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Lange Rezensionen 1 - 10 von 82 im Genre »Jazz« und Land »Finnland« (insgesamt 121)

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Kirsti Alho & Tuomas Kauppi: Very Late
( 2009, Laika 3510256.2 )

Mit so unterschiedlichen Musikern wie Al Jarreau, Archie Shepp, Horst Jankowski, Günter Lenz, Eric Burdon und dem UMO stand Kirsti Alho schon auf der Bühne, und wahrlich, sie ist kein Fallobst im Früchtegarten des Jazzgesangs. Zu ihren bevorzugten Formaten gehört dieses Duo mit dem Pianisten Tuomas Kauppi.

Archie Shepp ist denn auch mit zwei Kompositionen vertreten, »Déja Vu« und dem besseren »Steam«. Wayne Shorters »Infant Eyes« dichtet sie um zu »Heavenly Dream«. Generell schreibt Alho viele Texte, nicht nur zu bekannten Stücken, auch zu Kauppis Kompositionen. Dieser selbst stellt sich fast zu sehr in den Dienst der Sängerin und kommt solistisch etwas zu kurz, als Begleiter jedenfalls spielt er sehr einfühlsam und aufmerksam. Zwei Monk-Kompositionen gehören zu den Highlights: »Man, That Was A Dream» und »How I Wish«, beide besser bekannt als »Monk’s Dream« und »Ask Me Now« - letzteres eine der schönsten Balladen des für seine schrägen Stücke bekannten Pianisten. Kirsti Alho hat sicher keine One-in-a-million-Stimme, sie singt ziemlich schnörkellos, aber sie ist eine gute, und entsprechend ist auch »VERY LATE« absolut hörenswert. (tjk)

Kirsti Alho & Tuomas Kauppi: Very Late

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Anna-Mari Kähärä Orchestra: Anna-Mari Kähärä Orchestra
( 2005, Blue Note 50999-7239902-6 )

Sie ist gleichzeitig Sidewoman und Mastermind bei vielen Projekten, ihre Fähigkeiten sind genreübergreifend hoch geschätzt: Anna-Mari Kähärä spielt nicht nur vorzüglich diverse Tasteninstrumente, sie komponiert, arrangiert und arbeitet konzeptionell auch für Film, Fernsehen, Theater und andere künstlerische Bereiche. Anfang 2013 etwa war sie musikalische Leiterin von Maria Ylipääs Programm über die Autorin Onerva.

Sie kombiniert gerne etwas schrilleres Outfit mit ambitionierter Musik, so auch auf ihrem Erstling unter eigenem Namen, der beim renommierten Blue Note-Label erschien. Hier vertont sie Gedichte von Robert Louis Stephenson, June Faith, Charles Bukowski und anderen amerikanischen Schreibern. Dass sie dabei musikalische Grenzen völlig ignoriert, ist angesichts ihrer bisherigen musikalischen Vita nicht verwunderlich. In ihrem Orchestra hat sie dann auch einige ehemalige Wegbegleiter versammelt: Jarmo Saari (Zetaboo) und Marzi Nyman an den Gitarren, Violinist Pekka Kuusisto und Percussionist Zarkus Poussa, dazu noch Tuure Koski am Bass und Kirmo Lintinen, den UMO-Leader – also die crème de la crème der stilübergreifenden Top-Musiker Finnlands. Sie selbst brilliert an Flügel und Akkordeon und singt mit leicht rauchiger Stimme, wie im südstaatlich-gespenstischen »I Hear Drums«. Eher an Sade erinnert sie in »Love Is In Your Heart«, unterschwellig groovt sie mit Megaphon in »Dead Love«. Es geht also viel um Liebe, »So This Is Love« zum Schluss ist auch eine Hommage an amerikanische Vokal-Ensembles
der 60er Jahre. (tjk)



Siehe auch:
How Many Sisters
ZetaBoo

Jarmo Saari

Pekka Kuusisto


 Anna-Mari Kähärä Orchestra: Anna-Mari Kähärä Orchestra

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Black Motor: Yöstä Aamun Kynnykselle
( 2013, Nordic Notes NN055 )

Trotz fast zehn Alben im Gepäck sind die drei Finnen aus Pori und Tampere hierzulande bislang nur Eingeweihten ein Begriff. Dabei werden sie von Größen der Szene wie Verneri Pohjola, Peter Brötzmann oder Iro Haarla geschätzt und besucht. Äußerlich könnte man das Trio für eine Grunge-Band halten (eine finnische, gleichwohl), doch auf »YÖSTÄ AAMUN KYNNYKSELLE« lassen sich Bassist Ville Rauhala, Tenorsaxofonist Sami Sippola und Simo Laihonen an Schlaginstrumenten und Flöten recht entspannt dahintreiben. Das Album nimmt sich mehr als eine Stunde Zeit; die durchschnittliche Länge der acht Stücke liegt über acht Minuten.

