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Lange Rezensionen 1 - 10 von 59 im Genre »Beats« und Land »Dänemark« (insgesamt 84)

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Pixel: Mantle
(2013, Raster-Noton R-N 139 )

Nicht zu verwechseln mit den Indie-Rockern oder der norwegischen Jazzband ist Jon Egeskovs Elektronikprojekt Pixel, dessen viertes Album »MANTLE« wie gewohnt beim exquisit-progressiven Label Raster-Noton erscheint. Dass der Däne einst klassisch Saxofon studierte und als Jazzmusiker reüssierte, merkt man seinen komplexen Poly-Rhythmusgebilden heute nicht mehr an. Wer Melodien sucht, muss sie bei Raster-Noton schon mit der Lupe suchen... es ist der Rhythmus, der zählt. Und der Sound! Was für einen brillanten Sound Pixel für jedes einzelne Element ausgefrickelt hat, lässt Staunen.

Auf »MANTLE« verdichtet Egeskov sein gesamtes Können zu einem wahren Feuerwerk tanzender Partikel und präsentiert sein bislang ausgereiftestes und bestes Album. Ja, wer den Beweis vermisst hat, dass Maschinen tanzen (und zugleich dazu anstiften) können: Hier ist er. Und irgendwann, spätestens im phänomenalen »Nesting Screen«, kommen sie dann auch, die Melodien, aber sie sind so ganz anders als das, was man landläufig unter diesem Begriff versteht. Sie schälen sich wieder und wieder aus dem Geräusch und dem Surren heraus, als begönnen sie ein Eigenleben zu entwickeln. In »North Arrow«, nach einem schroffen Einstieg, treten sie gar in Zwiesprache miteinander. Jeder Track - ach was: Song eine facettenreiche Suite voller vielschichtiger Wendungen, Rhythmen und Klänge. Die Latte fürs beste nordische Elektronikalbum 2013 ist hiermit sehr hoch vorgelegt worden. (ijb)



Mehr CDs von Pixel



Siehe auch:
Mika Vainio
Vladislav Delay


 Pixel: Mantle

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Acustic: Welcome
(2005, Rump Recordings RUMPCD003 )

»WELCOME« in Electronic Wonderland. Clubmusik der gepflegten Art, allerdings ohne Message oder gar Gesang, erwartet uns. Trotzdem gewinnt »WELCOME« mit zunehmender Einwirkzeit an Ausstrahlung und weiß mit ansprechenden kraftwerkschen Minimelodien besonders bei »80« durchaus einen gewissen Charme zu entwickeln. Elektromusik erfreut sich ja zurzeit beachtlicher Beliebtheit, und geschulte Ohren finden mit dem inzwischen dritten Album von Acustic aka Jesper Skaaning recht melancholische, im Zweifel sogar tanzbare Tonkunst.

Sparsam wird nicht etwa mit Ideen, sondern der Vermeidung der sich bei dieser Art dubbigem Ambient leicht einschleichenden Eintönigkeit umgegangen. Clevererweise findet sich am Ende mit »Flow« auch noch ein Highlight des Albums, wenngleich sich kommerzielle Verwertbarkeit für »WELCOME« auszumalen schwierig erscheint. Nice to have. Mehr aber auch nicht. (jeb)

 Acustic: Welcome

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Asbjørn: Pseudo Visions
(2015, Sinnbus SR058 )

Ein blasser Troubadour für das elektronische Zeitalter: Asbjørn, der Däne aus der Hafenstadt Århus mit derzeitigem Wohnsitz in Berlin, schreibt auf seinem vom eigenen Label herausgebrachten Album »PSEUDO VISIONS« einen modernen Fortsetzungsroman, der in den vergangenen Monaten häppchenweise erschienen ist. Nur vordergründig zelebriert die platinblonde Nachwuchskraft hier hochglänzenden Elektronikpop für urbane Schönmenschen. Denn schnell erkennt man, dass diese Tracks ebenso kompliziert wie tiefsinnig und tanzbar sind. Die kunstvollen Falsett-Vocals lenken nur davon ab, dass sich hinter der strahlenden Fassade ein wahres Geflecht komplizierter Gefühle verbirgt, die sich auf kunstvolle Weise einen Pfad durchs emotionale Dickicht bahnen. Empfindsamkeit regiert hier. Und somit ist Asbjørn dem Pop näher, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Auf simple Weise glücklich werden wird der unterkühlt wirkende Barde in diesem Leben wohl nicht mehr. Lieber den aufregenderen Umweg gehen: Tief seufzen mit der pianoverliebten Ballade »Body Of Work«, einen kleinen Abstecher zu den R´n´B-Cousins machen mit »Kiddo«, elektronisch schwelgen mit »Dark Clouds«, bis man fast von einer Marzipanvergiftung dahingerafft wird. Oder schwerelos schwebend nachdenken mit dem vielleicht schönsten Track »Moonia«. Wer hätte das gedacht: Dieses Album ist ein kleine Schatztruhe, in der sich immer wieder neue, geheimnisvolle Schubladen auftun! (emv)

