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Hans Christian Andersen: Märchenhafter Klangzauber

Das Dänische Nationalorchester DR und hochkarätige Solisten unter der Leitung von Thomas Dausgaard

13. November 2005, Kölner Philharmonie
Ein Konzertbericht von Andreas Orwat

Das dänische Nationalorchester

Hans Christian Andersen

Hans Christian Andersen

Hans Christian Andersen


Wer an das kulturelle Erbe Dänemarks denkt, kommt an einer Person ganz sicher nicht vorbei: Hans Christian Andersen. Und so ist es nur folgerichtig, dass dem berühmten Märchendichter zu dessen 200. Geburtstag eine ganze Reihe zeitgenössischer Komponisten ihre Referenz erweisen.

Poul Ruders


Hierzu zählt auch der 1949 in Ringsted geborene dänische Komponist Poul Ruders. Dessen drei Lieder zu Texten von Hans Christian Andersen (»Abenddämmerung«, »Der Spielmann« und »Der Greis«) standen zu Beginn auf dem Konzertprogramm in der Kölner Philharmonie.

Als Auftragswerk für den dänischen Bariton Johannes Mannov und das Dänische Nationalorchester DR 2003/04 konzipiert, gelang es Solist und Orchester unter Dausgaard gleichermaßen eindrucksvoll, die meditativ-ruhige Grundstimmung der Lieder mit der dazu nötigen Sinnlichkeit zu erfassen und schmerzliche Fragilität hörbar zu machen.

Poul Ruders

Poul Ruders

Dass aus übertragungsrechtlichen Gründen lediglich zwei der drei Lieder aufgeführt werden konnten, fiel kaum ins Gewicht.

Leiv Ove Andsnes


Nach diesem zarten Entreé betrat ein weiterer skandinavischer Solist das Podium, kein geringerer als Norwegens Starpianist der jüngeren Generation: Leiv Ove Andsnes.

Gewohnt souverän und konzentriert, lieferte sich Andsnes mit dem Orchester bei dem nun folgenden 3. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven einen spannenden musikalischen Wettstreit. Das Orchester unter Dirigent Dausgaard unterstützte den Solisten vor allem im Kopfsatz glänzend.

Leiv Ove Andsnes

Johannes Mannov

Im 2. Satz »Largo« ließ der Pianist die Musik »atmen« und sich langsam entwickeln. Dausgaard seinerseits deutete die klassisch-romantischen Melodiebögen filigran und mit elegischer Eleganz aus, bis der unerwartete Schlussakkord Beethovens in den Streichern den Finalsatz einläutete.

Hier nun wurde dem Solisten noch einmal ausgiebig Gelegenheit geboten, sich als »Tastenakrobat« in Szene zu setzen. Verdienter Applaus veranlassten Andsnes zu einer kleinen Zugabe: seiner Interpretation von J.S. Bachs Choralvorspiel »Ich ruf zu Dir Herr Jesu Christ« in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni.

Carl Nielsen


Nach der Pause wurde es noch energetischer. Thomas Dausgaard und das Dänische Rundfunkorchester DR brachten dem Publikum Carl Nielsens radikale 5. Sinfonie op. 50 zu Gehör.

Johannes Mannov

Leiv Ove Andsnes

Gleich zu Beginn schlug Dausgaard ein ungemein zügiges Tempo an, und man war fast etwas besorgt, ob dies denn gut gehen könne. Doch das Dänische Rundfunkorchester DR erwies sich als würdiger Klangkörper; es zeigte, dass es zu den weltweit renommierten Rundfunkorchestern zählt.

Thomas Dausgaard


Mit geradezu unbändig nach außen getragener Leidenschaft und Risikobereitschaft trieb Dausgaard das Orchester zu Höchstleistungen an. Bei allen militärisch anmutenden rhythmischen Schlagwerkeinlagen und Showelementen (z. B. Schlagzeugspiel hinter der Bühne) gelang dem Dirigenten vor allem aber das Kunststück, die innere Zerrissenheit der aus zwei großen Teilen bestehenden Sinfonie Nielsens zu verdeutlichen.

Mit anderen Worten: den Konflikt zwischen konstruktiven Elementen (Wohlklängen) und destruktiven Passagen (sprich: Auflösung der Tonalitäten) hervorzuheben.

Johannes Mannov

Thomas Dausgaard

In den ruhigen Sätzen legte Dausgaard das Schwergewicht mehr auf die Melodien, erzeugte nervöse Spannungen, und man glaubte, den spätromantischen Geist eines Gustav Mahler zu spüren. Zum Ende der Sinfonie hin führte er das Orchester wieder in geordneten Bahnen sicher ans Ziel. Minutenlanger und frenetischer Beifall waren verdienter Lohn für diese interpretatorische Glanzleistung.

Zwei Zugaben – die spritzige Ouvertüre zu Carl Nielsens 2. Oper »Masquerade« sowie Johannes Brahms' »Ungarischer Tanz in fis-Moll« – bildeten einen gelungenen Schlusspunkt eines geradezu märchenhaft schönen Konzertes.

© 2005 Text: Andreas Orwat



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