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Lange Rezensionen 1 - 10 von 169 im Genre »Rock« und Land »Norwegen« (insgesamt 317)

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1099: Young Pines
( 2015, Stickman /Soulfood -lyte LYTLP001, 2LPs )

Mit dem Stichworten »Norway, Rock, Alternative, Instrumental, Post-Rock, Trondheim« fasst das junge Quartett sein Doppelalbum auf der Bandcamp-Seite zusammen. »Ach herrje«, möchte man ausrufen – wer braucht das denn (außerhalb der Heimatstadt), gibt es denn nicht schon mehr als genügend Post-Rock-Bands? Aber hallo. Aus Trondheim? Motorpsycho, anyone? Instrumental-Rock? Gerade erst hatten wir etwa das ziemlich tolle Album von Spurv... Doch haltet ein: Dass wir von der Band mit dem eigenwilligen Namen und ohne Selbstbildnisse nicht schon längst gehört (und euch berichtet) haben, darf in der Kategorie »Zu Unrecht übersehen« verbucht werden. Denn 1099 sind gut. Sehr gut, sogar.

Die fast 70 Minuten lange Platte (bzw. Doppel-LP) lässt über weitgehend epische Stücke – drei von ihnen gehen jeweils über zehn Minuten – unprätentiös alte Progressive-Rock-Tugenden erstaunlich frisch (und melodiös) klingen. Bestimmt war es die richtige Entscheidung, den Weg ohne einen Sänger (und ohne die üblichen Poser-Bandfotos, zugunsten einer unaufdringlichen Rätselhaftigkeit) zu gehen. Man sollte indes keine Innovationen von 1099 erwarten, denn eigentlich hört man auf »YOUNG PINES« nichts, was man nicht schon anderswo gehört hätte. Aber das macht gar nichts. Die vier eifern weder den kanadischen Stars aus der Constellation-Ecke noch den Krautrock-Klassikern à la NEU! oder Harmonia nach, sondern finden ziemlich gewandt und erstaunlich relaxed einen eigenen Sound, der entfernt und gerade mal punktuell an Kollegen und Vorbilder erinnert, aber nie mit jenen zu verwechseln wäre. Am Ende würde es wohl auch niemanden überraschen, wenn sich herausstellte, dass die Jungs von Motorpsycho hinter 1099 steckten, so vielseitig wie die Prog-Rock-Instanz aus Trondheim nach 25 Bandjahren nach wie vor mitreißt. Stark. (ijb)



Siehe auch:
The Liberation
Motorpsycho

Spurv


 1099: Young Pines

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120 Days: 120 Days
( 2006, Smalltown Supersound SMS320 CD )

Düsternis und Euphorie gehen Arm in Arm. Disco-Synthies und lärmende Gitarren sitzen händchenhaltend in der Ecke. Dunkelbrauner Progressive Rock und metallisch glitzernde urbane Coolness haben sich zum Knutschen ins Dunkle verzogen. Die Luft flirrt vor Intensität. Es riecht nach Aufbruch. 120 Days haben auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum den Sprung in die Nebelwand gewagt. Wer glaubt, die Zukunft des Rock sei untrennbar mit der E-Gitarre verbunden, der sollte hier genau zuhören.

Das Quartett aus Kristiansund reklamiert die rohe Kraft von Synthies und Drumcomputern für sich. Zieht sie energisch hinüber ins Rock-Lager. Greift sich Versatzstücke aus dem Repertoire von Kraftwerk oder Neu! aus den 70ern und lässt sich von hedonistischen Gitarrenhelden wie The Cult aus den 80ern inspirieren: Cult-Aushängeschild Ian Astbury hat deutliche Spuren bei Sänger Ådne Meisfjord hinterlassen. 120 Days entwickeln aus diesen scheinbar widersprüchlichen Einzelteilen eine unwiderstehlich treibende Mischung und scheren sich den Teufel darum, dass dabei Zwölf-Minuten-Songs herauskommen. Definitiv keine Musik zum Nebenbei-Hören.Viel zu aufregend, was hier passiert. Das Herz pocht schmerzhaft. (emv)



Siehe auch:
Mari Boine

 120 Days: 120 Days

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Morten Abel: Some OfUs Will Make It
( 2006, EMI 0094638067603 )

