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Lange Rezensionen 1 - 10 von 78 im Genre »Beats« und Land »Schweden« (insgesamt 117)

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The Field: From Here We Go Sublime
(2007, Kompakt KOM154 )

Es ist das Spiel mit der Schwerkraft, mit dem hypnotisch Minimalen, mit Raum und Zeit. Der Stockholmer Axel Willner liebt Konstruktion und Tanz und liefert das Minimal-Techno-Album des Jahres ab. Die Gradlinigkeit der 4/4-Basslines ist Andockpunkt in einem sehr homog geratenen Werk, das sich unter dem strengen Ansatz und trotz permanenter Redundanz keineswegs in Beliebigkeit verliert.

Gefühle schimmern schwimmend, untergetaucht oder vaporisiert. Zerstäubt und verteilt auf hängende Flächen, die wenig Platz für ausufernde Spielereien lassen. Vage, verschwommen, unfassbar im Wortsinne entzieht sich dieses Album einer stimmigen Beschreibung. In Harmonie gehüllt und dabei jederzeit treibend – Gegensätze ziehen sich hier magisch an. Selbst Stimmen nimmt man nur wie ein Hauch wahr. Dank Sampletechnik werden zudem Lionel Richie oder The Flamingos in die Sounds verwebt. So, dass die Überreste, in Fetzen zersplittert, kaum mehr Referenz sind und sich in der Intimität von »FROM HERE WE GO SUBLIME« einnistend verstecken. (maw)



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The Field: From Here We Go Sublime

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A Perfect Friend: A Perfect Friend
(2007, Sticksister SCD009 )

Um es vorweg zu nehmen: Dies ist kein einfaches Album, deswegen erscheint es bei einem klitzekleinen belgischen Indie-Sublabel. Es hat vielmehr den Charakter einer losen Sammlung. Wie Messies haben Experimentalmusiker C-J Larsgarden und Songwriter Thomas Denver Johnsson Klänge gesucht: unfertige Akkordfolgen auf Mundharmonikas, Pling Plongs, Woooshs, Sternenstäube aus dem Laptop, Kinderkreischen und das Rauschen in U-Bahn-Schächten tief in der Unterwelt Stockholms. Garniert werden die Spielereien mit ein paar kryptischen Sätzen, verpackt in Drone-Wolken, die nur durch knisternde Spannung erhellt werden. Manchmal kommt das Album wie in »Welcome Aboard« gar mit Melodien daher, bis die instrumentalen Spielereien sich wieder ihre Übermacht erarbeiten.

»A PERFECT FRIEND« ist eine Ansammlung ephemerer Momente. Flüchtig und doch Spuren hinterlassend. Papiervögel, Pusteblumen, Abrisshalden. Elektroschlaufen, wie über ein Geröllfeld gezerrt. Immerwährend inspirierend ist die Klangfülle, die einen eigenen Kosmos an Assoziationen heraufbeschwört. Und ihre Unperfektheit verführt geradezu einnehmend. So driftet man gerne hinter den Horizont. Wohin genau, spielt hierbei keine Rolle. (maw)

 A Perfect Friend: A Perfect Friend

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Agaric: Who made up the Rules
(2011, Ovum Recordings /SRD OVM9011-2 )

Patrik »Agaric« Skoog nutzt seinen ersten Longplayer für eine Stunde strikter, funktionabler 4/4-Clubtracks und nicht, wie viele andere Techno- und Elektro-DJs für eine introspektive Zwischenbilanz mit Autorentechno. Dass er anstrebt, nun in die Fußstapfen eines Trentemøller zu treten, ist also nicht zu erwarten. Zehn Tracks, keine Ausreißer, aber allzu individuell sind sie freilich auch nicht ausgefallen. Nur nach dem letzten, »Drifter«, schiebt Skoog eine dunkle Ambientnummer als versteckten Epilog hinterher.

