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Eläkeläiset: Was möchten Sie hörrren bittää?

Wenn die saufenden Renter gastieren, muss man sich auf nackte Ärsche, fliegende Strings und finnische Schimpfwörter gefasst machen.

30 April 2004, Substage, Karlsruhe
Ein Konzertbericht von Nathalie Martin

Eläkeläiset

Tatort: Substage Karlsruhe, eine der Humppa-Hochburgen Deutschlands
Tatverdächtige: vier Bier und Wodka trinkende Rentner
Tatzeit: ohne Vorband, gute eineinhalb Stunden
Tat-Zeugen: mehr als 400 männliche und weibliche Metal-Gruftie-Normalo-Punks

»Humppa oder stirb!«

Ville Valo

Butt-Team Of Germany

... lautet die Botschaft – und mit gleichnamigen »Humppa Tai Kuole!« gaben die Rentner sofort Vollgas. Im Anschluss schrie Keyboarder Onni »Wir brauchen einen Kasten Bier!«, und Schlagzeuger Kristian gleich hinterher »oder zwei ...«.

Den gab's – und noch mehr: Sechs gemischtgeschlechtliche Fans aus der ersten Reihe setzten sich aufs Geländer und zeigten den Rentner ihre Allerwertesten, auf denen zu lesen war: »h-u-m-p-p-a« (was auch sonst). Onni: »You'll regret these tattoos ... « – zumindest konnte er sich in diesem Fall nicht über schlechtgekleidete Frauen beschweren. Und stimmte »Humppasonni« (aka »Join Me«) an.

Auf die Frage »Was möchten Sie hörrren, bittää?« folgte (zu aller Überraschung) ein einstimmiges Gebrüll: »Humppa!« Und »flop«, landete ein String auf der Bühne, was Onni – sich halbtot-lachend – mit dem Ausruf »Ohoho, pikku-housut!"« quittierte, sich das Wäschestück über den Kopf streifte und erklärte »I'll wear it for the rest of the show on my head – and in the night, I'll push it over my face!«

Ville Valo

Ein Scheich mit String und Handtuch

Zwischen »Humppajesus«, »Lauantaitanssit« und »Perjantaina Humpassa« fanden die Finnen genug Zeit, um sich Bier über den Kopf zu schütten (ist ja gut für die Haare) oder Sprüche über besagte Unterhose zu klopfen »Magic pants, holy pants ... they will help me sing the next song«. Die ehemalige Unterführung glich mittlerweile einer Sauna, was Onni mit einem »I'll die« bestätigte – und zum Schlagabtausch mit Kristian führte: »Not yet, we got one more gig, so die tomorrow! ... and it would be cheaper to fly back to Finland without you«.

Neben guten alten Eläkeläiset-Gassenhauern »Humppapommi« und »Pöpi« verbesserten sie auch Bobby Mc Ferrins »Don't worry, be happy«, dessen wahre Botschaft lautet: »Drink more – be happier!«. Bei »Humppaleka« schmiss sich der Keyboarder in die Menge – »haha, Onni Varis, the flying Finn!« – und beendete auch diesen Hit, wie jeden andern mit »Onni (oder andere Bandmitglieder-Namen) and his amazing band from Finland: Eläkeläiset«.

Ville Valo

»Drink more – be happier«

Natürlich lehrten Eläkeläiset der Menge beim Nachsingen finnische Schimpfwörter – und hinterließen ein wild humppa-kreischendes Publikum. Nach der »Humppa-Itsekseni«-Solo-Zugabe des Bassisten Taperi, welcher neben den Saiten auch noch das Schlagzeug bediente und sang, kehrte die komplette Band zurück auf die Bühne.

Und (Karlsruhe macht's möglich): Auch der Fanclub stürmte die Bühne und wackelte mit den h-u-m-p-p-a-Ärschen, was das Zeug hielt. Umgedreht zur Band stand da zwar a-p-p-m-u-h, was die Band – welche spontan Bier und Klapse auf die dargebotenen Körperteile verteilte – aber nicht weiter störte: »Herzlichen Glückwunsch to the Butt-Team of Germany – das war schön!« (O-Ton Onni). Was wäre ein besseres Schlusswort, als dieses?

© Text und Fotos: 2004 Nathalie Martin



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