. Bjarki hat schlicht Unmengen guten Materials auf seiner Festplatte angehäuft, das nun in die Welt hinaus darf – zur Freude vieler Techno- und IDM-Liebhaber.

Anders als bisherige трип-Platten erscheint »Б« mit gänzlich weißem Cover, nicht einmal der Name des Künstlers wird auf der Vorderseite genannt. Dies überdeckt die Tatsache, dass der in Nordisland geborene Musiker ein eklektisches Retro- Album vorgelegt hat. In Film, Musik und Mode werden derzeit die Neunziger aufgegriffen – so auch hier. Markanter geistiger Pate der Tracks ist Aphex Twin bzw. AFX, der auf трип 006 »When I was 14« unlängst gemeinsam auf einer Platte mit dem 19 Jahre jüngeren Bjarki zu hören war und dessen Einfluss sich durch die Vielseitigkeit des gesamten Albums zieht, sowohl was Tracknamen wie »Midi 14-Aug-2« oder »Opalocka Acid groove 12 bit mix« betrifft als auch ihre IDM-Soundwelt. Und sind Sigurdarsons Stücke auch deutlich weniger weird und sprunghaft, mit dem großen britischen Kollegen verbindet ihn, dass er die Ideen nicht endlos auswalzt; kein Track ist kürzer als vier Minuten, doch sind sie häufig songhaft kompakt, weniger club-funktional als vielmehr persönlich.

Er produziere die Musik recht flott, wie eine Art Foto, mit dem er einen Moment einfange, beschrieb Bjarki seine Arbeitsmethode vor einem Jahr bei seinem aus unveröffentlichten Stücken montierten Resident-Advisor-Podcast. Reichen die Vorlieben (wie die Titel verraten) auch bis in die frühen Neunzigerjahre zurück, weisen Bjarkis Tracks doch in sorgfältig produzierte zeitgemäße Richtungen. Hier und da wünschte man vielleicht etwas mehr Originalität, doch wenn 13 Nummern derart überzeugend klingen, im Club wie zu Hause, wird kein Liebhaber des Genres enttäuscht sein. Denn der Isländer liefert Qualität mit Abwechslung. (ijb)



Siehe auch:
трип 006 »When I was 14«
Bjarki alias Gurk


 Bjarki: трип 007: »Б«

Audio-Link Offizielle Website

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Bloodgroup: Dry Land
( 2009, Record Records RECCD005 )

Wir lieben Synthies! Wir lieben melodramatische Gefühle! Wir lieben neonfarbene Künstlichkeit! Bloodgroup stecken auf ihrer zweiten Veröffentlichung »DRY LAND« knietief in den 70ern und lassen die Discokugel so rasant kreisen, dass selbst Altmeister wie Lips Inc schwindelig werden könnte. Aber so einfach ist die Sache nicht. Denn die vier Isländer rund um Sängerin Lilja, die fast alle aus dem Dörflein Egilsstaðir stammen, spielen souverän musikalische Verkleidespiele und greifen mit viel Verve in die Requisitenkiste: Soul, Afrobeat, stylisher Elekrokram und jede Menge Hedonismus. Zeitweise klingen sie wie die Talking Heads in ihren coolsten Zeiten, dann melancholisch-elegisch wie die Smashing Pumpkins und zwischendurch ist Über-Dancing-Queen Robyn Regentin. Und irgendwelche flüchtigen Kobolde treiben zwischen den Noten ihren Schabernack, so dass Bloodgroup sich immer wieder elegant allen vorschnellen Definitionen entziehen. Huch!

Klein-Klein ist nichts für die drei isländischen Geschwister und ihren Faröer Freund Janus. Aber wen kümmert das, wenn es ums lustvolle Abtanzen und übermütige Übertreiben geht? Wo doch über elf Tracks eine anarchische Leichtigkeit flirrt? In Island war »DRY LAND« eines der erfolgreichsten Alben des Jahres und räumte den renommierten Kraumur-Preis ab. Am besten gefällt hier aber die poppig-nachdenkliche Herzschmerz-Ballade »Moonstone« Hach! (emv)

 Bloodgroup: Dry Land

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East Of My Youth: East Of My Youth
( 2017, West Of My Future)

Elektrop in üppigen Pastellfarben: Thelma Marín Jónsdóttir und Herdís Stefánsdóttir alias East Of My Youth schwelgen auf ihrer selbst betitelten Debüt-EP in großen Gefühlen und melodramatischen Aufwallungen. Sie tun dies leichtfüßig und luftig und haben in Dance-Tracks wie »Mother« keinerlei Scheu davor, dick auzutragen und die Synthies weit aufzudrehen. Die beiden jungen Frauen verstehen es dabei ausgezeichnet, leicht laszive Töne mit naiver Großäugigkeit zu verbinden! In der zarten Ballade »Stronger« setzen sie sogar auf romantische Pianoklänge, ohne dabei die Tanzfläche aus den Augen zu verlieren.