Unruhig darf man bei dieser CD nicht sein, sonst vergeht einem die Laune. Assoziativ, latent psychedelisch, aber vor allem zwanglos mäandernd gleiten die Melodien dahin, als gäbe es kein Morgen. Vor allem das Saxofon erzählt lässige Geschichten, die vom Schlagzeuger so sanft wie (klang-)farbenreich kontrastiert werden. Der Kontrabass geht streckenweise ein wenig unter zwischen den beiden anderen, aber wenn er sich mal bemerkbar macht, dann deutet sich ein starker Charakter an, dem man insgesamt ein wenig mehr Präsenz gewünscht hätte. Ein Album, das einen nicht unmittelbar anspringt; eines, in das man sich einhören muss, aber das gut zum langen finnischen Winter passt. (ijb)



Siehe auch:
Verneri Pohjola
Iro Haarla


 Black Motor: Yöstä Aamun Kynnykselle

Audio-Link Offizielle Website

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Carola & Heikki Sarmanto Trio: Carola & Heikki Sarmanto Trio
( 2004, Jazzpuu /Sähkö Recordings Jazzpuu-8CD )

Carola Standertskjöld (1941-97) war die erste finnische Jazz-Sängerin, die internationale Reputation erlangte, wenn auch in relativ bescheidenem Maße. Was keineswegs an ihrer Stimme oder ihrem Talent lag: Die Plattenfirmen hatten auch damals nur kommerzielle Interessen, daher ist der Jazz-Anteil an Carolas aufgenommenem Lebenswerk nicht sehr groß.

Carola singt noch schnörkelloser als Monica Zetterlund, mit angenehmer, warmer, recht tiefer Stimme. Das Repertoire dieser Aufnahmen von 1966 besteht aus Standards (sehr gut: »So Long, Big Time«, »The Second Time Around«, »Detour Ahead« und Ornette Colemans »Lonely Woman«) und zwei schönen Stücken von Esa Pethman (ts, fl), zu denen Carola selbst die Texte beisteuerte. Texte waren Carola ohnehin sehr wichtig; sie zählt eher zu den »Story Tellers« als zu den exaltierten Vokal-Akrobatinnen. Die Begleiter stammen aus der damaligen Band Pethmans: Heikki Sarmanto (p), Tapani Tamminen (b) und Reino Laine (dr) spielen sensibel und unspektakulär. Bleibt demnach ein schönes Dokument einer Sängerin, die eine größere Karriere verdient gehabt hätte – und die Frage: warum gab es diese nicht? (tjk)



Siehe auch:
Monica Zetterlund

 Carola: Carola & Heikki Sarmanto Trio

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Dalindèo: Open Scenes
( 2007, Ricky Tick Records RCD03/RT013 )

Retro ist, wenn die Adidas seine 74er Kollektion wieder auflegt, wenn die Jungs wieder Tetris spielen und im Supermarkt Africola kaufen. Nostalgisch ist, wenn Dalindèo die Bläsersektion abstauben und die Latin-Grooves aus der alten Kiste auf dem Dachboden hervor kramen. Das Helsinki-Sextett beschwört gute alte Zeiten herauf und ist doch fest im Hier und Heute verankert.

Ein bisschen zu lieblich tönen die immerzu warmen Sounds, die sich mit viel Frische und Leichtigkeit im Raum bewegen – aber die Spielfreude ist nicht zu überhören. Und so wird sich entstressend und permanent alte Cinemascope-Strand-Videos reminiszierend durch das Debüt geschlängelt. Mal überbordend opulent und energetisch, dann getragen von altmodischem Flair und tiefsinnigen Melodieparts, die bei überwiegend instrumental gehaltenen Aufnahmen umso mehr Gewichtung erfahren. Nur auf drei Tracks steuert die Japanerin Michiko Vocals bei. Mitunter ist dies der bunteste Dancefloor-Jazz aus Finnland seit geraumer Zeit. (maw)

 Dalindèo: Open Scenes

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Duo Milla Viljamaa & Johanna Juhola: Mi Retorno
( 2007, Texicalli Records TEXCD 076 )

Es geht ja das Gerücht um, das der finnische Tango dem argentinischen Original an rhythmischer Finesse und Virtuosität hoffnungslos unterlegen sei wie die jeweiligen Fußball-Nationalmannschaften. Gut, was den Tanz angeht, sei dem zugestimmt, was den Fußball angeht: Mal sehen. Und was die Musik betrifft: von wegen!