 Asbjørn: Pseudo Visions

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Assembler: Quantum Paths of Desire
( LP, 2015, Infinite Waves IW-30, white vinyl )

Al-Ha-Sheminit, but his hands were tiny and so she said, Cold Choice, Dead Black Arms, Henbane, Kanada Brothers, Taiko Oroshi und The Doom Riot. Dies sind die Pseudonyme, hinter denen sich der Däne Claus Haxholm Jensen bereits versteckte und reichlich unterschiedliche Musik veröffentlichte. Assembler ist ein weiteres, mit dem Haxholm 2014/15 eine Handvoll Kassetten und EPs herausbrachte. Das Album »QUANTUM PATHS OF DESIRE« entstand in China unter dem Einfluss koreanischer und japanischer Musik, und das hört man sowohl in den asiatisch anmutenden Synthie-Melodien von »Virtual Viking Tears« oder »Cybercaribbean Info-Meltdown« als auch in den Titel wie »Neo Shanghai Mainframe«, wobei eine offenkundige Schwäche für alte Computerspiele und Technologie auch nicht zu übersehen ist (»Screensaver Hypnosis«, »Hypercontiniuum Chip«) .

Ein Elektrotrack wie »Cryptografics of Desire« besticht hingegen durch eine cineastische Klangatmosphäre mit Elementen tropfender Sounds, was ebenso aus einem düsteren Rollenspiel stammen könnte. Ein paar andere Stücke sind näher am Club, eher am Trance als am Techno. Da bilden komplex geschachtelte Rhythmen einen effektvollen Rahmen für die süßlichen Synthmelodien, die in ihrer Beharrlichkeit ebenso an einfache Computerspiele der »Frühzeit« wie an K-Pop oder J-Pop erinnern. Energisch, wenn auch nicht immer tanzbar ist das souverän ausgestaltete Rhythmusgewand, das manchmal Dub-Nähe vortäuscht und einige der Tracks zu einnehmendem Charme führt. Also Assembler bietet mehr abstrakten Autoren-Techno zum Eintauchen als Tanzmusik für den Club. (ijb)

 Assembler: Quantum Paths of Desire

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Av Av Av: They Live
(2015, Space Weather Records)

Wenn Synthesizer träumen, dann unbedingt von Prinzessin Leia! Kein Wunder, dass das dänische Produzenten-Trio AV AV AV der Sternenkriegerin mit der legendären Schneckenfrisur auf ihrer Debüt-EP »THEY LIVE« den feinen Track »Leia´s Theme« widmen. Denn Synthies in Vangelis-Tradition sind im musikalischen Universum der Kopenhagener ein Fixstern. Elegant und raffiniert gleichermaßen geht es bei diesen Klangspielereien zu, die sich in der luftigen, leichtfüßigen Ecke der elektronischen Tanzmusik tummeln. Bombastische Bässe und martialische Beats sucht man hier vergebens. Denn die Herren ELOQ, Unkwon und DJ E.D.D.E.H outen sich hier eher als Science-Fiction-Romantiker. Und Romantiker sehnen sich bekanntermaßen nach einem idealen Gefühl, das sie noch nichtmals richtig bennenen können. Und so lauscht man in »All Good« einem fernen Echo eines empfindsamen Piano aus dem 19. Jahrhundert.

