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14. März 2003, Luxembourg
Ein Konzertbericht von Nathalie Martin

Langes Vorspiel, multiple Orgasmen mit einem finalen Höhepunkt, ein kurzes Nachspiel - und Männlein und Weiblein brechen erschöpft, schweißüberströmt und glücklich zusammen. Und schon bald dürstet es sie nach mehr.

Apocalyptica

Tatort: Den Atelier, Luxembourg
Tatverdächtige: vier Männer mit Celli
Tatzeit: ohne Vorgruppe, fast zwei Stunden!
Tat-Zeugen: Franzosen, Luxembourger - und einige wenige Finnen

Screamin' Stukas

Perttu macht den Sepultura-Hengst

Screamin' Stukas
Screamin' Stukas

Mit eher gemäßigten, selbstkomponierten Stücken wie »Far Away« vom aktuellen Album »REFLECTIONS« spielten sich Apocalyptica langsam warm. Sogar ein paar wenige Finnen befanden sich im Publikum. Zu erkennen sowohl daran, dass sie als einzige über 20 waren - und als einzige in Gelächter ausbrachen, als die Teufelscellisten einen Song anstelle von »eins, zwei« mit »vittu, vittu« anzählten.

Über »Cohkka« und »Cortège« näherten sie sich den härteren Songs, wechselten schließlich zu Metallica-Covern. Die Musiker spielten so rasant, dass Eicca schon nach dem vierten Lied unterbrechen und sein Cello reparieren musste. Dass kein Sänger auf der Bühne stand, störte nicht: Spätestens bei »One« und »Enter Sandman« übernahm neben den Finnen selbst das Publikum den Part.

Hauptkomponist Eicca machte erst mal stur alle Ansagen auf finnisch. Irgendwann wechselte er zu schwedisch: »Ich kann das Ganze auch auf schwedisch erzählen, das versteht ihr genauso wenig«, um schließlich doch zu englisch überzugehen: »And now a song to show how much we love our instruments: »Refuse/Resist« from Sepultura«. Und ab ging's: Wie ein Derwisch fegte Bandyoungster Perttu über die Bühne.

Was geht in manchen Köpfen nur vor? Als die Jungs Sepultura fertig geknüppelt hatten und sich eine ehrfurchtsvolle Stille unter den Hörern ausbreitete, ertönte ein völlig lethargisches männliches Stimmchen: »Love, Peace And Happiness«. Fassungslose Totenstille. Die Erste kriegte einen Lachkrampf, dann die nächste, bis eine (Lach)Woge durchs Volk ging - und auch vor den Cellisten nicht halt machte. Inspiriert rissen sie flugs den mysteriösen Aufbau zusammen, und zum Vorschein kam Schlagzeuger Mikko, der den Stücken zusätzliche Härte verlieh.

Nicht nur beim Rammstein-Cover »Du hast« flogen die Bögen reihenweise auseinander. Einmal heiß gespielt, waren weder Eicca, Perttu, Paavo, Antero Manninen und Mikko noch das ekstatische Publikum zu stoppen: Eine Zugabe nach der andern trotzen es den Musikern ab, bis diese nach Edvard Griegs »Hall Of The Mountain King« wirklich nicht mehr konnten und förmlich von der Bühne wankten. Und das Publikum dürstete nach mehr ...

© Text und Fotos: Nathalie Martin

Apocalyptica


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