East Of My Youth spielen gerne mit Klischees und posieren in Hellblau und Rosa. Dabei spielen sie doch unbedingt Ausgehmusik für nächtliches Großstadtvagabundieren! Den großen Vorbildern James Blake und Grimes wollen sie nacheifern, sagen sie. Dass East Of My Youth noch lange nicht in dieser Liga spielen, tut dem Spaß hier keinerlei Abbruch! (emv)

 East Of My Youth: East Of My Youth

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Futuregrapher: Skynvera
( 2014, Möller Records Helga027 )

Als Mitgründer von Möller Records und Teil des Weirdcore-Kollektivs steht Árni Grétar in direkter Traditionslinie von Biogen, dem in den Neunzigerjahren in Island einflussreichen Musiker und Labelmacher Sigurbjörn Þórgrímsson. Man kann seinen Einfluss (und den des 1990er-Techno) in diesem Album deutlich hören, da »SKYNVERA« zu einem guten Teil auf mittlerweile altmodische Sounds und Klangtexturen baut. Allerdings franst die Platte zu allen Seiten hin aus, wie ein Energiebündel, das nicht stillhalten kann. Die Sprunghaftigkeit der 12 Tracks hat eine sehr spielerische , spontane Qualität, wie bei AFX und seinen Rephlex Records, doch hört man die viele Studioarbeit ebenfalls heraus.

Hinter dem Albumtitel »SKYNVERA« verbirgt sich eine Art Selbstporträt, wie das Covermotiv deutlich unterstreicht. Das ebenso in sich ruhende, halb auf den nächsten Moment gefasste Foto von Grétar setzt sich von den gesichtslosen Designs ähnlicher IDM-Alben ab, obwohl die Musik selbst in maximal von unpersönlichen Computerstimmen bevölkerten Tracks zwischen Acid, Techno und auch mal Ambient changiert. Die Titel versprechen persönliche Geschichten (»Liebe ihn
«, »Val Kilmer berührt mich«, »Änderte ihr Profilbild
«), bleiben für den Hörer jedoch kryptisch. Erst zum Ende, in »Ray’s Pizza« hören wir Steinunn Eldflaug (DJ Flugvél) über Kindheit sprechen. »SKYNVERA« ist eine holperige Reise in die Vergangenheit, ins 20. Jahrhundert. (ijb)



Siehe auch:
Jón Ólafsson & Futuregrapher
Biogen, AFX


 Futuregrapher: Skynvera

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Gus Gus: Arabian Horse
( 2011, Kompakt CD89, 880319056123 )

Mit dem Wechsel zur deutschen Plattenfirma Kompakt hat für die Isländer offenbar eine kreative Renaissance begonnen. Wie oft hat man schon den Satz gehört, dass eine Band mit ihrem neuen Album zu ihren Anfängen zurückgekehrt sei und zu alter Form zurückgefunden habe? In diesem Fall allerdings trifft es zu. GusGus' siebtes Album klingt fast, als sei es direkt nach dem ersten, nach wie vor besten Album »POLYDISTORTION« von 1997 entstanden. Die wenigen Hörer, die in den Jahren dazwischen alle Abwege, Umwege, Experimente und Pop-Hits verfolgten, werden wissen, dass GusGus sich immer zwischen langen Techno- und Dancefloortracks und eingängigem Pop bewegt hat, mal ins eine Extrem tendierend (»Forever«), mal ins andere (»This Is Normal«). Der einzige Nachteil an »ARABIAN HORSE«: Auch diese Platte erreicht nicht »POLYDISTORTION. Es ist freilich ungerecht, eine Band immer am ersten großen Erfolg zu messen, zugegeben. Geschenkt. Wenn es doch nun mal so ist.

