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Ihre finnische Majestät besuchte die französischen Untertanen

05. November 2001, La Laiterie, Strasbourg
Ein Konzertbericht von Nathalie Martin

Ville Valo

Tatort: La Laiterie
Tatverdächtige: Prinz Valium und sein Gefolge
Tatzeit: zu spät
Tat-Zeugen: überwiegend deutsch und weiblich

Ville Valo

Ville denkt, er sei so sexy ...

Für einen HIM-Gig hielt sich die Hysterie vor dem Konzert in Grenzen, was wohl auch dem erstaunlich hohen männlichen Publikumsanteil zu verdanken war. Die weiblichen - und überwiegend deutschen - Fans ließen die Wartezeit vor der Halle nicht ungenützt verstreichen: Da wurden die dürftigen Finnischkenntnisse ausgetauscht und geschminkt, was die Handtasche hergab. Schließlich öffnete sich die Türe, und der Run auf die erste Reihe ging los - ohne Graben konnten sich die Fans ihrem Idol tatsächlich bis auf 50 Zentimeter nähern.

Nachdem die deutsche Vorband Oomph erfolgreich überstanden war, betrat mit leichter Verspätung endlich ihre Majestät höchstpersönlich die Bühne. Begleitet von »Ville«-Rufen erklang der Opener »Right Here In My Arms« vom zweiten Album, allerdings in einer etwas mysteriösen Iggy Pop-Version.

Des Erleuchteten (Valo = Licht) andauernde Unzufriedenheit mit dem Klang seiner Stimme lag wohl weniger an der Technik (der Sound war augezeichnet) als an den Folgen der Mammut-Tour der Finnen. So war von seiner gewohnt kraftvollen Stimme nicht allzu viel zu bemerken. Auch »Heartache Every Moment« und »Poison Girl« brachte Ville ziemlich unbewegt und lieblos hinter sich.

Ville Valo

Aus den Fan-Reihen flog schließlich ein roter Tanga auf die Bühne - übrigens das einzige Wurfgeschoss des Abends. Die Diva hob ihn auch tatsächlich auf und hing ihn ans Drum-Kit ... was Drummer Gas Lipstick zu wahren Höchstleistungen anspornte. Dass Ville Valo nicht gerade seinen besten Tag hatte, zeigte sich auch in kleinen Details: So entsprach sein Alkohol- und Zigarettenkonsum während des ganzen Konzertes der sonst üblichen Menge pro Song.

Nicht einmal der Zuruf aus dem Publikum: »Ville, you are so sexy« vermochten Ihre Majestät aus seiner Lethargie reißen. Möglicherweise war Valo auch nur übermüdet und erkältet: Schließlich verbrachte er den ganzen Gig in Mantel und Mütze, die im Laufe des Abends immer tiefer in die Stirn rutschte.

HIM

Mag auch HIMs Stil nicht unter Rock einzuordnen sein, sondern eher unter der Rubrik »Frauen-Musik« (wie beispielsweise auch die späten Type O' Negative-Alben), so wäre dem Live-Erlebnis doch etwas mehr Bewegung »On Stage« zuträglich. Lediglich Gitarrist Linde verließ gelegentlich seinen Quadranten und näherte sich dem barfüßigen Neo-Hippie Basser Migé.

Die Mischung alter und neuer Stücke (»Salt In Our Wounds«, »Gone With The Sin«, »In Joy And Sorrow«, »Bury Me Deep Inside Your Heart«, »Pretending«) war - zumindest was die letzten beiden Alben angeht - ziemlich ausgewogen. Schade, dass die Finnen vom ersten Album nur das Chris Isaak-Cover »Wicked-Game« und den HIM-Klassiker »Your Sweet 666« spielten. Waren es doch gerade diese Stücke, bei denen etwas Leben in Band und Sänger - und sie bewegt sich doch! - kamen.

Zur Zugabe erschien Ville mit Ovation-Gitarre und spielte solo das Intro von »Please Don't Let It Go«. Mit »Close To The Flame« und natürlich dem HIM-Ohrwurm »Join Me«, bei dem wie immer ein Aufschrei durch das Publikum ging, war alles vorbei. Unter Elvis' Klängen verschwand die Gruppe blicklos von der Bühne.

HIM

Linde und Migé im Duell

Fazit: Jungs schlaft Euch aus, macht eine kleinere Tour, und Ihr habt auch wieder mehr Spaß an Eurem Job!

© Text und Fotos: Nathalie Martin



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