Wobei man, zugegeben, das, was die Pianistin Milla Viljanmaa und die Akkordeonistin Johanna Juhola, hier veranstalten, nicht ganz dem »Finnischen Tango« zurechnen kann. Beide kennt man von diversen anderen Projekten, beide sind auch solo aktiv. Sie bedienen sich bei Unto Mononen (»Tähdet Meren Yllä«) genauso wie bei Astor Piazzolla (»Coral«), schreiben aber die meisten Stücke selbst. Diese klingen mal etwas melancholisch, öfters beherzt nach vorne und irrwitzig virtuos: Die beiden spielen wie der Teufel und schreiben gute Stücke, holen sich Unterstützung von Sara Puljula (b) und Pekka Kuusisto (vi) und machen alles richtig – eine grandiose Tango-Scheibe! (tjk)

 Duo Milla Viljamaa & Johanna Juhola: Mi Retorno

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Echosystem: Madaga
( 2007, Presence Records PRECD 003 )

Mit viel Feuer widerlegt dieses Septett aus Helsinki sicher die letzten Klischees der dauerdepressiven Finnen, die, eingeschneit von Weltschmerz und Selbstmitleid, bevorzugt nach traurigen Tangos in der Sauna Selbstmord begehen. Von wegen: Echosystem erhellen den Winter mit sonnigen brasilianischen Rhythmen und einer scharfen Prise Funk und Jazz; auch ein paar hektische Breakbeats fehlen nicht.

Bemerkenswert zudem, dass Echosystem auf »MADAGA« völlig auf brasilianische Klassiker verzichten: die Keyboarderin Elina Lae und die Sängerin Vilja Larjosto schreiben alle Stücke für Echosystem, Valtteri Nevalainen (fl) und Linda Fredriksson (sax) spielen frische Soli, dazu grooven Jarno Lappalainen (b), Aukka Auvinen (perc) und Drummer Kimmo Salminen um die Wette. Bei Echosystems Esprit, Talent und Energie schmilzt der Schnee, in Rio wie in Helsinki. (tjk)

 Echosystem: Madaga

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Johanna Elina: Our Garden
( 2012, Divine Records /Broken Silence )

Wenn die Sache so einfach wäre. Wenn sich Johanna Elina einfach unter der Rubrik »interessante neue Jazz-Vokalistin« einordnen ließe. Aber die Sache ist vertrackter. Denn die finnische Sängerin bleibt auf ihrem Debütalbum »OUR GARDEN« nicht brav in der jazzigen Ecke stehen. Sondern ist lieber Grenzgängerin und sucht das Abenteuer. Wagt sich mit »Dream Of A Family« auf scheinbar brav-folkiges Terrain mit naivem Unterton. Aber die vertrauten Dinge verändern hier fast unmerklich ihre Konturen und entwickeln einen doppelten Boden. Oder die Chanteuse schlendert im Zweieinhalb-Minüter »How Can You Resist Love« zunächst ins ins Klassisch-Balladige hinüber, um dann kopfüber ins klassische Filmmusical zu springen.

Nach eigenwilliger Leichtigkeit steht ihr nur zwischenzeitlich der Sinn. Rasch kippt die Stimmung, wird nachdenklich und melancholisch. »He´s gone. He´a left you all alone. All mistakes are done. And you´re going nowhere.« Präziser er als in »Mistakes« lässt sich das Zerbrechen einer Beziehung wohl nicht beschreiben. Ganz ureigentlich pflegt die Sängerin eine intensive Unterströmung von Weird Pop. Oder experimentellem Indie-Kunstlied. Und deshalb ist das sehr schräge »Strange Shore« mit den taumelnden Bläsern der heimliche emotionale Höhepunkt des Albums.

