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Lange Rezensionen 1 - 10 von 72 im Genre »Jazz« und Land »Finnland« (insgesamt 109)

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Carola & Heikki Sarmanto Trio: Carola & Heikki Sarmanto Trio
( 2004, Jazzpuu /Sähkö Recordings Jazzpuu-8CD )

Carola Standertskjöld (1941-97) war die erste finnische Jazz-Sängerin, die internationale Reputation erlangte, wenn auch in relativ bescheidenem Maße. Was keineswegs an ihrer Stimme oder ihrem Talent lag: Die Plattenfirmen hatten auch damals nur kommerzielle Interessen, daher ist der Jazz-Anteil an Carolas aufgenommenem Lebenswerk nicht sehr groß.

Carola singt noch schnörkelloser als Monica Zetterlund, mit angenehmer, warmer, recht tiefer Stimme. Das Repertoire dieser Aufnahmen von 1966 besteht aus Standards (sehr gut: »So Long, Big Time«, »The Second Time Around«, »Detour Ahead« und Ornette Colemans »Lonely Woman«) und zwei schönen Stücken von Esa Pethman (ts, fl), zu denen Carola selbst die Texte beisteuerte. Texte waren Carola ohnehin sehr wichtig; sie zählt eher zu den »Story Tellers« als zu den exaltierten Vokal-Akrobatinnen. Die Begleiter stammen aus der damaligen Band Pethmans: Heikki Sarmanto (p), Tapani Tamminen (b) und Reino Laine (dr) spielen sensibel und unspektakulär. Bleibt demnach ein schönes Dokument einer Sängerin, die eine größere Karriere verdient gehabt hätte – und die Frage: warum gab es diese nicht? (tjk)



Siehe auch:
Monica Zetterlund

 Carola: Carola & Heikki Sarmanto Trio

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Dalindèo: Open Scenes
( 2007, Ricky Tick Records RCD03/RT013 )

Retro ist, wenn die Adidas seine 74er Kollektion wieder auflegt, wenn die Jungs wieder Tetris spielen und im Supermarkt Africola kaufen. Nostalgisch ist, wenn Dalindèo die Bläsersektion abstauben und die Latin-Grooves aus der alten Kiste auf dem Dachboden hervor kramen. Das Helsinki-Sextett beschwört gute alte Zeiten herauf und ist doch fest im Hier und Heute verankert.

Ein bisschen zu lieblich tönen die immerzu warmen Sounds, die sich mit viel Frische und Leichtigkeit im Raum bewegen – aber die Spielfreude ist nicht zu überhören. Und so wird sich entstressend und permanent alte Cinemascope-Strand-Videos reminiszierend durch das Debüt geschlängelt. Mal überbordend opulent und energetisch, dann getragen von altmodischem Flair und tiefsinnigen Melodieparts, die bei überwiegend instrumental gehaltenen Aufnahmen umso mehr Gewichtung erfahren. Nur auf drei Tracks steuert die Japanerin Michiko Vocals bei. Mitunter ist dies der bunteste Dancefloor-Jazz aus Finnland seit geraumer Zeit. (maw)

 Dalindèo: Open Scenes

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Duo Milla Viljanmaa & Johanna Juhola: Mi Retorno
( 2007, Texicalli Records TEXCD 076 )

Es geht ja das Gerücht um, das der finnische Tango dem argentinischen Original an rhythmischer Finesse und Virtuosität hoffnungslos unterlegen sei wie die jeweiligen Fußball-Nationalmannschaften. Gut, was den Tanz angeht, sei dem zugestimmt, was den Fußball angeht: Mal sehen. Und was die Musik betrifft: von wegen!