Ansonsten ist sein Albumdebüt im guten wie im enttäuschenden Sinne einfach nur ein bisschen weniger knallig als der Standard-Floorfiller aus dem Genre TechHouse bis Minimal geraten. Die Variationen innerhalb der einzelnen Tracks kommen zuverlässig, aber verhalten, was dem Spannungsbogen über mehr als eine Stunde wenig zugute kommt. Am besten ist, man sucht sich seine zwei, drei, vier Lieblingstracks raus und hört die einzeln - zu Hause, beim Joggen oder im Club. Von zwei kurzen Interludes abgesehen bieten die sechs bis zehn Minuten langen Tracks eigentlich etwas für jede atmosphärische und stilistische Vorliebe. Highlight: »Inside My Head«, ein verschrobener Trip in eine surrealistische Samplewelt mit entstellter Akustikgitarre, Stimmfragmenten und befremdlichen Klangeffekten. (ijb)



Siehe auch:
Patrik Skoog

 Agaric: Who made up the Rules

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Johan Agebjörn: Casablanca Nights
(2011, Paper Bag Records PAPER057 )

Wie bereits auf Johan Agebjörns vorhergehenden Platten tritt hier wieder seine große Vorliebe für die Discomucke und Keyboardsounds zwischen den späten Siebzigern und den frühen Neunziger Jahren offensiv hervor. Dabei handelt es sich neben hübsch imitierten Arrangements oft auch um entsprechend dünn geträllerte Melodiechen (z.B. im Titelsong). Nach einem billigen Klavierklimperintro klingt »CASABLANCA NIGHTS« über weite Strecken wie einer Achziger-Jahre-Discothek entlaufen. Doch die Lieder sind bei weitem nicht so ergreifend wie die allseits in Erinnerung geblienenen Hedonismus-Hymnen à la Donna Summer, Giorgio Moroder oder Corona (»The Rhythm of the Night«). Wenn es ganz treffend wird, kommt mit »So Fine all the Time« sogar ein amüsanter (ironisch gemeinter?) Popsong mit Vocoder-Gesang, der ebenso gut von Neil Youngs recht bizarrem Album »Trans« aus dem Jahr 1982 sein könnte.

Doch wofür das alles? Einen halben Pop-Hit wie »Watch the World go by« kann man sich zwar im Nachmittagsradio vorstellen, doch die meisten Songs passen eher zu Aerobic oder Feriendorf-Animation in touristisch überlaufenen Mittelmeerdomizilen. Bestimmt hat Agebjörn hier seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen an familiäre Italienurlaube freien Lauf gelassen. Das ganze Unterfangen hat neben dem Nostalgischen auch etwas Attrappenhaftes: Wer soll sich diese Nachbildungen anhören, wenn es doch die Originale überall billig zu haben und hören gibt? (ijb)



Mehr CDs von Johan Agebjörn



Siehe auch:
Sally Shapiro

Johan Agebjörn: Casablanca Nights

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Oven Ambarchi & Johan Berthling: My Days Are Darker Than Your Nights
(2003, Häpna /A-Music 010 )

Alter Schwede - das ist vielleicht Musik! Ein scheinbar monotones Einerlei aus brummenden, kreisenden, nicht weichen-wollenden Tönen belagert die Ohren und will und will nicht weichen. Minimal ändern sich die Tonfolgen; erst unmerklich, dann immer deutlicher schleichen sich Modifikationen ein und jener Klangteppich aus beruhigenden wie flirrigen Elementen webt sich fortlaufend dichter, baut sich allein durch Dauer und Konsequenz auf ins Dynamische.

Zwei Möglichkeiten bleiben dem Zuhörer: Ratlos die STOP-Taste zu drücken; oder alle Gewohnheiten beiseite schiebend sich dem Spiel des Gitarristen Oven Ambarchi und des Harmoniumspielers Johan Berthling rückhaltlos zu öffnen, was einem Gang ins Ungewisse mit geschlossenen Augen gleichen mag. Gut möglich auch, dass es irgendwo Menschen gibt, die dazu tanzen können. Es dürfte sehr interessant aussehen. (frk)

Oven Ambarchi: My Days Are Darker Than Your Nights

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Appareil: Judas Kiss
(2005, Lobotom Records LOBOTOM11 )

Das war schon immer so: Für den einen sind es die größten Fehltritte der Musikgeschichte, andere verbinden damit sonderliche nostalgische Gefühle und freuen sich wie Bolle über Plastikgezerre und Tanzbodenstampferei. Die 80er Jahre bleiben auch im Falle Appareil der Gradmesser zwischen den unterschiedlichen Geschmäckern.

