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Lange Rezensionen 1 - 10 von 65 im Genre »Klassik« und Land »Finnland« (insgesamt 65)

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Monica Groop:
Artist Portrait. Werke von Bach, Händel, Gluck, Paisiello, Bizet, Saint-Saëns, Thomas, Berlioz, Sibelius
Händel, Gluck, Bizet, Saint-Saëns, Sibelius u.a.
( 2003, Warner Classics 0927.49704-2 )

»Die Stimme ist der Spiegel der Seele«, soll die finnische Mezzosopranistin Monica Groop einmal gesagt haben. Und wer auf dem neu aufgelegten Sampler die 14 Spiegelbilder ihrer Seele akustisch in sich aufnimmt, wird sich der Faszination dieser Stimme kaum entziehen können.

Glockenhell, diszipliniert und klar singt sie drei Bachkantaten sowie Barock-Arien von Händel, Gluck und Paisiello, die beweisen, warum die Finnin während der letzten Jahre zu einer der international gefragtesten Barock-Interpretinnen geworden ist. Glutvoll warmherzig wechselt sie dann ins 19. Jahrhundert zu Bizets Carmen, zu Saint-Saëns, Thomas und Berlioz, um im Finale auch eine Kostprobe aus Sibelius' Kullervo-Symphonie beizusteuern. Ein erstaunlich weit gefasster Reigen, den Monica Groop mit vielen Facetten ihres musikalischen Könnens konsequent beherrscht. (mls)

Monica Groop: Artist Portrait. Werke von Bach, Händel, Gluck, Paisiello, Bizet, Saint-Saëns, Thomas, Berlioz, Sibelius

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Magnus Lindberg:
Magnus Lindberg: Orchestral Music
( 4 CDs, 2011, Ondine /Naxos ODE1110 )

Lindberg, die volle Ladung: 15 Orchesterwerke, chronologisch nach Entstehung geordnet, vom jugendlichen »Tendenza« des Vierundzwanzigjährigen, 1982, bis »Sculpture« aus der Feder des Weltberühmten, 2005. Drei finnische Stardirigenten spielten diesen Klangberg mit drei Orchestern zwischen 1989 und 2008 ein. Gerade die richtige Präsentation für einen, der sagt: »Nur das Extreme ist interessant.« Im Beiheft wird Lindberg als »Komponist von Kraft, Bewegung und Farbe« überschrieben. Das könnte platt und einfallslos sein, bedenkt man, dass diese Attribute alles und nichts im Orchester sein können. Doch Lindberg, der große, aus dem Vollen schöpfende, seinen Reichtum kompositorischer Ideen ausgießende Philharmoniker aus Helsinki, darf auf solche drei Worte reduziert werden. Wer, wenn nicht er!

Favoriten auszumachen ist schwer. Bevorzugt man das spektakuläre Drama der »Kinetics« (einer von Lindbergs typischen sprechenden Titeln), die den Komponisten in der Rastlosigkeit eines 30jährigen Genies zeigen? Dieses 1989 entstandene, flirrende und umherspringende Werk für großes Orchester wirft in 13 Minuten die Energie und die Extreme bald einer ganzen Berlioz-Sinfonie durch die Lüfte. Hier vertreten ist übrigens durch die vermutlich bislang unübertroffene Ureinspielung unter Jukka-Pekka Saraste mit dem Münchner RSO. Oder mag man lieber die hyper-strawinskieske Eckigkeit von »Corrente« (1992), famos interpretiert vom nach wie vor zwischen Heute und Morgen bestechend engagierten und sicheren Avanti! Kammerorchester? Ein hemmungsloses Klangfarbenspektakel wie es nur Lindberg zu bieten hat, zwischen Solo-Klavier, Schlagwerkattacke und erschlagendem Orchesterorkan, ist auch »Feria« (1997).