Wobei man, zugegeben, das, was die Pianistin Milla Viljanmaa und die Akkordeonistin Johanna Juhola, hier veranstalten, nicht ganz dem »Finnischen Tango« zurechnen kann. Beide kennt man von diversen anderen Projekten, beide sind auch solo aktiv. Sie bedienen sich bei Unto Mononen (»Tähdet Meren Yllä«) genauso wie bei Astor Piazzolla (»Coral«), schreiben aber die meisten Stücke selbst. Diese klingen mal etwas melancholisch, öfters beherzt nach vorne und irrwitzig virtuos: Die beiden spielen wie der Teufel und schreiben gute Stücke, holen sich Unterstützung von Sara Puljula (b) und Pekka Kuusisto (vi) und machen alles richtig – eine grandiose Tango-Scheibe! (tjk)

 Duo Milla Viljanmaa & Johanna Juhola: Mi Retorno

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Echosystem: Madaga
( 2007, Presence Records PRECD 003 )

Mit viel Feuer widerlegt dieses Septett aus Helsinki sicher die letzten Klischees der dauerdepressiven Finnen, die, eingeschneit von Weltschmerz und Selbstmitleid, bevorzugt nach traurigen Tangos in der Sauna Selbstmord begehen. Von wegen: Echosystem erhellen den Winter mit sonnigen brasilianischen Rhythmen und einer scharfen Prise Funk und Jazz; auch ein paar hektische Breakbeats fehlen nicht.

Bemerkenswert zudem, dass Echosystem auf »MADAGA« völlig auf brasilianische Klassiker verzichten: die Keyboarderin Elina Lae und die Sängerin Vilja Larjosto schreiben alle Stücke für Echosystem, Valtteri Nevalainen (fl) und Linda Fredriksson (sax) spielen frische Soli, dazu grooven Jarno Lappalainen (b), Aukka Auvinen (perc) und Drummer Kimmo Salminen um die Wette. Bei Echosystems Esprit, Talent und Energie schmilzt der Schnee, in Rio wie in Helsinki. (tjk)

 Echosystem: Madaga

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Johanna Elina: Our Garden
( 2012, Divine Records /Broken Silence )

Wenn die Sache so einfach wäre. Wenn sich Johanna Elina einfach unter der Rubrik »interessante neue Jazz-Vokalistin« einordnen ließe. Aber die Sache ist vertrackter. Denn die finnische Sängerin bleibt auf ihrem Debütalbum »OUR GARDEN« nicht brav in der jazzigen Ecke stehen. Sondern ist lieber Grenzgängerin und sucht das Abenteuer. Wagt sich mit »Dream Of A Family« auf scheinbar brav-folkiges Terrain mit naivem Unterton. Aber die vertrauten Dinge verändern hier fast unmerklich ihre Konturen und entwickeln einen doppelten Boden. Oder die Chanteuse schlendert im Zweieinhalb-Minüter »How Can You Resist Love« zunächst ins ins Klassisch-Balladige hinüber, um dann kopfüber ins klassische Filmmusical zu springen.

Nach eigenwilliger Leichtigkeit steht ihr nur zwischenzeitlich der Sinn. Rasch kippt die Stimmung, wird nachdenklich und melancholisch. »He´s gone. He´a left you all alone. All mistakes are done. And you´re going nowhere.« Präziser er als in »Mistakes« lässt sich das Zerbrechen einer Beziehung wohl nicht beschreiben. Ganz ureigentlich pflegt die Sängerin eine intensive Unterströmung von Weird Pop. Oder experimentellem Indie-Kunstlied. Und deshalb ist das sehr schräge »Strange Shore« mit den taumelnden Bläsern der heimliche emotionale Höhepunkt des Albums.