Neuer Elektroschock will das Stockholmer Quartett sein, aber das ist pure Fantasie. Schocken tut höchstens die Euro-Techno-Keule »Dancer«, die diesem Album endgültig das Genick bricht. Hier wird sich aber auch sonst melanchofröhlich aus der »Verbotene Sounds des Monats«-Kiste bedient: Wavige Synthesizerflächen, dumpf-redundierende Beats aus der Drummaschine (die leider auch nur einen Gang kennt) und bodenlos-schlechte Village People-Lyrics. Ja, man ist regelrecht froh, wenn beherzt zu Kraftwerk, The Cure oder gar Prodigy gegriffen wird – auch wenn der Eigenwert dieser Platte endgültig auf den Nullpunkt sinkt. So mancher Song geht dann auch fast in Ordnung, wenn nicht anschließend die volle Überdosis 80er-Klischee erneut ausholen würde ... Wenigstens hatte die Promo-CD Erbarmen und ersparte dem Rezensenten aufgrund von Pressfehlern die letzten beiden Tracks. Sowas kann Leben retten. (maw)

 Appareil: Judas Kiss

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Blacknuss: Made In Sweden
(1995, BMG 74321.24745.2 )

Oktober 1991: Im Stockholmer Jazzclub »Fasching«, wo früher Ornette Coleman, Eddie Harris oder Maceo Parker Pionierarbeit in Sachen Jazz und Soul leisteten, fand eine »Blacknuss-Night« statt, bei der sich einige der profiliertesten Funk-Spezis Schwedens trafen, jammten und verdammt viel Spaß hatten. So viel, dass dieses Procedere einmal wöchentlich wiederholt wurde und 1994 so ausgereift war, dass die Blacknuss Allstars ins Studio marschierten.

»MADE IN SWEDEN« lieferte einen der hörenswertesten Beiträge in der damals brandenden Acid-Jazz-Welle und spannte einen stilistischen Bogen von Marvin Gaye über Shaggy und Mary J. Blige bis hin zu James Brown, Maceo Parker und George Clinton. Die Truppe, bei der besonders die Sängerinnen Lisa Nilsson und Jennifer Brown sowie der junge Esbjörn Svensson am Werk waren, groovt und schwitzt, swingt und rapt einfach prachtvoll. Wo Blacknuss auftreten, lösen sich wegen Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Tapeten von den Wänden ... (lha)



Mehr CDs von Blacknuss



Siehe auch:
Verschiedene: Totally Wired
Lisa Nilsson

Esbjörn Svensson


 Blacknuss: Made In Sweden

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Boeoes Kaelstigen: Overcomes Love, Time & Space
(2015, Adrian Recordings)

Etwas weniger ist mehr: Das ist eine Lektion, die Boeoes Kaelstigen instinktiv verstanden haben. Die Band um die beiden Masterminds Leo Nathorst-Böös und Tor Rauden Källstige bewegt sich souverän im Club-Zwielicht zwischen Techno und House und zelebriert dabei lustvoll ihre Bessenheit mit schmachtenden Synthie-Sounds im klassischen Vangelis-Stil. Kein Wunder also, dass Emotionen in Cinemascope das zweite Album »OVERCOMES LOVE, TIME AND SPACE« prägen. Die Stockholmer schaffen es gleichwohl, eine Atmosphäre eleganter Coolness entstehen zu lassen. Feine Zwischentöne sind das neue Laut!

