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Lange Rezensionen 11 - 20 von 22 im Genre »Beats« und Land »Grenzgänger« (insgesamt 23)

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Sly & Robbie meet Nils Petter Molvær feat Eivind Aarset and Vladislav Delay: Nordub
(2018, Okeh /Sony Music 88985406342 )

Wer auch immer die Idee hatte, die jamaikanischen Reggae- und Dub-Veteranen Sly Dunbar & Robbie Shakespeare mit den Nordlichtern Nils Petter Molvær und Eivind Aarset zusammenzubringen und dazu noch Vladislav Delay einzuladen – er hatte ein goldenes Händchen (oder Öhrchen). Nach einem für alle Beteiligten inkl. dem Publikum offenbar sehr beglückenden Konzert in Frankreich, dem sich eine Tour anschloss, traf man sich im November 2016 in Oslo, um mit weiteren Vertretern der norwegischen Elektro-Zunft ein Album aufzunehmen. Und, um es vorweg zu nehmen: Es ist eine Wucht!

Dabei speist sich die musikalische Kraft nicht aus der etwaigen Innovationskraft der einzelnen Akteure. Im Gegenteil: Aarset rollt seine bereits bekannten »magnetischen« Teppiche aus, über die Molvær seine Trompete wie gewohnt erklingen lässt, mal sehr klar, mal heißer, mal durch den Verzerrer gejagt, Herr Delay hält all dies gekonnt in stetem Fluß und Sly & Robbie stellen sich einfach nur dappig an (um ein Wortspiel zu verwenden, das wohl nur die süddeutschen Leser verstehen werden). Jan Bang und punktuell auch Erik Honoré unterfüttern die atmosphärische Dichte der Aufnahme mit Synthesizern und einigen Field-Recordings. Nein, der außerordentliche musikalische Gewinn entsteht vielmehr daraus, dass es diesen Individualisten gelingt, ihre Fähigkeiten so musikalisch miteinander zu verschränken, dass etwas Größeres entsteht – ein Moment, das Molværs vorangegangenes Projekt mit Moritz von Oswald fast gänzlich vermissen ließ.

Hier hingegen fließt die Musik wie ein breiter Strom stetig vorwärts, bleibt aber durch das erdige Fundament der beiden Jamaikaner und den schön direkten Gesamtsound klanglich stets präzise. Er wird weniger von griffigen Melodien als vielmehr von rhythmischen Strukturen und kleinen Motiven in stetiger Bewegung gehalten. Doch gerade, wenn man beginnt, sich im Flow der Musik zu verlieren und sich die Titel gelegentlich noch viel viel länger wünscht, um vollständig darin einzutauchen, wird man zur Mitte der Aufnahme durch schroffere Töne wieder ins Diesseits befördert. Aber spätestens bei »Dream Drifter« (wie wahr!) ist es bis zum finalen Ton der Scheibe wieder um einen geschehen.

Anhänger der reinen Lehre Molværs oder Aarsets könnten gerade zu Beginn der CD ihre Schwierigkeiten haben, des Dubs wegen, wer aber etwa die Remix-Alben des Trompeters nicht ganz abwegig fand, der wird auch hier Gefallen finden. Dem Album ist zu wünschen, dass es in dieser Form alleine stehen bleiben darf und reifen kann, als ein markanter Monolith in den Karrieren der einzelnen Beteiligten – und nicht durch ein späteres »NORDUB II« oder gar »III« in seiner Größe beschnitten wird. (stv)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær & Moritz von Oswald
Eivind Aarset

Vladislav Delay

Jan Bang, Erik Honoré, Punkt


 Sly & Robbie meet Nils Petter Molvær: Nordub

Video-Link

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Thieves Like Us: Play Music
(2008, Sea You SEA07 )

Das Problem kommt von selbst, wenn man seine Musik fast ausschließlich nach Momenten des Jetzt ausrichtet. Antizipiert man die Entwicklungen etwas ungelenkt, dann sitzt man mit seiner Platte da, während das Volk zu anderen Songs die Diskos nassschwitzt. Das schwedisch-amerikanische Trio setzt ihren kompletten Einsatz auf die Ausläufer der 80er-Jahre Synthiewelle, dem in dieser konsequenten Form allerdings bei näherer Betrachtung weniger Artverwandtes gegenüber steht, als man vielleicht mit den ersten Takten dieser Synthetik annehmen könnte.