Die aktuelle Triobesetzung hat mit den Hippie-Anfängen im wild-kreativen Ensemblegeist nichts mehr gemein. GusGus klingen so kompakt wie es der Name ihres Labels vorgibt; sie sind heutzutage strukturierter, eleganter, angepasster - und ja, auch solide und zulässig. Mancher findet das glatt oder uninspiriert, aber man möge genau hinhören: Wie sich im Eröffnungsstück, einem eingängig pulsierenden Elektro-Track, die Streicher mit den analogen Synthesizern verbinden und am Ende überraschend Banjo und Akkordeon die Coda allein bestreiten, das ist schon sehr fein - und gibt die Richtung für die folgenden neun Stücke vor. Nur zwei der zehn Tracks – wohl die besten, »Selfoss« und »Benched« – sind instrumental. Die meisten, wie »Be with me« oder »Magnified Love«, entpuppen sich dagegen als eingängige, GusGus-typische Popsongs mit House-Grundierung, zwar weniger kraftvoll rhythmisch als etwa einst »Believe« oder »Ladyshave«, stattdessen klanglich ausgefeilt und veredelt. Bei drei Liedern ist sogar Urður »Earth« Hákonardóttir wieder am Mikrofon. Insgesamt also ein homogenes Album, ohne Ausreißer (das ist so gut wie schlecht gemeint), der Teufel steckt im Detail. (ijb)



Mehr CDs von Gus Gus



Siehe auch:
Daniel Ágúst

 Gus Gus: Arabian Horse

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M-Band: Haust
( 2014, Raftonar)

Die Dinge möglichst in der Schwebe halten: Das ist eine komplizierte Kunst. Hörður Már Bjarnason, dem Solo-Musiker hinter dem Projekt M-Band, gelingt es auf seinem Debütalbum »HAUST«, eine fragile Balance zu finden: Zwischen moderner Klassik und Nu Electronica. In bester Tradition der Romantik erzählt Bjarnason schwebende, dunkelgraue Geschichten, die jedem grüblerischen Neuzeit-Nerd bestens zu Gesichte stehen. Unterlegt seine komplexen Träumereien mit fein flehenden Kunstgesang. Tagsüber studiert der Anfangszwanziger Klavier am Konservatorium in Reyjavík. Was übrigens auch sein Landsmann Ólafur Arnalds getan hat. So verwundert es nicht, dass M-Band im wundervoll ausufernden Track »Psalm Of The Mushroom War« mit reduziertem A-Capella-Anklänge an geistliche Musik einfließen lässt. Das Hilliard Ensemble lässt grüßen!

Herr Bjarnason ist durchaus dancefloor-affin, wenn auch auf eine stille Weise, wie er im verhalten euphorischen Track »All Is Love« deutlich macht, zu dem man in Zeitlupe abtanzen kann. Denn diese zurückhaltende Basslinie geht trotzdem in die Beine. M-Band schmachtet und schwärmt hier mit perfektem Feingefühl. Bloss nicht zu dick aufragen! Im percussionlastigen »When The Night Falls« nähert sich der Musiker der sanft tragischen Ballade an und lässt kleine Anspielungen an die isländischen Beats-Heroen Gus Gus aufblitzen, ohne sich dabei anzubiedern. »HAUST« ist das perfekte Album für Übergangszeiten, in denen sich die Dinge sachte ändern. Übersetzt heißt der Albumtitel übrigens »Herbst«. Gut gewählt! (emv)



Siehe auch:
Olafur Arnalds
Gus Gus


 M-Band: Haust

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Ozy: Distant Present
( 2015, nothings66 N66CD005 )

»DISTANT PRESENT« bringt eigentlich schon das Wesentliche auf den Punkt: Der Isländer Örnólfur Thorlacius veröffentlichte bereits Anfang der »Nuller-Jahre« beim kurz darauf in Konkurs gegangenen, stilprägenden Frankfurter Label Force Inc./Mille Plateaux sein Debüt »Tokei« (2002), sowie zeitgleich beim isländischen Pendant Thule Records die Scheibe »Gray Area«. Seitdem ist es, von zwei, drei Singles abgesehen, recht still um Ozy als Tonträgermacher geworden. Doch nun, im Jahr 2015 kommt mit dieser CD, diesmal über das Tokioter Label nothings66, eine neue Kollektion von Tracks, die Thorlacius im Sommer 2014 in Reykjavík produzierte.

Schön, schön. Allerdings finden diese zwölf Tracks nicht so recht zu einem Album zusammen, handelt es sich bei der Hälfte schließlich um Überarbeitungen von »Tokei«-Stücken, drei davon sind Remixes von Miles Whittaker (Demdike Stare / Modern Love), Yusuku Arai (College Drop) und Laurel Halo (Hyperdub), die übrigen hat Ozy selbst neu in die Hand genommen; es sind die kohärentesten geworden. Letztlich wird »DISTANT PRESENT« so eher zu einer Hommage an die alte Minimal-Dubtechno-/ Ambient-Techno-Schule der Jahrtausendwende, warm und grundsympathisch, etwas skizzenhaft hier und dort. Kann man gut durchhören, bleibt aber nicht hängen. (ijb)

 Ozy: Distant Present

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Lange Rezensionen 1 - 10 von 19 im Genre »Beats« und Land »Island« (insgesamt 25)

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