Johanna Elina, die heute in Kopenhagen lebt, hat für ihr erstes Album hochkarätige musikalische Mistreiter vornehmlich aus den skandinavischen Ländern gefunden, die ihre selbstbewusste Altstimme dezent in den Fokus stellen. Ebenso dezent spielt sie die Tatsache herunter, dass es sich hier um ein sehr schlaues Album handelt, das nach allen Seiten offen ist. Finnische Bescheidenheit? Hat Johanna Elina überhaupt nicht nötig! (emv)

Johanna Elina: Our Garden

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Espoo Big Band: Pays The Music Of Sakari Kukko – Moonlight Caravan & Finnish Characters
( 1990, Kukko EBBCD-001 )

Die Espoo Big Band spielt mit dem UMO in einer eigenen Liga. Hier widmet sie sich ausschließlich Kompositionen des Piirpauke-Masterminds Sakari Kukko, der beweist, dass er große Musik schreiben und auch für Big Band arrangieren kann. Beide Titel sind längere Suiten: »KUUTAMOKARAVAANI (MOONLIGHT CARAVAN)« besteht aus drei Teilen, »SUOMALAISIA LUONTEENPIIREITÄ (FINNISH CHARACTERS)« sogar aus sieben. In seiner ganz eigenen Manier verknüpft Sakari Kukko folkloristische Elemente mit Big Band-Klangfarben, lässt sogar Dixieland-Zirkus-Atmosphäre aufscheinen (»Napoleonin Marssi/Napoleon's March«) und es sich natürlich nicht nehmen, selbst mitzuspielen und einige feine Soli an Sopran- und Tenorsaxophon (»Kolmiodraama/Triangle Drama«) beizusteuern.

Unter der Regie von Martti Lappalainen agiert die EBB druckvoll und mit enormer Spielfreude. Was bei der Starbesetzung nicht wundert: Mika Mylläri und Simo Salminen sitzen in den Trompeten, Kari Tenkanen, Kari Heinilä und Pertti Päivinen in den Saxophonen, dazu Markku Kanerva (g), Tapio Aaltonen (perc) und das komplette Trio Töykeät – Iiro Rantala (p), Eerik Siikasaari (b) und Rami Eskelinen (dr) – sorgen für satten Drive in jeder Stilrichtung. (tjk)



Siehe auch:
Piirpauke
Umo Jazz Orchestra

Trio Töykeät


 Espoo Big Band: Pays The Music Of Sakari Kukko – Moonlight Caravan & Finnish Characters

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The Five Corners Quintet: Hot Corner
( 2008, Ricky Tick Records RTCD 09/RT 027 )

Die guten wilden alten Zeiten des Hard Bop, des Soul Jazz, den Blue Note-Sound – das lieben viele Musiker, ein Quintett aus Finnland geht aber mindestens einen Schritt weiter und rührt noch eine Prise 70-er Funk-Jazz und Disco und moderne elektronische Gewürze in die Mischung – Hauptsache, es groovt, das Five Corners Quintet macht Dancefloor-Jazz der Extraklasse.

Timo Lassy (ts), Jukka Eskola (tp), Mikael Jakobsson (p), Antti Lötjönen (b) und Teppo Mäkynen (dr) machen enorm viel Dampf, was ihnen Arrangeur und Mastermind Tuomas Kallio (NuSpirit Helsinki) auch so verordnet. »HOT CORNER« trägt diesen Titel nicht umsonst, die ganze CD groovt herrlich, ist gespickt mit feinen, mitsingbaren Melodien und feurigen Soli von Eskola und Lassy, ist vor allem dabei auch noch verdammt cool – wozu besonders die Gäste beitragen, allen voran der 76-jährige legendäre Sänger, nein, Crooner Mark Murphy, der stimmlich bestens in Form ist und zu den jungen Finnen passt wie die Faust aufs Auge. So geht’s! (tjk)



Mehr CDs von The Five Corners Quintet



Siehe auch:
U-Street All Stars
Nuspirit Helsinki

Timo Lassy

Jukka Perko


The Five Corners Quintet: Hot Corner

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Jukka Gustavsson: Toden Toistoa
( 1981, Ponsi PEACD 26 )

Jukka Gustavsson, Wigwam-Mitglied und hochgelobter Tastenkünstler, hat mit seiner dritten Solo-Platte (Unteritel: »YRITÄN KERTOA SINULLE KAIKEN ...«) nun auch nicht gerade Rom entdeckt: Freilich sind die vier ellenlangen Stücke sehr gefällig und grooven sich Keyboard-dominiert irgendwie zwischen Jazz Rock, Pop und Prog Rock hindurch, aber so richtig zwingend ist das nicht.