In Paris wohnhaft springen Thieves Like Us auch nicht auf den French House-Zug auf, dessen Rücklichter jedoch auch schon am Firmament entschwinden. Vielmehr ist es die La Boum-Ära mit ihrer auf reine Coolness ausgerichteter Ästhetik. Pure Keyboardflächen und sämige Beats sind dabei wie Teppiche ausgelegt, damit sich die Langeweile schön ausbreiten kann. Mit »Drugs In My Body« hat man allerdings einen kleinen Hit dabei, der jedoch auch keine größere Auffälligkeit sein möchte. Auf Albumdistanz bleibt so leider auch nur eine leere, nostalgische Puppenhülle. (maw)

 Thieves Like Us: Play Music

Offizielle Website

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Various Artists inspired by Harold Budd: Lost In The Humming Air – Music inspired by Harold Budd
(2012, Oktaf Music & Art Label /Kompakt OKTAF#04 )

In der Tat eine CD voller Grenzgänger: »Lost In The Humming Air« versammelt ein (kleines) Who-Is-Who des Gegenwartsambient, 13 Tracks zur Huldigung von Harold Budd. Es ist zwar kein Geheimnis, dass der mittlerweile 76-jährige Amerikaner einen großen Einfluss auf ungezählte Musiker hatte und hat, doch sein Name wurde nie so bekannt wie die vieler seiner Schüler. Von Varèse und Cage führt durch ihn die Linie direkt zu Brian Eno, mit dem er einige großartige Platten gemeinsam produzierte, zu Aphex Twin und Autechre, aber auch zu Mychael Danna oder Michael Nyman. Martin Juhls (aka Marsen Jules) und Rafael Anton Irisarri hatten daher keine Probleme, unter ihren Freunden und Zeitgenossen Begeisterung für ein Tributalbum zu wecken.

Da ließ sich wohl keiner zwei mal bitten. Wie zumeist bei solchen Unternehmen sind die Ergebnisse reichlich divergent ausgefallen, selbst wenn der Begriff Ambient zu einem 70 Minuten lang relativ gleichförmig atmosphärischen Gesamtbild führt, was nicht unbedingt zum Vorteil der einzelnen Mitwirkenden, ebenso wenig zum Vorteil Harold Budds gerät. Zu den eindeutig gelungenen Verbeugungen gehört Deaf Centers »Plateaux«, mit dem die beiden Norweger gleichermaßen sich selbst treu bleiben wie offenbar vom Geiste Budds zu einem eindringlich-unspektakulären Höhenflug angeregt wurden. Andreas Tilliander alias Mokira, der schwedische Meister der Vielseitigkeit, begeistert mit (s)einem pointiert pulsierenden »Harold Dubb«, das gleichwohl fast mehr als Epilog zu seinem exzellenten letzten Album daherkommt denn als offensichtliches Budd-Tribut. Weniger überzeugend, immerhin erfreulich untypisch, ist Biospheres Versuch eines abstrakt skizzierten Piano-CutUp-Stücks; nicht total misslungen, doch leider etwas zu altbacken und halbherzig, besonders für einen gewöhnlich so fantasievollen, perfektionistischen Geist wie Geir Jenssen.

Eindringliche Höhepunkte sind die beiden längsten Stücke: Sieben feine Minuten von Marsen Jules und der mehr als achtminütige Schlussrausch von bvdub. Angesichts der guten Handvoll relativ okayer Tracks kommt man nicht umhin, auf eine zweite Folge zu hoffen, die dann viele Musiker präsentiert, die wir hier vermissen, etwa Alexander Rishaug, Vladislav Delay, Lawrence English, Machinefabriek, Richard Skelton oder gerne auch ein paar mutigere Ansätze wie vielleicht Mika Vainio oder Jana Winderen. (ijb)



Siehe auch:
Deaf Center
Mokira

Biosphere

Henrik Jonsson


 Various Artists inspired by Harold Budd: Lost In The Humming Air – Music inspired by Harold Budd

Video-Link Offizielle Website

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Verschiedene: Jazzflora – Scandinavien Aspects Of Jazz
(2004, DNM /PP Sales DNMCD 004 )

Diese Compilation verspricht nicht zu wenig und erst recht nicht zuviel mit ihrem fulminanten Überblick über die NuJazz- und Beatjazz-Szene der nordischen Gegenwart. Ein Genuss gleich der Opener der Finnen von Kuusumun Profeetta, die eine charmante Coolness an den Tag legen. Drumlastiger, aber nicht weniger dezent gibt sich der Göteburger Christoffer Berg alias Hird, abgelöst von Elsa, die an die verspiegelte Bar einladen, während andere schon unterwegs zur Arbeit sind.