Wenn auch einige große Werke gleichen Ranges dieser Box »fehlen«, lässt sich anhand dieser vier CDs doch ganz wunderbar Lindbergs künstlerischer Werdegang nachzeichnen und immer wieder in seinen Facetten entdecken und erleben. Das im Jahr 2000 entstandene »Gran Duo« etwa überrascht dann nicht nur durch relative Ruhe, sondern auch durch listige Beschränkung auf die Blech- und Holzbläsersektionen, die hier im Duett kommunizieren. Trotz der sehr weit auseinander liegenden Aufnahmeorte und -umstände wird diese Zusammenstellung durchweg klanglich zusammengehalten. Rein ins Geschehen, Herrschaften! Höchste Bewertungen in allen Kategorien. Wenn schon, denn schon. Wie gesagt: »Nur das Extreme ist interessant.« (ijb)



Siehe auch:
Esa-Pekka Salonen
Avanti! spielen Hämeenniemi


Magnus Lindberg: Magnus Lindberg: Orchestral Music

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Kalevi Aho:
Aho: Klavierwerke · Works for Solo Piano
( SACD, 2014, BIS /Klassik Center Kassel BIS-SACD-2106 )

Es ist ja kein Geheimnis, dass wir das große und umfangreiche Werk des Finnen Kalevi Aho ebenso schätzen wie die beispielhafte kuratorische Arbeit seines schwedischen »Hauslabels« BIS. Da haben sich zwei gefunden und erfreuen das Herz des an zeitgenössischer skandinavischer Komposition interessierten Hörers mit durchgehend empfehlenswerten CDs. Daher darf auch mal ein wenig kritische Verhaltenheit angebracht sein, wenn eine 73 Minuten lange Zusammenstellung von über dreißig Stücken aus vier Jahrzehnten eher wegen der Vollständigkeit des Oeuvres von Interesse ist als aufgrund der künstlerischen Prägnanz.

Doch das ist Kritik auf hohem Niveau, und die Interpretin Sonja Fräki am edlen Steinway D macht ihre Sache sehr gut. Man kann ihr die Disparatheit des Materials ja nicht zum Vorwurf machen. Aufwerfen darf man die Frage aber schon, wie man eine Zusammenstellung als Album goutiert, wenn »Drei kleine Klavierstücke« (1971) von zusammen knapp vier Minuten das komplette Pianowerk der Siebziger Jahre ausmachen, die darauf folgenden »Zwei leichte Klavierstücke für Kinder« (1983) ebenfalls ein wenig verloren wirken und überhaupt mehrere Stücke nur rund 30 Sekunden kurz sind. Das ganze wirkt ein wenig pflichtschuldig — doch genug des Lamentierens.

In lyrischen Passagen fühlt man sich bei Kalevi Ahos Solo-Klavierwerk ein wenig an zeitgenössische Kollegen wie Valentin Silvestrov erinnert, doch ansonsten scheint sich der Komponist eher an der Klassik zu orientieren, verweist aber darüber hinaus ebenso auf Bach wie auf Komponisten der Romantik. Echte Frühwerke des 1949 Geborenen sind vor allem die 1965 bis 1968 entstandenen »19 Preludes«, die er vor seiner Bekanntheit schrieb, Übungsstücke in der Tat, doch machen sie knapp die Hälfte der 73-minütigen Laufzeit aus. Zum Ende hin wird's merklich spannender, flippig etwa der Prestissimo-Satz der 1993 entstandenen »Sonatina«, natürlich keine zwei Minuten kurz. Mit den elf Minuten von »Solo II« macht man kompositorisch eine klare Zeitreise in die Stilistik der 1980er, ein forderndes Werk, aber kein großes. Ganz ähnlich klingt die abschließende, 1993 geschriebene Sonate, 14 Minuten lang und von allen Werken das spannendste, in dem sich viele spannende Kontraste und Abwege entdecken lassen. Wenn man so lange durchhält. Ansonsten unser Rat: CD von hinten hören. (ijb)

Kalevi Aho: Aho: Klavierwerke · Works for Solo Piano

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Kalevi Aho:
Kalevi Aho: Kammermusik
( 2012, BIS /Klassik Center Kassel BIS-CD-1886 )

Bekannter ist der 1949 geborene Kalevi Aho eher für seine Orchesterwerke, mit denen BIS vorrangig die andauernde und durchweg erfolgreiche Reihe der Aho-Werkschau bestreitet. Doch sollte das kammermusikalische Schaffen des Finnen nicht gering geschätzt werden. Drei dieser Werke, deren Entstehungszeitraum sich über gut zwanzig Jahre erstreckt, können in Form dieser mit 75 Minuten sehr langen CD kennengelernt werden.