Benannt haben sich die Drei nach dem dänischen Pendant des deutschen Schmerzenslautes »Autsch«. Die Schelme! Denn bei diesen schwärmerischen Tönen wird man keineswegs in Wehgeschrei ausbrechen, sondern sich lieber schwerelos über den Wolken davontreiben lassen. Und beim schick verlangsamten »Olympus Mons« schlagen Av Av Av fast schon meditative Töne an. Wir lassen uns wohlig zurücksinken. Hach! (emv)

 Av Av Av: They Live

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Badun: Badun
(2007, Rump Recordings /Hausmusik RUMPCD006 )

Ein bisschen wie Autechre, aber nicht so anstrengend; ein bisschen wie Aphex Twin, aber lässiger; ein bisschen wie Oval, aber weniger artifiziell – die Liste der Referenzen für die dänische Formation Badun, die nach einigen Experimentierjahren nun mit dem ersten Album herauskommt, ist lang. Trotzdem ist Badun eigen: Frickelig und trotzdem organisch fließend sind die elektronischen Miniaturwelten, ein bisschen surreal, oft seltsam schön und lässig-lebendig und in jeder Sekunde anders.

Grillenzirpen und Vogelgesang-Loops beruhigen; viele Mikroereignisse finden irgendwo im Hintergrund statt, man kann sie neugierig hervorhören, wenn man mag. Von »Microfunk« spricht der Pressetext und von »improvisierenden Roboter-Insekten«, was es gut trifft, sich aber weniger unheimlicher anhört, als es klingt. Manchmal verschwindet diese ganze Traummusik beim Anhören unaufdringlich im Hintergrund, knistert und plätschert dort herum, und das fällt einem erst auf, wenn die CD zuende ist. Ein bisschen mehr Kontur wie im Track »Kompleks« hätte es über die eine Stunde Gezirpe dann schon sein dürfen. (sep)



Mehr CDs von Badun

 Badun: Badun

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Band Ane: Anish Music
(2006, Jenka Music jenkaCD06 )

Sie könnte die wilde Schwester von Rumpistol alias Jens Berents Christiansen sein oder auch verwandt mit Mister Karsten Pflum: die junge Soundtüftlerin Ane Oestergaard aus Aarhus. Lange war sie unterwegs, hat in diversen Clubs an den Knöpfen gedreht oder auf kleinen wohlfeinen E-Art-Festival gespielt. Nun aber ist sie auch in der Welt der CD-Veröffentlichungen angekommen, und das ist eine sehr gute Nachricht. Denn ihr Debüt sprüht nur so vor energiegeladenem und intelligentem E-Pop mit erkennbar femininem Habitus plus je einer Prise Humor.

Dabei ist sie gleichermaßen in der Zimmerkinder-Musik, im Drum'n'Bass und in den Werkzeugkisten der Elektrobastlerin zu Haus. Wunderschön elegisch und eingängig geriet etwa das Stück »Wood Delivery«, bei dem sie entschlossen kraftvolle Pianoschleifen zerhackt. Hübsch frech auch, wie sie in »Dragon Weather« den zuweilen typisch männlichen Bedeutungsdrang ihrer Kollegen unterläuft. Und in »Three Things To Remember« schüttet sie so recht ihren Spott über die oberkörperfreien Dumpfbacken der Tekknofraktion aus. (frk)



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Siehe auch:
Rumpistol
Karsten Pflum


 Band Ane: Anish Music

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Bichi: Eroberen
( EP, 2008, Cactus Island cact026 )

Er würde gerne, nur darf er nicht. Tobias Wilner von der Kopenhagener Blue Foundation gründete darauf mit formaler Akkuratesse ein Nebenprojekt, was darin besteht, dass er selbst seinen Laptop quetscht, faltet und ihm blubbernde Beats entlockt. Im Aufbau seiner fünf Stücke orientiert er sich an Linealen – mutig und biestig ist er nur in Gedanken.

So formt er fast industriell anmutende Dickbäucher und atmosphärische Flächen, die im Schritt auf eine gelungene Verfremdungsweise wie angewurzelt stehen bleiben. Die hektischen Floskeln wechseln sich mit reduzierteren Parts ab und erreichen somit nie das Niveau einer gesteigerten Spannung. Dennoch klingt dies hier alles zeitgemäß und durchaus solide produziert. Ein knittrig-frickeliger Sound, der aber leider nie gefährlich wird oder den Anschein macht, dass dieses Projekt mehr ist, als nur Zeitvertreib. (maw)



Siehe auch:
Blue Foundation

 Bichi: Eroberen

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Kasper Bjørke: Standing On Top Of Utopia
(2010, hfn music /Rough Trade )