Ebenfalls mit dabei: Butti 49 sowie Koop, die ein vergleichsweise raues Cover ihres Hits »Tonight« bieten. Nicht zu verachten aber auch wenig bekannte Projekte wie The Five Corners Quintet, die sich beinahe dem Big-Band-Sound öffnen, oder die Norweger Kahuun, die sich am weitesten vom traditionellen Jazz weg Richtung Drum' Bass bewegen – wäre da nicht das perlende E-Piano, das sich gegen elektronische Drums behauptet. (frk)



Siehe auch:
Hird
Butti 49

Koop


 Verschiedene: Jazzflora – Scandinavien Aspects Of Jazz

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Verschiedene: Jazzflora – Scandinavien Aspects of Jazz 2
(2006, DNM DNMCD 0010 )

Wie die bisherigen drei Ausgaben von »Nordic Lounge« bot auch die Compilation »Jazzflora« einen sowohl zügigen wie fulminanten Überblick über die nordische Nu-Jazz- und softe Elektrobeatszene. Dass dieses Feld noch lange nicht abgegrast ist, zeigt nun »JAZZFLORA 2«: ein schöner Einstieg schon der erste Titel des norwegisch-deutschen Projektes (Re:Jazz), dass mittels eines eintänzerischen Beats zu gut dosiertem Bassgegrummel seine Sängerin Claudia Christen französisch singen lässt. Mondän und sehr gut gekleidet dagegen Soular Sound, zu deren wohlmeinenden Klängen man gut an der Bar lümmeln und den Saxophonisten beobachten kann.

Etwas kantiger und rabiater der Beitrag der schwedischen E-Popper von Hird, wenn sie nur die Sängerin nicht gar so blöde lasziv singen lassen würden. Sehr smooth wiederum The Five Corners Quintett, mit betörend geschickt arrangierter 70er Musik der Kategorie Funk 'n'Jazz. Eine Entdeckung auch Teddy Rok Seven aus Finnland, mit eingängig angeschrägtem Klavier zum ebenfalls perligen Vibraphon, während zwischendurch wohlfeine Bläsersätze für einen artigen Big Band Sound sorgen und man im Kabriolett die Promenade entlang düst. Kurzum eine beste, gänzlich unanstregende Platte für den Swimming Pool, für die Liegewiese, für das Strandbad, für die Terrasse, für den Balkon, notfalls für den Platz am offenen Fenster, solange noch ein wenig Eis im Kühlschrank wartet, um den nächsten Cocktail zu kühlen. (frk)



Siehe auch:
Verschiedene: Nordic Lounge
Hird


 Verschiedene: Jazzflora – Scandinavien Aspects of Jazz 2

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Verschiedene: Nordic Lounge (An Introduction To Contemporary Nordic Music)
(2002, DNM /Music Networks Group DNMCD002 )

Ein weiterer Sampler, der mit viel Liebe anhand von zwölf Einspielungen die aktuelle skandinavische Clubszene vorstellt: Mal frisch (Hird), ja überschwänglich (Sunday Brunch). Zuweilen sehr cool, auch lässig (Xploding Plastix), dann wieder soulig-vorpreschend (Emka). Oder es werden schlicht verspielt die Tasten bedient, die Knöpfe gedreht, die Regler geschoben (Eerik).

