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5. Mai 2004, Batschkapp, Frankfurt
Ein Konzertbericht von Nathalie Martin

... oder posen für Fortgeschrittene.
Selbstverliebt wie eh und je ziehen die Babies ihre Show ab,
aktueller Gipfel des Narzissmus:
Plektren mit aufgedrucktem Konterfei an Nickes
und Dregens Mikroständer, säuberlich aufgereiht.

Backyard Babies

Tatort: die »Kapp«, wie der Hesse sagt
Tatverdächtige: Rock(Pos)er-Quartett
Tatzeit: für BBabies Verhältnisse ziemlich lang (knapp anderthalb Stunden)
Tat-Zeugen: in der Mehrheit: Minderjährige, Weibchen, Feierabend-Punkattrappen
Mission: »große Refrains, Mitgrölsachen, Dinge, die live abgehen« (Zitat Nicke)

Doch immerhin: Mit »Look At You« (von »TOTAL 13«) steigen die Schweden voll in ihr letztes Deutschland-Konzert (dieser Tour) ein – sehr zur Verwirrung einiger »Fans«, die kaum mehr als das aktuelle Album zu kennen scheinen. Und warum man, bzw. frau sich den Namen einer Band (in der man nicht selbst spielt) tätowieren lässt, erscheint schleierhaft. Groupie-Ambitionen?

Backyard Babies

Plektren-Ordnung muss sein

Die Jungs auf der Bühne haben jedenfalls Riesenspaß, rocken, zappeln, schütteln sich – und tropfen bereits nach zwei Songs klatschnass sowohl vor sich hin ... wie auch in die Menge. Gitarrist Dregen hat diesen Zustand selbst verschuldet: Warum beginnt er auch (immer) in einer langärmligen Jacke?

Die Songs in der ziemlich vollen – und schwülwarmen – Batschkapp stammen fast alle von »MAKING ENEMIES IS GOOD« und »STOCKHOLM SYNDROME«: Bei der ersten Single-Auskopplung »Minus Celsius« singen die Feierabend-Punkattrappen und Teenies aus voller Kehle mit – nur eine hartnäckige Stimme brüllt in jede Pause »Highlights« (aus »TOTAL 13«) und sorgt für Verwirrung.

Die musikalischen Egomanen gossen kräftig Benzin ins Feuer: Neben der guten-Laune-Wegfahr-Hymne »Heaven 2.9« und »Payback« geht auch beim Titeltrack »Making Enemies Is Good« die Post ab. Dregen darf bei »Star War's« seine Sangeskünste beweisen und schreit sich in Lemmy-Haltung (Mikro auf über Kopf-Höhe) die Seele aus dem Leib.

Und noch ein Schreihals wird beglückt: Die Hinterhof Babies spielen wahrhaftig »Highlights« – und irgendwie ist plötzlich schon Zeit für die (obligatorischen) Zugaben: »Everybody Ready« – ja, fertig sind sie schlechterdings alle: Das Publikum, die Band, und auch die Technik: Singt Nicke oder bewegt er nur die Lippen?

Backyard Babies

That's What I Call Sick (Boy)

Egal, genießen wir seinen Penner-Look auch ohne Worte und bewundern die wahren Fans, die es irgendwie wahnsinnig lustig finden, an Dregens Gitarre zu zerren oder trotz absoluten »Surf«-Verbots auf der Masse rumzuhampeln.

Nach einem für Backyard Babies-Verhältnisse unerwartet langen Gig verlassen Johan, Peder, Nocke und Dregen endgültig die Bretter, die ihre Welt bedeuten – und zurück bleibt Schweiß, Heiserkeit und so mancher Ohrwurm.

© 2004, Text und Fotos: Nathalie Martin, exklusiv für Nordische Musik



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