So kann Rock also auch daherkommen: So leicht, als ob die Füße ihre Bodenhaftung verlieren, Flügel wachsen und die Klänge schwerelos abheben und bis zum Horizont fliegen. Die Grenze zum Pop überschreitet Morten Abel mit entspannter Souveränität und leidenschaftlichem Spieltrieb. In Norwegen ist Abel einer der populärsten Sänger überhaupt, der in einem Land mit 4,7 Millionen Einwohnern über eine Million seiner Soloalben verkauft hat. Wie kommt es also, dass dieser Musiker in Resteuropa so gut wie unbekannt ist? Nun ja, er singt auf norwegisch. Aber der Mann hat ein unbestreitbares Talent für eingängige, aber niemals seichte Songs. Wie auf er auf seinem fünften Soloalbum »SOME OF US WILL MAKE IT« eindrücklich beweist. Dabei liegen ihm die ruhigen, balladigen Stücke ebenso wie die temperamentvollen Mitsinglieder mit den eingängigen Refrains.

Das ist alles sehr konventionell, sicher. Morten Abels Songs werden uns nie die Ohren mit ungewöhnlichen Kapriolen durchpusten. Aber der Routinier gibt sich nach 20 Jahren im Business nicht wie ein abgeklärter, satter Arrivierter, der seine Erfolgsmasche herunterspielt. Im Gegenteil: Hinter fast jedem Song stehen eine unbändige Neugier, wache Kreativität und nicht zuletzt eine spielerische Lebenslust, die südländisch temperamentvoll Tarantella tanzt. Gepaart mit einer sehr positiven handwerklichen Routine und höchst professionell arrangierten Songs. Die Freude am Leben spielt bei Morten Abel eine hörbar entscheidende Rolle: In »Such A Pain«, dem vielleicht schönsten Song des Albums, beschwört er das wunderbare Gefühl von Sonnenschein auf dem Gesicht. Schön! (emv)



Mehr CDs von Morten Abel

Morten Abel: Some OfUs Will Make It

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Accidents Never Happen: Accidents Never Happen
( 2009, Dead Letter Records DLR018 )

Zurück zur Ästhetik der 80er: Die vier jungen Herren aus Oslo, die sich nach einem Blondie-Song benannt haben, zelebrieren einen Musikstil, der so klingt, wie die Fotos von Anton Corbeijn aus diesen Jahren aussehen. Düster, aber irgendwie bedeutungsvoll. Das bevorzugte Sujet dieser Ästhetik: Industriebrachen, Abrisshäuser. Bevölkert wird diese Welt von aufbegehrenden, empfindsamen Verlierern. Denken wir also Joy Divsion, denken wir Echo & The Bunnymen, denken wir Gang Of Four. Dann sind wir sehr nahe dran an dieser pfützengrauen, windzerzausten Verzweiflung, die heute Accidents Never Happen auf ihrer zweiten, selbst betitelten Veröffentlichung antreiben. Aber diese Hoffnungslosigkeit hat Stil. Sehr viel Stil.

Fast schon schon schmerzhaft dringlich wirken diese Songs. Diese wütenden, hypernervösen Gitarren sollen wehtun. Und immer lauert die Angst im Hintergrund. Sänger Magne Mostue muss sich mit seiner tiefen Stimme nicht hinter seinem Landsmann Sivert Høyem von Madrugada verstecken. Aber eine grundsätzliche Frage müssen sich die Nachwuchskräfte aus Oslo gefallen lassen. Was tut die junge Band, um den Aufruhr und die Atemlosigkeit von damals in die Gegenwart zu bringen? Wo sind die ureigenen neuen Ideen? Und diese Hürde nehmen Accidents Never Happen (noch) nicht. Sie klingen so, als sei die Zeit seit 1981 stehengeblieben. (emv)



Siehe auch:
Madrugada

 Accidents Never Happen: Accidents Never Happen

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The Alexandria Quartet: The Alexandria Quartet
( 2009, Nettwerk Records /Soulfood 30827-2 )

Das westnorwegische Kopervik ist bekannt für seine Säufer und Christen. Sagt Martin Skaalnes, dort geborener Frontmann der in Bergen gegründeten, doch inzwischen in London ansässigen Band. Auf ihrem mit einem Bein in den Sixties stehenden Debüt zeigen sie, wie man dem Pop im Fahrwasser von Vorbildern wie den Beatles und Oasis neue Aspekte abgewinnen kann. Süffige Melodien, lustvoll inszenierte Chorgesänge, dazwischen erwartungsgemäß eine traumverhangene Ballade, dann wieder druckvoll anschiebende Beat-Gitarren und stets ein Schuss zartbittere Melancholie – wer könnte da widerstehen?