Fast die Hälfte der CD-Laufzeit nimmt das eröffnende fünfsätzige Quintett für Klarinette und Streichquartett ein, das einen Teil von Ahos Holzbläser-Reihe bildet, die 1973 mit dem Oboenquinett begann und bis zum 2006 entstandenen Bläserquintett reicht. Wie schon bei der Premiere 1998 spielt Osmo Vänskä, ein intimer Kenner von Aho's Werk, auch hier die Klarinette. Der Zugang wird dem Hörer in diesem so klanglich fokussierten wie kompositorisch alle Ecken und Nischen abgrasenden Großwerk nicht leicht gemacht; eine extravagante Klarinette steht im Zentrum dieser Tour de Force, während die vier Streicher stets das Fundament oder den herausfordernden Part in dieser Zweisprache einnehmen. Wer mit dem Werk Ahos bislang nicht oder wenig vertraut ist, sollte eventuell den Umweg über die einnehmenderen Kammersinfonien wählen, bevor man dieses eher inkongruente und disharmonisch-sprunghafte Quinett zu durchdringen vermag.

Kaum einfacher wird man es mit der 25-minütigen Sonate für zwei Akkordeons haben, einer Variation der Sonate für Solo-Akkordeon, 1984 entstanden, was die späte CD-Veröffentlichung des Werks erklären könnte. Aho lotet alle Grenzen des Instruments aus, angelehnt an Liszts virtuoseste Pianostücke. Ähnlich neoklassizistische Färbungen schimmern durch das im überraschenden Wechsel teils skurril heitere, teils fast abgründig undurchsichtige Trio für Klarinette, Bratsche und Klavier, erst 2006 entstanden. Wenn auch nur unwesentlich weniger abstrakt als das Quintett kann das Trio doch durch die weniger ausufernd angelegte Gesamtstruktur und Länge sowie durch die Gleichbehandlung der drei Spieler viel unmittelbarer begeistern und überzeugen. (ijb)



Siehe auch:
Osmo Vänskä

Kalevi Aho: Kalevi Aho: Kammermusik

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Kalevi Aho:
Kalevi Aho: Symphony No.15 · Double Bass Concerto · Minea
( SACD, 2013, BIS /Klassik Center Kassel BIS-1866-SACD )

Ahos »Hauslabel« BIS schließt auf bis an die Gegenwart. Mit der jüngsten Folge gelangt die Aho-Werkreihe zu seiner 2009/10 komponierten 15. Sinfonie. Die 16. hat er wohl zwischenzeitlich bereits abgeschlossen — und (zumindest in dieser Hinsicht) damit eines seiner Vorbilder überrundet: Dmitri Schostakowitsch schaffte »nur« 15 Sinfonien, wobei man darauf hinweisen darf, dass Ahos Orchesterwerke zumeist auch nicht ganz so voluminös angelegt daherkommen. Seine Nummer 15 überzeugt mit vier Sätzen in dreißig kompakten Minuten, auf den Punkt dirigiert vom Moskau-geborenen Wahlfinnen Dima Slobodeniouk.

Superb schon die ersten Passagen des eröffnenden Satzes »Nebbia«, »Nebelmusik«, mit denen Aho alle Gewissheiten aushebelt. Doch —»meine Apotheose des Tanzes« nennt Kalevi Aho seine 15. Symphonie— steigert sich der Orchesterapparat aus den anfänglichen Nebelschwaden zu komplexen Tanzstücken (»Musica bizarra«, »Musica strana«), extravagant mit verschiedensten Schlaginstrumenten wie Bongos, Darbukas, Djembe und dem Riqq, einem arabischen Tambourin, ausgemalt.

Und auch über Osmo Vänskäs gewohnt durchdringendes Dirigat darf man sich hier wieder freuen: Er wünschte sich von Aho ein rund zwanzigminütiges Orchester-Virtuosenstück für das Minnesota Orchestra, das allen Musikern des Ensembles herausfordernde Aufgaben stellt — und das naheliegenderweise dieses sehr reiche, beeindruckende und komplexe Programm eröffnet. Aho beschreibt »Minea« als entscheidend von indischer und anderer orientalischer Musik inspiriert; auch die japanische Shakuhachi-Flöte diente ihm als Einfluss. Bestimmt hatte er eine Referenz an Ravels »Bolero« im Sinn. Das zunehmend rhythmisch effektvolle Orchesterstück endet in Höchsttempo, prestissimo, und da hört man die sich anschließenden Jubelstürme in den Philharmonien direkt mit.

