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Alle Rezensionen zu Eduard Tubin (1905 – 1982)
(Genre »Klassik«, Land »Verschiedene«)

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Eduard Tubin: Works for Violin & Piano Vol 1
Sigrid Kuulmann, Violine · Marko Martin, Piano
(2006, Estonian Record Productions ERP3009, Einspielung: Dezember 2005)

Flüchtlingsströme in Europa sind bekanntlich nicht erst seit diesem Jahrzehnt ein Thema. Rund 10.000 Menschen flüchteten 1944 vor der Roten Armee Richtung Europa, darunter der estnische Komponist Eduard Tubin (*1905 in Torila, bei Kallaste; †1982 in Stockholm), der mit Frau und zwei Söhnen in einem Stockholmer Flüchtlingslager unterkam und bis an sein Lebensende in Schweden Exil fand, ab 1961 Staatsbürger wurde. Dass die Sowjetunion 1940 Estland annektierte, führte, wie man weiß, auch bei anderen Künstlern zu Problemen - und nicht selten zum Exil im Westen, etwa bei Arvo Pärt, dem wohl bekanntesten Komponisten Estlands, der als etablierter Künstler von seinem postsowjetischen Heimatland wieder geehrt und geschätzt wurde und wird.

Aufgewachsen in dörflicher Umgebung, erlernte er autodidaktisch verschiedene Instrumente wie Flöte, Balalaika, Geige und Klavier. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer besuchte er ab 1924 als 18-Jähriger die Musikschule in Tartu, wo er eine Ausbildung in Komposition bei Heino Eller erhielt, von dem auch Pärt viel lernte. In Schweden arbeitete er später als Chordirigent und Arrangeur am Theater; erst 1966 konnte er durch staatliche Förderung als Vollzeitkomponist leben und arbeiten. Lange jedoch blieben seine Werke in Estland bzw. der Sowjetunion verboten, bis der renommierte Dirigent Neeme Järvi in den Achtzigerjahren für seine dortige Wiederentdeckung sorgte.

Zehn Sinfonien, Chorwerke, Ballette und Opern schrieb Tubin. Anfangs bezog er sich noch auf Sibelius und Nielsen sowie ein wenig auch auf Bruckner. Mit ihrer intimen Zusammenarbeit auf dieser empfehlenswerten CD haben die beiden estnischen (Nicht-mehr-ganz-Jung-)Stars Sigrid Kuulmann und Marko Martin eine überzeugende Einführung in einige Kammermusikwerke Eduard Tubins vorgelegt, die auch international veröffentlicht werden sollte. Der Fokus liegt - natürlich - auf den Kompositionen für Geige und Klavier (nur eine Sonate ist für Violine solo), und »Vol 1« deutet darauf hin, dass eine zweite Folge in Planung ist. Hier kann man eine ganze Menge (bislang) nahezu Unbekanntes aus der Musikgeschichte Estland entdecken, manches eher neoklassizistisch oder von deutlichen Einflüssen nordischer Vorbilder gezeichnet; die beiden Sonaten gehören wohl zu den herausragendsten dieses Genres in Estland, und die Suite nach estnischen Tänzen schlägt eine schöne Brücke in die Volksmusik. (ijb)

Mit folgenden Werken:
· Capriccio for Violin and Piano No.1, ETW 50 (1937, rev. 1971)
· Sonata for Violin and Piano No.2 in Phrygian Mode, ETW 56 (1941)
· Sonata for Solo Violin, ETW 57 (1962)
· Ballade for Violin and Piano, ETW 52 (1939)
· Suite on Estonian Dance Tunes for Violin and Piano, ETW 53 (1938)



Siehe auch:
Arvo Pärt
Neeme Järvi


Eduard Tubin: Eduard Tubin: Works for Violin & Piano Vol 1



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