Die prächtigsten Blüten treibt diese Saat in hymnischen Rock-Songs wie »Into The Light« oder »Justine« – beides Nummern, die wie ein Komet im Himmel explodieren und sich perfekt eignen für ausgelassene Grillfeten am Baggersee. 18 Monate lang hat das Quartett an dieser CD gearbeitet. Es war höchste Zeit, die Musik freizulassen. (peb)

The Alexandria Quartet: The Alexandria Quartet

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Amulet: Daggers & Dynamite
( EP, 2004, Beniihana Records BHR023 )

Auf Amulets »DAGGERS & DYNAMITE« prallt Achtziger-Hardcore auf melodischen Punkrock im Turbonegro-Stil mit einem Schuss posender Backyard Babies. Den Opener »Breaking News« leiten Klaviermelodien ein, bevor Lars' und Espens barsche Riffs vorwärts sprinten, denen Basser Rasmus hinterher hastet; Schlagzeuger Jonas wirbelt auf und ab, und Frontmann/Bandgründer Torgny schließlich grölt den Refrain »All I Want Is A Free Ride«.

Ab »Nosebleed« knüppelt das Quintett gewaltig los – dem Coverfoto entsprechend, auf welchem eine leicht bekleidete Frau soeben die Osloer mit einem Baseballschläger niedergemetzelt hat. Wenige Minuten später endet die Mini CD, eine Art Best-Of: Drei massentaugliche Songs vom Album »DANGER! DANGER!« anno 2003, gefolgt von ebenso vielen härteren, sehr punkigen »FREEDOM FIGHTERS«-Tracks aus dem Jahre 2001 schreien nach mehr: Einem Konzert oder einem echten Longplayer vielleicht. (nat)



Mehr CDs von Amulet



Siehe auch:
Turbonegro
Backyard Babies

Bloodlights


 Amulet: Daggers & Dynamite

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Aristillus: Devoured Trees & Crystal Skies
( 2011, Fysisk Format /Cargo 7071245020521 )

Gibt es männliche Aschenbrödel? Wenn ja, dann wären die Jungspunde von Aristillus die perfekten Kandidaten dafür. Zu klischeehaft klingt die Mär: Da jobbt der 16jährige Simon beim Plattenlabel Fysik Format und quatscht die Bosse so lange voll, bis sie sich endlich die Songs seiner Band Aristillus anhören und - matürlich! - begeistert sind. Im Disney-Channel wäre das eine schöne Telenovela, in Norwegen ist es eine wahre Geschichte. Aristillus werden mit ihrem Debütalbum »DEVOURED TREES & CRYSTAL SKIES« prompt zur Zukunft des norwegischen Post-Hardcore ausgerufen. Gemach, gemach. Zwar kultivieren die minderjährigen Vier eine stimmungsvolle Endzeit-Attitüde in wütendem Schwarz, aber das Erdbeben im Düsterland ist doch eher ein mittlerer Schluckauf, schön untermalt von hysterischen Screamo-Vocals.

Aristillus ist trotz allen Geschreis und dick aufgetragenen Gitarrenwütereien eine gewisse Melodie-Affinität und damit letztlich Gefälligkeit nicht abzusprechen. Und hinter der ganzen Rotz-Rebellen-Attidüde und den obligatorischen Verbeugungen vor Szenegiganten wie JR Ewing sind Aristillus empfindsame Jungs, die ureigentlich nach der Schönheit, und, uff! nach der Nachdenklichkeit im Lärm streben. Es darf sich sogar ausnahmsweise ein schüchternes Piano hereinmogeln, ätsch, erwischt! Beim Songwriting können die Nachwuchstalente noch zulegen: Zu sehr nach einem Muster ausgelegt und damit auf Dauer ermüdend repetitiv sind die Strukturen aufgebaut. Wüten, Wüten, nochmals Wüten. Kann das alles sein? Nein, das kann es nicht. Aristillus packen mit Hingabe, Leidenschaft und Ungestüm. Mit Ausprobieren und Irren. So soll und muss es sein. Die Jungs sind mutig über »Los!« gegangen. Und das ist schon viel, sehr viel. (emv)



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 Aristillus: Devoured Trees & Crystal Skies

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Kristin Asbjørnsen: Wayfaring Stranger – A Spiritual Songbook
( 2007, Emarcy /Universal 602517050617 )