Die beiden Werke rahmen das 2005 für Eero Munter geschriebene, ebenfalls halbstündige Virtuosenkonzert für Kontrabass und Orchester in fünf Sätzen, welches mit etlichen unerwarteten Klangideen und unorthodoxen Kadenzen aufwartet: einem Pizzicato-Duett mit der Harfe und einem Trio mit zwei Percussionisten. Ohne Frage: Mit dieser Folge der Aho-Reihe bekommt man Außerordentliches und ausgesprochen viel geboten, und somit gerade im Abwechslungsreichtum eine exzellente Reise quer durch das große Können des finnischen Meisters. (ijb)



Siehe auch:
Jaakko Kuusisto

Kalevi Aho: Kalevi Aho: Symphony No.15 · Double Bass Concerto · Minea

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Kalevi Aho:
Kalevi Aho: Theremin Concerto · Horn Concerto
( SACD, 2014, BIS /Challenge Records Internationa BIS-2036 SACD )

Nachdem der hoch produktive und ambitionierte Kalevi Aho Solokonzerte für alle wesentlichen Instrumente im aus der Romantik tradierten Orchesters geschrieben hatte, blieb ihm sozusagen nur noch das Horn. Er hörte 2009 Annu Salminen im südkarelischen Lappeenranta und war so hingerissen von ihrem Können, dass er sofort vorschlug, ihr ein Hornkonzert zu schreiben.

Das 26-minütige Werk verlangt von der Solistin Annu Salminen, anfangs aus der Ferne zu kommen, sich um das Orchester herumzubewegen und am Ende wieder hinter die Bühne zu verschwinden, so dass das Horn wiederum aus der Ferne erklingt. Dies ist jedoch nicht die einzige bzw. entscheidende Schwierigkeit, mit der die Widmungsträgerin dieses Einsätzers mit rituellem Charakter konfrontiert ist. Mikrointervalle und komplizierte Kombinationen aus Obertönen erfordern Interpret/innen mit hohem Können.
Der Gesamteindruck des Hornkonzerts bleibt, bei aller Virtuosität, ein erstaunlich schlichter. Einem mit zeitgenössischer Musik nicht oder wenig vertrauten Hörer dürfte es nicht schwer fallen, in die eher lyrische und getragen mysteriöse Atmosphäre einzutauchen. Spektakel sind hier nicht zu erwarten, und wer nicht genau hinhört, könnte eher eine streckenweise ereignisarme halbe Stunde beklagen. Da hilft indes die hervorragende Klangqualität der Super-Audio-CD, um zahlreiche Details entdecken und genießen zu können, die Dirigent John Storgårds aus der Partitur und dem Kammerorchester Lappland herauskitzelte.

Das anschließende, etwas längere Konzert für Theremin und Kammerorchester »Acht Jahreszeiten« schrieb Aho auf Bitte der Leipziger Musikerin Carolina Eyck, die ihn beim Besuch in ihrer Heimatstadt mit Technik und Möglichkeiten des 1919/20 von dem Russen Lev Termen entwickelten elektronischen Instruments vertraut machte. Auf der CD ist ein kurzer Videoclip zu finden, in dem Eyck eine kurze Einführung gibt.
Entsprechend spielt »Acht Jahreszeiten« mit den Möglichkeiten des Theremins, das mitunter wie eine menschliche Stimme klingt, zumal Eyck teils tatsächlich während des Spielens singt. Die acht Sätze basieren auf der Jahresaufteilung der Samen, und so gestaltete Aho das Werk, ähnlich wie das Hornkonzert und manch frühere Arbeit, mit schamanistischen Anklängen und zahlreichen naturtönigen Klangbildern. Der Finne bietet wie gewohnt faszinierende Entdeckungsreisen in die ungewohnte Möglichkeiten der Orchestermusik. (ijb)



Siehe auch:
Eero Hämeenniemi
Pehr Henrik Nordgren

Hafliði Hallgrímsson


Kalevi Aho: Kalevi Aho: Theremin Concerto · Horn Concerto

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Erik Bergman:
Bergmaniana: Werke Für Männerchor
( 3 CDs, 2016, Alba /Naxos ABCD392: 1-3 )

Zehn Jahre nach dem Tod von Erik Valdemar Bergman widmet ihm Alba, das große Label für finnische Klassiker und Gegenwartskomposition, ein opulentes 3-CD-Set mit Werken für Männerchor, quer durch die Jahrzehnte. Neben Einojuhani Rautavaara wird Bergman zu den wichtigsten und wegweisenden Komponisten in der Musik Finnlands des 20. Jahrhunderts gezählt. Und er hat das Jahrhundert fast komplett erlebt:1911 in der Kleinstadt Nykarleby an der Westküste geboren, starb im hohen Alter von 94 Jahren 2006 in Helsinki. 1994 erhielt er den Musikpreis des Nordischen Rats (Nordic Council Music Prize) für seine einzige abendfüllende Oper »Det sjungande trädet« (»Der singende Baum«), mit der er 1999, aufgrund einer Inszenierung in der Deutschen Oper Berlin auch hierzulande einem breiteren Publikum bekannt wurde.

