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Alle Rezensionen zu Det Kongelige Danske Musikkonservatorium
(Genre »Klassik«, Land »Dänemark«)

 

The Royal Danish Academy of Music 1867 – 2017
( 2017, dacapo /Naxos 8.201202, 12 CDs )

Den 150. Jahrestag des Königlich Dänischen Konservatoriums (Det Kongelige Danske Musikkonservatorium) feierte Kopenhagen 2017. Die Fachhochschule für Musik und Tanz zählt seit jeher zu den führenden Musikinstitutionen des Landes, und international renommierte Musiker unterrichteten und/oder studierten dort. Die Akademie wurde 1867 als »Københavns Musikkonservatorium« (wie sie bis 1902 hieß) vom Komponisten Niels Wilhelm Gade und dessen Schwiegervater Johann Peter Emilius Hartmann gegründet.

Dacapo Records ist wohl seit seiner Gründung 1989 das führende dänische Label für klassische und neue Musik. Zur Förderung der Musik Dänemarks ins Leben gerufen, versteht sich dacapo als »Danmarks nationale pladeselskab« und veröffentlicht längst auch Jazz und experimentelle Musik. Dieses 12-CD-Box-Set legt jedoch den Fokus auf die sog. »klassische« Musik. Da Gade bis von 1867 zu seinem Tod im Jahr 1890 der erste Direktor des Konservatoriums war, ist es konsequent, dass die Zusammenstellung zum 150. Jubiläum auf der ersten CD »Die Gründerväter« mit zwei jeweils rund 22-minütigen Werken Gades eröffnet, seinem Klaviertrio von 1864 (eine Aufnahme aus dem Jahr 2014) und der zwischen 1840 und 1854 komponierten Klaviersonate, 2016 gespielt von Marianna Shirinyan. Darauf folgen die Fantasie für Orgel (1837, aufgenommen 2005) und die Overtüre für Håkon Jarl (1844, aufg. 1998) von Gades Nachfolger, dem zwölf Jahre vor ihm geborenen, aber zehn Jahre nach ihm gestorbenen Johann Peter Emilius Hartmann.

Die grandiose dacapo-Box versammelt über zwölfeinhalb Stunden etliche Protagonisten der dänischen Musikgeschichte, die allesamt in irgendeinem Zusammenhang mit der Musikakademie standen oder stehen. Auf CD2 »Die Anfänge« folgen Werke von Nielsen, Riisager, Høffding und Holmboe (Aufnahmen aus den Jahren 1941, 1952, 1970, 1979, 1986 und 2006), auf »Nachkriegs-Triumvirat« Holmboe, Koppel und Bentzon, mit historischen Aufnahmen, bei denen u.a. Niels Viggo Bentzon (1919-2000) im Jahr 1942 am Klavier seine »Toccata« einspielt, »Die Staats-Akademie« präsentiert jüngere Aufnahmen von Werken von Koppel, Kayser, Jersild, Westergaard und Nørholm, und CD5 »Crossing Borders« schließlich die fünf noch lebenden Zeitgenossen Per Nørgård, Hans Abrahamsen, Erik Højsgaard, Niels Rosing-Schow und Bent Sørensen mit einer ebenfalls schlaglichtartigen Auswahl von 12 bis 20 Minuten langen Werken.

Die CDs 6 bis 12 legen den Fokus auf die Interpreten, von denen die meisten in ihrer Funktion als Professoren des Konservatoriums verbucht werden. Hier werden die nach Instrumenten zusammengestellten Programme (Orchester; Streicher I/II; Klavier & Blasinstrumente; Stimme & Orgel; Klavier & Cello; Blasinstrumente, Gitarre, Akkordeon & Perkussion) weitaus beliebiger und bruchstückhafter. Einige der Interpreten sind heute auch international bekannt, wie Pianist Niklas Sivelöv, der hier mit Bachs Prelude und Fuge in Cis-Moll aus dem »Wohltempertierten Klavier« (aufg. 2013) zu hören ist, Tenor Tonny Landy oder wieder Niels Viggo Bentzon, hier als Interpret im Jahre 1949 von Schönbergs »sechs kleinen Klavierstücken« (1911) und seiner eigenen Klaviersonate Nr.3 (1946).

So ergibt sich ein gar flickenteppichhaftes Bild der 150jährigen Geschichte der Königlichen Musikakademie, mit einem Sextett von Mozart in einer Aufnahme aus dem Jahr 1947 zwischen Grøndahls Posaunenkonzert (1924) in einer Aufnahme des Danischen Nationalorchesters von 2001 und einem Satz aus Krommers Obenkonzert (1805), gespielt von Bjørn Carl Nielsens 1989, gefolgt von zwei Solostücken des Gegenwartskomponisten Poul Ruders (das erste für Klarinette, das zweite für Gitarre) und nach Nørgårds Trio »Arcana« für Akkordeon, Gitarre und Perkussion von 1970 (aufg. 1984) drei Akkordeon-Nummern von Astor Piazzolla, 2015 eingespielt von Mette Rasmussen. Anderswo treffen Tschaikowsky und Britten auf Boccherini oder Mahler und Haydn auf Nielsen, Donizetti und Nørgård. Eigentlich kann man das kaum in einem Zug durchhören. Da ist es fast erstaunlich, dass die unterschiedliche Klangqualität und vor allem -ästhetik der zahllosen Aufnahmen des dacapo-Katalogs nicht allzu sehr ins Gewicht fällt.

Eine durchaus reizvolle Box, aber man muss sich einzelne (und vollständige) Höhepunkte herauspicken, etwa Gudmundsen-Holmgreens »Triptykon für Perkussion und Orchester« (1985, aufg. 2016), Nielsens Vierte Sinfonie (1914-16, aufg. 2015), beide eingespielt vom RDAM-Sinfonieorchester unter Michael Schønwandt. Oder Schuberts Klaviertrio in b-moll (1828) in einer Aufnahme von 1955, oder Beethovens »Frühlingssonate« in einer Aufnahme mit Violinist Erling Bloch und Pianist Holger Lund Christiansen von 1942. Man kann Perlen finden, aber man wird wahnsinnig, wenn man allen Stücken gleichermaßen viel Aufmerksamkeit schenken will. Das ausführliche und durchaus lesenswerte Beiheft ist bestrebt, die vielen Komponisten (übrigens ausnahmslos Männer) und Interpreten zu kontextualisieren. (ijb)


Siehe auch:
Niels W. Gade
Per Nørgård

Carl Nielsen

Pelle Gudmundsen-Holmgreen


 Det Kongelige Danske Musikkonservatorium: The Royal Danish Academy of Music 1867 – 2017

Offizielle Website      www.dacapo-records.dk/en/recordings/the-royal-danish-academy-of-music-150-years



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