»Nordic Bossanova« Meets »Nordic House« Meets »Nordic Easy-Listening« – und den »Nordic Nu Jazz« nicht zu vergessen. Der Schwerpunkt liegt auf Schweden, aber man schaut auch nach Dänemark (Butti 49) und Finnland (Nuspirit Helsinki). Ländergrenzen und mögliche nationale Eigenheiten sind das eine, der Club aber ist überall und hat rund um die Uhr geöffnet. (frk)



Siehe auch:
Nuspirit Helsinki
Hird

Verschiedene: Nordic Lounge Vol. 2

Xploding Plastix


 Verschiedene: Nordic Lounge (An Introduction To Contemporary Nordic Music)

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Verschiedene: Nordic Lounge Vol. 2
(2003, DNM /PP Sales DNMCD 003 )

Ein Klassiker – das ist »NORDIC LOUNGE VOL. 1« schon jetzt. Diese Compilation machte klar, dass nach Detroit und London die Dancefloor-Szene in Stockholm und Göteburg eine neue Heimat gefunden hat. Und nun der Nachfolger! Wieder ein gelungener Überblick über kühlen Elektrojazz und tanzlustige Ambientmusic. Auch hier schreit man sich nicht die Seele aus dem Hals, kennt keine Gitarren, liebt es cool-lazy und übt sich in Distanz.

Ältere Bekannte sind mit neu gemixten Songs vertreten wie Koop, Plej oder Hird, die eine wunderbare Variante ihres Hits »Getting closer« bieten. Nuspirit Helsinki steuern ihren wohl besten Song »Sub Zero« bei, bei dem die Jazzlounge in hohem Bogen davonfliegt. Auch nicht verkehrt: eingängig-trächtige Beiträge von Ernestos, Ben Horn oder Cloud. Namen, die man sich merken muss und wird, schätzt man Dinner-Jackett und Schlips statt Holzfällerhemd und Lederweste. (frk)



Siehe auch:
Plej
Hird

Nuspirit Helsinki

Verschiedene: Nordic Lounge Vol. 3


 Verschiedene: Nordic Lounge Vol. 2

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Verschiedene: Nordic Lounge Vol. 3
(2005, DNM /VME DNMCD007 )

Wer sich ernsthaft mit moderner und leichtläufiger schwedischer Musik beschäftigen möchte, kommt an den Samplern der »NORDIC LOUNGE«-Reihe nicht vorbei. Butti 49, Hird, Koop, Similou und viele andere – sie wurden hier vorgestellt und auf die Spur gesetzt. Auch die dritte Ausgabe setzt die Tradition fort, für die Fusion von angenehmen Popmustern, legeren Jazzlines und gelegentlichen Klangexperimenten tatkräftig zu werben.

Gleich dreimal ist das wunderbare Duo Plej vertreten, das swingenden Barjazz bietet. Zu entdecken ist Dalminjo, der es vom Rhythmus her etwas kräftiger mag, während The Five Corners Quintet elektrisches Vibraphon mit leicht verfremdeten Basslines konfrontieren. Slug tritt mit einem freundlichen Happy-Dance-Stück an; Susuma Yokota legt eine angenehm »jazzy« Sangesstimme über hippelige Lounge-Loops. Und da man ja zuweilen gerne auf einen guten alten Bekannten trifft, ist Hird mit seinem intelligenten, sich beständig steigernden Schmachtfetzen »I Love You My Hope« zur Stelle. (frk)



Siehe auch:
Verschiedene
Plej

Hird

Koop


 Verschiedene: Nordic Lounge Vol. 3

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Verschiedene (Trip Recordings): трип 005 »у меня есть вопрос « | »I Have A Question«
(2015, Trip TRP005 2x12"/DL )

Der »nordische Anteil« ist bei der Kompilation трип005 »у меня есть вопрос« (»I HAVE A QUESTION») nicht ganz so hoch wie bei »When I was 14« – und die Auswahl der acht Mitwirkenden hat mehr gemein mit der kurz zuvor erschienen трип004 »Ivan, Come On! Unlock The Box!«. Roma Zuckerman, K-Hand, Vladimir Dubyshkin und Barcode Population sind wieder dabei; und natürlich darf ein Stück der Chefin nicht fehlen. Einerseits ist die Zusammenstellung trotz der acht unterschiedlichen Producer und ihrer Stile und Herkünfte erstaunlich homogen und schlüssig; andererseits sticht auch kein Track so wirklich heraus oder bietet eine ernsthafte Überraschung.