Bergmans vielfältiger Stil spiegelt seine lange Lebenszeit wider, doch der Schwerpunkt dieser Zusammenstellung liegt, den Wünschen des Komponisten gemäß, auf den modernistischen und primitivistischen Werken. Er verfügte, dass das romantische Schaffen seiner frühen Jahre nicht mehr aufgeführt wurde. Da er besonders viel für Sänger komponierte — rund die Hälfte seines Œuvres verwendet Chöre — kann man die knapp 30 Werke dieser Veröffentlichung wahrscheinlich als eine Art parallele Lebensgeschichte des Komponisten empfunden werden, und der interessante Text im Beiheft liefert dafür einige Anhaltspunkte — speziell wenn man mit dem Schaffen Bergmans bislang nicht vertraut ist.

Da gibt es zum einen das »menschliche« Streben als Thema — und zum anderen Musik mit rituellen und mythologischen Bezügen. Juha Torvinen beschreibt Bergmans modernistische Kompositionsweise im Beiheft als symbolistisch-expressionistisch, in dem Sinne, dass seine Kunst das Individuum einer Welt erlebt, die ihm stets ein Mysterium bleibt. Da er in ausgedehnten Reisen Nepal, Sri Lanka, Bali, Marokko und Usbekistan besuchte, lassen sich Einflüsse aus der Musik dieser Regionen in seinem Werk wiederfinden, etwa in der »Tripitaka Suite« (1980), die auf kanonischen Texten aus dem Buddhismus basieren. Doch auch finnische Folklore — Volkslieder und -gedichte — fand Widerhall in Werken wie »Carelia« und »Tule armaani« (beide 1988). Bergmans Ansatz schließt einerseits an Schönbergs Zwölftontechnik an, zum anderen findet sich in seinem Œuvre aber auch Tonales und Melodisches mit eben den genannten subjektiven Blickwinkeln.

Die drei CDs mit fast 160 Minuten Chormusik sind zwar ein harter Brocken, streckenweise merkt man, dass es nicht Erik Bergmans Ziel war, populäre, unmittelbar zugängliche Stücke zu verfassen; doch für Freunde Nordischer Musik und Europäischer Chorwerke liegen hier zweifelsfrei viele reizvolle Entdeckungen bereist, die eine Wiederentdeckung und Neubewertung wert sind, (ijb)

Erik Bergman: Bergmaniana: Werke Für Männerchor

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Thomas Byström:
Thomas Byström: Three Sonatas for Keyboard & Violin op. 1
( 2007, Alba ABCD 221 )

Geradezu unglaublich liest sich die Biographie von Thomas Byström (1772–1839). In Helsinki geboren und in St. Petersburg ausgebildet, legte er zunächst eine glänzende Karriere beim schwedischen Militär hin und wurde im Alter von gerade einmal 34 Jahren Sekretär der Akademie der Kriegswissenschaften. Noch erstaunlicher ist aber, dass er zu diesem Zeitpunkt schon ganze zwölf Jahre Mitglied der Musikakademie war. So wirkte Byström später auch als Orgel- und Klavierlehrer.

Komponiert hat er bei solch einer Beanspruchung freilich nur wenig – und das Wenige fand fast keine Beachtung. Dabei wirken seine um 1797 entstandenen und 1801 in Leipzig gedruckten Violinsonaten heute wie ein »missing link« zwischen Mozart und Beethoven. Melodischer Fluß und dramatische Geste wie auch klassische Form und romantischer Ausdruck geben sich hier die Hand. Die hinreißende Interpretation verleiht dieser tatsächlich hochrangigen Musik endlich wieder Gehör. (mku)

Thomas Byström: Thomas Byström: Three Sonatas for Keyboard & Violin op. 1

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EMO Ensemble:
Hereillä / Awake
( CD+DVD, 2008, Fuga/YLE EECD-01-FUGA9256 )

Die zweite CD des EMO Ensemble geht ein paar Dinge etwas anders an als »MAASTA«, nicht nur weil für den besonderen Klang- und Technikfreund direkt eine DVD im 5.1-Surround-Mix mitgeliefert wird. Vor allem beginnt, im Gegensatz zum Schwerpunkt des Debüts auf unbekannten und jungen Komponisten, »HEREILLÄ / AWAKE« direkt mit dem bekanntesten lebenden Altmeister der finnischen Gegenwartsmusik, mit dem 17 Minuten langen »Katedralen« von Einojuhani Rautavaara, nach dem Text von Edith Södergran. Das flirrende, halbwegs ätherische Werk ist alles andere als ein leichter Einsteig.