Johanna Elina, die heute in Kopenhagen lebt, hat für ihr erstes Album hochkarätige musikalische Mistreiter vornehmlich aus den skandinavischen Ländern gefunden, die ihre selbstbewusste Altstimme dezent in den Fokus stellen. Ebenso dezent spielt sie die Tatsache herunter, dass es sich hier um ein sehr schlaues Album handelt, das nach allen Seiten offen ist. Finnische Bescheidenheit? Hat Johanna Elina überhaupt nicht nötig! (emv)

Johanna Elina: Our Garden

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Jukka Eskola Orquestra: Bossa
( 2014, Schema Records SCCD 463 )

Und jetzt also auch noch Bossa: es ist schon frappierend, was Jukka Eskola alles aus alten Hüten der 50er und 60er Jahre hervorholt. Und was er schlussendlich daraus macht, denn er ist nun wirklich kein Epigone der Helden von früher. Das ist schon lange klar, man nehme nur das Five Corners Quartet als Beispiel. Die Begeisterung, die diese Formation hervorruft, dürfte auch »BOSSA« zuteil werden. Mit diesem Projekt ist es nämlich ähnlich: Eskola und Co-Komponist Teppo Mäkynen schreiben Bossa-Stücke mit leichtem Nordeuropa-Feeling. Der Sound ist durchdacht, transparent und unaufdringlich, viel zu gut für Easy Listening und viel zu leicht zum Sitzenbleiben.

Zu einem regulären Bossa-Jazz-Sextett mit den bewährten Allzweckwaffen Ville Herrala (b), Jaska Lukkarinen (dr), Teppo Mäkynen (p und perc) sowie dem Gitarristen Peter Engberg und Petri Puolitaival an Altsax, Altflöte und Bassflöte gesellt Eskola noch ein Streichquartett von ähnlichem Format: das Proton String Quartet wartet nicht nur mit netten Untermalungen auf, sondern trägt maßgeblich zum Sound der CD bei – dank der feinen Arrangements von Eskola, Mäkynen und Jussi Lampela, also auch hier die Creme des Ricky Tick-Umfelds. Zu den Originals kommt ein Cover von Milton Nascimento und eine ganz subtile Interpretation von »Wien«, einem Song von Ville Leinonen. Solistisch ragen Engberg, Puolitaival und natürlich Trompeter Eskola heraus. Jetzt also auch noch Bossa: wurde ja auch Zeit! (tjk)



Siehe auch:
Five Corners Jazz Quintet
Ville Leinonen


Jukka Eskola Orquestra: Bossa

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Espoo Big Band: Pays The Music Of Sakari Kukko – Moonlight Caravan & Finnish Characters
( 1990, Kukko EBBCD-001 )

Die Espoo Big Band spielt mit dem UMO in einer eigenen Liga. Hier widmet sie sich ausschließlich Kompositionen des Piirpauke-Masterminds Sakari Kukko, der beweist, dass er große Musik schreiben und auch für Big Band arrangieren kann. Beide Titel sind längere Suiten: »KUUTAMOKARAVAANI (MOONLIGHT CARAVAN)« besteht aus drei Teilen, »SUOMALAISIA LUONTEENPIIREITÄ (FINNISH CHARACTERS)« sogar aus sieben. In seiner ganz eigenen Manier verknüpft Sakari Kukko folkloristische Elemente mit Big Band-Klangfarben, lässt sogar Dixieland-Zirkus-Atmosphäre aufscheinen (»Napoleonin Marssi/Napoleon's March«) und es sich natürlich nicht nehmen, selbst mitzuspielen und einige feine Soli an Sopran- und Tenorsaxophon (»Kolmiodraama/Triangle Drama«) beizusteuern.

Unter der Regie von Martti Lappalainen agiert die EBB druckvoll und mit enormer Spielfreude. Was bei der Starbesetzung nicht wundert: Mika Mylläri und Simo Salminen sitzen in den Trompeten, Kari Tenkanen, Kari Heinilä und Pertti Päivinen in den Saxophonen, dazu Markku Kanerva (g), Tapio Aaltonen (perc) und das komplette Trio Töykeät – Iiro Rantala (p), Eerik Siikasaari (b) und Rami Eskelinen (dr) – sorgen für satten Drive in jeder Stilrichtung. (tjk)



Siehe auch:
Piirpauke
Umo Jazz Orchestra

Trio Töykeät


 Espoo Big Band: Pays The Music Of Sakari Kukko – Moonlight Caravan & Finnish Characters

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