Gehobener Herzschmerz und sanft angeknackste Seelen - wie könnte man diese ambivalenten Gefühle besser inszenieren als mit schwebenden weiblichen Vocals? Die Schweden zeigen hier ein ausgesprochen feines Händchen für Gastmusikerinnen. Im bittersüßen »Any Higher« darf etwa Gastsängerin Asha Ali als Heroine im discokugelglitzernden Balladen-Modus glänzen. Von lauten »hier kommen wir!«-Attitüden halten Boeoes Kastigen absolut nichts. Inspiriert wurde das Album übrigens von einem Berlin-Aufenthalt der Musiker. Der Albumtitel ist von der Kupferarbeit »Der Mensch überwindet Zeit und Raum« an einem der Hochhäuser am Alexanderplatz inspiriert. Ost-Dekadenz als Namensgeber, nicht schlecht! Heimliche Höhepunkte sind hier aber die elaboriert pulsierenden Instrumentaltracks wie »Damn«, die das kühle Glück suchen und finden. (emv)

 Boeoes Kaelstigen: Overcomes Love, Time & Space

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Axel Boman: Family Vacation
(2013, Studio Barnhus /Word & Sound BARN 018 CD/LP )

Wer sein Label »Kinderhaus« und sein Debütalbum »Familienurlaub« nennt, zudem im (laut Presseinfo) »ruhigen und friedlichen Stockholmer Vorort Gröndal« lebt, verspricht nicht gerade düstere Hardcore-Techno-Partymucke. Doch in welches Genre Axel Bomans entspannte Pluckermusik einsortiert werden muss, lässt sich auf Anhieb schwer beschreiben. Da kann man fast von Glück reden, dass auf dieser Webseite alles simpel in die Schublade »Beats« gesteckt wird.

Der Absolvent der Göteborger Kunsthochschule Valand verwöhnt uns mit einer Vielzahl an Stilelementen, von denen der konstant federnde House-Bass mit Dub-Note das markanteste sein dürfte. Tracks wie »Fantastic Piano« geizen nicht mit schönen Effekten auf zahlreichen Spuren, jamaikanische Echo-Sounds tanzen ums Piano, bis sogar Field Recordings von Vögeln das Ende einleiten. Trotz der Vielzahl an Einfällen und Zutaten überreizt der gelernte Koch den bunten Kosmos nur selten; vielmehr freut man sich über diesen entspannten, ungewohnt heiteren Mix zwischen Deep House, NeoDisco und loungigem R&B, der gleichermaßen im Club wie im Wohnzimmer überzeugt. Ob das alles über 13 Tracks, über fast 70 Minuten trägt, hängt wohl von der Tageslaune des Hörers ab; doch kann man sich bei Bedarf natürlich gerne die Rosinen rauspicken, zum Beispiel die achteinhalb Minuten kurze House-Pop-Nummer »Hello«. Ein gelungener Showcase. (ijb)

Axel Boman: Family Vacation

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Bulgur Brothers: Smoothie Man
(2006, Sunset Diskos SUNSET004-2 )

Wikipedia weiß Rat: Bulgur ist ein vorgekochter, getrockneter, geschnittener Weizen, der vor allem in der Küche des Vorderen Orients seine Verwendung findet. Schade ist, dass das Debüt der drei Schweden nicht gleichermaßen eine bissfeste Angelegenheit ist. Aber schön der Reihe nach.

Mikael Stavöstrand, Andreas Tillander und Johan Skugge sind die Bulgur Brother – und obendrein in der elektronischen Szene als Solokünstler präsent. Nach einer ersten gemeinsamen EP präsentieren sie nun ihren Entwurf von zeitgemäßem Tech-House. Dabei geht es partout schnörkellos zu. Fast klassisch wird sich durch die neun Tracks geprescht, wobei die Beats ein wenig den Punch vermissen lassen und auch die Abwechslung ins Hintertreffen gerät. Zwischen epischen Weitblicken und kurzfristiger Hektik, wird selbst die gutgelaunte Funkiness von der Spröde ins Abseits verdrängt. Die extra beigefügte Bonus-CD ergänzt das Werk um einen extralangen Livetrack, der aber das Ruder leider auch in Ruhe lässt. (maw)



Siehe auch:
Skugge & Stavöstrand
Johan Skugge


 Bulgur Brothers: Smoothie Man

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