Überhaupt sind fast alle der sieben Werke eher leiser, offener Natur, oftmals so wenig durchdringend wie eben das schwache Licht der Glühbirne auf dem Cover oder die zwielichtige Dämmerstimmung auf der Rückseite. Der Titel »Inner Moonlight« des 1953 geborenen Akira Nishimura böte einen ebenso guten Titel für das Gesamtprogramm. So bestechend sich das erste Album nach wie vor ausnimmt, so sehr setzen die Musiker unter der Leitung von Pasi Hyökki diesmal auf fragile, nicht fassbare Stücke. Der abschließende »Mittsommernachtstraum« des 1954 geborenen Schweden Anders Hillborg bringt die Ambivalenzen dieser Zusammenstellung irrlichternd brillant auf dem Punkt, mit einer — Ligeti assoziierenden — Kreuzung schwebender und unruhiger Gesangspassagen, die in mal sanftem Widerspruch stehen, dann sich elegant miteinander verzahnen. (lha)



Siehe auch:
Anders Hillborg
Einojuhani Rautavaara


 EMO Ensemble: Hereillä / Awake

Offizielle Website

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EMO Ensemble:
Maasta / Of The Earth
( 2005, Alba /Klassik Center Kassel NCD26 )

Eine sehr starke Entdeckung. Junge Komponisten und junge Chormusiker aus Finnland. Das EMO Ensemble ist ein bereits mit Auszeichnungen beehrter Chor, der 2000 am Espoo Musikinstitut gegründet wurde, um talentierten SängerInnen zwischen 15 und 25 die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten zu entfalten und auf der anderen Seite jungen Komponisten in Form dieses Chors ein Instrument zu bieten, auch kurzfristig neues, herausforderndes Material einzustudieren. Dabei sind Austausch mit und Coaching durch professionelle Sänger wesentlicher Teil des Programms.

Diese Lebendigkeit und frische Energie erweist sich durchweg als grandiose Stärke. Nirgends sind die Nachwuchsmusiker und -komponistInnen direkt als solche zu erkennen. Die Chorwerke und ihre Urheber sind allesamt spannende Entdeckungen und zeigen mutige, fantasievolle Auseinandersetzung mit der uralten musikalischen Asdrucksform. Der einzige weitreichend bekannte Name auf dieser ersten CD des EMO Ensembles ist Esa-Pekka Salonen, der hier mit zwei Liedern nach Gedichten von Ann Jäderlund vertreten ist, in denen der Text schrittweise zu Phonemen aufgebrochen wird. Ein wenig ähnlich handhabt es auch Jukka Linkola im abschließenden »Joy«, das mit wilder, exaltierter Spielfreude, Verrücktheiten und rhythmischer Pyrothechnik für einen Gegenpol zu der Vielzahl an existierender ernster und feierlicher Chormusik sorgen will. Nur eines der Werke, Tapani Länsiös »Erlkönig« (ja genau, mit dem Goethe-Text), bedient sich der Mitwirkung eines Streichquartetts, jedoch ausschließlich als subtil auftretenden Partner des Chors, wodurch die emotionale Wirkung ganz sensibel verfeinert und intensiviert wird.

Zugegeben: Die vierzehn Stücke der neun verschiedenen KomponistInnen ergeben keine durchgehende thematische Linie, vom Untertitel der CD - »Finnische Chormusik im neuen Jahrtausend« - mal abgesehen, doch da die kompositorische und interpretatorische Qualität aller Aufnahmen gleichbleibend beeindruckend ist, fällt das nicht ins Gewicht. Zudem sind fast alle der Werke Erstaufnahmen. Weitere CD-Veröffentlichungen des Ensembles dürften nach dem Hören dieser Zusammenstellung mit großer Vorfreude aufgeladen sein und wollen direkt erworben werden. (ijb)



Siehe auch:
Esa-Pekka Salonen
Erik Westbergs Vokalensemble


 EMO Ensemble: Maasta / Of The Earth

Offizielle Website

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