Der blasse Lockenkopf gibt den Nerd. Den eckig-hölzernen Schlaumeier, der in der Disco unbemerkt am Rand stünde, wenn, ja wenn: er die Menge nicht von der Bühne aus auf die intelligenteste und verführerischste Art auf der Tanzfläche auf Abwege führen würde. Kasper Bjørke, seit Jahren eines der prägenden Gesichter der Kopenhagener Club-Elektronikszene, entwirft auf seiner zweiten Veröffentlichung »STANDING ON THE TOP OF UTOPIA« seine ganz eigene Sicht auf perfekte Zukunftsszenarien. Unwiderstehliche Bass-Loops, präzis-verträumte Synthies und ausufernde künstliche Klangspielereien bilden dabei nur die breite Plattform, von der aus Bjørke abhebt in die wilde Wunderwelt der Zitate und Anspielungen: Discofieber, ägyptischer Reggae, die Talking Heads in ihrer Hochphase, die Rolling Stones und und das neugierige, geradezu nichtsnutziges Sich-Treiben-Lassen gut gemachter Popsongs stehen Pate. Verhaltene Euphorie, unbedingte Hingabe. Hui!

Bjørke lässt sich Zeit. Lässt die elektronischen Blubbereien wie ein Bächlein ihren eigenen Weg durch die Wiesen talabwärts finden. Mal verträumt, mal trotzig, mal wütend gurgelnd. Von eigenbrötlerischem Solistentum hält der Meister nichts und hat eine ganze Phalanx von Gastmusikern mit an Bord geholt: Louise Foo von Giana Factory und Thomas Höffding von WhoMadeWho steuern Vocals bei, und Kumpel Tomas Barfod vom gemeinsamen Nebenprojekt Filur sowieso. Kasper Bjørke beweist mit dem Zweitling, dass er über das Sternschnuppen-Phänomen schon längst hinaus ist und sich in Richtung eines veritablen Komete (mit Schweif!) entwickelt. Puuh! (emv)



Mehr CDs von Kasper Bjørke



Siehe auch:
WhoMadeWho
Filur

Trentemøller

Giana Factory


Kasper Bjørke: Standing On Top Of Utopia

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Blondage: Blondage
(2016, Tambourhinoceros /Indigo )

Nicht jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne. Esben Andersen alias Cinemascope-Popster Rangleklods will nicht mehr Rangleklods sein, sondern lieber Blondage. Hat sich seine langjährige Weggefährtin Pernille Smith-Sivertsen endgültig mit ins Boot geholt. Nun kommt ja schon mal vor, dass das Kind im Sandkasten plötzlich das Schäufelchen cooler findet als das Eimerchen. Aber dass der Musiker aus Kopenhagen einen derart aufgeblähten intellektuellen Überbau über seinen alles andere als umwälzenden ästhetischen Kurswechsel errichten muss: Aua! Denn seine Begründung fällt definitiv unter die Kategorie Dummschwätz für Fortgeschrittene. »Der Name Blondage besteht aus den widersprüchlichen Teilen »blond« und »Bondage«. Für uns verbindet er Naivität und Träumerei mit Aggression und Sinnlichkeit. Er gibt uns mehr Freiraum und eine größere kreative Energie, als wir jemals gehabt haben«. Fein, und bei mir um die Ecke fällt gerade eine Mülltonne um.

Herausgekommen sind auf der selbst betitelten Debüt-EP sechs sehr gefällige, glatte, aufgemotzte, aber gleichwohl harmlose und ungemein oberflächliche Elektropop-Tracks. Merke: Der übertriebene Einsatz von allerlei Elektronik-Firlefanz wie beim völlig überladenen Titel »Beg« steht noch lange nicht für Kreativität! Eine Prise Verruchtheit mit der Bondage-Anspielung: als ob man damit in Zeiten von »Shades Of Grey« noch provozieren könnte! Allenfalls dem eingängigen, percussionlastigen und sanft tropischen Song »Dive« könnte man noch das Prädikat »ganz nett« verleihen. Was natürlich auch schon wieder Höchststrafe ist. Mit Blondage verhält es sich letztendlich wie mit Zuckerwatte: Erst die Überzuckerung, dann das Nichts. (emv)



Siehe auch:
Rangleklods

 Blondage: Blondage

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