Holla! So eine Stimme würde man nicht unbedingt in Oslo beheimatet vermuten: Kristin Asbjørnsen (ehemals zusammen mit Sloveig Slettahjell, Eldbjørg Raknes und Tone Åse beim beim Gesangsquartett Kvitretten, jetzt bei u.a. bei Dadafon) singt rau, und kraftvoll, heiser und mit einer Blues- und Gospel-Intensität, die man sonst eigentlich nur aus Lousiana vernimmt. Eine derart charakterstarke Stimme wirkt nicht in jedem Kontext; bests Beispiel: die klare, transparente Musik von Ketil Bjørnstads Album »SEAFARER’S SONG«. Zu den wenig bekannten Spirituals aber, die sich die 1971 geborene Sängerin auf ihrem ersten Solo-Album vornimmt, kann man sich keine bessere Interpretin vorstellen.

»Trying To Get Home« startet mit hypnotischer Percussion (beigesteuert von Anders Engen, einst Mitglied bei Bugge Wesseltoft) und bluesig-kraftvollen Ruf-und-Antwort-Vocals. Aber auch schleppende Gospel-Gangart findet man ebenso wie traumverlorene Balladen. Das auch schon von Johnny Cash, Pete Seeger oder Emmylou Harris interpretierte Titelstück etwa beeindruckt tief, wird aber noch übertroffen vom beseelten »Oh Glory«. Wenn Gott das hört, müsste er Kristin Asbjørnsen die Himmelspforte öffnen. (peb)



Mehr CDs von Kristin Asbjørnsen



Siehe auch:
Dadafon
Solveig Slettahjell

Eldbjørg Raknes

Ketil Bjørnstad


Kristin Asbjørnsen: Wayfaring Stranger – A Spiritual Songbook

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Atlanter: Vidde
( 2013, Jansen Plateproduksjon)

Was für eine wilde Mischung! Krautrock reibt sich am Blues, afrikanische Rhythmen flirten mit rauhbeinigem Desert Rock und jazzigen Jams. Und darüber liegen unberechenbare Falsett-Vocals! Aha, so klingt also norwegischer Mountain Blues! Denn so beschreiben die vier Grenzgänger von Atlanter den eigenen Musikstil auf ihrem Debütalbum »VIDDE«. Jens Carelius und Arild Hammer, die beiden Köpfe von Atlanter, verneigen sich mit diesen eigenwilligen Tönen ein wenig vor den norwegischen Übervätern Motorpsycho. Schmuddelkinder-Rock im bewusstseinserweiterten Flower-Power-Gewand: Hat man Töne!

Dass hier der Trend zu ausufernden Improvisationen geht, steht Tracks wie dem fast schon epischen »Tree Song« bestens zu Gesicht. Wie soll man den sonst verträumte Momente mit kraftvollen Passagen bestens kombinieren? Mit dem eigenwilligen »Aye« rücken die Norweger sogar an sakral-schamanistische Töne heran, ohne dabei peinlich zu wirken. Und im supereuphrischen »Kaktos« mag man sogar eine kleine Verbeugung vor dem Eagle´schen »Hotel California«erkennen. Atlantern sind offenkundig ausgezogen, um uns das Staunen zu lehren! (emv)



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Siehe auch:
Motorpsycho

 Atlanter: Vidde

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Barbie Bones: Death In The Rockinghorse Factory
( 1992, EMI 799015-2 )

Norwegens schrillste Rockband – zynisches Motto: »lf I Killed All Whales And All Children Too Baby Would You Still Love Me True?« – liebt es auch auf ihrem zweiten Werk obskur und hybrid zugleich: Barbie Bones komprimieren diverse pop-rockmusikalische Epochen, experimentieren respektlos mit Elvis, Roxy Music, Living Clour, The The, Red Rot Chili Peppers, und auch die Beatles mussten dranglauben – bei der Nordlicht-Version des Pilzkopf-Klassiker »Sgt. Pepper's Lonely Heart Club Band« muss sich John Lennon wohl im Grab umdrehen.

Ergebnis: »DEATH IN THE ROCKING HORSE FACTORY« ist ein Jave-Rave-Punk-Funk-Mix mit einem Hauch Bowie (»Town Called Coma«). Und alles selbst gemacht: Yngve Saetre (Gesang), Dag Igland (Gitarre), Espen Lien (Bass), Sveinung Igesund (Keyboard) produzierten das Album und entwarfen Videoclips sowie Cover. (nat)

 Barbie Bones: Death In The Rockinghorse Factory

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