Da helfen auch nicht Pekka Rechardt und Seppo Tyni (beide an der Gitarre und auch mit Pekka Pohjola zugange) – es hapert einfach konzeptionell und am Gesang und hier und da und überall. Einem Vergleich mit den beiden früheren Platten hält das nicht stand, und auch später lieferte Gustavsson wieder besseres ab. (tjk)



Siehe auch:
Wigwam
Pekka Pohjola

Jukka Tolonen


Jukka Gustavsson: Toden Toistoa

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Iro Haarla: Northbound
( 2005, ECM /Universal 987.0377 )

Iro Haarla hat es nie in den Vordergrund gedrängt. Als sie Ende der Siebziger als Absolventin der Sibelius Akademie den Schlagwerker Edward Vesala kennen lernt, stellt sie ihre eigenen Pläne als Komponistin und Musikerin zurück – mag die Kritik auch bis heute darauf verweisen, wie wichtig ihr Können für Vesalas Musik immer gewesen sei. Nun: Wiederum knappe sechs Jahre nach Vesalas so frühem Tod im Jahre 1999 gönnt sie sich (endlich) eine eigene Band und griff dabei auf die Besten der nordischen Jazzzunft zurück. Als da wären der Schlagzeuger Jon Christensen, der Bassist Uffe Krokfors, der noch junge Trompeter Mathias Eick, der schon Jaga Jazzist beistand. Und vor allem der Saxophonist Trygve Seim.

Er ist es, der ihr Debüt »NORTHBOUND« – bestehend aus elf verblüffend einander verwandten wie jeweils für sich stehenden Kompositionen – mit einem warmherzigen Schmelz überzieht. Und dies korrespondiert wunderbar mit den mal spröden, mal verwinkelten Einfällen und Ideen Haarlas, die zugleich als Harfenistin und Pianistin zu hören ist. Ergibt zusammen eine eindrückliche, empfindsame, aber nie mit vordergründigen Sentimentalitäten heischende Produktion, an der man sich schon bald nicht satt hören kann. (frk)



Siehe auch:
Edvard Vesala
Jaga Jazzist

Trygve Seim

Iro Haarla Quintet


Iro Haarla: Northbound

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Iro Haarla; Quintet: Vespers
( 2011, ECM /Universal 274 3616 )

Erst denken, dann spielen? Sicher ist Iro Haarla nicht für überbordend energetische Ausschweifungen in ihrer Musik bekannt, aber wer »VESPERS« als Kopfmusik abtut, vergibt eine große Chance, nämlich die Seele hinter kargen Strukturen und langgestreckten Melodien zu entdecken.

Und darin ist Weite, Offenheit, Klarheit und Ruhe, auch Ordnung. Und ganz viel Klang. Iro Haarla hat die Saiten in der Hand, ob am Flügel oder Harfe. Trygve Seim (ts, ss) und Mathias Eick (tp), die ECM-Youngsters aus Norwegen, überbieten sich in den o.g. Disziplinen, während Ulf Krokfors am Bass wohl gerne kräftiger zupacken würde und Jon Christensen (dr) einfach Jon Christensen (dr) ist. Hohe, grandiose ECM-Kunst sicherlich, bewundernswert, aber auch liebenswert? Erst »Returning Home«, das vorletzte Stück, berührt und zaubert eine Gänsehaut herbei, eine kleine. (tjk)



Siehe auch:
Iro Haarla
Trygve Seim

Mathias Eick

Jon Christensen / Keith Jarrett


Iro Haarla: Vespers

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