Gut, das Niveau ist konsistent, wenngleich manch schräge Nummer sich weit vom Techno entfernt und eher Geschmacksache ist. So ist Zuckermans eröffnender Titeltrack über siebeneinhalb Minuten ein unbequemer Trip(!) mit herunter gepitchten Vocals, stets leicht neben der Spur. Doch alle Tracks würden hervorragend in ein aktuelles Techno-Set passen. Die allgemein düstere Stimmung des insgesamt fast 50 Minuten langen Albums schränkt da das Zielpublikum etwas ein; zugleich wäre es schön, wenn sich mehr DJs auch nur ein wenig von der Offenheit und dem sehr eigenen Ansatz von Nina Kraviz' трип inspirieren ließen.

Während sich auf Seite 3 DJ Sodeyama und Fred P im mittleren Tempo einpendeln, ziehen auf der vierten Seite dann K-Hands mit einem beharrlich pumpenden Acid-Techno-Track und der 17-jährige Vladimir Dubyshkin mit einer straighten, zeitlosen Nummer das Tempo noch ordentlich an. Terrence Dixon alias Population One hat ein kurzes, etwas aus dem Takt geratendes Stück parat, während Bjarkis »PC Muscles« und Nina Kraviz' »Let's Do It« auf Seite 2 leider nicht so recht vom Fleck kommen. (ijb)

 Verschiedene (Trip Recordings): трип 005 »у меня есть вопрос « | »I Have A Question«

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Verschiedene (Trip Recordings): трип 006 »Когда мне было 14 лет« | »When I was 14«
(2016, Trip TRP006 Vinyl/DL )

Von Dezember 2014 bis Dezember 2015 brachte Nina Kraviz auf ihrem neuen, eigenen Label трип (Trip) fünf Releases heraus, davon vier Compilations mit diversen internationalen Techno-Produzenten wie Islands Exos. Auf jeder dieser Platten vertreten und darüber hinaus als (bisher) einziger mit einer eigenen 12" beim Label gewürdigt, ist der jüngst weltweit erfolgreiche Isländer Bjarki R. Sigurdarson, den wir auf dieser Katalognummer 006 (die beiden Nullen tragen sichtlich das Ziel einer großen Zukunft in sich) gleich zweifach wieder antreffen.

Wie die vorigen Sampler (»The Deviant Octopus«, »Ivan, Come On! Unlock The Box!«, »De Niro Is Concerned«) trägt auch der im Mai 2016 erscheinende, konzeptionelle 7-Track-Release трип006 bereits im Titel eine skurrile Note, die sich von sterilen Techno-Images ebenso bewusst absetzt wie die gezeichneten comic-artigen, etwas bizarren Covermotive von Illustrator Tombo, der so zum Teil des vom Label als »continuous sonic landscape« bezeichneten Albums wird.

Kraviz bzw. трип legt das 40-minütige »When I was 14« als Album mit einer eigenwilligen Story an, obgleich die Tracks von sechs (sehr) unterschiedlichen Musikern stammen. Bei »P-String« von AFX handelt es sich gar um ein Stück, das Richard D. James (aka Aphex Twin) bereits Anfang der Neunzigerjahre, als er noch Teil des Underground war, produziert und vor einem Jahr über sein SoundCloud-Alias user48736353001 verschenkt hat. Es spricht sowohl für AFX als auch für das трип-Konzept, dass sich das starke »P-String« auch nach 25 Jahren nahtlos in die Compilation einfügt. Und wer die AFX/RDJ-Tracks der frühen Jahre kennt, kann daraus schließen, dass »When I was 14« auf rohe, eher reduzierte, teilweise industrialmäßige Technostücke hinausläuft.

трип 006 bietet nichts anderes als erstklassige, zeitlose elektronische IDM mit viel Rhythmus, selbst die Chefin Kraviz zeigt sich hier mit einem sprunghaft-poetischen, kraftvollen Track mit anachronistisch sägenden Neunziger-Beats von ihrer fantasievollsten Seite. Bjarki und Barcode Population sind längst verlässlich gute Techno-Producer und der ebenfalls aus der Beats-Szene Reykjavíks kommende, allerdings bereits 2011 verstorbene Isländer Sigurbjörn Þórgrímsson aka Biogen (Gründer des dort einflussreichen Thule-Labels) ist mit einem klasse ausgefeilten, bislang unveröffentlichten Track vertreten. (ijb)



Siehe auch:
Bjarki
X/OZ


 Verschiedene (Trip Recordings): трип 006 »Когда мне было 14 лет« | »When I was 14«

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